Die neue Virklichkeit (31)

Keine Spur von Gstrüpp: Simonetta Sommaruga hatte die Haare an der gestrigen Corona-Medienkonferenz des Bundesrates auffällig schön.

Erwartet hatte ich ein totalzerzaustes Geschöpf, das nur noch entfernt an ein menschliches Wesen erinnert. Zu sehen bekam ich gestern Nachmittag eine Frau, die sich wie aus dem Truckli vor die Nation setzte, um den bundesrätlichen Fahrplan für die Lockdownlockerung zu präsentieren.

Das heisst: Simonetta Sommaruga (59) muss in den vier Wochen, in denen landesweit kein «Haargenau» und kein «Hair-einspaziert» und kein «Haarometer» und kein „Hairlich“ und kein „Hairzig“ und kein „Haarsträubend“ und keine „Haarchitekten“ und keine „Vier Haareszeiten“ offen war, die Möglichkeit gehabt haben, sich von einer Jessica oder so (18) die Frisur richten zu lassen.

Polit-Aficojo -Avocad -Afischenatos erstaunte das nur bedingt: Für die da oben gelten auch und ganz besonders in Notlagen komplett andere Spielregeln als für uns da unten (wenn überhaupt!), und wenn Alain Berset in seinem Garten mit einem nigelnagel-
neuen Schüfeli schon am 25. April fabrikfrische Sonnenblumensamen eines Freiburger Floristen eintopft, statt, wie alle anderen, erst zwei Tage später, wäre ich der Letzte, der sich darüber wundern würde, denn mit uns kann mans ja machen, wir zahlen schliesslich auch pünktlich unsere Steuern für nichts und wieder nichts und stayen lifes savend ganze Frühlinge lang @ home, ohne kritische Fragen nach dem Wieso und Warum zu stellen oder auch nur in den Spiegel zu schauen, um uns in unserem von Angela Merkel ferngesteuerten Dasein wieder einmal unserer eigenen Identität bewusst zu werden, aber ein Blick in den Spiegel brächte ja sowieso nichts, denn alles, was wir darin sehen würden, wäre ein totalzerzaustes Geschöpf, das nur noch entfernt an ein menschliches Wesen erinnert, AUSSER NATÜRLICH, MAN IST BUNDES-PRÄSIDENTIN!!!

Eben präsidierte Hannes Zaugg-Graf noch den Grossen Rat des Kantons Bern, aber selbst das genügte nicht für eine Privatschur, was, von unten betrachtet, irgendwie tröstlich ist.

Damit verlassen wir die sachliche Ebene und schauen uns noch kurz auf der persönlichen um.

Tess‘ Hüeti Claudia Nolte geht es mit ihrer kaputten Achillessehne nach wie vor eher unprächtig (sie ist aber jederzeit für ein Openair-Kafi vor ihrem Haus zu haben und bringt das Gebräu sogar eigenhändig in einem Chörbli hinunter, und solange das so weitergeht, besteht kein Anlass zur Sorge):

Bei Tess selber ist alles im grünen, beziehungsweise silbergrauen Bereich (gut: Wenn man sie fragen würde, bekäme man zu hören, sie sei rund um die Uhr am Verhungern, aber das war schon vor Corona so und wird auch nach Corona so bleiben). Diese Woche kam sie mich besuchen. Sie empfahl mir dabei dezent, über den Kauf eines eigenen Sofas nachzudenken, damit sie ihres nicht immer mit mir teilen muss:

Giusy Rovetto, die in der Burgdorfer Schmiedengasse den gluschtigschten Laden für sizilianische Spezialitäten nördlich von Palermo betreibt, hat beste Aussichten auf den Titel „Miss Coronaltstadt 2020“. Ob die feierliche Preisverleihung im angemessen grossen Rahmen je wird stattfinden können, ist, Stand jetzt, eine andere Frage.

Mein „Jööö“ des Tages ging an eine Frau aus Lyssach, deren Name hier nichts zur Sache tut. Sie berichtete mir, ihr Bub habe sich beim Trampolinhüpfen hinter dem Haus einen Arm gebrochen. Das habe ihm ziemlich wehgetan. Viel mehr schmerze ihn allerdings, den imposanten Gips nicht seinen Gspändli in der Schule vorzeigen zu können.

Zum Thema „Trampolin“ hat Tony Carey 1990 übrigens ein wunderschönes Lied geschrieben:

„Some people got much too much
Some people got the midas touch now
Some people are waiting for the train
Some people get blood on their hands
Some people see disneyland now
Some people are candles in the rain
Like a trampoline
Goes up goes down
Out of luck or heaven bound
But we’ve got something and we’ll never touch the ground
On the trampoline
Just me and you
Just a little love will see us through
Hang on to me baby, I’ll be here with you
On the trampoline.“

Wenn das keine Liebeserklärung ist, weiss ich auch nicht.

Im Übrigen möchte ich wieder einmal darauf hinweisen, dass wir in Burgdorf das schönste Schloss weit und breit haben.

1 Kommentar

  1. Ausgerechnet diesen hatte ich verpasst. 😂

    Im Oberdiessbach gibts übrigens auch noch einen Coiffeursalon, mit einem meiner Meinung nach (sarkasmusfreien) originellen Namen, weil er eben gerade nicht auf dem hairlichen Wortspiel beruht, sondern Englisch und Deutsch gerade umdreht: Kamm In

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