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Seeschwächen

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Mit grossen Plakaten betreibt die Bern-Lötschberg-Simplonbahn (BLS) auf Bahnhöfen im Kanton Bern Werbung in eigener Sache. In Burgdorf zum Beispiel verspricht das Unternehmen den auf den nächsten Zug wartenden Passagieren, sie “in 49 Minuten” auf den Thunersee zu bringen.

Unerwähnt lassen die BLS dabei wohlweisslich, dass ein solcher Ausflug nicht zwingend das Nonplusultra der Freizeitgestaltung zu sein braucht; man denke nur an die blutdurstigen Mücken, oberpingeligen Bademeister, stechwütigen Bienen, tieffliegenden Frisbees, entnervten alleinerziehenden Väter (“Nein, Leo: Es gibt jetzt keine Glace mehr. Dein Mami hat uns wieder nur einen Fünfliber mitgegeben.”), hysterischen alleinerziehenden Mütter (“Anastacia-Jennifer! Wenn jemand von uns beiden fremden Männern in die Badehose greifen darf, bist das ganz sicher nicht du!”), unangeleint dem Ufer entlangstreunenden Hunde, die Seespiele, die pfeffersprayenden Billetkontrolleure undsoweiterundsofort.

Abgesehen davon: Falls jemand trotz alldem nach Thun reisen will, kann er das auch in 45 Minuten hinter sich bringen, wenn auch nicht mit der BLS, sondern mit der guten, alten SBB:

Bildschirmfoto 2014-07-24 um 05.57.50

Dann muss er oder sie zwar einmal umsteigen. Doch wer Burgdorf kennt, weiss: Das ist nichts Mühsames, sondern die Chance, an den Schlossfuss zurückzukehren, bevor es zu spät ist.

Published inFragwürdigesHeimisches

One Comment

  1. Naja. Als Texter und Konzepter hätte dir eben auffallen müssen, dass es nicht heisst, in 49 Minuten an den See, sondern auf den See, wo nur BLS-Schiffe fahren. Hingegen, wenn ich mir das Ganze so richtig überlege: Sie schreiben ja auch “ohne umsteigen” und ich fahr jetzt dann grad mal an den See um zu schauen, wo die EBT-Bähnli neu direkt auf die Bahnfähren verschifft werden.
    Du hast Recht: Eine Scheisswerbung, aber nicht wegen dem See im Fall…

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