Skip to content

In fremden Diensten

Nach einer Woche war mein Einsatz bei der Schweizer Armee beendet. Aus Gründen, die mir bis heute nicht klar sind – und die mich auch nur sehr peripher interessieren – wurde ich aus der RS nach Hause geschickt.

Ich hatte diesen Rauswurf nicht provoziert. Andrerseits war es auch nicht so, dass ich nachher alle Hebel in Bewegung gesetzt hätte, um die Verantwortlichen dazu zu bewegen, ihren Entscheid rückgängig zu machen. Ich fand mich relativ schnell mit meinem Dasein als Untauglicher ab und verbrachte den Sommer in der Badi statt in der Kaserne.

Mit der Militärkarriere klappte es ja auch so: 25 Jahre später bin ich Offizier in Diensten des Königs von Frankreich. Als Lieutenant Henri de Montfort suche ich in Burgdorf junge Männer, die in Nordamerika gegen die Engländer kämpfen wollen. Ob meine Bemühungen Erfolg haben, weiss ich nicht.

Das heisst: Doch, ich weiss es. Aber ich darf nichts verraten. Denn mein Einsatz erfolgt im Rahmen der Operation “Die Franzosenkrankheit”. Dabei handelt es sich um ein Bühnenstück, das mein Arbeitskollege Hans Herrmann geschrieben hat und das wir mit dem Verein Szenerie Burgdorf Mitte Mai nächsten Jahres in der Emmestadt zeigen.

Erzählt wird die Geschichte eines Burgdorfer Arztes, der sich um Patienten kümmert, die an Syphilis – eben: der “Franzosenkrankheit” – erkrankt sind. Als er ein Mittel gegen die Seuche findet, erregt er den Unmut des konservativen Pfarrers. Für diesen ist die Syphilis eine Strafe für Menschen, die ihre Lüsternheit nicht im Zaum halten können. Der Pfarrer schmiedet eine Intrige gegen den Arzt, und…

…eben: Alles andere ist vorläufig noch top secret.

Abgesehen davon habe ich sowieso keine Zeit für lange Erklärungen. Zuerst muss ich jetzt meine Rolle anlegen und den Text auswendig lernen. Für meine Err Kenig masche isch das ohne Gompromiss und mit die volle Einsatz. Är wird gar nischt auf die Idee gomm, misch wegen die Untauglischgeit zu entlass.

Nachtrag: Aus dem Engagement ist am Ende doch nichts geworden. Die Taufe meines Neffen war mir wichtiger als das Theater. Die Szenerie-Kolleginnen und -Kollegen trugen diesen Entschluss mit Fassung und konnten mit Hans-Jürg Brodbeck innert nützlicher Frist einen mehr als adäquaten Ersatz für die Sache begeistern.

Published inKulturelles

Be First to Comment

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *