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Category: Australisches

Besuch von gegenüber

“So kalt hatten wir in unseren ganzen Leben noch nie”, sagten Chantals Cousine Niqui Caridad und deren Freundin Tiff Batcheldor, als sie uns neulich besuchten.

Das ist kein Wunder: Wenn zwei Australierinnen Ende November durch Europa reisen, ist ein Temperaturschock programmiert. Cool, wie die beiden nunmal sind, verkrochen sie sich jedoch nicht in der Wärme, sondern fuhren mit uns nach draussen, an die Frostfront.

Am Thunersee und in Interlaken bestaunten sie die Berge (und die unzähligen asiatischen) Touristen. Beim Bummel über den Weihnachtsmarkt in der Strafanstalt Hindelbank wärmten sie sich mit Glühwein wieder auf. Dann war die Zeit in wonderful Switzerland auch schon wieder vorbei: Unsere Gäste flogen weiter nach Madrid, wos den Prognosen zufolge zwei, drei Grad wärmer gewesen sein dürfte.

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Neue Erkenntnisse und alte Gewissheiten

Dieses Bild dürfte unzählige Eltern in Erklärungsnotstände bringen: Der Samichlaus verbringt seine Freizeit nicht in einem bescheidenen Iglu am Nordpol oder in einer spartanisch eingerichteten Hütte im Schwarzwald, sondern, wie wir gestern stirnrunzelnd feststellen mussten, an einem Strand in der Nähe von Sydney.

Abgesehen davon ist der Schmutzli offensichtlich kein Mann, und was das Eseli betrifft, muss die Weihnachtsgeschichte vermutlich sowieso von Anfang an neu geschrieben werden.

Wir haben den Heiligen Abend soeben mit unserer australischen Familie gefeiert. Gleich fahren wir zum Flughafen. Um 4 Uhr geben wir das Mietauto zurück, zwei Stunden später heben wir in Richtung Dubai ab, von wo aus es dann weiter nach Zürich und Burgdorf geht.

Während ich so dasitze und mit einer Mischung aus Abschiedsschmerz und Heimweh (an dieser Stelle: Herzliche Grüsse an all unsere Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde und last, but überhaupt nicht least, Tess!) in den Nachthimmel über der Südhalbkugel starre, wird mir wie jedesmal, wenn wir diesen Kontinent verlassen, klar, dass es mit der Zeit immer dasselbe ist: Sie rast einem davon, sobald man auch nur daran denkt, sich zu wünschen, dass sie für einen Moment viele Jahre stillstehen möge.

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Kaustralische Genüsse

Zum Zmorge, zum Zmittag, zum Zvieri, zum Znacht und sehr gerne auch einfach so, zwischendurch: Australien und Tasmanien haben in kulinarischer Hinsicht endlos viel zu bieten.

Fangfrische Meeresfrüchte, butterzartes Fleisch, liebevoll zubereitete Desserts – falls das Schlaraffenland tatsächlich existiert, dann liegt es vermutlich hier, auf 25° 16′ 26.479″ S und 133° 46′ 31.411″ E.

Das genussvolle Sattwerden bereitet zu keiner Tageszeit irgendwelche Probleme. Manche Zeitgenossen scheinen allerdings gewisse Schwierigkeiten mit der korrekten Entsorgung all der Herrlichkeiten zu haben:

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Tipp für Operngucker

Aha: Die grassierende Selfie-Manie, die rund um den Globus immer mehr Touristinnen und Touristen befällt, stösst nicht nur Christoph Hunziker und vielen anderen Normalreisenden, sondern auch den Verantwortlichen der Oper von Sydney säuerlich auf.

Vor dem weltberühmten Gebäude haben sie deshalb Schilder montiert, denen zu entnehmen ist, dass es hier noch sehr viel mehr zu tun gibt (oder gäbe), als Fotos von sich selber zu schiessen.

Zu behaupten, dass die Hinweise die gewünschte Wirkung zeitigen, wäre jedoch übertrieben. Die meisten Bilder, die heute Nachmittag auf dem Platz vor der Oper gemacht wurden, zeigen im Vordergrund mindestens ein grinsendes Gesicht und viel weiter hinten – damit auf der Aufnahme auch ja alles Platz hat – das 184 Meter lange, 118 Meter breite und 67 Meter hohe Wahrzeichen Australiens.

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Petri Dank!

Austern, Garnelen, Hummer, Muscheln, Oktopusse und so weiter, und so fort: Auf dem Fischmarkt von Sydney ist alles zu haben, was das Meer an Delikatessen hergibt:

50 bis 55 Tonnen Seafood werden hier laut den Verantwortlichen Tag für Tag verkauft.

Daneben wartet eine unfassbar grosse Menge von Früchten – wenn auch oft made in China und entsprechend chemisch frisiert – auf Abnehmer.

Auch Käse gibts; sogar aus dem Berner Oberland und dem Emmental (oder so; Hauptsache, aus Schweden).

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Hackerangriff

Rettung in letzter Sekunde: Auf dem Weg zur Arbeit sah Chantals Cousin Christian gestern, wie zehn Krähen einen auf der Strasse liegenden jungen Lori attackierten. Kurzentschlossen steuerte er auf den Mob zu, worauf die schwarzen Vögel von ihrem Opfer abliessen.

In den letzten 24 Stunden konnte sich der Papagei in einem Käfig auf der Terrasse von Christians Haus von dem Angriff erholen. Er trinkt, frisst, turnt an den Gitterstäben herum und meckert lautstark, wenn man sich ihm nähert.

Für Christian und seine Familie stellt sich damit bald die Frage: Behalten oder freilassen? Einerseits wärs natürlich schon schön, einen solch bunten Prachtskerl immer in der Nähe zu haben.

Andrerseits: Vermutlich hat Versace – so heisst er seit Neustem, und passt damit bestens zu Chanel, dem Hund, und Thommy Hilfiger, der Katze, die an der selben Adresse wohnen – Eltern und Geschwister, die sich auf einem Baum in der Nähe bange fragen, wann der Kleine wohl endlich nach Hause kommt und wie es ihm geht.

Wir fahren morgen zurück in die Stadt – nicht unglücklich darüber, uns elegant um diese Entscheidung drücken zu können.

Nachtrag, vier Tage später: Versace hat seinen Käfig noch nicht verlassen (können). Seine Schwanzfeder sei noch zu kurz, teilt sein Pfleger auf Zeit mit, und ergänzt: “Right now he is just cat food if outside the cage.”

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Wie es sein sollte

Sonntag, 18. Dezember, 14.32 Uhr südostaustralischer Zeit: In einer Woche sitzen wir in einem Flugzeug, das uns erst nach Dubai und dann nach Zürich bringen wird, wo wir nach einer dreissigstündigen Reise am Abend desselben Tages landen werden, an dem wir achtzehn Stunden zuvor gestartet waren.

Das ist nicht nur ziemlich strange, wie der Australier sagen würde, sondern, vor allem: sehr schade. Die Tage, die wir zu Zweit in Tasmanien und mit Familienmitgliedern auf einer winzigen Streifen dieses gigantischen Kontinentes verbrachten, rasten und rasen nur so vorbei. Kaum haben wir uns beim Zmorge überlegt, was wir in den nächsten Stunden unternehmen könnten, verdauen wir das Znacht.

Im Moment höcklen wir bei Chantals Cousin Christian auf der Terrasse vor seinem Haus in einem Aussenquartier von Sydney. Auf dem Wiesli nebenan räckelt sich eine Echsenfamilie in der Sonne. Ein mildes Lüftchen zeichnet Kringel auf das Wasser im Pool, im Radio besingt Sade ihren „Smooth Operator.“

Kurz: Es ist alles, wie es sein muss, und doch…

…aber mir wei nid grüble (wie der Australier garantiert nie sagen wird).

„Jump!“, singen jetzt die Pointer Sisters. Ich nehme das als Aufforderung, kurz ins Wasser zu hüpfen. Bin gleich zurück.

Oder auch ein bisschen später.

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Rafflegierig

Zu den beliebtesten Vorweihnachtsbeschäftigungen gehört in Australien das Rafflen.

Rafflen geht so: Man kauft eine beliebige Anzahl Nummern, setzt sich mit wildfremden Leuten an einen der vielen Tische und lauscht anderthalb Stunden lang einer Ansagerin, die in einem Fort Preise und Nummern herunterbetet.

Die Zahlen werden auf grossen Bildschirmen angezeigt. Wer eine der Chiffren auf seinem Zettel entdeckt, geht so cool wie möglich zum Gabentempel und lässt sich den Gewinn in Form einer Fleisch-, Seafood- oder Gemüseplatte aushändigen.

(Falls jetzt jemand, leicht verärgert darüber, für nichts und wieder nichts soviel Lesezeit verschwendet zu haben, murmelt, “Kurz gesagt: eine Tombola.”, kann ich nur sagen: Stimmt eigentlich.)

Mein Schatz und ich raffleten heute Abend mit unserer Cousine Jade in einem katholischen Club in Sydney, wobei: Ganz so einfach, wie das klingt, wars nicht – natürlich nicht: Spielen ist auch Down Under eine todernste Sache. Bevor wir den Ort des Geschehens betreten durften, mussten wir uns – wie schon bei Chantals Geburtstagsessen im schicken Ruderclub von Sydney (besonders empfehlenswert: Die Tintenfischringe, alles Lammige und das schottische Filet mit Röschti) – als Vereinsmitglieder eintragen.

Die Registrierung ging erwartungsgemäss nicht ohne für Aussenstehende kaum nachvollziehbare administrative Umtriebe vonstatten: Die Leute beim Eingang scannten unsere Ausweise ein, verewigten unsere Koordinaten in ihren Datenbanken und liessen uns elektronisch Antragsformulare unterschreiben.

Endlich im Allerheiligsten angelangt, erstanden wir je drei Streifen Papier à 20 australische Dollars (das entspricht aktuell ungefähr 16 Schweizer Franken) und…

…Moment…

(Neben mir rasten gerade zwei Opossums durch den Garten. Das musste ich einfach sehen.)

…harrten mit Dutzenden von zum Teil sehr gut abgehangenen Asiaten und Einheimischen der Dinge, die da kommen sollten. Bei den meisten Gästen schien es sich um Stamm-Glücksuchende zu handeln, die auf diese Weise regelmässig die Gefriertruhe füllen und dabei erst noch ganz ohne Facebook mit anderen Leuten in Kontakt kommen können. Von Aufregung war in den Reihen der Raffleroutiniers jedenfalls nichts zu spüren, als die saisongerecht mit einer rotweissen Zipfelkappe dekorierte Ansagerin ihres Amtes zu walten begann.

Die Minuten und Viertelstunden verstrichen, ohne, dass etwas für uns Bejubelnswertes passierte. Abwechselnd starrten wir auf unsere Zahlen, ins Colaglas und auf den Tisch nebenan, an dem schon fast unverschämt mehr Beute gemacht wurde als am unsrigen.

Doch just in dem Moment, in dem uns die endlose Nummernlitanei in einen tranceähnlichen Dämmerzustand zu versetzen drohte, enterte holterdiepoliter ein gemischter Chor den Raum, um zwischen den Tischen wandelnd adventlich inspiriertes Liedgut darzubieten (und Geld zu sammeln; das ging grad in einem zu).

Auch wir spendeten chli Münz – und siehe: Kaum waren die Sängerinnen und Sänger abgezogen, ward unser stummes Flehen nach passenden Zahlen erhört. Erst gewann ich zwei T Bone-Steaks, wenig später nahm Chantal ein Paar Kotelettes in Empfang. Beide Preise waren mit Würsten undoder Speck angereichert. Um unser Überleben in Sydney brauchen wir uns zumindest in den nächsten Tagen also kaum Sorgen zu machen.

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Kino oder Cave – das ist hier die Frage

Als wir gestern in Sydney einfuhren, regnete es, aber alles andere wäre auch sehr überraschend gewesen, denn wenn wir nach Sydney kommen, um die Familie von Chantals Cousine Cat zu besuchen, regnet es immer; das war schon bei unserer ersten Australienvisite 2010 so und wiederholte sich 2014.

Nun ist natürlich die Frage: Was tun? Die Optionen “Bonday Beach”, “Taronga Zoo” und “Hafenbummel” fallen weg. Aber Sydney wäre nicht Sydney, wenn die Stadt nicht auch ein paar Indoor-Zeittotschlagmöglichkeiten bieten würde. Wir könnten ins Kino oder bowlen oder an ein Konzert gehen, nur: Hier sind die Filme weder Deutsch untertitelt noch sinch syntch synchor übersetzt, meine Nase schmerzt nach dem Bruch im vorletzten Sommer bei extremen Belastungen manchmal noch immer und der Gig von Nick Cave and the Bad Seeds findet erst im Januar statt.

Die Site “Viatorcom” empfiehlt zehn weitere “Dinge, die man in Sydney bei Regenwetter machen kann”, und selbstverständlich könnte Chantal auch ihr Makramee (Röhrender Hirsch vor einem Waldsee, früh am Morgen) weiterknüpfen, während ich ein bisschen blogge, aber irgendwie ist es uns unter diesen meteorolgischen Umständen und nach gut 2000 Autokilometern durch Tasmanien und der australischen Ostküste entlang genausowenig ums Aktivsein um jeden Preis wie unseren zwei vierbeinigen Mitbewohnern:

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