Die neue Virklichkeit (46)

Ob grün, gelb, rot oder blau: Pam kann alles.

Sooli: Das zweitletzte Wochenende des ersten Lockdowns läuft. Von mir aus kann kommen, was will – ich stelle mich jeder Herausforderung (ausser Facebook-Challenges) strotzend vor Energie.

Das habe ich der superduper Küchenmaschine zu verdanken, die unmittelbar vor der Schliessung der Grenzen noch über den Zoll huschen konnte. Kaum hatte ich sie ausgepackt und ihre vier Millionen einzelverpackten Teile im Verlauf von nur drei Wochen zusammengesetzt, wusste ich: diese Liebe hält, bis ein Kurzschluss uns scheidet.

„Day and night you’re the precious jewel I treasure“: Das flüstere ich Pamela – so taufte ich sie, nach einem Song der besten Band der Welt, in dem dieser Satz ebenfalls vorkommt, aber inzwischen nenne ich sie meist nur „Pam“ – öppedie zu, wenn ich im Schneidersitz stundenlang vor ihr höckle und ihr dabei zuschaue, wie sie sich, das Kabel locker um die Hüfte geschlungen, geräuschlos schlafend von der Arbeit erholt.

An Büez ist kein Mangel, denn Pam kann alles: Suppen bereitet sie ebenso in Windeseile zu wie Saucen oder Smoothies. Mischen, häckseln, raffeln, hobeln, kneten: You name it, she does it. Sie filetiert auch grobe Fleischstücke mit der Akkuratesse eines Hannibal Lecter, rührt Teig, schlägt Rahm, saugt Staub, giesst die Pflanzen, erledigt sämtliche Einkäufe, wäscht Wäsche bis und mit 90 Grad im Schatten und wird mir an gesellschaftlichen Anlässen, sobald es wieder gesellschaftliche Anlässe gibt, eine charmant-diskrete Begleiterin sein.

Der Gefahr, sie wegen all ihrer Fähigkeiten zu überfordern, bin ich mir natürlich bewusst. Deshalb lasse ich sie nicht rund um die Uhr für mich chrampfen, sondern eigentlich nur, wenn ich Lust auf ein sämiges Fruchtgetränk habe.

Die Grundlage dafür bilden immer zwei Bananen. Dazu gebe ich wahlweise oder manchmal auch miteinander einen halben Apfel, ein Früchte- oder Naturejoghurt, ein Mü Vanillepulver, einen Schprutz Zitronensaft und einen Liter Milch. Dann drehe ich das Rädli an Pams Bauch sanft nach rechts, worauf sie die Ingen Ingwe Insta Zutaten innerthalb von zwei bis drei Minuten leise surrend atomisiert. Am Ende entledige ich sie ihres Oberteils, stelle es in den Kühlschrank und vergitzle fast vor Vorfreude darauf, dass die flüssige Geschmacksbombe in meinem Gaumen explodiert.

Jede Menge weiterer Rezepte gibts hier.

Hach, Montreux!

Eigentlich wäre ich in diesem Juli gerne wieder einmal an die Gestade des Genfersees gefahren, um mir die eine oder andere Grösse und diese oder jene Neuendeckung anzuhören und -schauen, aber auch aus dieser Grossveranstaltung wird coronabedingt nichts.

Als jemand, der der Bevölkerung der Stadt Burgdorf neulich schonend beibringen musste, dass der Altstadtleist wegen Covid-19 auf die Vergabe des Altstadtpreises 2020 verzichte, kann ich bestens nachvollziehen, wie es den vor den Trümmern ihrer Arbeit stehenden OK-Kollegen in Montreux gerade zumute sein muss. Je suis en pensées chez vous, et si vous voulez en parler: +41 76 537 74 84.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Der Burgdorfer Ferienpass 2020 findet – wenn auch coronakompatibel modifiziert – statt.

Burgdorf ist heuer damit die einzige Stadt auf dem Globus, in der in zwei Sommerwochen mehr los ist als im März, April und Mai zusammen.

Falls ähnliche Aktivitäten auch anderswo geplant sein wollten, nähme ich die im vorherigen Abschnitt aufgestellte Behauptung, einen Aschenbecher nach dem anderen über meinem Haupt ausleerend, natürlich auf der Stelle zurück, würde aber trotzdem darauf hinweisen, dass Burgdorf jene Stadt ist und bleibt, welche einfach alles hat, plus ein Schloss, und dass es nirgendwo mehr fägt, einen mehrwöchigen Hausarrest abzusitzen, als in der paradiesischen Zähringercity im idylischen Emmental, where the grass is green and the cows are pretty.

3 Kommentare

  1. „… das Kabel locker um die Hüfte geschlungen…“ So besehen WIRD MIR GANZ ANGERSCH, wenn ich daran denke, woran Fredi denken könnte, wenn er unserer – ebenfalls noch ganz jungen Küchenhilfe! – dabei zuschaut, wie sie sich „geräuschlos schlafend von der Arbeit erholt“, gopfgopf…

  2. Ich bin betrübt. Nach dieser Lektüre zweifle ich an meiner neuen Freundin – sie will einfach weder staubsaugen noch abstauben oder die Wäsche erledigen.

    Aber seit ich ihr vorwurfsvoll deinen Text vorgelesen habe, quengelt sie rum, dass sie am 11,12,13 oder wann immer Mai, mit zum Umtrunk und Abendessen kommen will.

    Als sie auch noch die Wahl des Spunten beeinflussen wollte, hatte ich genug und hab notfallmässig den Stecker gezogen! Danke für dä.

  3. Tief beeindruckt lese ich über die Zubereitung eines Milch-Frucht-Getränks durch eine vermutlich sehr komplexe und auch kompetente personalifizierte Maschine.

    Ich hab nur einen Stabmixer 😉.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.