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Schreibzeug Posts

"Chaos pur"

10.50 Uhr: „Frankfurt ist Chaos pur“, schreibt sie. „Alle Flieger verspätet. Drum sassen wir in Kloten während knapp einer Stunde in der Maschine und haben auf die Landeerlaubnis gewartet. Aber jetzt gehts gleich weiter.“

11.16 Uhr: „Zehn Flieger warten vor uns auf die Starterlaubnis. Mindestens eine Stunde Wartezeit.“

12.01 Uhr: „Es geht los.“

12.41 Uhr: „Fehlalarm. Wir stehen immer noch in Frankfurt rum.“

Seither habe ich nichts mehr von ihr gelesen. Vermutlich ist sie jetzt unterwegs nach Indien. Oder nach wie vor in Frankfurt; mit einem leeren Handy-Akku.

 

Um 3.45 Uhr hatte ich sie geweckt. Weil sie so früh auf dem Flughafen Kloten sein musste.

flugschnee

 (Nachtrag) 20.59: Sie ist da. Beziehungsweise: dort.

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Streicher statt Strom

Wenn Vertreter zeitgenössischen Musikschaffens ihre grössten Heuler umarrangieren und sie akustisch oder von einem Orchester begleitet neu einspielen, kann das gut kommen – muss aber nicht: „S & M“ von Metallica ist ein Meisterwerk des Crossover-Genres. Die Scorpions hingegen hätten sich „Acoustica“ schenken können. Und den Fans sowieso, wenn sies schon unbedingt unter die Leute bringen mussten.

In der Schweiz entschlackten die Lovebugs (mit „Naked„), Gotthard (mit „Defrosted„) oder Bligg (mit „Nackt„) einen Teil ihres Repertoires. So konnten sie testen, ob ihre Songs auch ohne elektronische Schleifchen und Mäschchen funktionieren – und Käuferschichten ansprechen, die ihre Gehörgänge modernen Klängen sonst nicht ohne Weiteres öffnen:  „Defrosted“ war für viele ein gäbiges Muttertagsgeschenk; „Rosalie“ bereicherte unsere Weihnachtsfeier.

Nun haben sich auch Dada ante Portas den Stecker gezogen und Streicher ins Studio geholt.  Das Resultat tauften sie doppeldeutig „The classics“. Es ist, auch wenn im Umgang mit Superlativen angesichts des noch jungen Rockjahres eine gewisse Zurückhaltung geboten scheint, eine der schönsten Scheiben, die eine Schweizer Band je produziert hat. Die Songs entfalten auf den Geigenteppichen dieselbe Wucht wie vor Gitarrenwänden und Keyboardtürmen. Die liebevoll frisierten Stücke klingen, „reduced to the max“, wie Chris von Rohr sagen würde, ungleich intimer als im Original. Vor „The classics“ waren Dada ante Portas eine Band für Mehrzweckhallen und Openairs. Jetzt würde man sich die Luzerner – samt ihrem Orchester, versteht sich – am liebsten ins Wohnzimmer holen.

Nicht, um es krachen zu lassen. Sondern, um ihnen einmal ganz genau zuzuhören. Und sie und ihre Musik von einer völlig neuen Seite zu entdecken. 

 

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Im Buch der Gesichter

Facebook_junkie_3Der Entschluss war so endgültig, wie solche Entschlüsse halt manchmal sind: Vor einem Jahr hatte ich von Facebook die Nase voll. Fest davon überzeugt, mit der Internet-Community nie mehr etwas zu tun haben zu wollen, erklärte ich das Buch der Gesichter für mich als geschlossen und verkündete öffentlich, dass Facebook ungefähr das Einfältigste sei, mit dem ich je zu tun gehabt habe (die verbleibenden 350 Millionen Mitglieder waren mächtig beeindruckt).

Ein paar Monate später war ich wieder da (was die Gemeinde mit dem selben Schulterzucken registrierte wie meinen Ausstieg).

Seither bin ich wieder auf dem Laufenden, jederzeit, und wo immer ich gerade bin: Ich weiss, wann This an seiner Arbeit über die Schweizer Geschichte brütet, wo Role einen neuen Krisenherd entdeckt hat, was meine Cousinen gerade backen, wie Peter mit seiner Farm vorankommt, woran Sämi bastelt, was Chantal beschäftigt und auf wessen Konzert sich mein Bruderherz heute wie wahnsinnig freut; wenn Franziska ein Käterchen hat, bin ich darüber genauso im Bilde, wie wenn Hannes beschliesst, beim Grossratswahlkampftheater mitzuspielen, Charly erwägt, mal wieder durch die Alpen zu tschalpen oder Michael sich am Sonntag dazu durchringt, einen Stapel Aufgaben zu korrigieren.

Muss ich das alles wissen? Brauche ich das?

Die erste Frage kann ich mit Nein beantworten. Die zweite hingegen…ich bin mir nicht sicher. Irgendwie habe ich mich inzwischen so daran gewöhnt – wenn auch nur am Rande -, am Leben meiner „Freunde“ und „Freundinnen“ teilzuhaben, dass mir real wohl etwas fehlen würde, wenn die virtuelle Verbindung auf einmal gekappt wäre.

Und falls es mir doch noch einmal verleiden sollte: Inzwischen gibt es ein weltumspannendes und offenbar schnell wachsendes Netzwerk von Menschen, die sich aus Facebook verabschiedet haben.

Mir kommt das allerdings vor, als ob Jeansträger gegen Uniformen protestieren würden.

 

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