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Blau, aber schlau

Schauplatz: Die Burgdorfer Schmiedengasse an einem vorsommerlichen Früh-Samstagabend.

Darsteller: Der vielleicht 50jährige A, der den halben Nachmittag in einer einschlägig bekannten Beiz verbracht hat, und der etwas jüngere B, der ein paar Meter weiter mit Kollegen vor einer anderen Wirtschaft sitzt.

Ausgangslage: A schuldet B Geld. B wartet schon seit einem Weilchen auf die Rückzahlung.

A (will unauffällig am Tisch von B vorbeischlendern).

B (schiesst von seinem Stuhl hoch und schreit): Hey! Her mit dem Geld!

A (tut, als ob er nichts gehört hätte).

B (stellt sich A in den Weg. Schreit immer noch): Ich will mein Geld! Dreimal haben wir abgemacht. Alle drei Termine hast du verpasst. Jetzt längts!

A (schweigt. Guckt zu Boden und scheint sich zu fragen, ob der sich eigentlich schon immer so gedreht habe).

B (schreit weiter): Dreimal haben wir abgemacht! Dreimal!! Zeig mir dein Portemonnaie!

A (zeigt B das Portemonnaie. Kehrt es um. Nuschelt): Nichts.

B (schaut sehr böse): 50 Stutz. Ich will meine 50 Stutz!

A (vermeidet weiter jeden Blickkontakt): Ich kanns dir…nicht jetzt….aber…

B (laut): In zehn Minuten bist du wieder da. Mit meinem Geld. Ein Fünfziger. Zehn Minuten! Verstanden?!?

A (achselzuckend): Ich…

B (brüllt. Die Frage ist nicht, ob gleich seine Halsschlagader platzt. Die Frage ist, wer die Sauerei dann zusammenputzt): Aber Geld zum Spielen und Saufen hast du!

A (schwankend): Habe nicht gesoffen.

B (etwas leiser, wobei “leiser” bedeutet, dass die Leute in Freiburg nichts mehr mitbekommen): Ich habe dich gerade aus der Beiz kommen sehen. Dafür hast du Geld. Ich habe dir 150 Stutz gegeben. Die will ich zurück. Jetzt, sofort. Wir hatten drei Termine. Jedesmal hast dus verpennt.

A (sehr, sehr leise): Einen Hunderter habe ich dir schon…

B (schaltet die Hörerinnen und Hörer in Freiburg wieder zu): Und jetzt will ich die anderen 50!!!

A (kaum hörbar): Nicht gesoffen.

B (hämisch): Lauf mal ein paar Meter geradeaus. Mal sehen, ob du das schaffst.

(Kumpels von B, die das Geschehen von ihren Logenplätzen aus mitverfolgen: Höhöhö.)

A: Beginnt langsam zu gehen. Gibt sich alle Mühe, der Hauswand entlang einigermassen auf Kurs zu bleiben. Geht weiter. Und weiter. Und weiter. Biegt auf auf einmal in ein Seitengässchen ab. Ward nicht mehr gesehen.

B (kratzt sich am Kopf. Weiss nicht so recht. Starrt auf das jetzt menschenleere Strässchen vor ihm. Wendet sich schliesslich lachend an sein Publikum): Habt ihr das gesehen? Das glaub ich ja nicht. Haut einfach ab. (Bestellt noch ein Bier. Ende der Vorstellung).

Published inFragwürdigesHeimisches

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