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Category: Kulturelles

Weltwunder und Wunderwelten

“In die USA wollt ihr? Ernsthaft?” – So und ähnlich lauteten Kommentare im Freundeskreis, nachdem ich bekanntgegeben hatte, dass wir ab dem 22. September drei Wochen lang in den Vereinigten Staaten unterwegs sein würden.

Vor 12 Monaten hätten unsere Reisepläne noch zu keinerlei Bedenken Anlass gegeben. Aber damals war noch Barack Obama Präsident. Inzwischen hat das Land einen neuen Commander in Chief – und mit ihm ein stetig wachsendes Imageproblem. Einreiseverbote für Einwohner arabischer Staaten, Rassismusvorwürfe, Bestechungsverdächtigungen, tollpatschige Aufritte, ein Ego so gross wie Disneyland undsoweiterundsofort: Trump liess in den ersten Monaten seiner Amtszeit nichts aus, um sich und seine Nation rund um den Globus in Misskredit zu bringen.

An unseren Ferienplänen konnte all das nichts ändern. Schliesslich wollten wir in erster Linie das Land und in ihm lebende Leute kennenlernen und erst in peripherer Priorität deren Chef. Dass Trump uns am Ende doch noch näher kam, als wir je erwartet hätten, war, buchstäblich, auf Gewalt von sehr viel höher zurückzuführen.

“Wir”: Das sind Monique und Josy und mein Schatz und ich. Mit dem Ehepaar aus der Zentralschweiz sind wir seit Jahren befreundet; die beiden kennen den Westen der USA wie ihre – eben: – Westentasche und waren für uns nicht nur, aber auch deshalb die perfekten Begleiter.

Los ging unser Trip in San Francisco. In der einstigen Hippie-Metropole fuhren wir mit dem Cable Car, kurvten wir süüferli die rankreichste Strasse der Welt hinunter und bestaunten wir die Golden Gate Bridge:

Auch den Sea-lebrities im Hafen sagten wir selbstverständlich Hallo:

Dann fuhren wir südwärts. Bei einem Zwischenstopp in Santa Cruz hatten wir das seltene Vergnügen, einem freilebenden Seelöwen beim Verputzen einer Portion Muscheln zuschauen zu dürfen:

In einem Motel in Paso Robles bekamen wir ein erstes von vielen noch folgenden Beispielen dafür geliefert, wie selbst Kleinunternehmen sich mit Warnungen, die an Absurdität kaum zu toppen sind, gegen allfällige Millionen-Schadensersatzklagen abzusichern versuchen:

Am nächsten Tag erreichten wir – gesund und munter – Santa Monica. Besonders beeindruckt hat uns in diesem Rückzugsort für Promis der Pier. Er bildet den Endpunkt der Route 66 und war auch in “Forrest Gump” zu sehen.

24 Stunden später fühlten wir uns in Oceanview ein bisschen wie am Burgdorfer Nachtmarkt:

Dass in Hollywood nicht alles Gold ist, was glänzt (und nicht mehr alles glänzt, was einst mit Gold veredelt wurde), war mir klar. Doch dass der Walk of Fame mit seinen über 2500 Star-Sternen dermassen schmuddelig unglamourös wirken würde, hatte ich trotzdem nicht erwartet.

Dafür wäre mir vor lauter Freude beinahe das Augenwasser gekommen, als wir am Hauptsitz von Capitol Records vorbeikamen und am “Troubadour” (wer da nicht schon alles aufgetreten ist!) und an weiteren Plätzen, an denen unzählige wunderschöne Kapitel der Blues- und Rockgeschichte geschrieben wurden.

Noch am selben Tag liessen wir die Smogglocke von Los Angeles hinter uns. In der Nähe der mexikanischen Grenze, in Escondido, fanden wir Obdach. Dort stiess für ein Nachtessen Moniques Ex-Schwägerin aus dem Grossraum Los Angeles zu uns.

In Sachen “Distanzen” ticken die Amerikaner ähnlich wie die Australier: Eine mehrständige Autofahrt ist für sie sowenig der Rede wert wie für uns ein Ausflug von Burgdorf nach Oberburg.

In der ersten Nacht in Escondido kam es vor unseren Motelzimmertüren zu wüsten Szenen. Original echte Eingeborene lange vor Sonnenaufgang mit voll aufgedrehten Lautsprechern in einem fort “Motherfucker!” brüllen zu hören: Das kann man – mit einem Minimum an gutem Willen – allerdings auch als soziokulturelle Erfahrung verbuchen, die zu machen nicht jedem Temporärbewohner des Home of the brave vergönnt sein dürfte.

Wir geben bei dieser Gelegenheit kurz ab in die Musikredaktion:

Ungleich gesitteter – um nicht zu sagen: beschaulicher – als in Escondido ging es in San Diego zu und her. Auf feinsäuberlich gepützelten Trottoirs flanierten finanziell und auch sonst gut gepolsterte Erwachsene der Pazifikküste entlang, während sich überaus artig aufführende Teenager auf Rollbrettern vergnügten. Die Coolness in….äh…Person war jedoch jener Pfundskerl, der es sich vor der Basis der Kriegsmarine auf einer Boje gemütlich gemacht hatte (und, jede Wette, noch immer daliegt).

Mit einem stundenlangen Rundgang durch den parkähnlichen


Zoo

und einem Bummel durch die westernmässig gestylte Oldtown rundeten wir unser Gastspiel in der zweitgrössten kalifornischen Stadt ab, um durch eine fast unnatürlich schöne Landschaft nach Palm Springs zu cruisen.

Dort verbrachten wir zwei Tage und drei Nächte, rissen dabei aber weder Palmen noch andere Bäume aus. Dolce far niente am Pool war angesagt; und chli Lädele.

In Julian besuchten wir anschliessend Freunde von Monique und Josy, genossen einen wunderschönen Abend in einem ebensolchen Anwesen und erhielten zubester Letzt, nach dem Lichterlöschen im Garten, auch noch Besuch von einer putzigen Waschbärenfamilie.

Nur für den Fall, dass es mal jemand pressant haben sollte und beim Geschäften aller Eile zum Trotz Wert auf Stil legt: In “Granny’s Kitchen”, einem schmucken Beizli im Zentrum von Julian, gibts das pittoreskste Abörtchen zäntume

und dazu (oder amänd besser: danach) ein super Zmorge:

Überhaupt: Am Essen hatten wir in der ganzen Zeit fast nicht das Geringste auszusetzen. Einziger Schwachpunkt war ein velyvely spicy Fondue Chinoise bei einem Allyoucaneatasiaten in San Francisco. Doch in von wohligem Magenknurren begleitetem Gedenken an all die höchstens einmalig brennenden Köstlichkeiten, welche uns in zig anderen Lokalen aufgetischt wurden, haken wir diese kulinarische Grenzerfahrung mit buddhistischem Grossmut als nie gemacht ab.

Von Julian aus zogen wir sozusagen fast im Frühtau zu Berge, an den


Big Bear Lake.

Zurück in der Ebene, legten wir in Needles einen Schlafstopp ein. Was es über Needles zu sagen gibt, ist in einem Diner an der Einfahrt zum Highway notiert, der aus der Stadt hinausführt:

Wenig später standen wir vor etwas vom Gigantischsten, was die Natur je erschaffen hat: Dem Grand Canyon. Mir (oder, wie ich vermute: uns allen) fehlen heute noch die Worte, um zu beschreiben, wie dieses Weltwunder auf uns wirkte.

Ehrfürchtig starrten wir in die Abgründe der Schlucht und an ihre majestätischen Wände und versuchten vergeblich, das Unermessliche zumindest halbwegs ermessen zu können. Nur schon der Gedanke daran, dass dieser Megagigagraben schon Ewigkeiten vor dem ersten Menschen da war und auch noch da sein wird, wenn alles Leben von diesem Planeten verschwunden sein wird, ist zu mächtig, um zu Ende gedacht werden zu können.

Gegen Abend trudelten wir, vom soeben Erlebten immer noch leicht belämmert, in Williams ein. Dieser Ort lebt primär von seinem Anschluss an die legendenumwobene Route 66, hat aber auch musikalisch einiges zu bieten – jedenfalls, wenn John Carpino in town ist:

Und dann…dann waren wir in Las Vegas.

“Caesar’s Palace”, “The Venetian”, “Luxor”, “Treasure Island”, “Planet Hollywood”, “Golden Nugget”…: Ein Casino reiht sich ans nächste. Im Zockerparadies am und um den Strip leuchtets und blinkts und machts ununterbrochen.

Rund um die Uhr herrscht in den Häusern, vor denen The Animals schon vor einem halben Jahrhundert warnten, Hochbetrieb, wobei: Uhren sind in Las Vegas so gut wie keine zu sehen. Wer in Sin City spielt, braucht nicht zu wissen, wie spät es im eigentlichen und im übertragenen Sinn ist.

Als wären sie ferngesteuerte Roboter, schieben zombiebleiche Wesen apathisch Geld in die Schlitze der Maschinen und über die grünen Flächen der Poker- und Blackjacktische. Kurzberockte Damen versorgen sie künstlich lächelnd mit Gratisgetränken. Was dem Römer das Brot und die Spiele waren, sind dem Vegas-Junkie der Gin Tonic und ein Kasten mit den Kiss-Fratzen oder sonst etwas drauf.

Andere gamblen zum Vergnügen. Sie betreten das Casino mit einer bestimmten Summe, und selbst wenn ihr Geld sich auf wundersame Weise vermehrt, hören sie irgendwann auf. Falls sie verlieren, zucken sie mit den Schultern und gehen zu Bett. Von ihren verlebten Mitspielerinnen und -spielern unterscheiden sie sich auch dadurch, dass sie ihre Umwelt wahrnehmen. Sie reden miteinander. Manchmal lachen sie sogar.

Zum Abschluss unserer Westcoast-Tournee besichtigten wir den Red Rock Canyon. Eine halbe Autofahrstunde von der Stadt entfernt erstreckt sich auf über 300 Quadratkilometern eine faszinierende Landschaft aus Kalksteinbergen und versteinerten Dünen, die vor 400 Millionen Jahren aus einem Meeresbett hervorgegangen waren.

Wegen dieses Ausflugs verpassten wir leider, leider den Auftritt von US-Präsident Donald Trump, der sich heute – drei Tage nach dem “Mandalay”-Massaker; vermutlich hatte er vorher noch Dringenderes zu erledigen – nach Las Vegas bemühte, um mit Überlebenden des Massenmordes zu sprechen, den ein gewisser Stephen Paddock am Sonntag verübt hatte. Bei dem Attentat starben mindestens 59 Menschen, über 500 wurden verletzt.

Wir hatten das Gebiet, das Paddock aus dem 33. Stock des Hotels unter Seriefeuer nahm, nur Minuten vor der Schiesserei passiert.

Das wäre, eigentlich, ein guter Grund, um einmal tiefgehend über die Vergänglichkeit des Lebens im Allgemeinen, Zufälle im Besonderen und Vorbestimmungen im Speziellen nachzudenken.

Im Wissen darum, dass diese Entscheidung nur von einer vernachlässigbar kleinen Anzahl von Psychologen spontan gutgeheissen würde, habe ich für mich aber beschlossen, die “Mandalay”-Tragödie in einer Welt zu verorten, mit der ich nichts zu tun haben will.

Und die sich weit, weit weg von dem fantastischen Riesenstück Land befindet, das wir mit und dank Monique und Josy nun kennenlernen durften.

Mythen und Musik

“Wahnsinnig”, “unbeschreiblich”, “sagenhaft”, “imposant”, “gigantisch”, “phänomenal”: Wer am Rande des Grand Canyon steht, sucht automatisch nach Worten, die beschreiben, was er oder sie gerade sieht.

450 Kilometer lang, bis zu 30 Kilometer breit und stellenweise 1800 Meter tief: Die “technischen Daten” der Schlucht, die der Colorado-River während Millionen von Jahren ins Land gegraben hat, sind, eigentlich, schon eindrücklich genug.

Nur: Dieses Steintal, das weder einen Anfang noch ein Ende zu haben scheint, einmal “live” bestaunen zu dürfen – das liegt meilenweit jenseits des üblichen Sehenswürdigkeitenabklopfens.

Das hat etwas Mythisches.

Ähnliches gilt für die Route 66. Die einst knapp 4000 Kilometer lange Strasse führt von Chicago an der amerikanischen Ost- nach Santa Monica an der Westküste. Sie ist zwar nicht mehr durchgehend befahrbar, hat aber bei Menschen, die sich vorzugsweise auf schweren Töffs und noch vorzugsweiser auf Maschinen der Marke Harley Davidson fortbewegen, nichts von ihrem Legenden-Nimbus eingebüsst.

Williams im Bundesstaat Arizona, wo wir unsere letzten zwei Nächte verbrachten, liegt an dieser Strecke. Die 3000 Einwohnerinnen und Einwohner geben alles, um sich von dem offensichtlich immer noch sehr wertvollen Kuchen mit der “66”-Glasur das eine und andere Brösmeli zu sichern, wie ein Gang entlang der Hauptstrasse zeigt:

Die Route 66 ist jedoch nicht ganz das einzige, was Williams zu bieten hat. Zu den Sehens-, bzw. Hörenswürdigkeiten zählt auch John Carpino. Der Singer/Songwriter bedient sein Publikum “with an impressive blend of acoustic rock, roots, rhythm and truth”, wie er selber sagt, und wurde nun schon zum 14. Mal in Folge zum “best local musician” erkoren.

Wir erlebten den gmögigen Ex-Lehrer auf einer kleinen Bühne neben unserem Tisch in Goldie’s Route 66 Diner. Mit vielen Eigenkompositionen – eine davon widmete er seinem Hund, was ihm von uns spontan mindestens 10 000 Bonuspunkte einbrachte – und Coverversionen zeitloser Hits von Johnny Cash, Simon & Garfunkel, The Doors, The Animals, den Beatles undsoweiterundsofort; es war chli wie im Paradies für hoffnungslose Musiknostalgiker, sorgte er für einen wunderschönen Abend.

Den Wunsch seiner vier neuen friends of Switzerland erfüllte er gerne:

“You can check out anytime you like, but you can never leave”: Was für die Gäste des – ebenfalls von unzähligen Mythen umrankten – “Hotel California” ein Problem sein mag, ist für uns kein Thema: Wir verlassen Williams in wenigen Stunden in Richtung Las Vegas.

Dort war ich noch nie, aber nach allem, was man schon so von Freunden gehört, in Büchern und Reportagen gelesen und in Filmen gesehen hat, gilt auch und ganz besonders für diese Stadt:

This could be heaven. Or this could be hell.

Walk of Shame statt Walk of Fame

2547 Sterne sind aktuell im Walk of Fame in Los Angeles eingelassen. Von A wie Abba bis Z wie ZZ Top – wer in der Unterhaltungsindustrie je eine grössere Rolle gespielt hat oder nach wie vor spielt, wird von der Handelskammer von Hollywood seit 1957 mit einem gravierten Symbol geehrt (wobei: Abba fehlen auf dem kilometerlangen Trottoir ebenso wie ZZ Top und Toto und Bob Dylan und die Beatles oder die Rolling Stones; dafür sind mit Julio Iglesias, Andrea Bocelli, Heidi Klum und Siegfried und Roy Zeitgenossen vertreten, die im Gruselkabinett der Geschichte sicher besser aufgehoben wären, aber wenn dieser Abschnitt mit “Von A wie Bud Abbott bis Z wie Adolph Zukor” begonnen hätte, wären 998 von 1000 Lesern, ob ihres Nichtwissens aufs Peinlichste berührt, in ihre Bibliotheken gehastet, um die Bildungslücken in Sachen “Abbott” und “Zukor” huschhusch zu stopfen, und wenn sie, vor dem lodernden Kaminfeuer fast platzend vor Wohlbehagen auf ihre mit Bisonleder bezogenen Louis XXX-Sofas gefläzt, gerade so schön dabeigewesen wären, sich intellektuell mal wieder so richtig nordkoreamässig hochzurüsten, hätten sie auch noch dieses nachgeschaut und nach jenem geblättert und irgendwann beschlossen, lieber gleich liegenzubleiben, statt starren Ganges in mein virtuelles Stübchen hier zurückzukehren).

Jedenfalls: Gestern bummelten wir den Walk of Fame ab. Anfänglich taten wir das mit der gebotenen Ehrfurcht, doch diese wich bald einer routinierten Nonchalance. Bryan Adams, Aretha Franklin, Greta Garbo, Chuck Berry, Michael Jackson oder die Simpsons: Letztlich sind das alles nur Namen oder vielmehr: Öltropfen für eine endlos ratternde gigantische Geldmaschine, und wenn man diesen Standpunkt erst einmal entdeckt hat, hört man auf, unentwegt auf den Boden zu starren und fragt sich stattdessen lieber, wie wohl die drei Showgirls aussehen mögen, die das “Déja vu” auf der anderen Seite der Strasse als “ugly” anpreist, und wenn ja, warum nicht.

Falls jemand mich fragen würde – was erfahrungsgemäss aber eher selten passiert – würde ich vorschlagen, in jedem Land der Welt einen Walk of Shame mit, zum Beispiel, stilisierten Toilettensitzen statt Sternen anzulegen. Auf diese dürfte jedermann und -frau den Namen von Leuten gravieren lassen, für die man, wenn man etwas weiter südlich wohnen und über ein Minimum an handwerklichem Geschick verfügen würde, längst eine Voodoo-Puppe gebastelt hätte.

Bei Bedarf sucht man die Steinplatte auf und reinigt seine Psyche unter Absingen wüster Lieder, dass Gott erbarm fluchend oder über dem Schriftzug stumm Körpersäfte absondernd porentief rein. Das schützt vor Frustrationen und Aggressionen, beseitigt Komplexe und senkt die Kriminalitätsrate auf knapp Null. Die Finanzierung einer solchen Anlage wäre folglich ein klarer Fall für die Krankenkasse.

Um der Transparenz Genüge zu tun: Ich habe im Geiste bereits sechs Tafeln reserviert. Die Namen, mit denen ich sie beschriften liesse, behalte ich aus Datenschutzgründen für mich.

Und, klar: Auch mir würde wohl eher früher als später die eine und andere Platte gewidmet. Ich könnte damit aber wesentlich besser leben als mit der Vorstellung, bis in alle Ewigkeit zwischen Julio Iglesias und Heidi Klum liegen zu müssen.

Welcome to a Hotel California

“This could be heaven or this could be hell”, dachten die Eagles, als sie im Dezember 1976 im “Hotel California” eincheckten.

Dasselbe schoss mir durch den Kopf, als ich beim Betreten des Adelaide Inn-Hotels in Paso Robles, einem schmucken Städtchen zwischen San Francisco und Los Angeles, gestern Abend dieses Warnschild entdeckte.

Doch nachdem wir unser liebe- und geschmackvoll möbliertes, grosszügig bemessenes und bis ins hinterste Eggeli gepützelte Zimmer in Beschlag genommen hatten, war der Fall klar: Wir würden in einem kleinen heaven übernachten.

Wieso an dessen Pforte eine so unanmächelige Tafel hängt, weiss ich nicht. Vermutlich hat der Patron sie aus versicherungstechnischen Gründen angebracht für den Fall, dass ein Gast einen Lampenschirm roh verschlingt und den Hausbesitzer wegen Bauchschmerzen anschliessend auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt.

Hello again, ihr Helden!

Vor 30 Jahren gehörten sie mit Toto, Krokus, Abba (jawoll: Abba), Deep Purple, den Dire Straits und ein paar anderen Bands zu den Helden meiner Jugend. Nun stand ich auf einmal mit Foolhouse auf der Bühne des Theaters Z in Burgdorf.

Unmittelbar davor hatten ich und drei Dutzend Gäste – ihren Besuch angekündigt hatte eine dreistellige Anzahl von Leuten, aber das ist eine andere und alles andere als neue Geschichte – zwei Stunden lang freudig feststellen dürfen, dass die Bluesrock-Haudegen von dem Zauber, den sie damals auf Zigtausende von Fans in ganz Europa ausstrahlten, kaum etwas eingebüsst haben.

Auch wenn die Band um Jüre Reinhard sich zwischenzeitlich aufgelöst hat und später teilweise neu zusammengesetzt wurde, lässt sies immer noch durch die Boxen rocken und rollen und rumpeln, als ob sie sich gerade erst formiert hätte und nun finster entschlossen wäre, die Bühnen der Welt zu stürmen.

Eigentlich waren Peter Urech und ich ja vor Ort, um vor und nach dem Konzert als DJ-Duo Rocknrolldies für Stimmung zu sorgen. Wir merkten jedoch schnell, dass der Abend auch ohne uns tiptopp laufen würde.

Nachdem die letzte Foolhouse-Zugabe verklungen war, bildeten einige der vielen befreundeten Musikerinnen und Musiker, die sich zu dem Gig ihrer Kollegen an der Hohengasse 2 eingefunden hatten, spontan einen Halbkreis, um nach Herzenslust zu jammen.

Peter und ich packten unsere Siebensachen weit vor Mitternacht zusammen und liessen die Freunde miteinander drauflosimprovisieren. Wir wollten nicht stören, sondern zuhören. Den Musikern – und Jüre Reinhard, der uns das eine und andere Müsterchen aus der glorreichen Zeit erzählte, in der Foolhouse mit den Eagles im Studio waren und von ihnen lernten, wie ein richtiger Chorgesang funktioniert. Plus vieles andere mehr.

Love was in the Burgdorfer air

Das gabs noch nie: Fast eine Woche lang verwandelte das Schweizer Fernsehen die Burgdorfer Oberstadt in ein riesiges Openair-Studio.

Unter dem Motto “Burgdorf blüht” liess es gestern Abend mit Tausenden von Einheimischen und Gästen von auswärts ein Frühlingsfest steigen.

Charmant moderiert wurde die zwei Tage lang minutiös geprobte Livesendung “SRF bi de Lüt” vom gebürtigen Burgdorfer Nik Hartmann. Mit von der Partie waren nebst anderen Schwingerkönig Matthias Sempach (Bild oben), Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Jeremias Gotthelfs Ururenkelin Elsi Schneider-Bitzius, Stapi Stefan Berger plus ein Chor – in dem auch mein Schatz mitsang -, der eigens für diesen Anlass zusammengestellt wurde und von der Bühne aus “Love is in the air” in die Zuschauermenge schmetterte.

Die vom Fernsehen gestellte Aufgabe – auf dem Schlosshof bis zum Ende der Sendung 50 Solättebögen zu basteln und auf den Kronenplatz zu bringen – löste Burgdorf dank des spontanen Engagements von zig spontanen Helferinnen und Helfern und für mich sehr wenig überraschend souverän.

Die Medien würdigten das Spektakel schon im Vorfeld. Die BZ schickte einen Fotografen auf den Kronenplatz…

…Radio neo1 wollte von Stadtpräsident Stefan Berger und mir als Chef des Altstadtleistes wissen, wie Burgdorf von der Sendung profitieren könne und was die Anwohnerinnen und Anwohner dazu sagen.

Mein Schatz gewährte in der BZ Blicke in das Innenleben des Burgdorfer Chors. Der Abend, fasste D Region zusammen, sei “ein voller Erfolg” gewesen.

Die komplette Sendung kann hier (nochmals) angeschaut werden.

S Weggli und de Batze

Die Rocknrolldies ziehts nach draussen: Am 10. Juni sorgen wir unter den Lauben vor der “Metzgere” in der Burgdorfer Oberstadt für Stimmung.

Los gehts um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Hungrige gibts Fleisch vom Grill.

Stadtbilder (52)

Abschied: Ein halbes Jahr lang standen “Die Gerechten” rund um das Museum Franz Gertsch in Burgdorf. Nun reisen die Holzskulpturen von Werner Neuhaus weiter. Aneinandergebunden und etwas verloren wirkend, warten sie auf den Abtransport. “Schade, sie werden mir fehlen”, schreiben Freundinnen und Freunde der Figuren auf Facebook, oder: “Ich werde euch vermissen, liebe geduldige Gestalten”.

Potz tuusig

Kommentare im Internet können auch Freude bereiten: Gestern teilte ich auf Facebook mit, dass ich zum neuen Präsidenten des Burgdorfer Altstadtleistes gewählt worden sei (siebe Bild oben). Und dass diese Vereinigung von rund 170 Geschäftsleuten, Gastronomen, Atelierbetreiberinnen, Privatpersonen und so weiter plane, eine grosse Adventsaktion durchzuführen. Unter dem Motto „Zu Gast im Geschäft“ öffnen Gewerbetreibende in der Oberstadt und im Kornhausquartier ihre Türen im Dezember für Menschen, die einmal einen Blick hinter Kulissen werfen möchten, die sie sonst nur von aussen sehen.

Mit dem einen oder anderen “Like” hatte ich gerechnet. Nicht aber damit: