Skip to content

Month: April 2011

Und jetzt: ein bisschen Eigenwerbung

Bei Käse, Fleisch und Brot mit bekannten Bernerinnen und Bernern plaudern: Das können Leserinnen und Leser am BZ-Stammtisch an der BEA.

Für Gesprächsstoff, Verpflegung und Unterhaltung ist gesorgt: Der Einladung der Berner Zeitung, sich an der BEA für eine Stunde mit Leserinnen und Leser zu einem Zvieriplättli in lockerer Runde an den Stammtisch in der Halle «Genuss und Tradition» zu setzen, folgen Berner Persönlichkeiten und «Normalsterbliche» mit Freuden.

Folgende Prominente haben ihre Teilnahme am BZ-Stammtisch zugesagt:


29. April: Reto Nause (Sicherheitsdirektor der Stadt Bern)


30. April: Jimy Hofer (Broncos-Chef und Stadtrat)


1. Mai: Samuel Leuenberger (Grossrat und Präsident des Vereins Region Emmental)


2. Mai: Barbara Egger-Jenzer (Energie-, Verkehrs- und Baudirektorin des Kantons Bern)


3. Mai: Otmar Deflorin (Kantonschemiker)


4. Mai: Marc «Cuco» Dietrich (Ex-Peter, Sue & Marc)


5. Mai: Polo Hofer (Mundartrock-Legende)


6. Mai: Ruedi Zesiger (Geschäftsführer der SCL Tigers)


7. Mai: Bidu Zaugg (Fussballtrainer-Legende)


8. Mai: Beatrice Simon (Finanzdirektorin des Kantons Bern).

Einige wenige Plätze für die von BZ-Chefredaktor Michael Hug und Redaktor Johannes Hofstetter moderierten täglichen Stammtischgespräche sind noch frei. Wer bei offener Themenwahl frisch von der Leber weg mitdiskutieren möchte: Mail oder Anruf genügt.

BZ-Zvieri am BZ-Stammtisch an der BEA: Vom 29. April bis am 8. Mai, täglich von 15 bis 16 Uhr. Ort: Festhalle «Genuss und Tradition», BZ-Stand Nr. 006. Die BZ offeriert den jeweils fünf Gästen ein Zvieriplättli.

Anmeldungen nimmt anita.mischler@espacemedia.ch entgegen. Unter 031 330 34 81 sind auch telefonische Reservationen möglich.

Blaue Wunder im Grünen

Eigentlich wollte ich nach meinem Frühlingsspaziergang durch die Burgdorfer Natur nochli öppis schreiben; wo ich war, zum Beispiel, oder wie es da ausgesehen hat.

Aber irgendwie finde ich: Dafür brauchts keine Worte.

Und überhaupt: Je weniger Leute diese wunderschönen Plätze kennen, desto besser.

“Wää!” und “Wow!”

Jetzt mal Hand aufs Herz: Welcher Bahnhof ist der schönere:

Der gerade für knapp 30 Millionen Franken umgebaute “Verkehrsknotenpunkt der Schweiz” in Olten, den heute noch jedes Schulkind mindestens einmal offiziell gesehen haben muss, auch wenn die Lehrer mit den Kids genausogut einen Stollen in einem Kohlekraftwerk besichtigen könnten…

…oder das kleine, aber feine und fast schon idyllische Schienenparadiesli in Burgdorf:

?

Hasch mich

Ich war jung und brauchte das Geld für ein Töffli. Deshalb arbeitete ich in den Sommerferien für ein paar Wochen in der Confiseriefabrik Halter in Beinwil am See.

Deren bekanntestes Produkt war (und ist)

das Haschi-Bonbon,

“ein vorzügliches Linderungsmittel bei Husten und Katarrh”.

“Haschi” steht für “Halter & Schillig”. So hiessen die Herren, die 1907 in Beinwil die “1. Zuckerbäckerei-Manufaktur der Schweiz” gegründet hatten. Bei Leuten, die das nicht wussten, führte der Markenname bisweilen zu Irritationen: Haschisch galt in meiner Teenagerzeit – den “Kindern vom Bahnhof Zoo” seis gedankt – als gefährlichste Droge der Welt; mindestens.

Nun: “The times, they are a-changin‘”, singen Bob Dylan (auf dessen

Konzert in Sursee

ich mich übrigens sehr freue), Phil Collins und viele andere. Das Fabrikgebäude, in dem ich damals tonnenweise Täfeli in Tüten packte, steht zum Verkauf. Haschen ist gesellschaftlich längst akzeptiert und entsprechend out.

Und wer “Haschi” unbedingt mit dem berühmt-berüchtigten Kraut assozieren will, darf das inzwischen tun, ohne gleich eine Klage wegen Rufschädigung zu riskieren:

Herzig – herziger – am herzigsten – Lupo

Natürlich: Du sollst nicht stehlen, besonders nicht an Ostern, und auch überhaupt immer nie.

Aber jetzt…jetzt ist das etwas anderes. Denn seit gestern gibt es in der Familie von meiner Kollegin Franziska Egli einen kleinen Hund, Cane heisst er, was Italienisch ist und auf Deutsch “Hund” heisst Lupo heisst er jetzt auf einmal, was Lateinisch ist und auf Deutsch “Wolf” heisst (ich merke gerade: Ich bin ganz aus dem Häuschen), und Franziska hat ein Bild von ihm auf Facebook gestellt, und dieser Hund…also…ich wusste gar nicht dass es so herzige Tiere gibt…wobei: doch, natürlich wusste ich das, aber sooooo herzig?…und…jedenfalls musste ich das Bild von Franziskas neuem Mitbewohner einfach klauen und hier reinstellen, weil ich finde, einen solchen Schnügel können gar nicht genug Leute sehen:

Dilemmissima

Ich weiss nicht.

Einerseits hat mir Chantal, bevor sie über Ostern nach Rostock entschwand, eine Rolle “LoveHearts” geschenkt. Ich soll, sagte sie, jeden Tag eines der süssen Dinger schlucken und dabei fest an sie denken (als ob ich das nicht sowieso die ganze Zeit tun würde. Aber item).

Andrerseits: Ich habe jetzt fünf Kilo abgenommen. Wenn ich Chantals Wunsch nachkomme, bin ich in sehr absehbarer Zeit wieder so schwer als wie zuvor und riskiere, dass sie mich nach ihrer Rückkehr aus dem Hohen Nordosten nicht mehr erkennt.

Man sieht: Das Leben ist kein Zuckerschlecken.

Die leise Laute

Wer dabei war, erinnert sich bestimmt mit Freuden: Vor einem Jahr umrahmte Thomas Schall unser Mittelalteressen im Burgdorfer Schlosskeller mit seiner Laute. Wer diese selten gehörten Klänge – die in ihrer frohen Besinnlichkeit auch hervorragend zu Ostern passen – noch einmal geniessen oder neu entdecken will – voilà:

(Weitere leise Lautenpreziosen finden sich auf Youtube unter dem Stichwort “lautenist4711”)

Live aus den Bäumen

Irgendwie ist es ein kleines Wunder: Jeden Morgen, wenn ich das Fenster aufmache, höre ich ein unglaubliches Vogelkonzert.

Falls ich je daran denken sollte, von hier wegzuziehen: Ein Ohr voll davon würde genügen, um die Idee so schnell verfliegen zu lassen, wie sie gekommen ist.

Bei den Höllenengeln

Jetzt kann ichs ja sagen: Wenn ich- rein hyphotetisch hypotheth hypothet – nur einmal angenommen – nicht Journalist geworden wäre, würde ich heute als Undercover-Agent für das FBI arbeiten.

Mit meinen Tätowierungen, dem leichten Bauchansatz, dank meines messerscharfen Verstandes, meines extrem ausgeprägten Antizipationsvermögens und überhaupt, eigentlich allem, wäre ich die Topbesetzung für eine Infiltration der Hells Angels.

Wie ich dabei vorgehen würde, beschreibt der reale FBI-Fahnder Jay Dobins verblüffend präzise in seinem Buch “Falscher Engel“: Monatelang lebte er mit Hells Angels zusammen. Er begleitete sie, wohin sie auch fuhren. Er verhöhnte mit ihnen jede Frau, die ihm über den Weg lief. Er hörte sich mit ihnen “Steppenwolf”-Songs an, bis ihm die Ohren wackelten. Er beteiligte sich an ihren Partys und Schlägereien und Besäufnissen (was in der Regel ein und dasselbe ist) und fädelte für seine “Brüder” Waffengeschäfte ein. Irgendwann war er akzeptiert. Nachdem er ein Mitglied einer konkurrierenden Gang umgebracht hatte (als Beweis dafür zeigte er den Angels Bilder, auf denen ein Mensch an viel Blut und Gehirnmasse zu sehen ist), war er festes Mitglied des sagenumwobensten und wohl skrupellosesten Männerclubs dieses Planeten.
Und fühlte sich dennoch einsamer als je zuvor.

Für Dobyns wäre es ein Leichtes gewesen, sich in seinem Buch zum grossen Helden emporzustilieren. Wer die Gerüchte kennt, die sich seit der Gründung der Hells Angels (es heisst übrigens “Hells”, nicht “Hell’s”, weil die Angels davon ausgehen, dass es, je nach Typ, verschiedene Höllen gibt); wer also auch nur ein paar der Legenden gehört hat, die sich um die Hells Angels ranken, würde dem Autor jede auch noch so abstruse Erzählung abnehmen.

Doch genau darauf verzichtet der Agent. Stattdessen schildert er immer wieder, in welche Gewissensnöte er sich bringen liess und wie seine Frau und seine Kinder je stärker unter seinem Job litten, desto ernster er ihn nahm. Irgendwann fragt er sich, was seine Gattin sich schon lange fragt: Ob er noch Polizist oder bereits Hells Angel sei. Sehr zur Glaubwürdigkeit seiner Aufzeichnungen trägt auch der Umstand bei, dass Dobyns jede Menge Fehler einräumt und kein Geheimnis macht aus den Alpträumen und Ängsten, die ihn bisweilen Tag und Nacht umtrieben und die ihn schliesslich zu Mitteln greifen liessen, die ihn ebenso stark wie gleichgültig machten: Alkohol und Tabletten.

“Falscher Engel” ist ein Buch, das man einmal zur Hand nimmt und erst wieder weglegt, wenn man ganz sicher ist, dass es darin nun wirklich keinen ungelesenen Buchstaben mehr hat. Sensiblen Gemütern ist es eher nicht als Bettlektüre zu empfehlen. Aber es erlaubt einen Einblick in eine Welt, zu der nur sehr, sehr wenige Menschen Zutritt erhalten; und Polizisten schon gar nicht. Es sei denn, sie nehmen ihr Ziel mit einem derartigen Ehrgeiz und Willen zur Selbstaufgabe in Angriff, dass sie, wenn sie endlich am Ziel sind, nur noch einen Wunsch haben: zu sterben. Und damit: Alles zu vergessen.