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Der falsche Wunsch zur falschen Zeit

Feuerzeug

Vermutlich war er von Anfang an nicht ihr Tag gewesen, dieser 14. März 2013, und vielleicht hatte sie das nicht erst gemerkt, als sie wieder in ihrem Kiosk in der zugigen Bahnhofunterführung stand, vor all den mürrischen Leuten, die etwas von ihr wollten, und zwar sofort, sondern schon drei Stunden früher, gleich nach dem Aufstehen, als ihr Zahnglas auf den Badezimmerboden zesplitterte oder drei Minuten später, als sie merkte, dass kein Kaffee mehr vorrätig war…

…aber das konnte ich ja nicht ahnen; ich brauchte nur ein Übergangsfeuerzeug, weil mein Zippo leer ist und ich kein Benzin zum Nachfüllen bei mir habe, weshalb ich zu der Frau sagte, ich hätte gerne dieses Feuerzeug da, das grüne, worauf sie mir von unter der Theke ein Päckli mit drei Minifeuerzeugen darin überreichte und sagte, “drei neunzig”, worauf ich sagte, ich hätte lieber das grüne Feuerzeug dort, worauf sie sagte, das koste aber vier Franken zwanzig, was mich zur Bemerkung veranlasste, das spiele jetzt keine Rolle, ich hätte einfach gerne dieses grüne Feuerzeug und kein anderes, worauf sie pampig sagte, sie habe mir nur einen Gefallen tun wollen mit den billigen Feuerzeugen, woraufhin ich erwiderte, den grössten Gefallen würde sie mir tun, indem sie mir jetzt einfach das grüne geben würde, das für vier zwanzig, worauf bei ihr auch noch die letzte Sicherung aus der Fassung sprang:

“Fahr ab!”, zischte sie, und drückte mir das grüne Feuerzeug in die Hand, und als ich ihr einen Fünfliber hinstreckte, um zu bezahlen, wandte sie sich demonstrativ schon dem nächsten Kunden hinter mir zu, ohne auch nur einen Blick auf das Geld zu werfen, und dabei hätte ich ihr die achtzig Rappen, die sie mir hätte herausgeben müssen, geschenkt; aber das hätte ihren Tag vermutlich auch nicht mehr gerettet. Er war so oder so schon kaputt.

Published inFragwürdiges

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