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Monat: Mai 2013

Man at work

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„Lass nur!“, sagte Fred vor zwei Stunden leicht gereizt zu Linda. „Die paar Liegestühle kann ich auch alleine aufstellen.“

(Fotografiert im Londoner Hyde Park. Vielleicht hat das gar nicht Fred angerichtet. Möglicherweise handelt es sich um eine Installation und damit um Kunst.)

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…und niemand hat die Sultans vermisst

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Genauso, wie in der Natur der Tag auf die Nacht folgt, geht an Konzerten von Mark Knopfler „Romeo and Juliet“ in „Sultans of Swing“ über. Das war schon immer so, und das hätte nach Ansicht von Knopflers Fans auch für immer so bleiben können.

Als der Sänger und Gitarrist am Dienstagabend in der Londoner Royal Albert Hall „Romeo and Juliet“ ausklingen und sich seine rote Fender-Gitarre umhängen lässt, geht das Auditorium folglich fest davon aus, dass es jetzt gleich losgehen würde mit „You get a shiver in the dark It’s raining in the park but meantime“ und, später, einem der berühmtesten Gitarrensolos aller Zeiten:

Aber oha: Die Sultans swingen weder nach „Romeo and Juliet“ noch irgendwann später. Der Hit, der wesentlich mit dazu beigetragen hatte, dass Knopflers damalige Band, die Dire Straits, zu einer der grössten Bands der 80er Jahre avancierten, erklingt nicht.

Und etwas vom Erstaunlichsten an diesem an Erstaunlichem gewiss nicht armen Abend in der heiligen Halle der klassischen und zeitgenössischen Musik ist: Niemand scheint die Sultans zu vermissen; am allerwenigsten fehlen sie vermutlich ihrem Schöpfer selber.

Stattdessen bieten Knopfler und seine perfekt harmonierende Band eine umfassende Übersicht auf ihr neues Doppelalbum „Privateering“. Dazu gibts mit „What it is“, „Hill Farmer’s Blues“, „Seattle“ oder „Brothers in arms“ Perlen aus früheren Werken des 64jährigen Schotten, der offensichtlich nicht im Traum daran denkt, dieses Konzert als Egotrip zu gestalten.

Denn mittendrin, als die Dinge längst zünftig ins Rocken und Rollen gekommen sind, holt er Ruth Moody auf die Bühne. Die junge Kanadierin mit der Engelsstimme hatte mit ihrer eigenen Band schon das Vorprogramm bestritten und mit Knopfler auf „Privateering“ zusammengearbeitet. Nun darf sie sich noch einmal vor einer ganz grossen – und sehr, sehr dankbaren – Zuhörermenge präsentieren.

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Bis kurz vor Schluss hält es das mit britischer Gelassenheit lauschende Publikum auf den rotgepolsterten Sitzen. Doch nach einem atemberaubenden „Marbletown“ und einem episch-grandiosen „Telegraph Road“ ist es mit der Coolness vorbei: Auch das Seniorenpaar direkt hinter uns erhebt sich, um einem fantastischen Musiker und dessen überwältigenden Melodien stehend applaudierend die Ehre zu erweisen.

Aber ehrlich gesagt: Mark Knopfler bräuchte sich gar nicht so grosse Mühe zu geben. Er würde das Volk auch mit einem Medley aus Trio Eugster-Heulern begeistern. Denn ein Konzert in der Royal Albert Hall – das ist nicht „nur“ die Musik. Das ist auch die Ambiance, das ganze Drumherum und der Hauch der Geschichte, der durch jede Ritze in dem 1871 eröffneten Prachtgebäude im Herzen von London wabert.

Mein Schatz hat vor dem Konzert und während der Show einige Stimmungsbilder geschossen:

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Lange Fahrt und kurze Weile

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Das werde ein bisschen dauern, sagte der Taxifahrer, nachdem wir im Flughafen Heathrow in seinen Wagen gestiegen waren, und ihm gesagt hatten, wir würden gerne zu unserem Hotel im Londoner Stadtteil Euston gefahren werden.

Kein Problem, antworteten wir, und machten es uns im Fond des schwarzen Cab bequem.

Kaum hatten wir das Airoportgelände hinter uns gelassen, fragte der Fahrer, woher wir kommen, worauf wir antworten, „from Switzerland“, und anfügten, aus der Nähe from Berne, was er mit einem „Ah! Switzerland!“ quittierte; da fliege er hin, im Juni, um mit seiner Frau in Zermatt den 30. Hochzeitstag zu feiern, wobei: es müsse auch nicht unbedingt Zermatt sein, ob es in der Schweiz noch andere schöne Orte gebe.

Sicher, sagte meine Frau: Das Bernese Oberland zum Beispiel sei ebenfalls wunderbar, mit all den Bergen und dem Schnee und allem. Interessiert hörte der Fahrer zu. Dann war das Thema „Hochzeitstag“ fürs Erste durch, aber still wurde es im Taxi trotzdem nicht, denn an einer Kreuzung erblickten wir zig Fussballfans, die auf dem Weg zum Aufstiegsspiel zwischen Crystal Palace und xx waren.

Bei uns in der Schweiz, erklärten wir dem Fahrer, habe es nach dem letzten Cupfinal Ausschreitungen zwischen „Fans“ der beteiligten Mannschaften gegeben, und am Wochenende seit mitten im schönen Berne eine andere Veranstaltung wüst eskaliert.

In der Folge diskutierten wir die Auswirkungen des Alkohols auf die Gemütsverfassungen der Menschen, und unserer Fahrer berichtete bei dieser Gelegenheit, er trinke schon lange nichts Promillehaltiges mehr. Seine Frau halte sich von Wein und Bier fern, weil sie schon nach den ersten Schlucken einzunicken pflege, und eines Tages habe es halt auch ihm keinen Spass mehr gemacht, vor einem halbleeren Glas und neben einer tiefschlafenden Gattin zu sitzen. Jetzt gönne er sich lieber a cup of tea, lachte der Mann.

So ging das, bis zu unserem Hotel. Das Leben als Taxifahrer, ehemalige US-Präsidenten oder die wohltuende Wirkung von Grünanlagen in Grosstädten: Es gab praktisch nichts, war wir nicht besprochen hätten.

Am Ziel angelangt, rundete ich den fälligen Betrag vor lauter Freude über diese ebenso freundliche wie kurzweilige Unterhaltung auf den nächsten Zehner auf, worauf der Fahrer fast ein bisschen rot wurde, weil es ohnehin schon peinlich gewesen war, uns den Preis zu nennen.

Natürlich, dachte ich, als ich meinen Rucksack im Zimmer deponierte: Dieser Mann plaudert wohl mit allen Gästen über alles Mögliche. Wahrscheinlich brauchen wir uns gar nicht soviel einzubilden darauf, dass er uns einen kleinen Teil seiner zweifellos sehr umfangreichen Lebensgeschichte erzählt hat. Ziemlich sicher gibt er jedem, der hinter ihm Platz nimmt, das Gefühl, ein ganz besonderer Kunde zu sein.

Wahrscheinlich hat der Mann nur seinen Job gemacht, sagte ich mir. Aber wie er das getan hat: Das war erstklassig.

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Dienst am Kunden

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Routinemässig fragte die Frau an der Rezeption den Gast beim Auschecken, ob alles in Ordnung gewesen sei, worauf der Gast sagte, „ja, klar, tiptopp“, worauf die Frau „schön“ sagte und lächelte, doch dann fügte der Gast an, „nur das mit der Nachtglocke war chli komisch. Als wir gegen 2 Uhr vom Niederdorf zurückkamen und ins Hotel wollten, fanden wir die Nachtglocke nicht. Zum Glück hat uns ihr Kollege gesehen. Er hat uns freundlicherweise die Türe geöffnet. Sonst hätten wir draussen schlafen müssen.“

Die Frau an der Rezeption versprach, sich um das Problem zu kümmen.

Kaum war der Gast weg, rief sie auf ihrem Computer das Formular „Beschwerden/Complaints/Réclamations“ auf. Unter „Anmerkungen“ tippte sie: „Gast konnte Nacntglocke nicht finden.“

Noch am selben Tag brachte der KV-Stift unter dem Hinweis „Nightbell“ einen Zettel mit der Aufschrift „PUSH HERE“ an. Dazu zeichnete er einen Pfeil, damit auch ganz begriffstutzige Spätheimkehrer sehen: Aha. Da kann man draufdrücken, und schon geht die Türe auf.

Wochenlang ging das gut. Niemand klopfte mehr mitten in der Nacht an die Glastüre, um Einlass zu begehren.

Doch eines schönen Morgens stand erneut ein Gast an der Rezeption, der es wenige Stunden zuvor nicht geschafft hatte, ins Hotel zu gelangen. Er habe die Klingel nicht gesehen, meckerte er. „Aber die ist doch angeschrieben, sogar noch mit einem zusätzlichen Pfeil“, sagte die Frau am Empfang freundlich. „Kann schon sein“, murrte der Kunde. „Aber der Abstand zwischen dem Pfeil und dem Knopf ist zu gross. So findet die Klingel ja kein Mensch.“

Also: Neues Formular. „Gast fand Nachtglocke trotz ergänzender Signalisation nicht“, schrieb die Rezeptionistin. Nach einigem Überlegen setzte sie hinter „nicht“ noch drei Pünktchen. Dann schickte sie auch dieses Papier ins Service-Department.

Wenig später klebte unter dem ersten Zettel ein zweiter. Statt noch einmal „PUSH HERE“ darauf zu schreiben (das sähe irgendwie komisch aus, fand er, so zweimal „PUSH HERE“ untereinander; vor allem die schlaueren Gäste würden sich amänd langsam fragen, für wie dumm man sie hier eigentlich hält) malte der Stift einen extradicken Pfeil aufs Papier.

Seither hat es wegen der Nachtglocke keine Beschwerden mehr gegeben.

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Stadtbilder (28)

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Easy on sunday morning: Die Stone Street Stompers setzen an der Burgdorfer Gewerbeausstellung musikalische Akzente. Die Proben, sagt Urs Lüthi (rechts) würden jeweils „sehr tiefenentspannt“ verlaufen. Und genau so klingt, was das Quintett auf der Bühne bietet: Unverkrampft spielt sich der flotte Fünfer bei nur bedingt openairkompatiblen Temperaturen eine kurzweilige Stunde lang kreuz und quer durch die Jazzgeschichte.

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News von den Oldies

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Falls jemals Ausserirdische wissen möchten, was so los ist in der Schweiz und sonst auf der Welt; worüber die Wesen auf diesem Planten reden; was sie beschäftigt; was sie aufregt oder lachen lässt – dann benötigen sie dafür keine Zeitung und keinen Fernseher und kein Radio und kein Internet.

Es genügt, wenn sie sich in einem Bahnwagen voller Senioren verstecken und die Ohren spitzen.

Ich hatte heute Morgen das grosse Vergnügen, mit einer zweidutzendköpfigen Ü70-Wandergruppe von Burgdorf nach Bern zu reisen. Der Zug hatte Lyssach noch nicht passiert, als ich schon wusste, dass man das, was „diese Scholie“ mit ihren Brüsten gemacht hat, schon noch verstehen könne, irgendwie.

Andrerseits: „Wenn d Zyt chonnt, de chonnt si. Me cha em Chräbs ned devolaufe, ond öberhoupt vor gar nüütem“, sagte eine Frau, und erntete für dieses Votum betreten-zustimmendes Nicken.

Weitere Themen in anderen Viererabteilen waren: Das „Eidgenössische“ in Burgdorf („Muesch luege: De Sämpach!“), die „Tanz dich frei“-Demo in Bern („Sesch doch guet, wenn di Jonge öppis mache.“), das Wetter („Ned zum gloube!“), eine bevorstehende Taufe plus, kaum waren wir in der Nähe der Haltestelle Wankdorf angelangt, die Ausschreitungen von Basel- und GC-„Fans“ am Cupfinal („Eifach iischpeere, de Scheffe vo dene Chaote aalüüte und de Eltere säge, si söue eri Goofe ofem Poschte abhole.“).

So ging das, fast eine halbe Stunde lang. Obwohl die Geschichten so unterschiedlich waren wie die Ansichten dazu, gab es unter den Oldies nicht ein einziges Mal Streit. Man hörte einander zu, liess einander ausreden und schwieg, wenn man merkte, das man zu diesem oder jenem Punkt nichts zu sagen hat.

Und: Niemand steckte sich Kopfhörer in die Ohren, niemand brüllte ins Handy, und kein Mensch schien sich daran zu stören, dass mitten in dem – wie sich erst beim Aussteigen zeigte – für diese Gruppe reservierten Wagen seit der Abfahrt in Burgdorf jemand sass, der gar nicht dazugehörte.

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Von einem, der nur den Frieden haben wollte

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„Für Ribeah,
Liebe Grüsse,
John Lennon
Yoko Ono
1980“

Diese Worte waren vermutlich die letzten, die John Lennon zu Papier gebracht hat. Die Schrift auf dem Zettel war kaum trocken und Ribeah zweifellos immer noch im Siebten Himmel, als Mark David Chapman – der am Nachmittag dieses 8. Dezember 1980 ebenfalls ein Autogramm des Musikers ergattern konnte – den ehemaligen Beatle mit fünf Kugeln erschoss.

Drei Jahrzehnte später findet sich die achtlos hingekritzelte Notiz, zusammen mit unzähligen weiteren Briefen, Gedichten und Postkarten im Buch

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„The John Lennon Letters – Erinnerungen in Briefen“

wieder.

In einer unvorstellbaren Kleinarbeit hat der britische Journalist und Autor Hunter Davies – der Verfasser der einzigen autorisierten Beatles-Biographie „A hard day’s night“ – zusammengetragen, was Lennon während seines nur 40 Jahre währenden Daseins an Freunde, Ehefrauen, Fans, Familienmitglieder, Geschäftspartner, Geliebte, Konkurrenten und Kritiker geschrieben hatte.

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Philosophische Reflexionen („Die einzige Möglichkeit, allen Menschen eine bestimmte Botschaft zu vermitteln, besteht darin, sie bekannt zu machen – wir leben im 20. Jahrhundert. Meinst Du nicht, auch Jesus würde im Fernsehen auftreten, wenn er heute lebte?“) wechseln sich ab mit wütenden Reaktionen („Was glaubst Du denn, wer Du bist? Was weißt Du überhaupt?“), humoristischen Geistesblitzen („Wer zu spät kommt, hört oft nicht mehr gut“) und verbalen Angriffen auf seinen früheren Bandkumpel Paul McCartney und dessen damalige Ehefrau Linda („Ich hoffe, ihr begreift, wie viel Scheisse ihr und meine anderen Freunde auf Yoko und mir abgeladen haben, seit wir zusammen sind.“)

Dazu kommen Einkaufslisten („1. Skandinavisches Knäckebrot mit Kleie. 2. Esotts Himbeermarmelade. 3. Brot. 4. Sesambutter“), Liedfragmente, Antworten auf Fragebögen, Aufträge ans Personal („Schicke Y. Os Mutter (verspätet) ein paar Blumen zum Muttertag“), Anweisungen für Lieferanten („Bring das ganze Zeug hier rein, d.h. Lautsprecher und Tonbandgerät“), Zeichnungen, Skizzen und Karikaturen.

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Wer beginnt, in diesem Wort-Schatz zu wühlen, merkt schnell: John Lennon war weder der Heilige, als den ihn Millionen von Anhängerinnen und Anhängern verklärten, noch der Revoluzzer, als den ihn Teile der Regierung seiner Wahlheimat USA fürchteten.

Vielmehr war er tief in seinem Innersten ein in jeder Hinsicht harmoniesüchtiger Familienmensch, dem sein Status als Superstar eher suspekt war und der die Dinge selten ernster nahm, als sie waren. Den Frieden zu haben war alles, was er sich für sich und die Welt sein kurzes Leben lang wünschte. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Art und Weise, wie er seine Briefe abschloss: Auch das gehässigste Pamphlet – wie die erwähnte Tirade an die Adresse von Paul und Linda McCartney – endet mit versöhnlichen Worten wie „Trotz alledem: Alles Liebe für Euch beide von uns beiden.“

Aller finanziellen Sorgen enthoben, hätten John Lennon und Yoko Ono ihre Zeit mit Nichtstun verbringen können. Stattdessen arbeiteten sie rast- und ruhelos an verschiedensten Projekten. Ein Grossteil dessen, was Lennon umtrieb, ist in den „John Lennon Letters“ fast lückenlos dokumentiert.

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Die Rettung der Welt war dem Künstler ein ebensogrosses Anliegen wie das Wohl und Wehe seiner Tante Mimi (und zig anderer Verwandter) im fernen England. Daneben kümmerte er sich um seine Geschäfte, korrespondierte er mit Wildfremden und versuchte er, ein ganz normales Lebens als Ehemann und Vater zu führen.

Das alles unter einen Hut zu bringen, war letztlich jedoch auch einem John Lennon unmöglich. Irgendwann mochte er nicht mehr vom Morgen früh bis spät in der Nacht im Hamsterrad laufen. In „Watching the wheels“, das er für das Album „Double Fantasy“ komponiert hatte, liess er die Welt wissen, was er von diesem ewigen Getriebensein hält. Und wie er den Rest seines Lebens zubringen werde:

„People say I’m crazy doing what I’m doing.
Well they give me all kinds of warnings to save me from ruin
When I say that I’m o.k. they look at me kind of strange,
surely your not happy now you no longer play the game.

People say I’m lazy dreaming my life away.
Well they give me all kinds of advice designed to enlighten me.
When I tell that I’m doing Fine watching shadows on the wall,
don’t you miss the big time boy you’re no longer on the ball?

I’m just sitting here watching the wheels go round and round,
I really love to watch them roll.
No longer riding on the merry-go-round,
I just had to let it go.

People asking questions lost in confusion.
Well I tell them there’s no problem,
only solutions.
Well they shake their heads and they look at me as if I’ve lost my mind,
I tell them there’s no hurry,
I’m just sitting here doing time.

I’m just sitting here watching the wheels go round and round,
I really love to watch them roll,
No longer riding on the merry-go-round,
I just had to let it go.“

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Selber schuhld

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(Optische Täuschung: Meine neuen Schuhbändel sind nicht blau, wie man aufgrund dieses Bildes vermuten könnte, sondern schwarz. Eigentlich sollten sie aber braun sein.)

Guten Abend!

Grüessech! Wie kann ich Ihnen helfen?

Ich brauche nur Schuhbändel.

Ou. Die lassen wir grad auslaufen, weil…

…das ist doch wunderbar! Dafür sind Schuhbändel ja da.

Wie meinen Sie?

Zum Auslaufen.

Ach so. Ja….eben…wir haben nur noch die da. (Deutet auf die da). Was fürttigi brauchen Sie?

Ich weiss nicht genau. Schwarze.

Schwarze haben wir hier…und welche Grösse?

Keine Ahnung. Für Halbschuhe. Mit vier Löchern. Also links und rechts. Also acht Löcher. An einem Schuh.

Acht…Moment…(kramt in der Schachtel herum)…acht…ah, ja: Hier!

Die sind aber braun.

Stimmt. Momentli…hier sind die schwarzen. Was sind das für Halbschuhe?

Braune. Dunkelbraune, so gescheckt, irgendwie.

Dann würde ich aber braune Bändel nehmen, für braune Halbschuhe.

Ich auch. Aber es waren schon schwarze drin.

Sind Sie sicher?

Ja, schon. Das heisst: Nein. Jetzt bin ich plötzlich nicht mehr sicher. Vielleicht waren sie auch braun.

Das würde ja auch besser passen.

Stimmt.

(…)

(…)

Also…hätten Sie jetzt lieber die schwarzen oder die braunen?

Die…braunen. Nein, die schwarzen. Ja. Die schwarzen.

Wie Sie wollen. Und zwei?

Nein, nur einen.

Sie meinen: Ein Paar.

Genau. Ein Paar. Zwei Bändel.

Zwei Bändel sind ein Paar; das ist schon so. Sie nehmen demfall ein Paar.

Genau.

Macht dreivierzig. Sind Sie sicher, dass Sie nicht doch noch braune nehmen wollen, wenn die Schuhe doch…

..nein, nein. Schwarz ist tiptopp.

Sie müssens wissen. So. Und einssechzig zurück.

Merci! Schönen Abend noch!

Ihnen auch! Und wenn Sie noch braune brauchen…

…ich glaube nicht. Schwarz ist schon gut.

Zehn Minuten später, daheim, mit den Schuhen in der Hand, die Erkenntnis: Braun wäre besser gewesen. Wesentlich besser. Mann sollte mehr auf die Verkäuferinnen hören.

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Stadtbilder (27)

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Im Wartezimmer des Regionalspitals Emmental in Burgdorf: Es gibt Angenehmeres, als einen Teil des Auffahrtsnachmittags im Vorzimmer eines Arztes zu verbringen. Andrerseits: Sofern der Raum architektonisch so schön gestaltet ist wie dieser, hat man wenigstens etwas zu bestaunen. Und wenn sich dann auch noch herausstellt, dass man bis auf eine Erkältung kerngesund ist, kann man fast sagen: Der Ausflug hat sich gelohnt.

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