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Draussen vor der Tür

Aus meinen Nasenlöchern ragten kleine Eiszapfen, als ich gestern Abend die Haustüre aufschliessen wollte. Entsprechend erstaunt war ich, meinen Vermieter im Garten zu sehen: in seinem dicken, braunen Mantel sass er an einem Tischchen; vor sich ein halbes Glas Roten, in den blau angelaufenen Fingern eine Zigarette…und im Gesicht einen Ausdruck tiefster Zufriedenheit und Heiterkeit.

Ich solle ihm doch Gesellschaft leisten, er wolle chli pläuderlen, sagte er, und fragte, ob ich einen Tee wolle, was ich dankend ablehnte, weil es mit seinen Tees immer ein bisschen eine Sache ist; mein Vermieter hat die Neigung, sie mit Stoffen anzureichern, die mir nicht sonderlich zuträglich wären; also setzte ich mich teelos zu ihm und plauderte ein Weilchen mit ihm über Gott und die Welt und die SBB und das Nichtrauchergesetz und das Burgdorfer Bauamt und über eine gewisse Katze, die man Auf! Gar! Keinen! Fall! ins Haus lassen dürfe, und während ich spürte, wie innert Minuten alles Leben aus meinem Körper wich und neben mir zu einer gespenstischen Eisskulptur erstarrte, sagte mein Vermieter auf einmal, er und seine Frau hätten noch einen ziemlichen Käseüberschuss, den sie zu einem Fondue verarbeiten möchten, und ob mein Schatz und ich nicht Zeit und Lust hätten, uns am Freitag an den Käsebergrückbauarbeiten zu beteiligen.

Der Gedanke daran wärmte meine steifgefrorenen Muskeln soweit auf, dass ich es ohne fremde Hilfe schaffte, aufzustehen und in meine Wohnung hochzustaksen. Mein Vermieter blieb sitzen und genoss bei mindestens 20 Minusgraden weiter den für ihn offenbar lauen Abend.

Wenn er, wenn ich gleich aus den Haus gehe, immer noch da höcklet und zum Zmorge an einem Glühwein nippt: es würde mich nur mässig überraschen.

 

Published inHeimisches

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