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“Hier wird einfach nur behauptet”

Blogs als Buch – kann das funktionieren?

Natürlich. Aber wahrscheinlich nur, wenn der Blogger


Sven Regener

heisst.

Normalerweise „arbeitet“ der 50-Jährige als Sänger und Texter („Element of Crime“) und Literat („Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“, „Der kleine Bruder“). Doch in den letzten fünf Jahren erforschte er neues Terrain: Für diverse Medien schrieb er Blogs über sein Leben als öffentliche Person und Tourneen im Besonderen und über den Sinn und Unsinn des Lebens im Allgemeinen.

„Logbücher“ nennt der studierte Musikwissenschafter seine Notizen, die er nun unter dem Titel “Mein Leben mit Hamburg-Heiner” zusammengefasst hat. In ihnen zu schmökern, ist auch für Leute, die weder seine Musik noch seine Bücher kennen, ein Erlebnis. Selbstironisch, lakonisch und mit bewundernswertem Wortwitz nimmt Regener den Leser mit auf eine Reise durch seine mal ziemlich abenteuerlich und mal eher langweilig wirkende Welt.

Doch wer auf eine Regener-Biographie gehofft hat oder wer tiefe Einblicke in das wilde Leben eines Rockstars erwartet, wird enttäuscht. Der Autor sinniert lieber über Nordmanntannen, Erdnüsschen auf dem Bussitz oder darüber, was wohl der Kellner denkt, bei dem er einen Tisch für zwölf Personen reserviert hat…und an dem er, Regener, wegen eines Komplotts der Band und der Crew jetzt ganz alleine sitzt.

Böse wird Regener seinen Leuten deshalb nicht. Böse wird Regener grundsätzlich nie. Irgendwie ist Regener, was auch immer (nicht) passiert, nie aufgeregt oder nervös oder gestresst. “Regener schafft es, auf 400 Seiten Alltags- und Medienbeobachtungen auszubreiten, ohne irgendjemanden vors Schienbein zu treten”, lobt die “Zeit”.

Was in „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ wahr ist und was frei erfunden, weiss – ausser dem Autor – kein Mensch. Klar ist: Regener erkannte schnell, welche Möglichkeiten ihm das Medium „Blog“ bot, um seine An- und Einsichten nach dem Lust- und Launeprinzip unters Volk zu bringen: „Das ist jetzt aus der Erinnerung nacherzählt“, schreibt er irgendwo. „Recherchiert wird hier gar nichts, hier wird einfach nur behauptet, schliesslich sind wir im Internet.“

Published inMediales

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