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Der Ausbrecher-König

Tagelang hatten wir von unserem Quartierkönig nichts gehört und gesehen. Vereinzelt waren spätnachts zwar Laute zu vernehmen, die darauf schliessen liessen, dass er ume Wäg ist. Aber um nachschauen zu gehen, war ich zu faul. Zweitens fand ich, was auch immer da wer auch immer mit wem auch immer  treibe, sei dessen Privatsache.

Dann erfuhr ich, dass alles ganz anders war. Mauz, wie der König bürgerlich heisst, sass im Gefängnis:

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Was genau er angestellt hatte, um dahin zu kommen, war unklar. Und wer es gewagt haben könnte, ihn wegzusperren, ist mir ein noch grösseres Rätsel.

Auch wenn ich von den Bewohnerinnen und Bewohnern des alten Marktes ganz bestimmt niemanden als Zimperlieschen bezeichen würde – die Chuzpe, Mauz seiner sehr, sehr grossen Freiheiten zu berauben, traue ich keinem Burgdorfer Oberstadtmenschen zu.

Aber item. Als treuer Untertan machte ich mich auf den Weg zum Inhaftierten. Erleichtert stellte ich fest, dass ihm die Zeit hinter Gittern offensichtlich nichts angehabt hatte.

Ganz im Gegenteil: Majestätisch gelassen drehte er leise vor sich hinknurrend seine Runden. Hie und da warf er einen flüchtigen Blick auf die Vögel in den Bäumen oder die Schafe auf der Wiese nebenan.

Trotzdem fand ich, er habe nun lange genug gesessen. Ich kniete mich vor ihn hin, machte zweimal “tsts” – und schwupp, reckte der Kater seinen Kopf zwischen den Stäben hervor.

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Einige Streicheleinheiten später stolzierte er, als ob nie etwas gewesen wäre (und ohne auch nur daran zu denken, mir für meine Befreiungsaktion mit einem Schwanzwedeln oder Ohrenzucken oder so zu danken) von dannen, zum Schloss hoch.

Published inHeimisches

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