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Sternstunde der Kleinkunst

Poetisch, witzig, verblüffend, interessant, liebevoll, schlitzohrig, clever, berührend…: Wenn man so dasitzt in der kulturfabrikbigla und dem Bühnenarbeiter Aschi Rüegsegger beim Wärche zuschaut, merkt man nicht, wie die Zeit vergeht.

Der Mann im blauen Kittel, der normalerweise einen kleinen Bauernhof samt Sägerei in Eggiwil betreibt und sich daneben um vier Chueli und drei Guschti kümmert, fährt mit seinem Traktor in diesen Wochen jeden Tag nach Biglen, um auf, über und hinter der Bühne dafür zu sorgen, dass bei den Vorstellungen und Proben alles läuft, wie es laufen muss.

Und das ist gar nicht so einfach, wie man immer meint: Da gilt es, Lampen richtig aufzuhängen, Bühnen in allen möglichen Grössen zu montieren, Weinattrappen zu produzieren oder ein Blutbad anzurichten, ohne eine allzu grosse Sauerei zu veranstalten.

Mit diesem schweren Pflichtenheft auf den Schultern und seinem omnipräsenten, aber in kritischen Momenten doch nie erreichbaren Chef im Nacken, hat Aschi eigentlich gar keine Zeit, sich auch noch mit all den Leuten zu unterhalten, die ihn bei der Arbeit beobachten. Doch wenn sie jetzt schon einmal da sind, nutzt er die Gelegenheit, um ihnen ein bisschen aus seinem Leben und von seinem Wirken zu erzählen.

Wie er das tut, mit all den kleinen, aber nie böse gemeinten Seitenhieben auf den Kulturbetrieb im Allgemeinen, die Künstler im Besonderen und seinen Chef ganz im Speziellen: Das ist Kleinkunst vom Feinsten. Anderthalb Stunden lang – nein: kurz – schlurft Peter Leu Aschi Rüegsegger philosophierend, parodierend und karikierend durch die Szenerie. Er schraubt hier etwas zusammen und stellt da etwas an den richtigen Platz. Er schenkt dem Publikum eine Balletteinlage und eine Opernarie und verdrückt zwischendurch das vermutlich grösste Fleischkäsesandwich der Welt.

Auch wenn er vor lauter Verantwortung bisweilen kaum mehr weiss, wo ihm der Kopf steht: Mitleid ist das Letzte, was der Chrampfer im Hintergrund braucht. Hin und wieder denkt Aschi zwar etwas wehmütig zurück an die Zeit, in der als Hirte beim Krippenspiel mitwirkte. Obwohl er seinen Einsatz damals um ein paar Minuten verpasst hatte, versicherten ihm nachher alle kopftätschelnd, über was für eine wunderschöne Stimme er doch verfüge. Manchmal überlegt sich, was er aus dieser Gabe unter anderen Umständen hätte machen können.

Aber diesen Gedanken hängt er nicht lange nach. Er hat ja die Musikgesellschaft Eggiwil mit ihren Jahreskonzerten und anschliessendden Fünfaktern, er hat seinen Hof und seine Sagi und seine Tiere, er hat seine Vrene und drei Kinder, er hat diesen Aushilfsjob hier – und er hat seit Neustem auch ein Engagement als Tookmaschter, das es ihm ermöglicht, sich regelmässig vor Publikum mit mehr oder weniger prominenten Zeitgenossinnen und -genossen zu unterhalten.

Wahrscheinlich, überlegt man sich, als Aschi Feierabend macht und verschwindet, wahrscheinlich ist dieser gmögige Büezer mit seinem Leben und den Menschen, die darin grössere und kleinere Rollen spielen, zufrieden; auch wenn es da mal ein bisschen knorzt und dort mal ein wenig ächzt und der Leu nie ans Telefon geht.

Eigentlich, denkt man beim Hinausgehen, wäre es schön, wenn mehr Menschen wie Aschi Rüegsegger sein dürften.

Weitere Aufführungen:

Mittwoch, 15. Februar, 20.15 Uhr
Donnerstag, 16. Februar, 20.15 Uhr
Sonntag, 19. Februar, 17 Uhr
Mittwoch, 22. Februar, 20.15 Uhr
Donnerstag, 23. Februar, 20.15 Uhr
Sonntag, 26. Februar, 17 Uhr

Abendkasse/Barbetrieb ab 19 Uhr (Sonntag ab 16 Uhr)

Eintrittspreise:

Normal: 30.–
Single-, Paar- und Firmenkarte: 15.–
Sitzplätze unnummeriert

Vorverkauf: www.ticketeria.org / 0900 10 11 12 (Fr. 1.19/Min. ab Festnetz)

Seinen nächsten Einsatz als Tookmaschter hat Aschi heute Abend. Ab 19.30 Uhr diskutiert er in der kulturfabrikbigla mit seiner Gaschtig, Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch und Langnaus Gemeindepräsident Bernhard Antener, unter anderem darüber, welches die echte Hauptstadt des Emmentals sei. Der Eintritt ist frei.

Published inKulturelles

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