Auf der Homeoffinsel (23)

Dienstag, 23. Februar 2021, 15.30 Uhr

Die Aufräumarbeiten gehen weiter: Seit Corona vor knapp einem Jahr ausbrach, löschte ich rund 70 Personen von der Liste meiner Facebook-Freundinnen und -Freunde. Nun spickte ich zusätzliche zwei Dutzend Online-Bekanntschaften furt vo da.

Die einen behaupten nach wie steif und fest, Covid-19 sei eine Grippe, die der Bundesrat dazu missbrauche, die Schweiz in eine Diktatur zu verwandeln.

Sie tun in aller Öffentlichkeit ihre Meinung darüber kund, dass sie ihre Meinung – ihrer Meinung nach – nirgendwo mehr kundtun dürfen.

Sie biegen sich Zahlen solange zurecht, bis sie ihre windschiefen Argumentationen behelfsmässig stützen, qualifizieren aber jede Publikation, die ihre kruden Thesen hinterfragt, als „Lügenpresse“ ab.

Sie wissen im Nachhinein alles besser, doch wenn man sie um konstruktive Ideen bittet, verfallen sie in tiefes Schweigen.

So unterschiedlich diese Menschen auch sein mögen – eines haben sie gemeinsam: mit ihnen zu diskutieren – wofür Facebook ja (auch) da ist -, bringt nichts.

Solche Leute

oder solche

und solche

brauche ich einfach nicht um mich herum, selbst wenn wir nur einen virtuellen Raum miteinander teilen.

Manchmal frage ich mich, wie es wohl sein wird, wenn wir die Pandemie halbwegs im Griff haben: bleiben diese Quer*räusper*denkenden so verblendet, verbittert und voll auf sich selber und ihre Deluxeproblemchen fixiert, oder normalisieren sie sich nadisna wieder soweit, dass man irgendwann wieder auf einer vernünftigen Basis mit ihnen verkehren kann?

Wieso ist, wo einst Humor und Hintersinn waren, soviel Hetze und Hass (wie sich das nur schon liest, dieses „Einst“; als obs vor 60 Jahren gewesen wäre)?

Die anderen teilen auf dieser Plattform kaum je eigene Worte oder Bilder, sondern beobachten immer nur, was in ihrem Umfeld so läuft.

Wenn sie alle Schaltjahre einmal doch aktiv werden, stellen sie einen aus dem Netz geklauten Gedanken

(das ist quasi das Ur-Sprüchli)

oder die neuste Videobotschaft eines freischaffenden Podologen aus Gelsenkirchen auf ihre Seiten.

Dieser Mann kennt jemanden, der einen Cousin hat, dessen Sohn einmal beinahe mit einer Medizinstudentin hätte ausgehen können, und weiss deshalb Bescheid über die Viren und das Desinfiszieren und alles (nächste Woche auf diesem Kanal: weshalb die Mainstream-Medien sich weigern, über die sicher nicht zufällige Tatsache zu berichten, dass „Regierung“ und „R-Wert“ mit demselben Buchstaben beginnen. Spoiler: weil Chefredaktorin Angela Merkel das so will).

Alain Berset sprach im Zusammenhang mit den Covid-Mutationen von einer „Pandemie in der Pandemie“. Ich entdeckte hier gerade den „Abstand im Abstand“: aus 4000 Kilometern Entfernung fiel es mir noch leichter, gspässig-gfürchige Typinnen und Typen loszuwerden, als es mir zuhause gefallen wäre.

Von wo aus ich diese Zeitgenossinnen und -nossen aus meinem Leben putzte, dürfte für die Betroffenen keine Rolle spielen. In ihren mit Verschwörungstheorien zutapezierten geistigen Tunneln bekommen von der Aussenwelt ohnehin kaum noch etwas mit.

Abgesehen davon gilt, was Miguel, einer der drei Männer von der Rezeption, sagte, als ich mich mit ihm über das Virus und dessen Auswirkungen auf Gran Canaria im Allgemeinen und ihn persönlich im Besonderen unterhielt.

„Weisst du, was das Gefährlichste an Corona ist?“, fragte er.

„Das hier“, antwortete er sich selber, und zeigte auf sein Handy.

2 Kommentare

  1. „Die anderen teilen auf dieser Plattform kaum je eigene Worte oder Bilder, sondern beobachten immer nur, was in ihrem Umfeld so läuft“ – über söttigi Mönsche rege ich mich noch fast mehr auf als über die unbegreiflichsten aller Dummschwätzer.

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