Auf der Homeoffinsel (48)

Sonntag, 28. März 2021, 7.15 Uhr

Kleine Uhrsache, grosse Wirkung: auch auf Gran Canaria wurde die Zeit in der Nacht auf heute um eine Stunde vorgestellt.

Das ging hier nicht so einfach vonstatten wie in meiner eigentlichen Heimat, weil den Spanierinnen und Spanierinnen eine Eselsbrücke fehlt, über die sie vom Winter in den Sommer spazieren können.

In der Schweiz ist das ja kein Problem: wer sich an die Regel „im Früelig vürschi, im Herbscht hingersi“ hält, läuft nicht Gefahr, sich auf einmal in der falschen Jahreszeit zu befinden.

Der Spanierinnen und Spanier hingegen müssen sich intellektuell ungleich mehr anstrengen, um derlei zu vermeiden: „Primavera adelante“ funktioniert ebensowenig wie „Otoño hacia atrás“.

Ihnen bleibt deshalb nichts anderes übrig, als erst einmal nachzudenken. Für uns Hotelgäste hat das Konsequenzen:

Bevor die Zusammenhangskeptikerinnen und -skeptiker ihre selig schlafenden Bébés aus den Wiegen reissen, um mit ihnen auf dem Bundesplatz gegen dieses gewiss von Herrn Perse finanzierte Lügenmedium andemonstrieren zu gehen, versichere ich ihnen in deeskalierend gedämpften Tonfall: das eine hat durchaus mit dem anderen zu tun, denn es hat immer alles miteinander zu tun.

Diese These erhebe ich mit derselben Leichtigkeit in den Stand einer Tatsache, mit welcher der Sturm, der vorgestern über die Insel fegte, einen ausgewachsenen Sonnenschirm samt Liege im Hotelpool versenkte, und zwar:

Der zweite und letzte Buchstabe von Davos und Maspalomas sind ein ‚a‘ und ein ’s‘; in beiden Namen kommt in der zweiten Hälfte ein ‚o‘ vor. Das Bündner Dorf und die spanische ciudad leben grösstenteils vom Tourismus. Hier wie dort ragen Berge in die Höhe, scheint häufig die Sonne und kommt oft Fisch aus nahen Gewässern auf den Tisch. 

Falls sich nun jemand, der gerade dabei ist, den XXL-Kinderwagen samt hochtourig brüllendem Inhalt in den Schnellzug Burgdorf-Bern zu hieven, bemüssigt fühlen sollte, keuchend einwenden zu müssen, dass all diese Parallelen auf Zufällen beruhen könnten, würde ich gönnerhaft (und, die Hände in den Hosentaschen versenkt, interessiert weiter beim Einladen zuschauend) einräumen: ja, natürlich wäre das denkbar. 

Nur: An welchen zwei Orten habe ich meine letzten Ferien verbracht?

Eben.

Und: wo wollte damals und will jetzt nie jemand mit mir jassen?

Genau. 

Es ist schon erstaunlich, wie Tausende von Kilometern voneinander entfernt liegende Lebensräume, die auf den ersten Blick nichts eint, sich bei genauerem Hinsehen genauso ähneln wie die Zwillinge von Roger und Mirka Federer.

Damit liegt auch das letzte Glied der Argumentationskette so schwer ignorierbar vor uns wie ein totes Nilpferd im frischgemachten Bett: zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Menschen gehört sowohl in Davos als auch in Maspalomas das Tennisspielen.

Aber – es kommt noch stichhaltiger:

Wenn man 3 Buchstaben des aus 6 Lettern bestehenden Begriffs „Covid“ woanders platziert, einige weglässt und dafür ein paar neue hinzufügt, kommt dabei „Microsoft“ heraus.

Microsoft wurde, wie ich mit meinem Macbook ergoogelte, von Bill Gates gegründet. 

„Gates“ rückwärts ergibt „setaG“ und folglich keinen Sinn (ausser, man ersetzt das „e“ durch ein „a“ und das „G“ durch ein „N“, aber das würde jeder Erstlehrjahr-Jurist als zumindest grobfahrlässiges Herumfummeln an Beweismitteln taxieren).

Sehr wohl Sinn ergibt hingegen: das Wort „Microsoft“ setzt sich aus dem wichtigsten in Bundeskanzlerin Angela Merkels Leben zusammen. Als sie noch Wissenschaftlerin war, gehörten Microskope zu ihrem Alltag, und soft sie kann, verbringt sie ihre Feierabende zuhause bei ihrem Mann in der Uckermark (nur am Rande: mit „u“ wie in „Virus“). Wer „Merkel“ verkehrtherum liest, kommt auf „lekreM“. Auch dieses Wort entbehrt, wie „setaG“, eines Inhalts.

Merkel und Gates mögen sich von ihren Her-, Ein- und Zukünften her also noch so unterscheiden – in einem Punkt sind sie identisch: von hinten betrachtet, fehlt ihnen jede Bedeutung.  

Das wiederum haben sie mit den Jasskretins in Davos und Maspalomas gemeinsam. Und mit diesem Text.

Was aufs Unwiderlegbarste belegt: rund um den Globus sind sämtliche Lebewesen, Dinge, Orte, und Handlungen untrennbar verknüpft, jederzeit, ob umgestellt oder nicht.

2 Kommentare

  1. Dafür, dass ich heute eine Stunde weniger schlafen konnte, hast Du heute meine Hirnzellen ganz schön gefordert!😅🤣🤔✅👏.

    Ja-haa: hier gibts nicht nur geistigen Fastfood, sondern manchmal auch etwas schwerer aufliegende intellektuelle Vollwerkost😊.

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