Die neue Virklichkeit (XV)

Die Burgdorfer Altstadt ist für einmal (und nur vorübergehend!) menschenleer. Gesprächsstoff haben die Leute trotzdem, wenn auch nicht immer neuen.

Ein bisschen wirkt sie wie die Kulisse für einen Film, die nach dem Abschluss der Dreharbeiten einfach stehengelassen wurde: Seit zwei Wochen ist die Burgdorfer Oberstadt so tot, wie einige Leute schon lange vor Corona nicht müde wurden zu behaupten.

In Aarau, Luzern, St. Gallen, Thun und überall sonst dürfte es ähnlich trostlos aussehen, aber Aarau, Luzern, St. Gallen, Thun und überall sonst sind nicht Burgdorf. Wenn in Aarau, Luzern, St. Gallen, Thun und überall sonst nichts läuft, ist das sicher bedauerlich, aber normal. In Burgdorf hingegen müssen wir uns erst an diesen Friedhofgroove gewöhnen (aber yes, we can! Auch das!).

Eben versammelten sich hier 350 000 Menschen, um den Wägsten und Chächsten zäntume dabei zuzuschauen, wie sie unter sich den König erkoren. Kaum waren sie weg, strömten die nächsten Heerscharen an den Schlossfuss, weil das Fernsehen kam. Ich könnte noch endlos solche Grossereignisse aufzählen, doch irgendwann ist auch mal gut, und abgesehen davon: „Es bringt nichts, sich im Glanz früherer Tage zu sonnen, wenn die Schatten über der Gegenwart lang und länger werden und das Jetzt langsam im Nichts verschwindet“, wie Polo Hofer nie sagte.

Das ist sowieso die grosse Frage: Wie hätte der Chronist des helvetischen Alltags kommentiert, was d Rosmarie und i plus viele, viele andere Menschen seit seinem Tod vor bald drei Jahren im letschte Tram, in Memphis, ufem Betriebigsamt, am Loeb-Egge z Bärn, in Wyssebüel, oder uf däm länge Wäg zu dir besprachen, während sie am rote Wy nippten oder in einer Wiese voller Alperose lagen, nachdem sie Sidi Abdel Assar vo El Hama, Adelina oder ds Lotti gebeten hatten, d Stüehl ewäg zu stellen, weil travailler für sie selber trop dur war?

Ganz einfach wäre ihm das kaum gefallen, ohne sich zu wiederholen: Den Klimawandel hatte er schon 1981 abgehandelt („Äs git e heisse Summer hüür“). Damals konnte man noch dem Amazonas entlangbummeln ohne ständig befürchten zu müssen, einem Eisbären zu begegnen. Mit Ein- und Auswanderern beschäftigte er sich 1980 in „Ännet dr Gränze“. Der Behauptung, dass ihm zum Thema „Corona“ plusminus dasselbe eingefallen wäre wie 1995 mit „Stop Aids“, würden wohl weder Ramona und Mischler Mone noch Johnny Ace und dr blind Willie McTell lange widersprechen, und e liebe Siech schon gar nicht.

Wenn etlichen Menschen in der Burgdorfer Altstadt gestern e Träne i ds lääre Bierglas gheit isch, kann das mit ihrer zunehmenden Vereinsamung oder dem Comeback des Winters zu tun gehabt haben, muss aber nicht. Falls zutrifft, was die Betreiberin eines Pizza-Lieferdienstes auf Facebook rapportierte, war vor allem die Art und Weise, wie die Polizei sich darum bemühte, die öffentliche Sicherheit auf diesem menschenleeren Fleckchen Welt aufrechtzuerhalten, zum Heulen:

Ich bin weit davon entfernt, jedes Kapitalverbrechen gutzuheissen, nur, weil gerade Corona ist. Trotzdem finde ich: Auch in einer Zeit, in der sich jede Berührung auf den Verlauf der Ansteckungskurve auswirken kann, sollte chly Fingerspitzengefühl erlaubt sein.

Oder vielmehr: Gerade dann sollte ein Minimum an Gspüri vorausgesetzt werden dürfen.

Die neue Virklichkeit (XIV)

Es wird auch – und ganz besonders! – in Krisenzeiten gegessen, was auf den Tisch kommt, und wenn auf den Tisch ein Birchermüesli mit Joghurt kam, siehts im Schäli am Schluss so aus.

„Was soll ich heute nur kochen“? – Diese Frage stellt sich den professionellen Heldinnen und Helden am Herd vorläufig nicht mehr, dafür aber mit wachsender Dringlichkeit in Abertausenden von Haushaltungen. Immer nur Spaghetti Fertigbolo, Wienerli mit Büchsenröschti oder Ravioli auf einem Ärbsundrüeblibett: Das kanns nicht sein, nicht auf Dauer, und schon gar nicht auf unabsehbar lange Dauer. 

Ich erwäge deshalb, demnächst einmal (oder vielleicht auch ziemlich regelmässig) Christian Bolliger vom Stadthaus, Lukas Kiener von der Gedult und Manuel Hölterhoff vom Serendib zum Essen einzuladen. Wenn ich ihnen sage, bei mir gebe es nur Conveniencezeug, kommen sie bestimmt von alleine auf die Idee, in ihre Vorratskammern zu steigen, die sie am Abend des 16. März überstürzt verlassen mussten, und ihre Verpflegung selber mitzubringen. In diesen Speichern lagern auf Hundert und zurück kulinarische Schätze sonder Zahl, die langsam gehoben werden sollten; ich sage nur „Ablaufdatum“ und „Lebensmittler“.

Für alle andern, die nicht über so gute Koneggschens verfügen, habe ich hier ein Rezept für ein Essen, das Gross und Klein und Jung und Alt und Dick und Doof gleichermassen sättigt, im Handumdrehen zubereitet und erst noch vegetarierkompatibel ist: Birchermüesliflocken in ein Schäli schütten, Joghurt drüberkippen, umrühren – und fertig ist das Zmorge, Zmittag, Zvieri oder Znacht und darüberhinaus auch noch eine lecker-gesunde Mahlzeit für zwischendurch. 

„Froh zu sein, bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König“, lernten wir in der Sonntagsschule. Und auch wenn uns aus dem Religionsunterricht für die Kleinen unterdessen nicht mehr viel mehr präsent sein mag als unsere erbitterten Debatten um die korrekte Auslegung von Samuel 17. (dort geht es bekanntlich um den Beef, den David und Goliath miteinander hatten) realisieren wir heute, während wir in unseren vier Wänden den grob geschätzt 418. Tag unserer Isolationshaft absitzen, doch: das stimmt. 

Mit dem Frohsein und dem Bedürfen verhält es sich nämlich genauso wie mit der berühmten Weisssagung der Cree-Indianer („Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“), nur mit ohne Wildwestromantik: „Erst, wenn die letzten Kalbsmedaliongs, das letzte Pfund Ghackets, der letzte Rochen, den ihr Stunden vor dem grossen Lockdown im Tankstellenshop eures Vertrauens zusammenramisiert habt, verputzt ist, werdet ihr merken, dass auch ein simples Müesli ein Festessen sein kann.“ 

Gründe zum Feiern gibts aktuell zwar nicht sonder Zahl. Dafür wären reichlich Anlässe dafür vorhanden, chly bescheidener oder – Achtung: grosses Wort! – demütiger zu werden.

Ich weiss natürlich nicht, wie es jedem einzelnen Bewohner und jeder einzelnen Bewohnerin dieses Landes seit dem Ausbruch der Corona-Krise geht. Aber ich vermute stark, dass die meisten von ihnen – ich nehme mich da nicht aus; überhaupt nicht – gerade auf einem sehr hohen Niveau meckern und wettern und fluchen und wehklagen (würden, wenn sies denn täten).

Einigen wenigen kommt die Pandemie möglicherweise sogar nicht einmal ungelegen. Das wegen seiner Sparsamkeit berüchtigte Verlagshaus Tamedia zum Beispiel teilte dieser Tage mit, dass die Werbeeinnahmen wegen des Virus dermassen wegbrechen würden, dass die Arbeitspensen bei sämtlichen Angestellten ab dem 1. April um 10 bis 20 Prozent gekürzt werden müssten. 

Das heisst: Ausgerechnet jetzt, wo die Leserinnen und Leser mehr denn je auf verlässliche Informationen angewiesen sind, setzt das Medienunternehmen den Sparhebel genau dort an, wo Profis aus einem endlosen Strom von Meldungen aller Art rund um die Uhr Nachrichten fischen, auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen und sorgfältig so aufarbeiten, dass ihre Kundschaft jederzeit über den aktuellen Stand der Dinge auf dem Laufenden ist.

Und dabei ist es nicht so, dass die Tamedia nur noch wenige Schritte vor dem Konkursamt stehen würde. Für das Jahr 2019 wies die Firma einen Umsatz von 1,08 Milliarden Franken und einen Gewinn von knapp 100 Millionen Franken aus (ich wiederhole: einen Umsatz von 1,08 Milliarden Franken und einen Gewinn von knapp 100 Millionen Franken).

Damit die Aktionärinnen und Aktionäre auch nächstes Jahr chly öppis von ihren Engagements haben, müssen nun leider, leider weitere Stellenprozente gestrichen werden, weil eben: Corona. Da kann man einfach nichts machen. Sorry, Leute. Ist ja nicht persönlich gemeint.

Trotzdem gilt hoffentlich allgemein: Es geht uns gut. Anderswo tobt die Seuche wie früher die Kampfstiere in den Gassen von Pamplona: In China, Italien, Spanien und Frankreich warten kranke Menschen auf den Böden vor Notfallkliniken darauf, dass jemand sich ihrer annimmt. In New York werden die Viren-Toten in Zelten zwischengelagert, bevor sie in Urnen oder Gräbern ihre letzte Ruhe finden dürfen, und in Indien verfügte die Regierung für 1,3 Milliarden Menschen eine Ausgangssperre.

Das alles sehen wir, gemütlich auf unsere Sofas gefläzt, jeden Abend in der Tagesschau. Am nächsten Morgen ellböglen wir uns um spätestens 7.30 Uhr ins vordere Drittel der Warteschlange vor der Migros, um uns im Rennen um die 500 Rollen Toilettenpapier, die wir bestimmt auch heute benötigen werden, einen guten Startplatz zu ergattern. 

Dass die Habegger aus dem 2. Stock mit dem Geschäfts-SUV ihres Alten schon wieder drei Viertel des gesamten Papierbestandes abzügelt, während wir uns noch überlegen, ob ein Einkaufschörbli für unsere Wochenration von 14 Kilo Zahnpasta wohl genügt, passiert uns ganz sicher nicht ein zweites Mal.

Ich mag mir nicht vorstellen, in wievielen Tiefkühltruhen und auf wie manchen Kellergestellen sich inzwischen Esswaren stapeln, mit denen sich fünfköpfige Familien samt zwei Paar Grosseltern und dem kompletten Satz Gotten und Göttis plus sämtlichen Cousinen und Cousins sowie den angeheirateten Neuzugängen bis im Juni 2042 ernähren könnten, ohne zweimal das gleiche zu futtern.

Eine Woche ist vergangen, seit ich zum letzten Mal ins Fach mit der Fanpost geguckt habe. Was ich damals entdecke („Vollpfosten!“), warf mich psychisch dermassen z Bode, dass ich mir in meinem abgedunkelten Schlafgemach, bis unter die Schädeldecke mit Prozac vollgepumpt und mit bis zum Anschlag aufgedrehten Lautstärkereglern 24/7 Trost bei Xavier Naidoo suchend („…verlierst noch genug Blut, Schweiss und Tränen auf dem Weg, der vor dir liegt…“), vornahm, nie mehr auch nur in seine Nähe zu gehen.

Aber natürlich war der Gwunder irgendwann stärker als der Überlebensinstinkt. Ganz süüferli, als ob darin ein Monster mit spitzen Zähnen und rasiermesserscharfen Klauen dösen würde, öffnete ich letzte Nacht den Mailordner dieses Blogs, leuchtete mit der Taschenlampe meines iPhones hinein und entdeckte…

…nichts. Kein Lob, kein Tadel, keine Kritik. Wo sonst Heiratsanträge, Spermabestellungen und Morddrohungen aufgetürmt sind, lagen lediglich zwei halbverrottete Spammails aus Nigeria, die mich stumm anflehten, sie von ihrem Leiden in der Finsternis zu erlösen.

Ich tat ihnen den Gefallen, klickte auf „Löschen“ und ging heiteren Gemüts in die Küche, um mir ein Birchermüesli zu zaubern.

Nachtrag: Wenige Tage nach der Tamedia beantragten auch die NZZ-Gruppe und CH-Media Kurzarbeit.

Die neue Virklichkeit (XIII)

Kleiner Aufwand – grosse Freude: Ein simpler Bummel der Emme entlang erscheint inzwischen nicht nur Angehörigen der Risikogruppe wie ein Geschenk.

Vor vier Stunden begann die Sommerzeit, für den Nachmittag ist Schnee angesagt: Das liest sich auf den ersten Blick ein bisschen schräg. Beim zweiten Hinsehen passt es in einer Welt, in der nur noch ganz wenig ist, wie es im Grunde schon lange vor dem Corona-Ausbruch zum letzten Mal war (also gegen Ende des verflossenen Jahrtausends, ganz bestimmt aber vor 9/11, dem Klimaschock und der Flüchtlingskrise) jedoch recht gut zusammen.

Die Zeit spielt, sicher nicht nur für mich, immer mehr eine Nebenrolle. Gestern realisierte ich erst lange nach dem Aufstehen, dass Samstag ist. Vorher war ich davon ausgegangen, wir hätten Mittwoch. Die Tage fühlen sich alle gleich an. Was auch immer sie einst voneinander unterschieden haben mochte (Wochenplanungssitzung am Montag, Yoga am Dienstag, Singprobe am Mittwoch, Vorstandstreffen am Donnerstag, Jassen am Freitag, Swingerclub am Samstag, Kirchgang am Sonntag), strich ein von blossem Auge unsichtbares Etwas über Nacht aus den Agenden von Millionen von Menschen.

Mit einer Freundin und einem Freund bummelte ich am Nachmittag der Emme entlang. Erleichtert stellten wir fest fest: Der Fluss, die Enten, die Bäume, die Sträucher – es ist noch alles da. Und wirkt ungleich schöner denn je. Bevor wir nach einer Stunde Unsfreuens auseinandergingen und uns vor den Bakterien versteckten, versicherten wir uns, dass das nicht unser letztes Ausflügli gewesen sei.

Es hatte sich angefühlt wie Miniferien. Es öffnete für uns einen Spalt in das Leben, das wir uns alle zurückwünschen (obwohl wir ahnen, dass wir es, zumindest in der uns vertrauten Form, nicht zurückerhalten werden) und ermöglichte uns, über viele kleine Naturwunder zu staunen, an denen wir im Februar achtlos vorbeigegangen wären. Es gab uns die Gelegenheit, mit anderen Menschen zu reden, Gedanken auszutauschen und zäme zu lachen.

Es tat, kurz gesagt, einfach gut; wie ein eisgekühltes Cola Zero an einem glutheissen Sommertag. Solche Erfrischungen stehen für uns nach wie vor bereit. Sie sind bis auf Weiteres allerdings nur in schnell geleerten Eindezigläschen zu haben.

Eigentlich machen die meisten von uns seit dem Lockdown am 16. März ja nichts anderes als das, was John Lennon (für die jüngeren Leserinnen und Leser: John Lennon war ein englischer Musikant, der es weit hätte bringen können, wenn er nicht am 8. Dezember 1980 erschossen worden wäre) auf seinem letzten Album „Double Fantasy“ besang: Sitting here watching the wheels go round and round.

Der Unterschied zu ihm ist einfach, dass wir höchstens noch in mondlosen Nächten um 2 Uhr in den Park gehen, damit uns niemand wegen fahrlässigen versuchten Massenmordes anzeigen kann, uns vor und nach dem Teigkneten die Hände chemisch reinigen, bald nur noch dank der Schilderungen unserer Vorfahren wissen, was ein Rummelplatz ist und keine Ahnung haben, wann wir das nächste Mal einen Strand sehen werden, und ob überhaupt je.

Die Hoffnungen darauf scheinen halbwegs intakt zu sein. An einer Medienkonferenz sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit gestern: „Die schlimmsten Prognosen, die wie vor ein paar Wochen gemacht haben, sind nicht eingetreten.“

Ich verbuchte das sogleich als gute Nachricht, wunderte mich aber im selben Moment darüber, dass das Gehirn und das Gemüt sich offensichtlich schon mit sehr wenig zufriedengeben, um etwas positiv zu werten.

Schön ist auf jeden Fall: Im Haus gegenüber lebt ein Mann, der oft genau dann aus dem offenen Fenster schaut, wenn ich auf dem Balkon meinen Nikotinhaushalt regle. Ich weiss nicht, ob er alleine da wohnt oder ob seine Frau ihren Kopf erst nach dem Eindunkeln für ein paar Minuten ins Freie halten darf, aber das ist ja egal (ämu mir, der Frau vielleicht weniger).

Erst fiel uns nicht auf, dass wir häufig gleichzeitig das Bedürfnis nach einer kurzen Luftveränderung verspüren. Dann begannen wir, ein bisschen zu grinsen, wenn wir uns sahen. Inzwischen winken wir uns manchmal zu.

Wenn das so weitergeht (und das geht es, irgendwie, ja zweifellos), halten wir in vier oder fünf Wochen grosse Kartons mit unseren Vornamen hoch, um uns einander vorzustellen.

Die neue Virklichkeit (XII)

Wer die Veranstaltungen des Jahres 2020 mit wasserfestem Filzstift in die Agenda einträgt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er alle paar Wochen einen neuen Terminplaner kaufen muss.

Zu Dritt sassen wir so gemütlich, wies mit je zwei Metern Abstand halt geht, in der Wohnung einer Freundin und bemühten uns, nicht über das Thema zu sprechen. Das ist aber, wie längst alle wissen, unmöglich. Corona bestimmt unser Leben von A wie „Animationsprogramm für die Kinder“ bis Z wie „Zusammenbruch der Nerven“, wenn A den Kleinen verleidet oder die Grossen zwischendurch eifach nümm möge.

Also sprachen wir trotzdem chly drüber, und als wir uns nach einer Stunde berührungsfrei voneinander verabschiedeten, taten wir das so herzlich, als ob wir uns soeben zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder gesehen hätten und uns frühestens in 32 Jahren erneut treffen würden.

Sie werden immer wertvoller, diese Lichtlein im Dunkel der Ungewissheit.

Aber damit: genug der inneren Einkehr, genug des Reflektierens, genug des Sichaufsichselberbesinnens. Es bringt ja doch nichts. Solange Angela Merkel an ihren 5G-Windkrafträdern festhält, müssen wir mit diesem Virus leben, ob wir nicht wollen oder nicht.

Etwas Gutes haben die Bazillen ja: Wegen ihnen ist die alle Jahre wieder mit Hochspannung erwartete und oft zu wüsten Schlägereien unter Sprachwissenschaftern führende Wahl zum „Begriff des Jahres“ schon im März so gut wie entschieden. Gewinnen werden „Stand heute“ oder „Social Distancing“.

„Stand heute“ sagt inzwischen jeder, der etwas plant, was sich später als in zwei Stunden ereignen soll. „Stand heute“ finde die BEA 2020 statt, sagten die Organisatoren wenige Tage, bevor sie den Anlass absagten. Vor Kurzem vermeldete die Finanz&Wirtschaft, „die ausserordentliche Performance des zurückliegenden Jahres“ sei für die Pensionskassen „stand heute“ so gut wie weggewischt. Das Geld dürfte inzwischen folglich versickert sein.

Stand heute darf davon ausgegangen werden, dass das Oberemmentalische Jodlertreffen vom 9. Mai in Trubschachen ebenso steigt wie das tags darauf am selben Ort angesetzte Emmentalische Schwingfest (super: für beide Anlässe genügt ein Link), das Gurtenfestival vom 15. bis 18. Juli oder die „Sternissage“ vom 27. November, zu welcher der Altstadtleist und die Detaillistenvereinigung Pro Burgdorf die Bevölkerung heute schon herzlich einladen…

…aber äbe: Es gibt bestimmt bessere Ideen, als sich diese Termine mit wasserfestem Filzstift in die Agenda einzutragen.

Zum „Social Distancing“ hat sich Manuel Dubach, der reformierte Pfarrer von Burgdorf, Gedanken gemacht:

Falls jemand ebenfalls einen so lässigen Hirten haben möchte, der nebst allem anderen auch erklärt, wies „wieder meh Müntschi“ gibt, kann ich nur sagen: frohes Suchen; das könnte dauern.

Ich möchte nicht wissen, wie der Pfarrer, der um das Jahr 1980 herum mich und zwei Dutzend weitere vollpubertierende Vokuhila-Desperados und Rüeblijeans-Desperadösen zu konfirmieren das Vergnügen hatte, auf ein solches Ereignis reagiert hätte. Vermutlich gar nicht. Ihm ging es vor allem um die Zuschauerzahlen bei seinen Auftritten. Um sie künstlich hochzuhalten, war Dieter K. jedes Mittel recht, auch wenn es jeder Menschenrechtskonvention Hohn spottete.

Wer ihm vor dem feierlichen Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter nicht mindestens 25 Mal live gelauscht habe, werde nicht konfirmiert und damit Pasta, verkündete er unseren Eltern und deren Schutzbefohlenen, was bedeutete, dass wir mit Blick auf eine möglichst üppige Bescherung am Tag X etliche Sonntagmörgen bei ihm in der Kirche absassen statt am lauschigen Hallwilerseeufer über den Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan oder das zarte Erblühen der Grünenbewegung zu debattieren mit hochtourig wechselnden Studienpartnerinnen das theoretische Wissen aus dem „Bravo“ in die Praxis umzusetzen (zu versuchen) und dazu den lieblichen Klängen fremdländischer Musikantinnen und Musikanten zu lauschen.

Zum Beleg unserer Anwesenheit mussten wir dem Herrn Pfarrer regelmässig rosarote Zettelchen vorlegen, die uns der gestrenge Kirchensiegrist vor dem Gottesdienst aushändigte. Die Schlaueren unter uns liessen sich beim Hinausgehen gleich noch eines geben („ich habe das andere irgendwie drinnen verloren“) und konnten ihre Zwangspräsenzzeit so elegant halbieren.

Jetzt aber: zurück ins Jahr 2020, zurück zu Corona und damit zurück in die Isolation. Ich merke mehr und mehr, dass Fernsehen keinen Spass macht, wenn man tagsüber weitgehend beschäftigungsfrei zuhause herumhängt. In meiner Swisscom-Box sind ungefähr 50 Spielfilme, Dokumentationen und Serien abgespeichert, die ich einst, bevor ES über uns kam, aufnahm für den Fall, dass es mal ein Wochenende lang regnen sollte.

Jetzt regnet es zwar nicht, aber drinnen sitze ich trotzdem die ganze Zeit. Ich hätte endlos Möglichkeiten, die Konserven zu leeren, doch irgendwie fehlt mir dazu einfach die Lust. Fernzusehen scheint nur dann wirklich Spass zu machen, wenn es eine Art Belohnung darstellt oder eine Abwechslung von der Arbeit bietet. Wenns nichts zu belohnen gibt und vorher null Büez anstand, gibts keinen – gut: fast keinen; etwas ist am Ende ja immer – Grund, sich aufs Sofa zu fläzen, um etwas zu gucken.

Irgendwie verhält es mit den Arte-Dokus heute wie mit den Sexfilmen früher: Im zarten Teenageralter frästen wir Siebesieche auf unseren fast standardmässig mit Tschinggen-Töpfen versehenen Ciaos und üppig verchromten Zweigang-Sachs regelmässig ins Nachbardorf, um Geni Wörner in seinem Kassenhäuschen brandschwarz vorzulügen, wir seien für die Nocturnen in seinem Kino Rössli alt genug.

„Auf der Alm, da gibts koa Sünd“, „Liebesgrüsse aus der Lederhose“, Dutzende von *räusper* Aufklärungsstreifen aus dem Hause Kolle, unzählige Reportagen über liebestolle Schwedinnen plus „Eis am Stiel“ I – XXVII: Wir liessen, ein Sanagol nach dem anderen chätschend, nichts aus. Doch sobald wir 18 Jahre alt waren und diese Filetstücke cinéastischen Schaffens ganz legal hätten geniessen dürfen, interessierten sie uns nicht mehr.

Und jetzt, liebe Erwachsene, wirds endlich Zeit für euer Animationsprogramm:

Die neue Virklichkeit (XI)

„Ein Glücksfall für die Schweiz“: Ob er bei Politikern und in der Bevölkerung gut ankommt, interessiert Daniel Koch nur sehr bedingt. Wichtiger sind dem BAG-Spitzenbeamten Zahlen und Fakten.

Sehr geehrter Herr Dr. Daniel Koch

Einerseits kann ich mir kaum vorstellen, dass Sie in diesen Tagen gross dazu kommen, zu lesen, was über Sie geschrieben wird. Falls Sie einmal ein Eggeli Freizeit haben, nutzen Sie das sicher lieber, um mit Ihren zwei Boxern und Ihrem Schlittenhund nach draussen zu gehen oder um – falls es sich um eine mehrstündige Pause handeln sollte – einen Halbmarathon zu laufen.

Andererseits gehören Sie vermutlich ohnehin nicht zu den Leuten, die vor jedem Satz, den sie sagen, und jeder Geste, die sie machen, überlegen, was der Rest der Welt davon hält. Sie reden, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist, und tun, was Sie für richtig halten. Im Gegensatz zu zahllosen anderen Personen der Zeitgeschichte ist Ihnen der Unterschied zwischen „Sein“ und „Schein“ sehr bewusst.

Ich schreibe Ihnen trotzdem, aber weniger, weil ich will, sondern mehr, weil ich sozusagen von innen heraus muss. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, Ihnen Danke zu sagen.

Spätestens, seit das Corona-Virus auch in der Schweiz wütet, sind Sie in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eine Art Feldherr, der die Nation im Kampf gegen den Eindringling anführt. Diese Rolle haben Sie ganz bestimmt nicht gesucht – in wenigen Wochen werden Sie, zumindest theoretisch, pensioniert – aber Sie füllen sie aus, als ob Sie in Ihrem Leben nie etwas anders getan hätten, als sich scheinbar übermächtigen (und in diesem Fall sogar unsichtbaren) Gegnern zu stellen.

In einem gewissen Sinn trifft das sogar zu: Bevor sie vor 18 Jahren für das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) zu arbeiten begannen, wirkten Sie 14 Jahre lang als Arzt für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Im Einsatz für das IKRK mussten Sie im Bürgerkrieg von Sierra Leone mit ansehen, wie Kindersoldaten die Hände abgehackt wurden. In Uganda behandelten Sie Menschen, die Opfer unvorstellbarer Gräueltaten geworden waren.

Wer Solches er- und überlebte, zählt nicht eilig seine Überstunden zusammen, um ein paar Wochen früher als geplant in den Ruhestand flüchten zu können, wenn er bemerkt, dass tödliche und hochansteckende Bazillen Kurs auf die Schweiz nehmen. Der spürt, dass es auf der Kommandobrücke ab sofort jemanden braucht, der nicht nur über unendlich viel Fachwissen verfügt, sondern dem auch – oder vor allem – ein grosses Mass an Gelassenheit eigen ist, um Millionen von Menschen von Anfang an spüren zu lassen, da oben sitze jemand, der weiss, wovon er spricht.

Dieses beruhigende Gefühl, sehr geehrter Herr Koch, vermitteln Sie uns, seit Corona in der Schweiz zu wüten begann. Fast rund um die Uhr erläutern Sie als Pandemieexperte Medienschaffenden und damit uns allen den aktuellen Stand der Dinge, ohne etwas zu beschönigen oder zu dramatisieren. Hochkomplexe Zusammenhänge vermitteln Sie auf eine Art und Weise, die jeder und jede versteht. Und wenn Sie einmal etwas nicht wissen, sagen Sie frank und frei, dass Sie das nicht wissen. Auch das schafft Vertrauen.

Wenn Sie vor den Mikrofonen der Radio- und TV-Anstalten sitzen, ist Ihnen zweifellos bewusst, dass Ihnen in Wohnungen, Büros, Altersheimen und Spitälern in diesem Moment zig Leute voller Sorgen, Ängste und Hoffnungen zuhören.

Auf Ihren Schultern lastet eine unfassbar schwere Verantwortung. Eine falsche Bemerkung von Ihnen kann eine Panik auslösen und ein missverständlicher Satz den Aktienmarkt erschüttern. Aber wenn man Sie und einen Wettermoderator nebeneinander auf einem Bildschirm zeigen und den Ton abstellen würde: kein Mensch wüsste, welcher der beiden Herren gerade über ein Tiefdruckgebiet und welcher über vier neue Todesopfer informiert.

Sie sind die coolste Socke, die ich je „kennen“lernen durfte, und glauben Sie mir: In den letzten 54 Jahren sah ich von dieser Gattung schon das eine und andere Prachtsexemplar.

Menschen aus Ihrem Umfeld nennen Sie „bescheiden“ und „zuverlässig“ und „bis zu einem gewissen Grad stur“ (das sagte der frühere BAG-Direktor Thomas Zeltner , Ihr ehemaliger Chef). Ruth Humbel, die Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission, stellte fest, Sie seien mit ihrer „ruhigen“ und „sachlichen“ Art „ein Glücksfall für die Schweiz“. Der frühere FDP-Ständerat und Präventivmediziner Felix Gutzwiller konstatiert, Sie würden sich „voll und ganz fürs Land einsetzen, ohne sich in den Vordergrund zu stellen“ (sämtliche Zitate sind der Schweizer Illustrierten vom 22. März entnommen. Zum kompletten Porträt gehts hier entlang).

Der Berner Zeitung fiel auf (das Porträt ist online nicht gratis zugänglich): „Einem asketischen Meditations-Guru gleich scheint es ihm zu gelingen, den kollektiven Puls der Schweizer Bevölkerung um ein paar Schläge pro Minute auf ein erträgliches, gesünderes Mass zu senken.“ Sie würden stets erwarten, dass Entscheide basierend auf Daten und Fakten gefällt würden, ergänzte in der BZ Ihr Ex-Chef Zeltener. Ob Sie damit damit bei Politikern und der Bevölkerung gut ankommen oder nicht, sei Ihnen „egal“. Das mache Sie „zur bestmöglichen Variante eines Staatsdieners“.

Leute, die zu Beginn dieses Monats noch nicht wussten, dass es Sie gibt, verehren Sie als „unser aller Fels in der Brandung“ und loben, „Sie machen einen unglaublich guten Job!“ Für andere sind Sie „ein Charakterkopf der alten Schule“. Eine Leserin formulierte es, vor lauter Begeisterung etwas aus dem grammatikalisch-orthografischen Häuschen geraten, aber zutreffend, so: „Wie sie sich als Person ausweisen mit ihrer ruhigen besonnen Art kompetent und verlässlich authentisch wie sie sich in den Medien auten ist zu den täglichen News die richtige Person welche unser Land jetzt braucht kein grosser Schwätzer aber ein Kämpfer sachlich mit einem Durchhaltewillen“.

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um vorauszusagen: Wer auch immer sich Chancen darauf ausrechnet, im Dezember zum „Schweizer des Jahres“ erkoren zu werden, begräbt seine Hoffnungen besser schon heute als erst morgen. Diesen Titel holt sich heuer keine Sportskanone und kein Star aus der Unterhaltungsbranche und kein Politiker und kein Wirtschaftsführer, sondern der Chef-Bundesbeamte Daniel Koch, und zwar von mehr Pauken und Trompeten begleitet als sämtliche seiner Vorgängerinnen und Vorgänger zusammen.

Der Letzte, der auf diese Auszeichnung spaniflet, sind Sie. Wenn Sie dereinst auf die Bühne gehen, um den Preis entgegenzunehmen, werden Sie – nicht nur „Stand jetzt“, um eine Ihrer Lieblingsformulierungen zu verwenden – kaum mehr sagen als „ich habe doch nur meinen Job gemacht.“

Allen anderen im Saal und an den Bildschirmen zuhause wird jedoch klar sein: Sie retteten unzähligen Bewohnerinnen und Bewohnern dieses Landes das Leben.

Die neue Virklichkeit (X)

Offen & ehrlich gesagt weiss, ich auch nicht was dieses Bild hier soll aber ich finde es supper wie von Salfador Piccaso.

Tag 10 des grossen „Lockdown“, oder auch Tag 18 oder 204, wer weiss das schon noch und was spielt das überhaupt für eine Rolle, es ist, wies ist, und wenn diese Coronasache tatsächlich ein Experiment sein sollte, wie viele Leute im Internet behaupten, wäre es langsam an der Zeit zu sagen, gut, stopp, wir habens kapiert, nur leider ist das kein Versuch, sondern live und ohne Playback, nicht wie bei, ziemlich sicher, Helene Fischer, bei der ich immer grösste Zweifel daran hatte, ob sie wirklich über zwei Stunden lang mit Vollgas auf einer Bühne herumturnen und gleichzeitig singen konnte, aber erstens hat sich das mit Helene Fischer und der Bühne inzwischen ja von alleine erledigt und zweitens fragte ich mich das mit dem Turnen und dem Singen früher schon bei Tina Turner, wir sind ja nicht blöd, wir Fans, auch wenn wir für ein Billet oft 150 Franken bezahlten, aber bei Tina Turner war das etwas anderes, um nicht zu sagen, etwas ganz anderes; Tina Turner hätte in ihren High Landern auch einfach nur einen Abend lang dastehen und ein- und ausatmen dürfen und wir wären immer noch rundumverzückt vor ihr gestanden und hätten unsere Feuerzangenbowlen geschwenkt und uns potzpotz, in dem Alter! zugeraunt aber ich merke gerade ich schweife ab nur wovon?

Läck, ist das schön. wie draussen auf der Hofstatt der Brunnen plätschert wie die Mühle am rauschenden Bach, klippklappklippklapp, und nur im Fall: die Hofstatt hiess schon Hofstatt, bevor ich neben ihr einzog, das heisst; es war nicht so, dass sie auf der statt Verwaltung, kaum hatte ich dort meine neue Adresse deponiert, alles stehen- und liegenliessen um diesen Platz nach mir zu benennen, das hätte gerade noch gefehlt (wäre aber ein flotter Zug gewesen, muss man sagen wenn auch nicht nötig, weil eben: wieso zum Teufel soll man eine Hofstatt in Hofstatt umtaufen? Was das die Stadt wieder kosten würde für nichts und wieder nichts und für nichts und wieder nichts gibt sie bekanntlich auch so schon genug aus nur darf man das nicht laut sagen sonst kommt plözlich Pesche von der Stadtpolizei mit den Handschellen und THAT WAS IT DENN FOLKS! drum schreibe ichs nur s liest’s ja eh keiner und schon gar nicht Pesche ).

(Moment, ich muss mich zusammen – reissen es geht gleich weiter ich habe nur ein bischen Kopfwe.)

So jetzt läufts wieder wie am Schnürchen der Kühlschrank brummt und die Grillen zirpen wie in Spanien dort sind sie im Moment auch mega im Seich und drum an dieser Stelle: ¡Hola! Gran Canaria!, wies aussieht wird aus uns beiden in diesem Jahr nichts mehr und im nächsten vermutlich grad noch einmal nicht und manchmal stelle ich mir vor wies bei euch unten ächt grad am Meer aussieht ohne die Menschen & die Turisten äuä nicht so schön oder vielleicht sogar noch schöner als sonst, weil die Blüttler weg sind, niemand weiss ES und, niemand kann nachschauen gehen und sowiso kann eigentlich sowieso kein Mensch etwas machen weil: der Bundesrat gesagt hat fertiglustig und zackbumm waren die Beitzen und die Soaps in der Burgdorfer Altstatt und überall sonst auch inklusive Maspalomas zu das hat sich an den lezten Weinachten sicher niemand so forgestellt so wass aber auch mann glaubtz einfach nicht

Ich see grad, Forgestellt schreibt man mit V! Koncentrier dich Hofreutener!

Gestern war 1 Frau* in meiner Wohnung seidher habe ich Vorhänge und übermorgen kommt ein Mann wägem LIecht wenn mich nicht alles teuscht. DAnn ist alles tutti completti und so richtig gemütlich abe r es geht mir auch sonst gut so muttersellenaleine und gopferlassen fast ohne Licht im dunkeln isst gut munkeln höhöhö. Ich habe was ich brauch und das eintzige was mich gelehgentlich stört sind die vielen Läute die dauernd auf mich einreden obwohl ichweit und breit der einzige bin hier sie reden am Tag und Nachts und wenns gantz blöd kommt sogar rund um dir uhr, abgesehen davon wärs supper wenn die Kackadus vor dem Fenster mal gefüdert werden würden aber die nachbarin läuft lieber immer füdliblutt wäh! durch die wohnung mit mir kannmans ja machen wir machen chly Musig

das waren noch Zeiten yeeeeh!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Kurtz / gut es gibt keinen Grund um sichummich Sorgen zu machen ewrisigns gone bi olreit ewrisigns gone bi olreit singt Bob marli und wo er recht hatt hatt er recht auch% wenn er tod ist . und ich fräuemich schon auf morgen

Die neue Virklichkeit (IX)

Fix und fies: Bevor wir wussten, wo genau Wuhan liegt, war das Virus bei uns.

Wies Bisiwätter (es gab eigentlich keinen Grund, diesen Beitrag mit „Wies Bisiwätter“ zu beginnen, aber weil auch „Wies Bisiwätter“ zu jenen schönen Mundartbegriffen gehört, die von der Gesellschaft eines Tages häb-chläb im Keller der Sprachgeschichte entsorgt wurden, wo sie auf dem Boden einer staubbedeckten Truhe seither so verzweifelt auf ein Comeback hoffen wie Mel Gibson oder Kim Basinger

(diese Augen!),

dachte ich, das wäre jetzt amänd eine gute Gelegenheit, ihm etwas Licht und frische Luft und, vor allem, Hoffnung zu gönnen, zog ihn aus der Kiste, schüttelte ihn durch, klopfte ihn ab und setzte ihn an den Anfang dieses Textes.

Dort sitzt er nun, mit einem glücklichen Lächeln im zerfurchten Gesicht, lässt die knorrigen Beinchen so gut, wies halt noch geht, über Kim Basingers Locken baumeln und rechnet seine Überlebenschancen neu aus.

Sie stehen nicht schlecht: Wenn nur zwei von hunderttausend Leserinnen und Lesern finden, „oh, das ist jetzt noch schick, dieses ‚Wies Bisiwätter‘ und es dann selber wieder gelegentlich einsetzen, vermehrt es sich schneller als die Mitglieder der Kelly Family und darf sich zumindest für die nächsten paar Jahrzehnte als gerettet betrachten.

Das alles wollte ich gar nicht erzählen, oder ämu nicht in solch epischer Länge, aber manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann eben tun muss, ganz besonders jetzt, wo jeden Tag mehr Menschen von der Sonnenseite des Lebens auf the dark side of the moon verbannt werden, wo sie sich bange fragen, ob sie von dort je wieder zurückkehren dürfen und wenn ja, was sie in der alten Heimat dereinst wohl antreffen (und was ziemlich sicher nie mehr).

Und damit zurück zum Bisiwätter. Wie Selbiges raste Corona in den vergangenen Wochen rund um den Erdball. Im Dezember hatten die Chinesen das Problem noch exklusiv für sich, aber nicht für lange. Als der Durchschnittseuropäer den Atlas, in dem er auf der Doppelseite „Zentralafrika“ stundenlang dieses cheibe Wuhan gesucht hatte, verärgert zuklappte („Vrene, mir bruuche e neue!“), frästen die Viren durch den Gotthard nicht nur nach Bellinzona, Basel und Zürich, sondern auch in schöne Gegenden wie, sagen wir, das Emmental.

Trotzdem ist das (oder der?) Coronavirus SARS-CoV-2 (soviel Bluff musste jetzt einfach sein) für die meisten Leute immer noch etwas eher Abstraktes, weil nur wenige jemanden kennen, der oder die daran erkrankt ist.

Mir ging es auch so, bis gestern Morgen um 9.35 Uhr. Um diese Zeit teilte mir ein Freund fernmündlich mit, dass sich eine gemeinsame Bekannte in Heimquarantäne befinde, weil sie positiv auf Corona getestet worden sei.

Ich sah diese Frau zum letzten Mal im Herbst vergangenen Jahres und habe folglich keinen Grund, anzunehmen, sie könnte mich ebenfalls infiziert haben. Etwas mulmig wurde mir dennoch zumute, als ich von ihrem Schicksal hörte.

Als Kollege entbot ich ihr schriftlich meine besten Genesungswünsche. Als Journalist fragte ich sie, ob sie bereit wäre, mir in einem Interview für diesen Blog zu erzählen, wie sich ihr Leben nun anfühle.

Wenig später schrieb sie zurück, sie sei nach dem ärztlichen Bescheid „in eine Schockstarre“ gefallen und möchte nun erst einmal die Quarantäne abwarten. Von ihrer Erkrankung habe sie zufällig erfahren. Ihr Arzt habe bei ihr als Risikopatientin im Rahmen einer anderen Abklärung einen Abstrich gemacht und sie 24 Stunden später wissen lassen, sie habe sich trotz der „zig Vorsichtsmassnahmen“, die sie gegen das Virus ergriffen hatte, irgendwo angesteckt.

Seither sitze sie, von der Aussenwelt isoliert, zuhause. Dort erlebe sie „Momente des Hinterfragens, des Bangens, aber auch des Lachens mit meinem Mann durch den kleinen offenen Spalt meiner Schlafzimmertür“.

„…aber auch des Lachens mit meinem Mann durch den kleinen offenen Spalt in meiner Schlafzimmertür“: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich im Zusammenhang mit Corona in den nächsten Wochen etwas noch Liebe-Volleres werde lesen dürfen.

Die neue Virklichkeit (VIII)

Der Chrampf ist derselbe wie früher im Büro. Aber auch wenn sich die Büez nun von zuhause aus erledigen lässt: Der Austausch mit den Arbeitsgspändli fehlt manchen Homeofficlenden halt schon.

Andere Zeiten, anderes Tippen: Seit einer Woche arbeitet ein grosser Teil der Schweizer Werktätigen in eiligst installierten Homeoffices. Aber je länger diese Pandemie dauert, desto mehr frage ich mich, wie weit es mit dem Arbeiten zwischen Abwaschbecken und Windelkommode manchenorts tatsächlich her ist.

Allpott schneit es mir aus Privatbüros Onlinespiele („Stadt, Land, Fluss“ ist gerade der Tophit), Fotowettbewerbe, Katzenvideos, Rezepte („gegen den kleinen Hunger zwischendurch“) und Artverwandtes auf den Schreibtisch. Doch wenn man sich bei Leuten, die derlei tagein und -aus grossflächig streuen, danach erkundigt, wies denn so laufe mit der Büez zuhause, antworten sie auf Hundert und zurück: „Es ist ganz angenehm, aber natürlich schon viel stressiger als vorher (Kinder, Schildkröten, Haushalt usw.). Am meisten fehlt mir der regelmässige Gedankenaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen“.)

Frei übersetzt heisst das: Statt am Selecta-Automaten im 2. Stock von 8.00 bis 11.30 und von 13.00 bis 17 Uhr nonstopp über gerade abwesende Teilzeitmitarbeitende, krank darniederliegende Gspändli oder vaterschaftsurlaubende Vorgesetzte abzulästern, beglücken sie Unschuldige nun vom Stubentisch aus mit all dem Krempel, den sie auf ihren Entdeckungsbummeln durchs World Wide Web gleich hinter dem Eingang links in der Abteilung „Zeittotschläger“ finden.

Aber es gibt in diesen Tagen auch Erfreuliches zu sehen. Derlei zum Beispiel

oder Söttigs

(zK. Virus Viral, A. Pokalips, Uppsala usw.: Bevor ihr mich gleich mit Fanpost zum Themenkreis „Gelebtes Christentum“ eindeckt, möchte ich euch versichern, dass ihr zäntume niemanden finden werdet, der über Ostern besser Bescheid weiss als Manuel Dubach. Er ist reformierter Pfarrer in Burgdorf. Aber jetzt, dessenungeachtet: An die Tastaturen, fertig, los!).

und überhaupt stelle ich fest: Je grösser die Not, desto mehr lernt man ganz von alleine, sich wieder über die kleinen Dinge zu freuen, die im „normalen“ Alltag so selbstverständlich wurden, dass man sie gar nicht mehr beachtete.

Mein persönlicher Höhepunkt des letzten Sonntags war ein Treffen mit dem Hüeti von Tess. Zehn Minuten lang sassen wir zwei Meter voneinander entfernt auf einem Bänkli vor ihrem Haus, schlürften ein Kafi, das sie mit nach unten gebracht hatte, und verputzten dazu ein Aufbackgipfeli und ein Laugenzöpfli aus dem Tankstellenshop.

Gestern traf ich auf dem Weg zu meinem Zigarettendealer eine Freundin, die gerade ihren Hund geleert hatte. Normalerweise laufen wir uns fast jeden Tag einmal über den Weg. Es war für mich bis vor Kurzem nichts Besonderes, sie zu sehen (falls sie gerade mitlesen sollte: Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Selbstverständlich ist es für mich jedesmal etwas total Spezielles, deiner Präsenz gewahr zu werden, doch in diesem Fall meine ich ein anderes „Besonderes“. Nicht das normale, sondern…aber ich merke schon: dieses Eis ist schon zu dünn geworden, um darauf noch weitere Faux pas zu riskieren).

Jedenfalls: Für mich fühlte sich dieser Kürzestschwatz an, als ob nach einer Woche Nebel auf einmal die Sonne durch das Grau blinzeln würde.

Was mir langsam ein wenig Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass meine Toilettenpapierreserven zur Neige gehen. Aktuell bestehen sie noch aus einer Rolle Hakle Vierlagig und einem Bündel Zeitungen. Die Bürobriefbögen möchte ich nur ungerne zweckentfremden. Noch habe ich die Hoffnung darauf, in einer unabsehbar fernen Zukunft wieder Offerten und Rechnungen verschicken zu können, nicht aufgegeben.

Versuche, den Vorrat aufzustocken, scheiterten am Samstag- und Montagmorgen kläglich. In den Coops in der Schützenmatte und im Bahnhofquartier war, inklusive 300 verschiedener Sorten Aprikosenjoghurts, alles im Überfluss vorhanden, nur WC-Papier gabs eine halbe Stunde nach der Türöffnung keines mehr.

Nun sondiere ich im Freundeskreis, wann der strategisch richtige Zeitpunkt ist, um Nachschub zu besorgen. Wenn ich die Hinweise meiner Gewährsleute richtig interpretiere, schlage ich am besten zwischen 15 und 16 Uhr zu. Dann haben sich die meisten Zeitgenossinnen und -genossen mit dem Nötigsten eingedeckt und die Verkäuferinnen und Verkäufer die Bestände neu aufgefüllt. In den Läden befinden sich zu diesem Zeitpunkt immer noch Menschen. Die Berufspanikerinnen und -paniker können mit ihren Sattelschleppern also nicht zu den Regalen mit den Hygieneartikeln vorfahren, ohne Verletzte und Tote zu riskieren.

Andererseits: Was zählt für den Hamsterer schon ein Menschenleben im Vergleich mit einem Palett Toilettenpapier?

Die neue Virklichkeit (VII)

Ohne Internet hätte es 68 Jahre, 14 Monate, 8 Wochen und 17 Tage gedauert, bis das Corona-Virus medial bei uns angekommen wäre.

Als ich vorhin die letzten Corona-Nachrichten mit aktuellsten Fallzahlen. Livetickern, hastig in Laptops gehackten Reportagen aus Krisenregionen, Podcasts von Gesundheitsfachleuten, vor wenigen Minuten lancierten Hilfsaktionen und einem Blutspendeaufruf sichtete, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Was wäre gewesen, wenn dieses Virus vor dem Internetzeitalter gewütet hätte?

Mails, Skype oder Whatsapp gab es Mitte der 80er Jahre genausowenig wie Facebook, Twitter oder Youtube. Lokal- und Tageszeitungen informierten Herrn und Frau Schweizer über das Geschenen vor ihren Wänden, im Wankdorf und in Washington. Die elektronische Medienlandschaft bestand aus dem Radio und Fernsehen SRF, der ARD und dem ZDF.

Nachrichten erreichten ihre Publikum nicht selten mit grosser Verspätung. Am 26. April 1986 zum Beispiel explodierte in Tschernobyl ein Atomreaktor. Erst drei Tage danach erschienen in westlichen Medien die ersten Berichte über das Unglück.

Wenn man das inflationsbereinigt und aufgrund meines mathematischen Basiswissens hochrechnet, kommt man automatisch zum Schluss, dass es Punkt 68 Jahre, 14 Monate, 8 Wochen und 17 Tage gedauert hätte, bis das Corona-Virus medial bei uns angekommen wäre.

Unter uns wären die unsichtbaren Eindringlinge trotzdem schon, was bedeutet: Ahnungslos wie Forrest Gump würden wir total vervirt weiter an Grossveranstaltungen und in Restaurants gehen und Senioren oder Kranke in Heimen und Spitälern besuchen. Tag für Tag steckten Zehntausende Zehntausende an. Ende Woche wäre der Leerwohnungsbestand in der Schweiz auf einem ewiggültigen Allzeithoch angekommen. Gräber und Urnenplätze könnten sich nur noch die Reichsten der Reichen leisten. Alle anderen müssten auf der faulen Haut herumliegen und warten, bis sich die Lage beruhigt. Letzteres ist vielen von uns inzwischen ja bestens vertraut.

Die überlebenden Angehörigen der nachfolgenden Generationen würden schnell merken, dass ihnen die Alten nicht nur eine schwer reparaturbedürftige Erde vermachten, sondern auch jede Menge Zeugs, mit dem sie etwas anfangen können, ohne es vorher in Ordnung demonstrieren zu müssen.

Wenn ich einige Erbinnen und Erben jetzt gerade so schön in der Leitung habe, nutze ich die Gelegenheit, ihr Allgemeinwissen mit einem Müsterchen aus der kommunikativen Steinzeit zu tunen, gerne; genauso, wie unsere Grossväter uns früher vom Zweiten Weltkrieg berichteten, nur mit ohne verdunkelten Fenstern, fernem Bombendonner und all den Streichen, mit denen Vögeli Kurt sel. den Kadi solange in den Wahnsinn trieb, bis er (der Kadi) ihm (Vögeli) sagte, er solle ihm doch in die Schuhe blasen, worauf Vögeli eines Nachts, als der Kadi schlief, sich süüferli aus seinem Feldbett erhob, quer durch die Soldatenunterkunft zum Nest des Kadis täppelte, ein Paar von dessen Schuhen darunter hervorzog und! tatsächlich!! hineinblies!!!.

Das Mass aller Dinge war für uns Journalistinnen und Journalisten ein „Telekoppler“. Dazu muss man wissen: Medienschaffende sassen zu jener Zeit nur im Büro, wenn ihr Chef sie dazu zwang, was aber kein Chef je tat; ganz im Gegenteil. Meist waren wir Schreiberlinge draussen, um mit Leuten zu reden und Dinge anzuschauen.

Die besten Geschichten schnappten wir häufig in Gartenbeizen auf und oft genau dann, wenn wir kaum mehr in der Lage waren, unfallfrei zwei Sätze hintereinander zu notieren. Das spielte aber überhaupt keine Rolle, jedenfalls nicht für uns: Das wesentlich Scheinende behielten wir plusminus im Kopf, den Rest machten wir später passend.

Gartenbeizen wiederum – dies zK. der Neugeborenen – waren lauschige Plätze mit Kies drauf und Kastanien drumherum. An Vierertischchen und an langen Tafeln sassen nicht selten mehr als fünf Personen auf einmal, um Seit‘ an Seit‘ miteinander zu plaudern, zu essen und sich dem Trunke hinzugeben).

Aber item. Mit diesen ziegelsteingrossen und -schweren Telekopplern liessen sich Texte aus öffentlichen

(Bild: Berner Oberländer)

Telefonkabinen

direkt in die Redaktion übermitteln; zumindest theoretisch. In der Praxis endeten diese Versuche meist damit, dass der Berichterstatter vor Ort um kurz vor Mitternacht totalentnervt in die Zentrale anrief, um den Beitrag der Sekretärin, die gerade nach Hause eilen wollte, um ihren Liebsten mit einem raffinierten Dreigänger vor dem Hungertod zu bewahren, es aber nicht übers Herz brachte, den Anruf zu ignorieren, in die IBM-Kugelkopfmaschine zu diktieren.

Wer einmal so einen Telekoppler oder eine original echte Telefonkabine oder auch nur einen Telefonapparat aus der Nähe betrachten will, kann das im Museum für Kommunikation in Bern jederzeit nicht tun.

Die neue Virklichkeit (VI)

Bonjour, tristesse.Aber sie HOCKEN immer noch an ihrem Lapptopp und machen sich LUSTIG wegem dem ELEND von ANDEREN MENSCHEN!“

Es gibt keine Wochenenden mehr: Der Samstag war wie der Mittwoch und der Sonntag fühlt sich schon nach nur sechs Stunden Laufzeit wie der Donnerstag an.

Corona, scheint es, macht alle und alles gleich. Nicht nur die Menschen, die mit ihren Unsicherheiten und Ängsten mehr Gemeinsamkeiten haben denn je (und die sich erstaunlicherweise je näher kommen, desto weiter sie sich voneinander entfernen müssen); auch die Tage ähneln sich unterdessen wie ein Status Quo-Hit dem anderen.

Aber das dürfte Tausenden von Leuten inzwischen egal sein: Für Max, den Küchenchef aus dem Fünfsternelokal, spielt es ebensowenig eine Rolle, wann er nicht arbeiten kann, wie es Manuela aus dem „Happy Ends“ an der A1 wurst ist, ob sie am Montag oder am Freitag nichts verdient.

Verdient habe dafür ich, und zwar Rüffel, vom Strübsten. Das entnehme ich jedenfalls der Fanpost zu meinen Corona-Beiträgen, die im Mailfach meines Blogs deponiert wurden.

Diesen Ordner öffne ich selten, weil sich darin meist nur Schrott stapelt. Aber hin und wieder, wenn ich wirklich nichts Dümmeres mehr zu tun habe, werfe ich einen Blick hinein. Zweimal entdeckte ich darin schon Zuschriften, die zu lesen sich tatsächlich beinahe lohnte (an dieser Stelle: tuusig Dank nochmals an die Mitglieder der Fanclubs von Natacha und Roxette!)

Auch bei der gestrigen Nachschau wurde ich nicht enttäuscht: Knapp zwei Dutzend konstruktiv-kritische Zuschriften ausnahmslos anonym auftretender Leserinnen und Leser harrten meiner Durchsicht. Hier ist – unredigiert – eine kleine Auswahl:

Alz Heimer: „Ihnen ist der ernst der Lage offenbag immernoch nicht sicher. VOLLPFOSTEN BLEIB ZUHAUSE!!“

Ding Dong: „Selten so einem Mist gelesen. Sie glauben sie sind witzig aber das sind sie nicht. Wir verzichten. EInfach Abstellen ist für Alle am besten.“

P.U.: „Schauen Sie das an!“ (es folgt der Link zum youtube-Video eines Mannes, der aussieht wie ein Cousin von Charles Manson. Vor einer Wand voller Gewehre und Geweihe doziert er, das Corona-Virus sei von finsteren Mächten asiatischer Provenienz freigesetzt worden, um die Weltwirtschaft lahmzulegen). „Das wird sie lernen!!“

Uppsala: „Beten sie lieber als schreiben. ER ALLEINE IST UNSER HERR UND GEBIETER“

Virus Viral: „9/11 Klima-schock und jetzt COronna. Aber Sie HOCKEN immer noch an ihrem Lapptopp und machen sich LUSTIG wegem dem ELEND von ANDEREN! Dafür werden SIE ZAHLEN!!!“

A. Pokalips: „Bekommst du eigentlich Geld für das oder machst du das gratis? Wenn dus gratis machst habe ich nichts gesagt.“

Und so weiter, und so fort. Auch wenn sich mir der tiefere Sinn einiger Anmerkungen bis jetzt nicht auf Anhieb erschlossen hat, muss ich doch sagen: Die Decknamen entbehren zum Teil nicht einer gewissen Originalität.

So betrachtet: bitte meer, dafon!!

Und damit: zurück in die relative Normalität dieses Sonntags. Normalerweise wäre auch heute wieder die hohe Zeit des Brätelns mit Freundinnen und Freunden, des Grüpplibummelns am Emmeufer, des kollektiven Reflektierens über das Werden und das Wirken und das Sein und das Haben am langen Brunchtisch in der Landbeiz, der generationenverbindenden Rahmschnitzel mit Nüdeli und des gemeinschaftlichen „Tatort“-Guckens, aber wies aussieht, wurden diese liebgewordenen Rituale nun auf dem Altar der Volksgesundheit geopfert fallen derlei Gewohnheiten auf Geheiss der Landesregierung bis auf Weiteres tuttiquanti aus.

Auch im sehr kleinen Rahmen dürften aus übertragungstechnischen Gründen Lücken im Programmschema klaffen: Wer sich im ehelichen Schlafgemach vor Corona Sonntagmorgen für Sonntagmorgen aus purem Pflichtbewusstsein genötigt sah, von 10.00 bis 10.07 Uhr draufloszufuhrwerken und hinzuhalten, darf ab sofort bis zu den Rahmschnitzeli durchschlafen, ohne sich dafür mit einer arbeitsbedingten Totalerschöpfung oder einer Spontanmigräne rechtfertigen zu müssen.

All jene, die sich nur ungerne von alten Gewohnheiten lösen, können es socialdistancingkompatibel via Skype versuchen. Im Sinne der Gleichberechtigung wäre in diesen Fällen einfach jedesmal neu auszuhandeln, wer dafür im Bett bleiben darf und wer sich auf die Obstharassli im Zivilschutzkeller verziehen muss.

Was auch immer ihr mit wem auch immer wo auch immer heute tut: Geniesst diesen Freitag.