Auf der Homeoffinsel (13)

Samstag, 13. Februar 2021, 16.10 Uhr

Zu den wichtigsten Leuten in „meinem“ Hotel gehört Eusebio. Er kümmert sich um die Sicherheit der Leute im Poolbereich – eigentlich.

Tatsächlich steht das Hotel aber nach wie vor fast leer. Ausser mir und einem weiteren Homeofficler aus dem Erzgebirge benutzt kein Mensch das Schwimmbecken. Das heisst: Eusebio passt die meiste Zeit darauf auf, dass null von null Gästen ertrinken.

Er geht dieser Aufgabe von 11 bis 18 Uhr Tag für Tag mit grosser Ernsthaftigkeit nach. Während der Arbeit trägt er lange Hosen, ein T-Shirt (oder, je nach Wetter: einen Pulli) mit der Aufschrift „S.O.S“ hintendrauf – und eine knallrote Corona-Schutzmasken; immer.

Wenn er seine Schicht beginnt, sitzt er mit seiner verspiegelten Top Gun-Sonnenbrille im Haar ganz entspannt auf dem für ihn reservierten Stuhl. Darunter stehen drei Köfferchen.

Doch ewig hält es ihn nie dort. Irgendwann schlendert er ein erstes Mal um das Becken. Diese Spaziergänge macht er am Anfang ungefähr jede halbe Stunde. Ab Mitte Nachmittag läuft er praktisch ununterbrochen im Kreis, wie früher die unterbeschäftigten Eisbären in den Zoos, nur ohne Zaungäste, die ihm Pinguine zuwerfen.

Ohne sein Handy würde Eusebio die langen, langen Schichten kaum überstehen. Manchmal guckt er ein Fussballspiel, gelegentlich hält er einen Schwatz.

Zehn Minuten vor Feierabend verschwindet er im Keller. Dort zieht er sich um. In Zivil geht er eine letzte Runde um den Pool – während seiner Abwesenheit hätte sich schliesslich wer weiss was ereignen können – , dann verlässt er das Areal.

Manchmal frage ich mich, was er wohl seiner Freundin antwortet, wenn sie ihn am Abend fragt, „Und? Wie war dein Tag, Schatz?“

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