In den Gartenwelten

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Geplant war “nur” eine kleine Ausstellung für Freunde und Bekannte – doch dann strömten Dutzende von Interessierten aus näher und ferner zur Vernissage von “Gartenwelten” in den Mittelalterkeller “unseres” Hauses am alten Markt in Burgdorf, um aus der Nähe zu bestaunen, was meine Frau Chantal Desbiolles (Bildmitte) und ihre Freundin Trix Binggeli im letzten Sommer während ihrer Malsessions im Gärtli zu Leinwand gebracht haben.

Bei gluschtigen Häppchen und einem kühlen Glas Prosecco, Wein oder Mineral schlenderten die Gäste durch die jahrhundertealten Räume und unterhielten sich ungezwungen über die liebevoll präsentierten Werke.

Heute Sonntag besteht von 11 bis 19 Uhr zum zweiten und letzten Mal die Chance, in die “Gartenwelten” abzutauchen. Und, wer weiss, sich ein Stück davon für die eigenen Wände zu sichern. Kurzentschlossene Kunstfreundinnen und -freunde sind dabei klar im Vorteil: Unter dem einen und anderen Bild klebt bereits ein roter Punkt.

Falls jemand nicht die Zeit oder Gelegenheit haben sollte, die Ausstellung zu besuchen: auch hier ist eine Auswahl aus dem Schaffen meines Schatzes zu sehen.

Inspirationen im Grünen

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“Gartenwelten”: So heisst die Ausstellung, die meine Frau Chantal mit ihrer Freundin Trix Binggeli am Samstag, 11. April, im Mittelalterkeller am alten Markt 6 in Burgdorf eröffnet.

Zu sehen sind Bilder, die direkt vor der Haustüre, in unserem lauschigen Gärtli, entstanden sind. Dort bringt mein Schatz an freien Sommernachmittagen openair auf die Leinwand, was sie erfreut, berührt und beschäftigt. Zum Einsatz kommen dabei nicht “nur” unzählige Farben, sondern auch strukturgebende Materialien wie winzige Steinchen oder Sand.

Das (für mich) besonders Reizvolle an diesen Gemälden ist: Sie erklären sich dem Betrachter und der Betrachterin nicht auf den ersten Blick, sondern bergen oft kleine Geheimnisse, die sich erst beim zweiten oder dritten Hinsehen entdecken lassen. Die Bilder wirken wie “Tagebücher”, die einen unwillkürlich zum Schmökern animieren, weil sie – um beim Beispiel zu bleiben – einen so prächtigen Umschlag haben oder so schön gebunden sind.

Weitere Infos zur und einen kleinen Vorgeschmack auf die Ausstellung gibt es auf www.chatelier.ch, dem neuen Blog meiner Frau.

Kunst-Stücke am Laufmeter

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Alle Jahr wieder, immer Mitte August, treffen sich Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland in Zofingen, um ihre Werke den durch die schmucke Altstadt flanierenden Passantinnen und Passanten zu zeigen oder, noch besser, zu verkaufen.

An rund 150 Ständen gabs auch bei der 17. Auflage des Kunstmarktes Gezeichnetes und Gemaltes und Gebasteltes und Getöpfertes zu sehen, und obwohls beinahe den ganzen Tag regnete, konnten sich die Aussteller nicht über mangelndes Interesse beklagen.

“Die Leute, die vorbeikommen, sind alle begeistert”, freute sich Erika Fankhauser-Groeliker aus Zetzwil (siehe Bild oben), die Ehefrau vom Götti vom Sohn von meinem Brüetsch und meiner Schwägerin, die am Stand 122 ihre Gemälde und Schmuckstücke präsentierte.

Galerie feiert Wiedereröffnung

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Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon vier Jahre ist es her, seit dieser Blog wegen eines simplen Bildes von zwei Füssen vorübergehend zur Galerie mutierte.

Nun ist es wieder Sommer geworden, und erneut stellen aller Gattig Leute Fotos von ihren südlichsten Extremitäten online. Auf Facebook hat über Pfingsten zum Beispiel Leimbachs Gemeindeammann (für die Berner Leserschaft: Gemeindepräsidentin) Janine Murer-Merz zumindest einen ihrer Füsse präsentiert:

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Auf Nachfrage lieferte sie mir dann auch noch eine Gesamtansicht,

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und in dem Moment, in dem diese Aufnahme in meinem Postfach gelandet war, dachte ich, es wäre vielleicht eine gute Idee, die “Ausstellung” von damals wieder zu eröffnen und chli auszubauen. Immerhin handelt es sich bei jenem Beitrag – warum auch immer – um einen der meistgeklickten Posts in diesem Forum.

Also: Wer ebenfalls findet, das sei eine internette Sache, kann mir gerne ein Foto seiner oder ihrer Füsse schicken, und zwar an hofstetter.hannes@gmail.com, oder als persönliche Nachricht auf Facebook.

Ich freue mich über jede Zusendung und verspreche, dass ich sämtliche Beiträge vertraulich behandeln werde (“vertraulich” im Sinne von “werden sofort hier veröffentlicht”).

Nachtrag, knapp eine Woche später: Das Interesse an einer Neubelebung der Aktion “Fussbilder” hält sich in Grenzen. Auf diesen Aufruf hin erhielt ich exakt null Fotos. Die Galerie wird also geschlossen, bevor sie richtig wiedereröffnet werden konnte.

Kleine Kultour de Suisse

G’day, mate: Diese Woche haben wir Besuch. Eric is here, Chantals Cousin aus Sydney. Und genauso, wie wir bei unseren Reisen durch Australien jeweils versuchen, von Land und Leuten soviele Eindrücke wie möglich zu sammeln, ist auch Eric wild entschlossen, in einem Minimum an Zeit ein Maximum an Einblicken in das ihm fremde Land zu gewinnen.

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Los gings am Mittwoch mit einem Trip ins Berner Oberland. Nach einem Atelierbesuch beim Berner Künstler Housi Knecht in Rubigen und einem Zwischenstopp am Brienzersee fuhren wir nach Grindelwald.

Zu sehen gabs, was es in Orten wie Grindelwald halt zu sehen gibt: Verbrannte Touristen, übelgelaunte Serviertöchter (“Ich bin eigentlich gar nicht hier; bestellen Sie bei meiner Kollegin.”), runzlige Eingeborene, gepuderzuckerte Tannen und verbislete Schneemaden.

Nur Steinböcke, auf die sich unser Gast so gefreut hatte, waren keine unterwegs; weder auf den Strassen noch im Wald noch sonstwo. Wir vertrösteten Eric auf später; in Bern, an der Aare unten, gebe es davon jede Menge.

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Tags darauf stand unser Besucher, der seit Jahren davon träumt, in Europa Kunst zu studieren, der Sinn nach Kultur. Also taten wir das Naheliegende: Wir düsten in aller Herrgottsfrühe los, um der Galerie von Bruno Bischofsberger in St. Moritz einen Besuch abzustatten.

Gut vier Stunden nach dem Start in Burgdorf waren wir schon am Ziel (oder, um dem womöglich mitlesenden Tourismusdirektor das Freudeli zu machen, “on top of the world”).

Ich wunderte mich kurz darüber, dass die Leute in St. Moritz nicht mit Chlämmerli auf den Nasen umherlaufen. Aber Geld stinkt auch auf 1856 Metern über Meer nicht; es manifestiert sich in Gestalt von hochgetunten Frauen, die in die Überreste von toten Tieren gewandet von Boutique zu Boutique schlendern, und spätmittelalterlichen Herren in Maseratis und Porsches.

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Über die Galerie lässt sich nicht viel mehr sagen, als dass sie geöffnet war. Darin standen und hingen ein Dutzend Skulpturen und Bilder von einem Spanier. Eine Viertelstunde, nachdem wir den Raum mit der gebotenen Ehrfurcht betreten hatten, standen wir leicht ernüchtert wieder auf dem Trottoir.

In einem Café gönnte Eric sich eine der weltberühmten Bündner Spezialitäten: Fish & Chips. Wir blieben bei Bratwurst mit Rösti und einer Handvoll Capuns. Dann fuhren wir heim.

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Am Freitag steuerte unser kleiner Kultour de Suisse-Tross einen weiteren Etappenort an: Das Museum von HR “Alien” Giger in Greyerz. Sehr gruselig, schampar makaber, nur bedingt feminisischen Idealen verpflichtet – und trotzdem oder gerade deshalb total faszinierend: Den Gang durch die von Höllenkreaturen belebten Albtraumlandschaften dürfte unser Freund von der anderen Seite des Erdballs als einer der Höhepunkte seines Aufenthalts Overseas verbuchen.

Kulinarisch hinterliess das Fondue auf der sonnenbeschienenen Terrasse des Hotel de Ville einen stundenlang bleibenden Eindruck.

Steinbockmässig kam der Mann vom anderen Ende der Welt ebenfalls auf seine Rechnung: Bevor wir den Röstigraben überquerten, bummelten wir durchs Dählhölzli. Gleichmütig posierten die Langhörner für Erinnerungsfotos.

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Gestern dann: Zürich, mit Schaufenstergucken im Niederdörfli und Flanieren auf der Bahnhofstrasse. Heute lassen wir uns mit einem Car auf die Lueg bringen; von dort gehts zu Fuss back to Burgdorf.

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Am Mittwochmorgen fliegt Eric über Wien, Amsterdam und China in seine Heimat zurück. Bis dahin gibts für ihn – auch in unserer näheren Umgebung – noch einiges zu entdecken.

Entdeckungen am Rande

Vogelgrippe, Lady Gaga, Freitag-Taschen, Klimawandel: Wer sich schon immer gefragt hat, wo all diese Hypes eigentlich herkommen – sie werden an der St George Road in Sydney produziert:

Wo sie endgelagert werden, wenn sich damit keine Leute mehr erschrecken, Klicks generieren und Zeitungen verkaufen lassen, haben wir noch nicht herausgefunden. Aber wir arbeiten daran.

Ein paar Schritte weiter, im Hyde Park, mussten wir feststellen, dass die Wirtschaftskrise inzwischen auch Zeitgenossen erfasst hat, von denen man das bis vor Kurzem nie erwartet hätte. Die Erkenntnis, dass selbst die australischen Nationalvögel sich und ihre Familien auf eine Art und Weise ernähren müssen, die irgendwie – man muss es in dieser Deutlichkeit sagen – schon etwas Entwürdigendes hat, erschütterte uns bis ins Mark.

Wenn wir schon dabei sind: Wer in Sydney Appetit auf ein richtig nahrhaftes Frühstück hat, setzt sich am besten in eines der vielen Cafés in Darling Harbour. Was das sehr freundliche Personal dort zu verblüffend passablen Tarifen zum Zmorge auftischt: Momoll!

Andrerseits kann mans mit dem Zmorge, dem Zmittag, dem Znacht und dem Kapitulieren vor allen anderen Hungerattacken zwischendurch auch übertreiben. Ein Beispiel dafür ist jener Herr, den wir mit einer Puppenhausbewohnerin in einem Lokal mitten in der Stadt gesehen haben:

Manches – zum Beispiel, was die beiden machen, wenn sie wieder zuhause und unbeobachtet sind – mag man sich auch dann nicht bildhaft vorstellen, wenn man sich einer lebhaften Fantasie erfreut.

Aber: Das Schöne überwiegt hier bei Weitem. Das Wetter zum Beispiel gibt zu keinerlei Klagen Anlass. Im Moment, in dem zu munterem Vogelgezwitscher dieser Text entsteht, scheint die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel und sorgt für eine anmächelige Morgentemperatur von knapp 30 Grad. Fürs Wochenende sind über 40 Grad angesagt.

Und auch drinnen gibts vieles zu entdecken: In der State Library of New South Wales besichtigten wir gestern die Ausstellung “Time in Motion”. Sie erinnert in fantastischen Fotografien und mit unzähligen Requisiten an die 50jährige Geschichte des Australischen Balletts.

Ballett: Das ist für mich “Schwanensee”, “Nussknacker” und Rudolf Nurejew. Beinahe zu spüren, wie viel Schwerarbeit hinter etwas steckt, was am Ende federleicht wirkt: Das war trotzdem sehr eindrücklich.

Unter Künstlern

Zwei Jahre lang hat Chantals Cousin Eric Michael an der St George School of Fine Art in Sydney studiert. Nun zeigten er und seine Komili Kommill Kommilitt Kolleginnen und Kollegen mit der Ausstellung “Wild at HeArt”, was sie in dieser Zeit gelernt und erschaffen haben.

Eric präsentierte, nebst vielem anderem, Folgendes:

(Anmerkung des Rezensenten: “Live” wirken die Bilder viel besser. In Echt erschliessen sich einem auch ihre Aussagen fast auf Anhieb. Das obere Werk zum Beispiel heisst “Conflict”; es besteht aus lauter kleinen Lämpchen und Bomben; “Slaughter”, das untere, setzt sich aus Minibildern von geschlachteten Kühen zusammen. Aber ich mochte nicht extra einen grösseren Laptop kaufen, nur, um zwei Bilder in einem betrachterkompatibleren Format zeigen zu können).

Fast ebenso interessant wie die Exponate war an der Vernissage das Drumherum: Die kulinarischen Akzente setzte ein “European Catering” mit chli gewöhnungsbedürftigem Käse und exotischen Früchten. Das Publikum setzte sich primär aus Anghörigen und Freunden der Künstlerinnen und Künstler zusammen und entsprach nur schon optisch nicht unbedingt dem, was in der Schweiz an einem vergleichbaren Anlass zu erwarten wäre:

Bei Dalì auf dem Pissoir

“Wie sehen hier wohl die Toiletten aus?” – Das fragte ich mich beim Bummeln durch die sehr, sehr sehenswerte Dalì-Ausstellung im Pariser Montmartre-Quartier.

Klar war für mich: Normal im Sinne von “Wie überall” können die Wasserlassstationen hier, in diesem Mekka des Genialabsurden, unmöglich gestaltet sein. Entweder sind links und rechts von den (brennenden?!) Pissoirs Schublädli angebracht. Oder dann wirken sie, als ob sie wie die weltberühmten Uhren zerfliessen würden, also ungefähr so:

(Grobskizze von mir)

Aber dann:

Ich muss zugeben: Ein ganz kleines bisschen war ich schon enttäuscht.

Andrerseits: Die Erkenntnis, dass auch Surrealisten nur mit Wasser spülen, hat für Leute, die von der ganz grossen Kunst vielleicht nicht sooooo viel verstehen, irgendwie etwas Tröstendes.

Vergängliche Prachtskerle

Ist er nicht wunderschön, der Schneemann, den Nathalie Oswald aus Thun gebaut hat?

Doch, ist er. Und ich bin sicher: Es gibt noch gaaaaaaaaaanz viele weitere solcher Gesellen, die es verdient haben, einmal einer *räusper* breiteren Öffentlichkeit gezeigt zu werden. Den hier, zum Beispiel; made by Schatz:

Deshalb eröffne ich hiermit in der Galerie Bluesler.ch – nach dem Achtungserfolg mit der Barfuss-Retrospektive – die grosse Schneemann-Ausstellung.

Wer so einen coolen Prachtskerl kennt, soll ihn bitte fotografieren und mir das Bild möglichst noch vor dem nächsten Tauwetter mailen (hofstetter.hannes@gmail.com).

Einen richtigen Wettbewerb mit Gewinnen und allem kann ich leider nicht ausschreiben – die Hochzeit steht vor der Türe. Da zählt jede Rappe.

Ich freue mich darauf, eure Schneemänner und -frauen und -kinder kennenzulernen.

Oh! Und schon gehts los:

Diesen Schneeliputaner haben Sonja Kupferschmid und ihre Kinder in Engelberg gesichtet:

Überraschend im Bild

Super: Chantal und ich haben das erste Bild für unsere gemeinsame Wohnung.

Es war ganz einfach: Neulich erwähnte ich in diesem Blog, dass ich demnächst an die Vernissage von Stefanie Hofer-Gertschs Ausstellung “Alptraum” gehen und dort so lange herumtrötzeln würde, bis mir die Künstlerin ein Bild schenkt.

Und siehe da: Auf einer der vielen Staffeleien stand ein Gemälde, dass irgendwie nicht zu all den Kühen, Steinböcken und Bergen passte, die die Räume prägten: Es zeigt ein von einem Tintenfisch umrahmtes Frauengesicht.

Nachdem wir das Werk eine Weile betrachtet hatten, dämmerte es Chantal: “Das bin ja ich!”

Stefanie hat uns also nicht einfach “nur” eines ihrer Bilder vermacht; sie hat mit “Octoblues” extra für uns eines gemalt! Ich muss sagen: das hatte ich nicht erwartet.

Als Vorlage diente offensichtlich diese Foto, die wir einmal ohne kulturelle Hintergedanken ins Internet stellten:

Gut, haben wir damals nicht Wild gekocht; sonst müssten wir jetzt einen röhrenden Hirsch an die Wand nageln.

Jetzt bin ich gespannt, ob der Trötzel-Trick an der nächsten Ausstellung von Annie Leibowitz auch so gut funktioniert.