Die neue Virklichkeit (49)

Gefährlicher als ein Massagesalon: Von einer Öffnung der Minigolfanlagen wollen die Lockerungsleute beim Kanton noch nichts wissen.

Kurz vor 13 Uhr telefonierte mir gestern Fredi von der Burgdorfer Minigolfanlage. Hörbar strahlend berichtete er, laut seinem Gewährsmann von der Corona-Hotline des Kantons dürften er und seine Andrea ihren Betrieb nach der zweimonatigen Zwangspause am 11. Mai wieder hochfahren, samt dem Openairrestaurant.

Wenig später sass ich mit Andrea in ebendiesem Beizli. Während wir miteinander plauderten, fuhr Fredi auf den Parkplatz. Wir sahen ihn telefonieren und telefonieren und zwischendurch die Hände verwerfen, dachten uns aber nichts dabei.

Dann stieg er aus. Das erste, was er sagte, war nicht „Tschou zäme“ oder so, sondern: „Kei Minigouf am elfte Mai.“ Sein Hotliner habe ihm soeben mitgeteilt, das gehe doch erst frühestens am 8. Juni wieder. Gäste zu bewirten, sei ab Montag erlaubt. Sie nebenan spielen zu lassen, bleibe hingegen verboten.

Ich lasse das jetzt einfach einmal unkommentiert so stehen. Nichts liegt mir ferner, als darauf hinzuweisen, dass es wahrscheinlich nur wenige Orte gibt, an denen die Leute in Rudeln und doch distanziert Zeit verbringen können, als Minigolfplätze. Oder zu fragen, wo sich Menschen und Viren wohl näher kommen: beim Kneten und Knetenlassen in einem munzigen Massagestudio oder beim Vonbahnzubahnschlendern im Freien?

Wies Bisiwätter löschte ich den „Juhuu! Wir sind gleich zurück“-Eintrag, den ich als Hüttenwart der Minigolf-Facebookseite nach Fredis Anruf gepostet hatte, und den viele Fans leikten, bevor die Tinte auf dem Bildschirm getrocknet war. Eine Frau hatte darunter geschrieben, diese Meldung sei für sie „die schönste Nachricht seit Langem“.

Nur so: Woher wusste Reinhard Fendrich schon 1991, dass 29 Jahre später nix mehr fix sein würde? Und wieso klingt dieser Song erst mit einem 5G-Anschluss richtig gut?

Was war noch?

Nicht viel, wie eigentlich immer seit dem 16. März, und wie vermutlich noch lange (ich betreibe ja keinen Coiffeursalon und kein Restaurant und – bhüetis I! – keinen Baumarkt), aber das ist ja egal, wie eigentlich alles seit dem 16. März, und wie vermutlich noch lange (ich leite schliesslich kein Gartencenter und kein Museum und – bhüetis II! – keine Schule).

Wobei: Langsam ziehts auch bei mir wieder an, und das erst noch ohne Masken und Händsche: Am Montag war ich für die BZ an einer Gerichtsverhandlung, an deren Ende ein junger Mann zu einer bedingten Geldstrafe und einer Therapie verurteilt wurde, weil er Tausende von Kinderpornos aus dem Darknet geladen hatte. Heute gehts im selben Saal um eine angebliche Vergewaltigung. Nächste Woche versucht vor den verbundenen Augen von Justitia ein mutmasslicher Brandstifter an Vorwürfen zu löschen, was möglicherweise noch zu löschen ist.

Weiter ist bei mir die Anfrage eines Unternehmers pendent, der die Website seines Betriebes neu betexten lassen will. Er hat ein Puff.

Aber gut: Das haben inzwischen bald alle, nur anders.

Bevor die Metoofraktion routinemässig überbeisst: In diesem Video (mit Kondensstreifen!) wirkt auch die Tennislegende John McEnroe mit. Der Anstand bleibt also gewahrt.

3 Kommentare

  1. Tja, die Beamtenlogik, was geht oder was nicht, ist für Normalsterbliche nicht immer ganz nachvollziehbar …. 🙁

    Extrem schade, dass es immer noch nicht klappt ….. hoffentlich gibt’s einen schönen Sommer, auf dass man ab Juni dann um so fleissiger vorbei kommen kann! 😃

  2. Komisch ist nur, dass man ein Mueum aufmachen darf, draussen Minigolf spielen aber nicht 😡😡.

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