Geisterfahrer

Eine Frau beklagt sich bei der Serviertochter (und gleich danach bei einem extra deswegen herbeizitierten Mitglied der Küchenbrigade) darüber, dass der gebratene Schinken vom Zmorgebuffet „nich aufn Punkt!“ ist.

Tags darauf zeigt ein Vater gleichenorts, wie er seine Aufgabe als Ernährer der Familie interpretiert: Er stopft solange Brötli, Aufschnitt, Wursträdli, Käse, Früchte und Kafirähmli in seinen Rucksack, bis er sicher sein kann, dass er und seine Lieben ohne Mangelerscheinungen und unnötige Auslagen durch den Tag am Meer kommen werden.

Unmittelbar nach der Ankunft im Hotel staucht eine Mutter den Receptionisten zusammen, weil das Zimmer um kurz vor 10 noch nicht bezugsbereit ist.

Überall hängen Schilder, auf denen steht, dass das Reservieren von Pool-Liegen mit Badetüchern aus Fairnessgründen verboten sei. Noch bevor die Sonne aufgeht, ist die Hälfte der Plätze mit Badetüchern belegt.

Ein Mann bislet vor Dutzenden von Zuschauerinnen und Zuschauern in den Sand, einfach so. Steht hin, packt aus, legt los, packt ein. Soviel Herz für die Umwelt hat nicht jeder: Tausende andere entleeren ihre Bierblasen im Meer, ohne auch nur einen Gedanken an das fragile Ökosystem des Kanarischen Archipels zu verschwenden.

In einem Ton, der den Umsitzenden signalisieren soll, dass ihr kulinarisch schon lange niemand mehr etwas vormachen kann, bestellt eine Frau in einem Restaurant der etwas gehobeneren Preisklasse Gambas. Als der Kellner die Platte bringt, verwirft sie theatralisch die Hände und sagt zu ihm, das könne er gleich wieder mitnehmen. Meeresfrüchte vertrage sie nicht.

Kai führt immer noch Kunststückli vor, aber nicht mehr ganz so emsig wie Anfang Woche. Seine Eltern geniessen weiterhin ihre Quality Time.

Das “Sandia” und die “Cita”, zwei einst blühende Unterhaltungs- und Shoppingcenter im Kern von Maspalomas, sind verdorrt. Zwischen Elektroschrott und Billigstsouvenirs schlurfen Menschen wie Geister von Zapfhahn zu Zapfhahn. Sie alle hofften einst, ihre Schulden und anderen Sorgen loszuwerden, indem sie Deutschland, Holland, Österreich oder der Schweiz den Rücken kehren und nach Gran Canaria auswandern. Nun sind sie hier, zum Teil seit Jahrzehnten, und schlagen die Zeit tot beim Warten auf etwas, was sie vermutlich selbst nicht benennen können. Wer wissen will, wie es im Untergeschoss der Zivilisation aussieht, soll einmal durch das “Sandia” oder die “Cita” bummeln.

Wie auf einer Safari in der Savanne schleichen Männer Tag für Tag mit durchgeladenen Handys durch die Menschenrudel an der Playa und knipsen, was auch immer sich oben oder/und unten ohne in der Sonne räkelt. Ob knackiges Jungtier oder gut abgehangenes Riesengrosswild: Zu stören scheints niemanden.

In manchen Strandbeizen gibts zu jedem Menü einen Gratiskübel Sangria. Ganz Schlaue lassen das Essen aus, bestellen nur das Getränk – und ereifern sich dann schnappatmend darüber, dass es verrechnet wird.

Vor einem Swingerclub im “Sandia” stehen um 22.25 Uhr drei weisshaarige Senioren in Bluejeans und Harley Davidson-Shirts, die es hier an jeder Ecke für 5 Euro zu kaufen gibt. Sie vergitzlen fast vor Vorfreude darauf, dass der Sextempel gleich aufgeht. Mindestens zwei der Herren sind, ihren hummerroten Gesichtern nach zu schliessen, erst seit Kurzem auf der Insel. Das heutige Motto lautet “50 Shades of Black”. Frauen sind keine zu sehen. Um garantiert auf ihre Kosten zu können, müssten sich die Oldies noch einen Tag länger gedulden. Dann steigt im Club die grosse “Hap-bi”-Party.

Touristen, die sich mit Land und Leuten auskennen, sagen in spanischen Gefilden „Grazie“ statt „Danke“.

Und dann, natürlich: Die zu allem entschlossenen All Inclusive-Truppen, die rund um die Uhr durch Strassen und Gassen marodieren und auf ihren Saubannerzügen mit halbvertilgten Pizze, zerbrochenen Flaschen, nur leicht angemagensäuerten Kebabs undsoweiterundsofort eine Schneise der Verwüstung ziehen, welche frühmorgens auch von der fleissigsten Putzequipe nur notdürftig beseitigt werden kann, bevor die nächste Horde über die Stadt herfällt.

Nach zwei Wochen in Maspalomas habe ich das Gefühl, der einzige normale Mensch auf Gran Canaria zu sein. Aber gut: Das denken alle anderen sicher auch. Der Geisterfahrer merkt schliesslich ebenfalls nicht, dass er auf der falschen Spur unterwegs ist. Er wundert sich nur darüber, dass ihm ständig so viele Geisterfahrer entgegenkommen.

So oder so: Es ist Zeit, nach Hause zu fliegen; nach Burgdorf, wo alles seine Ordnung hat. Wo alles ist, wie es sein sollte, und wenn einmal doch nicht, bald wird, wie es sein muss.

Eine Art Betriebsausflug (4)

Heute geht eine ereignisreiche Woche zu Ende: Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter, der Gründer, der Inhaber und der Geschäftsführer eines Burgdorfer Schreibstüblis, liessen auf Gran Canaria sieben Tage und sechs Nächte lang die Köpfe rauchen, „um auf dem Weg zu Olymp wieder ein paar Schritte vorwärts zu kommen“, wie Hofstetter es mit der ihm eigenen Zurückhaltung formulierte.

Ihre Ziele haben sie erreicht: Nach intensivem Abwägen aller Für und Widers beschlossen sie, die Rolf Knie-Bilder aus dem Empfangsbereich der Konzernzentrale einem Blindenheim zu schenken. Weiter einigten sie sich darauf, nächstes Jahr vielleicht eine Occasions-Kaffeemaschine zu kaufen. Noch offen ist, ob die Frau, die dem Trio anbot, Hofstetter als Verwaltungsratspräsidenten abzulösen, wirklich die Idealbesetzung für diesen Posten ist. Aber das wird sich bald weisen.

Zum Abschluss hat Hofstetter Hofstetter und Hofstetter ins „Hexenhäuschen“ eingeladen. Dort sitzen die drei nun an einem grossen Tisch in der Mitte des Lokals. Pink uniformiertes Servicepersonal schwirrt auf Rollschuhen durch die Beiz. In den Lautsprechern besingt Wolfgang Petry die „Hölle, Hölle, Hölle“. Für die Gäste aus der Schweiz ist eine gewisse Gundula zuständig. Sie hiess vor diversen Operationen Henning und arbeitete als Primarlehrer in Düsseldorf, aber das braucht hier niemand zu wissen; Hofstetter schon gar nicht.

Hofstetter: „Männer – wir haben unsere Mischschn äkkomplischt! Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um euch für euren unermüdlichen Einsatz…“

Hofstetter: „…ist ja gut, ist ja gut. Wir haben ohne Blutvergiessen ein paar Tage miteinander verbracht und dabei anderthalb Dinge beschlossen. Das ist von mir aus gesehen kein Grund, gleich pathologisch zu werden.“

Hofstetter: „Trotzdem finde ich…“

Hofstetter: „Ich habe jetzt vor allem Hunger.“

Hofstetter: „Ich auch! Was gibt es hier Feines?“

Hofstetter: „Für diese historische Stunde habe ich mir für euch eine ganz besondere kulinarische Überraschung einfallen lassen. Heute pfeifen wir uns die Spezialität aller spanischen Spezialitäten rein. Wir gönnen uns eine original echte Ur-Paëlla!!!“

Hofstetter: „Was hats da drin?“

Hofstetter: „Reis vor allem. Den lässt die Nonna nach generationenalten Rezepten tagelang im Hinterhof köcheln. Dann stampfen die Enkel mit ihren nackten Füsschen daraufherum, bis er schön sämig ist. Am Ende kommen Meeresfrüchte rein und Krebse und Muscheln und Erbsli und Kaninchenstücke und…“

Hofstetter: …“Kaninchen? Ohne mich. Kaninchen esse ich nicht.“

Hofstetter: „Was hast du gegen Kaninchen?“

Hofstetter: „Überhaupt nichts. Das ist ja das Problem.“

Hofstetter: „Wenn du unbedingt darüber reden willst…“

Hofstetter: „Danke. Das ist lieb von dir. Erinnert ihr euch an Onkel Max?“

Hofstetter: „Aber sicher. Das war doch der, wo einen Bauernhof…“

Hofstetter: „…ich glaubs nicht. Ich glaubs einfach nicht!“

Hofstetter: „Was ist?“

Hofstetter: „In unserem Schreibstübli arbeitet jemand, der, wo der, wo sagt! Das ist übelstes Proletendeutsch! Das hört man nur auf RTL2 und so, aber nicht bei uns, in der Zivilisation.“

Hofstetter: „Jetzt gehts aber um Onkel Max und den Chüngel.“

Hofstetter: „Schön. Weiter.“

Hofstetter: „Also: Ich war als Bub bei Onkel Max in den Ferien. Eines Tages sagte er, er sorge jetzt dafür, dass Lampi – so hiess das Tier – an einen Ort komme, wo die Bäume voller Heu hängen und an dem es keine Gitter gebe und an dem er rammeln könne, soviel er wolle.“

Hofstetter: „Und dann?“

Hofstetter: „Er fragte, ob ich dabei zuschauen wolle, wenn Max an diesen schönen Ort reist. Natürlich sagte ich ja und…“

Hofstetter: „…und…“

Hofstetter: „…Onkel Max holte munter pfeifend eine kleine Pistole aus dem Keller und stellte sich vor Lampis Käfig. Dann öffnete er das Türchen, steckte die Pistole hinein…und zack!, hüpfte Lampi raus in den Garten.“

Hofstetter: „Eine nicht unverständliche Reaktion, würde ich sagen.“

Hofstetter: „Lampi raste panisch im Zickzack durch die Beete und Sträucher. Max hetzte ihm hinterher und trampelte alles in Grund und Boden, was Tante Hilda im Frühling so süüferli angepflanzt hatte. Während er Lampi verfolgte, schoss er immer wieder auf das Tier, aber traf es einfach nicht.“

Hofstetter: „Auch diese Geschichte hat sicher ir-gend-wann ein Ende.“

Hofstetter: „Also gut, ich kürze ab. Als es Onkel Max zu blöd wurde, ging er wieder in den Keller. Ich hörte, wie es da unten schepperte und machte, und dann stand er wieder im Garten, mit einer Schrotflinte im Anschlag. Er schoss vier- oder fünfmal auf Lampi, obwohl der schon nach dem ersten Treffer töter als tot war. Als Onkel Max das Gewehr weglegte, sah Lampi aus wie ein Papiernastuch aus dem Tumbler. Seither sind Chüngel für mich gestorben, sozusagen. Jedenfalls zum Essen.“

Hofstetter: „Dann bleiben also nur wir zwei.“

Hofstetter: „Scheint so.“

Hofstetter: „Ich bestelle für mich einen Liter Sangria zur Vorpeise, wegen den Früchten. Zum Hauptgang nehme ich ein Halbeli Roten und zum Dessert ein paar Schnäpse aus der Gegend, wenns recht ist. Der Appetit ist mir gerade vergangen.“

Hofstetter: „Gundula!!!“

Gundula (rollt mit einem Lächeln, das wie angebosticht wirkt, an den Tisch): „Die Herren haben gewählt?“

Hofstetter: „Si, haben wir. Für uns zwei die Paëlla Megasgigas und zwei Halbeli Weissen, und einen Liter Sangria für den Herrn; mit einem Röhrli, wenns geht.“

Gundula (dreht eine formvollendete Pirouette): „Was immer ihr wünscht, ihr Hübschen.“

Hofstetter: „Ich glaube, mit dieser Gundula stimmt etwas nicht.“

Hofstetter: „Die findet uns nur hip. Ich kanns ihr nicht verdenken.“

Hofstetter: „Was ist jetzt eigentlich mit dieser Frau, die unsere neue Verwaltungsratspräsidentin werden will?“

Hofstetter: „Mit der ist soweit alles klar.“

Hofstetter: „Das heisst?“

Hofstetter: „Im Oktober kommt sie nach Burgdorf, für ein Casting.“

Hofstetter: „Du machst mit ihr ein Casting?!?“

Hofstetter: „Es heisst nicht ‚Casting’, aber der richtige Fachbegriff ist mir entfallen. Ich weiss grad nur noch, dass er mit ‚F’ anfängt.”

Hofstetter: „‚Assessment’?“

Hofstetter: „Genau. Sie kommt zu einem Assessment nach Burgdorf.“

Hofstetter: „Wie soll das denn aussehen, dieses Assessment?“

Hofstetter: „Ach: Den Rubrikwürfel in einer Minute fixfertigmachen, ein paar Sudokos lösen, Einzel- und Gruppengespräche…und die Kletterwand natürlich. Um die Kletterwand kommt auch sie nicht herum.“

Hofstetter: „Was heisst: ‚auch sie’? Kein Mensch musste bei uns je eine Kletterwand…“

Hofstetter: „Bei anderen Playern…“

Hofstetter: „…’Playern’. Er hat wirklich ‚Playern’ gesagt. Ich…“

Hofstetter: „…andere Firmen jagen jeden Tag zig Bewerber die Kletterwände hoch. ‚Survival oft the fittest’; du weisst schon. Das hat Churchill erfunden, und an dem gibts nun ganz bestimmt nichts herumzukritisieren.“

Hofstetter: „Das mit dem Survival of the fittest ist eine Theorie des Naturforschers Charles Darwin. Winston Churchill hingegen war einer der bedeutendsten Staatsmänner und Militärstrategen des letzten Jahrhunderts. Er…“

Hofstetter: „…stimmt. Jetzt kommts mir wieder in den Sinn: Churchill…Vietnam…wie konnte ich das nur vergessen?”

Gundula (kurvt mit einer Kollegin heran. Die beiden tragen an je einem Griff eine monströse Gusseisenpfanne und lassen sie donnernd auf den Tisch krachen): „Eure Paëlla, Schätzchen. Die Getränke kommen gleich.“

Hofstetter: „Heiterefahne!“

Hofstetter: „Soviel Silikon auf einmal habe ich auch noch nie gesehen.“

Hofstetter: „Das meine ich nicht. Ich meine das hier. Schau dir das an!“

Hofstetter: „Ich habe einmal mehr nicht zuviel versprochen.“

Hofstetter (greift zu Messer und Gabel): „Dann klemmen wir uns doch einfach mal dahinter.“

Hofstetter: „Mooo-ment. Leg das Besteck weg.“

Hofstetter: „Wieso?“

Hofstetter: „Weil der Spanier seine Paëlla mit der Hand ist, und zwar mit der rechten. Die linke ist für ihn schmutzig.“

Hofstetter: „Du spinnst doch.“

Hofstetter: „Oh, nein. Das ist so. Das weiss aber niemand, weil der Spanier immer nur dann Paëlla isst, wenn er unter sich ist. Da haben Fremde keinen Zutritt.“

Hofstetter: „Siehst du, wie das dampft?“

Hofstetter: „Meine Brille ist gerade beschlagen.“

Hofstetter: „Eben. Das kommt vom Dampf.“

Hofstetter: „Das ist nur Show, wie bei den Molekularköchen. Bei denen rauchts auch aus jedem Schnitzel und auf jedem Coupe, aber brennen tuts nirgendwo. Was hier zu dampfen scheint, ist nur die oberste Schicht, damits chli nach Öppisem aussieht. Darunter ist alles so lauwarm wie ein Bad für Bébés. So. Und jetzt…“(krempelt den rechten Hemdsärmel hoch)

Hofstetter: „Er macht es. Er macht es tatsächlich!“

Hofstetter (drückt die Hand bis zum Gelenk in den Reisberg…und reisst sie brüllend wieder hinaus. Zahllose Reiskörner fliegen wie bei einer tamilischen Hochzeit kreuz und quer durch den Raum. Pouletstückchen, Kaninchenfetzen und Muscheln landen auf Abendkleidern und in Frisuren. Zitronenschnitze klatschen an die Wände): „Gopferteli, ist das heiss!!!“

Hofstetter: „Aha.“

Hofstetter: „Das war sie jetzt also, die ganz besondere kulinarische Überraschung. Ich muss sagen, sie ist dir nicht schlecht gelungen.“

Hofstetter: „Ich verbrenne! Sehr ihr nicht, dass ich verbrenne?!? Das tut abartig…ich…heieieieieiei!, ist das…aaaah!…Gundula!!!“

Gundula (schwebt lächelnd an den Tisch): „Immer zu Diensten, mein Vögelchen. Hast du diese kleine Sauerei nur für mich angerichtet?“

Hofstetter: „Wasser! Bring mir Wasser! Sofort!!!“

Gundula (zuckt zusammen): „Ups. Sorry. Eure Getränke habe ich total…“

Hofstetter: „Deine Getränke kannst du dir…bring Wasser! Jetzt! Mir! Und Eis! Wasser mit Eis drin! Oder nur Eis! Eiskaltes Wasser! Einen ganzen Kübel voll, und zwar JETZT!!!“

Gundula: „Ich eile, ich fliege“ (rollt gemächlich in Richtung Küche).

Hofstetter (nimmt erneut sein Besteck zur Hand): „Ist es für dich in Ordnung, wenn ich…“

Hofstetter: „Mach doch, was du willst.“

Hofstetter: „Es ist ja gerade kein Urspanier da, der mein Benehmen bei Tische missbilligen könnte. Deshalb erlaube ich mir, mit Messer…“

Hofstetter: „Wo ist eigentlich mein Sangria geblieben?“

Gundula (kommt in diesem Moment mit einem riesigen Kübel Sangria angerollt): „Immer schön locker bleiben, mein Bester. Hier ist er schon.“

Hofstetter (entreisst Gundula den Sangriaeimer und versenkt seinen Arm bis zur Schulter darin): „Läck, tut das gut! Habt ihr gehört, wies gezischt hat, als ich…“

Hofstetter: „…die Paëlla ist in der ganzen Beiz verstreut, Hofstetters Sangria ist im Eimer, ich habe noch überhaupt nichts zu trinken bekommen, und die Serviertochter ist ziemlich sicher ein Mann. Ich habs glaub gesehen, Leute. Ich will nach Hause.“

Hofstetter: “Teilen wir uns ein Taxi?”

Hofstetter: “Aber sicher. Was ist mit dir? Kommst du mit, oder bleibst du nochli hier, unter deinen Eingeborenen?”

Hofstetter (zieht den Arm aus den Kübel und schüttelt ihn, bis alle Umsitzenden auch noch ein paar Deziliter Sangria abbekommen haben): “Ich komme mit.”

Hofstetter (winkt Gundula an den Tisch): “Zahlen, bitte!”

Gundula: „Hats nicht geschmeckt?“

Hofstetter: „Ich weiss nicht. Wir müssen leider schon gehen. Wir haben noch Termine.“

Gundula (drückt einen roten Kussmund auf die Rechnung und legt das Papier auf den Tisch).

Hofstetter: “Zweihundertachtundneunzigachtzig?!? Seid ihr noch bei Trost?”

Gundula: “Die Reinigung dieses Häuschens ist im Preis inbegriffen.”

Hofstetter (legt drei Hunderter auf den Tisch und knurrt): “Scho rächt.”

Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter verlassen die Beiz.

Hofstetter (beim Öffnen der Zimmertüre, nachdem alle drei schweigend zum Hotel geschlurft sind): „Aber sonst wars toll, müsst ihr sagen. Ich meine: Abgesehen von diesem kleinen Zwischenfall vorhin, von dem im Büro übrigens nicht unbedingt alle erfahren müssen.“

Hofstetter: „Nunja…“

Hofstetter: „…dann machen wir das doch am besten gleich ab: Nächstes Jahr zur selben Zeit sind wir wieder hier. Mit unserer neuen Verwaltungsratspräsidentin! Dann läuft das gaaaanz anders, meine Herren!“

Hofstetter: „Nichts hoffen wir mehr.“

Hofstetter: „Also dann…“

Hofstetter: „Nun…“

Hofstetter: „Tja…“

Hofstetter: „Wir sehen uns morgen in Las Palmas; um 11.15, im Flughafen. Ok?“

Hofstetter: „Ok.”

Hofstetter: „Ich habe meinen Rückflug gestern storniert und bleibe noch eine Woche länger.“

Hofstetter: „Wieso…“

Hofstetter: „Ich will jetzt einmal das andere Maspalomas kennenlernen. Das ohne Flipchards und Powerpointkram und alles. Das richtige, wahre. Das sonnige und heisse. Ich will stundenlang am Strand liegen und tagelang am Pool faulenzen. Ich wills einfach nochli geniessen. Nehmts mir bitte nicht übel, Leute. Aber das geht ohne euch entschieden besser als mit euch.“

Hofstetter: „Mit viel gutem Willen kann ich das verstehen. Schreibst du uns mal?“

Hofstetter: „Ich schreibe ganz sicher. Vielleicht sogar euch.“

Was bisher geschah

29.8.2018: Hofstetter lässt eine Bombe platzen: Eine geheimnisvolle Unbekannte bewirbt sich als neue Verwaltungsratspräsidentin. Hofstetter und Hofstetter vergitzlen fast vor Neugierde, aber Hofstetter sagt über die Frau nur das Allernötigste. Was zuvor und danach passierte, kann hier nachgelesen werden.

26.8.2018: Während Hofstetter mit den Spätfolgen des Schoggi-Dürüms kämpft, machen die anderen beiden sich Gedanken darüber, wie die es ohne den Verwaltungsratspräsidenten weitergehen soll. Das Protokoll ist hier verlinkt.

24.8.2018: Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter landen für ihren fast alljährlichen Betriebsausflug auf Gran Canaria. Bei einem Schoggi-Dürüm kommt es zu ersten leichten Spannung im Grüppli. Zum Protokoll gehts hier entlang.

Eine Art Betriebsausflug (I)

Alle Jahre wieder kommen nicht nur das Christkind und der Osterhase. Fast genauso regelmässig fliegen Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter – der Gründer, der Betreiber und der Geschäftsführer eines Schreibstüblis in Burgdorf – nach Gran Canaria. Gewisse geschäftliche Dinge lassen sich ihrer Ansicht einfach besser weit ausserhalb des Büros besprechen.

Nachdem die Herren am Morgen in Las Palmas gelandet sind, höcklen sie jetzt bei über 30 Grad unter dem wolkenlosen Himmel in einem Beizli an der Strandpromenade von Maspalomas, um einfach mal wieder die Seelen baumeln zu lassen halbnackten Frauen hinterherzustarren die Konzernstrategie für die nächsten 12 Monate zu skizzieren.

Hofstetter: „Hach…“

Hofstetter: „Hör doch auf!“

Hofstetter: „Ich habe ja noch gar nicht richtig…“

Hofstetter: „…das ist auch nicht nötig. Wir wissen alle, was jetzt kommt: Ein endloses Blabla darüber, was wir doch für eine tolle Truppe seien und wie schön du es findest, dass wir uns immer mal wieder hier, auf diesem paradiesischen Fleckchen Erde, versammeln, undsoweiter, undsofort.“

Hofstetter: „Eigentlich wollte ich nur sagen, dass wir eine tolle Truppe sind und dass ich es schön finde, mit euch immer mal wieder hier, auf diesem paradiesischen Fleckchen Erde, ein paar Tage verbringen zu dürfen, und sonst vielleicht noch Dieses oder Jenes.“

Hofstetter: „A propos ‚alle’…“

Hofstetter: “Hat jemand ‘alle’ gesagt?”

Hofstetter: „Ja. Du. Gerade vorhin, als du sagtest: ‚Wir wissen alle, was jetzt kommt.’ Da sagtest du ‚alle’“.

Hofstetter: „Gut, haben wir darüber geredet. Also: Was hast du zu Aproposen?“

Hofstetter: „Als du ‚alle’ sagtest, fragte ich mich plötzlich, wo eigentlich unser VRP ist.“

Hofstetter: „VRP?“

Hofstetter: „Das ist die deutsche Abkürzung für Unique Selling Point. Auf Englisch heisst das USP. Wird gerne verwechselt mit USB und UBS, aber nicht von mir.“

Hofstetter: „Ach so. Ok. Wo ist er denn, unser ‚Unique Selling Point?“

Hofstetter: „Mir hängts gleich aus. ‚VRP’ heisst Verwaltungsratspräsident. Unser Verwaltungsratspräsident fehlt. Hofstetter ist nicht da. Weiss jemand, wo Hofstetter ist?“

Hofstetter: „Nein.“

Hofstetter: „Keine Ahnung.“

Hofstetter: „Hat wirklich keiner von euch daran gedacht…“

Hofstetter: „Nä-ä.“

Hofstetter: „Was heisst hier ‚von euch’?!? Du hättest ihm genausogut einmal sagen können, dass wir wieder hier runterfliegen. Du siehst ihn schliesslich jeden Morgen und Abend im Badezimmer. Dann wäre er jetzt auch bei uns und…“

Hofstetter: „…ich führe keine Diskussionen im Konjunktiv.“

Hofstetter: „Sag mal, ganz ehrlich: Findest du das wirklich gut?“

Hofstetter: „Dass wir Hofstetter schon wieder daheim vergessen haben?“

Hofstetter: „Nein. Diesen Schoggi-Dürum.“

Hofstetter: „Hättest du lieber einen mit Früchten? Oder einen für Laktose-Inkontinente?“

Hofstetter: „Jessesgott!“

Hofstetter: „Wusst ichs doch.“

Hofstetter: „Ich bringe das Zeug beim besten Willen nicht runter.“

Hofstetter: „Dann lässt dus halt liegen. Man könnte schon meinen…“

Hofstetter: „Ich habe aber Hunger, tami!“

Hofstetter: “Wie alt bist du eigentlich?“

Hofstetter: „Gleich alt wie du.“

Hofstetter: „Du meinst: Gleich jung.“

Hofstetter: „Im Moment habe ich weniger ein Problem mit meinem Alter, als vielmehr mit diesem…diesem….“

Hofstetter: „Ich muss bei allem Respekt vor der osmanischen Kultur sagen: Ich bin ebenfalls ein bisschen irritiert. Erst verkündest du grossartig, dass du uns heute einmal regionale Spezialitäten vorführen willst…und dann schleppst du uns in eine Beiz, in der es Schoggi-Dürüms gibt.“

Hofstetter: „Eben.“

Hofstetter und Hofstetter (im Duett): „Was, eben?“

Hofstetter: „Schoggi-Dürüms sind eine hiesige Spezialität.“

Hofstetter: „Sagt wer?“

Hofstetter (zeigt auf einen sehr autoritär wirkenden Mann in einem “Staff” T-Shirt, der an der Kasse gerade die Tageseinnahmen zusammenzählt): „Der Typ da hat es mir vorhin verraten.“

Hofstetter: „Der Typ da ist offensichtlich der Betreiber dieses Lokals.“

Hofstetter: „Siehst du.“

Hofstetter: „…???“

Hofstetter: „Wer, wenn nicht ein eingeborener Wirt, könnte sagen, was eine regionale Spezialität ist und was nicht?“

Hofstetter: „Vielleicht hats ja auch Dürüms mit Fleisch.“

Hofstetter: „Fleisch ist sowas von out.“

Hofstetter: „Und das weisst du von…“

Hofstetter: „…den metoo-Leuten.“

Hofstetter: „Das ist doch etwas völlig anderes. Denen gehts um…“

Hofstetter: “…Gehyster ist Gehyster. Meinst du wirklich, ich frage hier in aller Öffentlichkeit, ob der werte Herr Kollege vielleicht etwas mit Fleisch haben könne, nur um dann von einem Flashmob tagelang kreuz quer über die Insel getrieben zu werden?“

Hofstetter: „Es heisst ‚Lynchmob’. Ein Flashmob ist, wenn man….“

Hofstetter: „…miteinander ein Flash hat. Das weiss ich dänk schon. Ich wollte dich nur testen.“

Hofstetter: „Was würdet ihr davon halten, wenn wir einfach in ein anderes Restaurant zügeln würden?“

Hofstetter: „Gute Idee.“

Hofstetter: „Matador! La fattura please; subito.“

Hofstetter (zu Hofstetter): „Falls jemand fragt: Ich kenne den nicht.“

Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter bezahlen je mit einer der 100 Euro-Noten, die sie nach der Landung aus dem Bankomaten am Flughafen gezogen hatten. Dann schlendern sie durch die Beizengasse. Schon nach wenigen Schritten bleiben sie stehen.

Hofstetter: „Schaut mal!“

Hofstetter und Hofstetter: „Schon besser.“

Hofstetter: “Was gibts hier?”

Hofstetter: “Moment. Ich gehe mal schauen.” (Geht mal schauen. Dann rapportiert er: “Asiatisch und Chinesisch.”)

Hofstetter: „Aber: Warum ist da niemand?“

Hofstetter: „Stimmt. Warum isst da niemand?“

Hofstetter: “Solche Wortspielchen kannst du dir schenken.”

Hofstetter: “Wieso? Ist doch witzig, dieses ‘ist’ und ‘isst…”

Hofstetter: “Das funktioniert nur schriftlich. Und auf Hochdeutsch. Müsstest du eigentlich wissen.”

Hofstetter (kaum hörbar, mehr zu sich selber als zu den anderen): “Und so jemand arbeitet in unserem Büro.”

Zu jung für diese Altersgruppe

Ich hatte es nicht bestellt, aber neulich lags trotzdem im Briefkasten: “50plus – Das Magazin für ein genussvolles Leben”.

Während ich es zuoberst auf die Altpapierbeige lege, frage ich mich, womit ich in einer hoffentlich sehr fernen Zukunft noch beglückt werden würde: “60plus – Goldene Zeiten für Silberrücken”. Dann: “70plus – Kein Job, keine Zukunft, aber hey: That’s life!”. Wieder zehn Jahre später: “80plus – Wer das lesen kann, ist noch nicht tot.” Schliesslich: “90plus – Und täglich grüsst der Sensemann”.

So betrachtet, denke ich gedankenverloren, bin ich mit meinen 50plus eigentlich gar nicht so schlecht bedient. Ich nehme das Heftli wieder vom Haufen.

“Sei du selbst”, empfiehlt mir das Magazin auf der Titelseite. Weiter verspricht es Ratschläge für Stellensuchende, Tipps für profimässiges Kochen und – es wurde aber auch langsam Zeit – eine verbindliche Antwort darauf, “warum Essen Spass machen soll”.

Die Frage ist: Braucht das jemand?

“Sei du selbst” gehört längst zum Basisvokabular jedes Küchentischpsychologen, jeder Dschungecamp-Teilnehmerin und jedes Castingshowmasters. Arbeitslosen helfen das RAV und private Institutionen. Kulinarikzeitschriften liegen an Kiosken und in Buchhandlungen kilometerweise auf; dazu kommen zig Kochsendungen und eine endlose Menge von Online-Publikationen.

“Genauso würde vermutlich ein Heftli aussehen, wenn man Kurt Aeschbacher ein Heftli machen liesse”, sinnierte ich: Viel Gspüri, viel Service und viel Genuss.

Und noch bevor ich meinen Gedanken zu Ende gedacht habe, lächelt mir auf der Seite 3 werelilwer entgegen?

In seinem Editorial behauptet “Aeschbi”, es gebe “nichts Anregenderes, als mit der Familie oder seine Freunden um einen schön gedeckten Tisch zu sitzen, ein feines Essen zu geniessen und dabei über all das, was einen bewegt, zu diskutieren”. Illustriert ist der Text mit einem Bild, das den Autor alleine auf einem Sofa sitzend zeigt, mit einem halbvollen Glas Rotwein in der Hand. Kurz nach dem Hinweis auf einen “aufschlussreichen Bericht über die Bauchspeicheldrüse” und vor den “herzlichen Grüssen” fragt er in die Runde: “Was gibt es Schöneres, als nach einer anstrengenden Wanderung sich noch ein paar Stunden in einer Wellnessoase verwöhnen zu lassen”.

Nun: Mir kommen spontan dreihunderttausend Dinge in den Sinn, die eine (von mir aus auch bubieinfache) Wanderung an Schönheit toppen würden, aber sie auch nur stichwortartig zu notieren, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen.

Auf knapp 100 Seiten werden in der Folge all jene (oder ämu viele der) Themen abgehandelt, welche Leute knapp jenseits der Pubertät nach Ansicht der “50plus”-Macher in ihrer offenbar reichlich bemessenen Freizeit umtreiben: Kuratiertes Sammeln, Heimwerken, Gemüseanpflanzen, Testamentverfassen, Pankreatitis, Reisen oder die Suche nach der perfekten Alterssiedlung.

Den Schwerpunkt der mir vorliegenden Ausgabe bildet das Essen: Eine Reportage über die chinesische Küche fehlt ebensowenig wie – dass ich das noch erleben darf! – ein Artikel über georgische Tischsitten. Dazu gibts mehr und weniger originelle Rezepte plus, natürlich, eine schampar lustige Kolumne, die vor allem deswegen auffällt, weil viele Worte “IN GROSSBUCHSTABEN” geschrieben sind (wohl für den Fall, dass Teile der Zielgruppe vergessen haben, die Kontaktlinsen einzusetzen, mit denen sie bis zur Brille sehen können).

Inserate werben hauptsächlich für Medikamente (“Helfen Sie Ihrem Herz wieder auf die Beine”), Banken (“Wir lassen Sie auch im Alter nicht im Stich”) oder Thermen (“Mit Abhol- und Heimfahrservice”).

Was Werbung ist und was redaktionelle Leistung, ist nicht in jedem Fall klar. Es spricht zum Beispiel sicher nichts dagegen, unter dem Motto “Wunderbares für Körper und Seele” allerlei Elixiere, Essenzen und Düfte “für die Party” vorzustellen. Nur: Wenn diese Produkte in salbungsvollen Worten und samt Preisangaben unter der Rubrik “Beautytipps” angepriesen werden, runzelt der journalistische Puritaner jedoch automatisch die botoxfreie Stirne. Diese Doppelseite mit “Publireportage” zu kennzeichnen, wäre ehrlicher gewesen. Oder zumindest transparenter.

Ansonsten gibts an “50plus” zu meinem eigenen Erstaunen wenig zu bemängeln. Die Texte sind fast ausnahmslos flott getippt und vermitteln eine Vielzahl von – auch überraschenden – Informationen. Sie sind in einem Tonfall gehalten, der erkennen lässt, dass die Schreibenden die Lesenden ernstnehmen (wobei: Das darf der Lesende vom Schreibenden für SFr. 7.90 wohl erwarten). Die hochwertigen Fotos dienen nicht als Füllmaterial, sondern als Blickfänge.

Während ich durch das Magazin blättere, fühle ich mich ein wenig wie vor einem Jahr, als ich versehentlich zwei Nächte in einer Seniorenresidenz im Tessin verbrachte: Es ist alles ganz nett und schön und gut (gemeint), aber letztlich…letztlich halt doch nichts für mich.

Sowohl das Heft als auch das Heim signalisier(t)en mir – wenn auch subtil – , es wäre langsam an der Zeit, mich mit dem Älterwerden und dessen Folgen zu beschäftigen. Dafür fehlt mir vorläufig aber die Zeit. Und, vor allem: die Lust.

Sobald ich mich wie 50 fühle, nehme ich das Heftli aber sicher gerne wieder einmal zur Hand. Falls es dann noch existiert.

Ess geht auch so

Als glühender Anhänger des Weight Watchers-Prinzips flog ich mit dem Vorsatz in die USA, beim Essen dort jedes Erbsli zu zählen.

Kaum waren wir in San Francisco gelandet, musste ich allerdings leicht verdrossen feststellen, dass Erbsen eher nicht zu den dominierenden Elementen amerikanischer Speisekarten gehören.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als auf andere Naturprodukte auszuweichen.

Auf Eier von glücklichen Hühnern zum Beispiel

oder auf Fleisch von Rindern, die nie einen Stall von innen gesehen und nur wenige Stunden zuvor noch auf endlosen Wiesen gegrast haben

oder auf Kartoffeln aus sonnenlichtdurchtränkten Äckern, und auf Käse aus quietschfidelen Kühen aus dem Land we call the home of the brave

sowie – als kleine Sünde zwischendurch – auf frische Früchte:

Inzwischen, nach knapp zwei Wochen, habe ich mich mit der Ernähungsumstellung arrangiert und gelernt: Es brauchen wirklich nicht ständig Erbsen zu sein.

Was immer ich auf unserer Reise zu mir nehme, ist zwar bio durch und durch, schmeckt aber trotzdem hervorragend und sättigt erst noch nachhaltig.

Herzkranzgefäss, was willst du mehr?

S Weggli und de Batze

Die Rocknrolldies ziehts nach draussen: Am 10. Juni sorgen wir unter den Lauben vor der “Metzgere” in der Burgdorfer Oberstadt für Stimmung.

Los gehts um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Hungrige gibts Fleisch vom Grill.

Kaustralische Genüsse

Zum Zmorge, zum Zmittag, zum Zvieri, zum Znacht und sehr gerne auch einfach so, zwischendurch: Australien und Tasmanien haben in kulinarischer Hinsicht endlos viel zu bieten.

Fangfrische Meeresfrüchte, butterzartes Fleisch, liebevoll zubereitete Desserts – falls das Schlaraffenland tatsächlich existiert, dann liegt es vermutlich hier, auf 25° 16′ 26.479″ S und 133° 46′ 31.411″ E.

Das genussvolle Sattwerden bereitet zu keiner Tageszeit irgendwelche Probleme. Manche Zeitgenossen scheinen allerdings gewisse Schwierigkeiten mit der korrekten Entsorgung all der Herrlichkeiten zu haben:

Petri Dank!

Austern, Garnelen, Hummer, Muscheln, Oktopusse und so weiter, und so fort: Auf dem Fischmarkt von Sydney ist alles zu haben, was das Meer an Delikatessen hergibt:

50 bis 55 Tonnen Seafood werden hier laut den Verantwortlichen Tag für Tag verkauft.

Daneben wartet eine unfassbar grosse Menge von Früchten – wenn auch oft made in China und entsprechend chemisch frisiert – auf Abnehmer.

Auch Käse gibts; sogar aus dem Berner Oberland und dem Emmental (oder so; Hauptsache, aus Schweden).

Es geht wieder dem Ende zu

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Mitte November 2016: In der Superior Executive-Lounge von Hofstetter Kommunikation höckeln Verwaltungsratspräsident Hofstetter, Firmengründer Hofstetter, Inhaber Hofstetter und Geschäftsführer Hofstetter, um salzgebäckmampfend und mineralwassernippend die nähere Zukunft einzufädeln.

Hofstetter: “Ich weiss, dass die meisten von euch Sitzungen nicht besonders mögen, und mir ist auch klar, dass ihr alle noch anderes zu tun habt, aber…”

Hofstetter: “…eine Whatsapp-Gruppe wäre für solche Fälle eine gute Idee.”

Hofstetter: “Whatsapp? Du bist bei Whatsapp?!?”

Hofstetter: “Du nicht?”

Hofstetter: “Wer von euch ist bei Whatsapp?”

Hofstetter: “Ich.”

Hofstetter: “Ich. Und bei Linkedin bin ich auch, und ausserdem bei Xing, Instagram, Twitter und Google Plus.”

Hofstetter: “Welche Ehre! Ich sitze neben dem weltweit einzigen Menschen mit einem Google Plus-Account!”

Hofstetter: “Alle whatsappen. Whatsapp ist das neue Facebook.”

Hofstetter: “Mir ist das zu blöd. Ständig machts ‘Ping’, und dann ist es doch nur ein Filmli.”

Hofstetter: “Jedenfalls: Wir müssen planen.”

Hofstetter: “‘Ca plane pour mois’! Kennt das noch jemand?”

Hofstetter: “Was ist das?”

Hofstetter: “Punk. Von Plastic Bertrand. Franzose. 1977. Moment…” (hebelt an seinem Handy herum) “…et voilà:”

Hofstetter: “Heiterefahne!”

Hofstetter: “Punk von einem Franzosen. Es wird immer besser.”

Hofstetter: “Wie gesagt: Ist schon lange her.”

Hofstetter: “Hat der sonst noch etwas gemacht?”

Hofstetter: “Das war glaub alles. Er kam, sang und versiegte.”

Hofstetter: “Wie Samantha Fox mit ihrem ‘Touch me’.”

Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter: “Hast du das auch?”

Hofstetter: “Klar” (tippt erneut auf seinem iPhone herum):

Hofstetter: “Samantha Fox! An ihre Augen werden die Leute sich noch in zehntausend Jahren erinnern.”

Hofstetter: “Ich weiss gar nicht, ob dieser Plastic noch lebt.”

Hofstetter: “Leute, die solche Musik machen, werden in der Regel nicht besonders alt.”

Hofstetter: “Wieso meinst du?”

Hofstetter: “Leonard Cohen, David Bowie, Joe Cocker…muss ich noch mehr aufzählen?”

Hofstetter: “Du vergleichst Cohen, Bowie und Cocker jetzt aber nicht ernsthaft mit dem Franzosen, oder?”

Hofstetter: “Rocker ist Rocker, und Sex and Drugs sind Sex and Drugs.”

Hofstetter: “Cohen war kein Rocker.”

Hofstetter: “Soso. Was dann?”

Hofstetter: “Könnten wir jetzt vielleicht langsam…?”

Hofstetter: “Ein Barde. Leonard Cohen war ein Barde.”

Hofstetter: “Hört, hört! Ein Barde.”

Hofstetter: “Dann halt ein Liedermacher.”

Hofstetter: “Singer/Songwriter sagt man dem heutzutage.”

Hofstetter: “Klugscheisser.”

Hofstetter: “Bardesingersongwriter…ist doch egal. Er war ämu kein Franzose.”

Hofstetter: “Wie ihr wisst, neigt sich auch dieses Jahr schon wieder dem Ende zu. Drum…”

Hofstetter: “…Hofstetter hat gesagt, dass ‘solche Leute’ nicht alt werden. Nur fürs Protokoll: Cohen gehört für mich nicht zu ‘diesen Leuten’. Abgesehen davon wurde er sehr alt, und Bowie und Cocker waren sozusagen auch schon pensioniert, als sie die Mikrofone für immer abgaben. Das ist schon ein bisschen etwas anderes als bei dem Punk, der übrigens vielleicht noch gar nicht gestorben ist.”

Hofstetter: “‘Protokoll’ ist ein gutes Stichwort. Wer schreibt heute das Protokoll?”

Hofstetter: “Niemand natürlich.”

Hofstetter: “Was, niemand?”

Hofstetter: “Hat schon jemals jemand eine unserer Sitzungen protokolliert?”

Hofstetter: “Da muss ich nachdenken…”

Hofstetter: “…mach nichts, was du nicht gewohnt bist…”

Hofstetter: “…nein: Ich glaube, von unseren Sitzungen gibt es kein einziges Protokoll.”

Hofstetter: “Ist vermutlich auch besser so.”

Hofstetter: “Item. In sechs Wochen haben wir Silvester. Das heisst…”

Hofstetter: “…’wer jetzt noch kein Chinoise bestellt hat, baut kein Haus mehr’, wie Einstein in seiner Ode an die Freude geschrieben hat.”

Hofstetter: “Das war Rilke, im Fall, und es ging nicht um Fondue.”

Hofstetter: “Einstein, Rilke…: Hauptsache, kein französischer Punker.”

Hofstetter: “Das Gedicht, das Hofstetter meinte, heisst ‘Herbsttag’ und geht so…”

Hofstetter: “…wenn du jetzt anfängst, Gedichte zu rezitieren, dann, dann…”

Hofstetter: “…Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los….”

Hofstetter: “…ich glaubs einfach nicht…”

Hofstetter: “…Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin, und jage die letzte Süsse in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.”

Hofstetter: “Sehr schön, wirklich. Das kann heute kein Mensch mehr.”

Hofstetter: “Was? Dichten?”

Hofstetter: “Gedichte aufsagen, und dann erst noch auswendig.”

Hofstetter: “Ich kann im Fall auch Goethes Glocke!”

Hofstetter: “Die ist von Schiller.”

Hofstetter: “Egal. ‘Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden. Frisch Gesellen, seid zur Hand. Von der Stirne heiss rinnen muß der Schweiss, soll das Werk den Meister loben! Doch der Segen kommt von oben.'”

Hofstetter: “A propos ‘von oben’: Ich habe diese Sitzung einberufen, um mit euch über die Qualifikationsgespräche und das Jahresabschlussessen zu reden, falls das jemanden interessiert.”

Hofstetter: “Das mit dem Qualizeug kannst du vergessen. Ich führe keine Selbstgespräche, und wenn doch, dann sicher nicht mit einem von euch.”

Hofstetter: “Ich auch nicht.”

Hofstetter: “Ich auch nicht.”

Hofstetter: “Gut, dann streichen wir das. Kommen wir zum Essen.”

Hofstetter: “Schon besser.”

Hofstetter: “Letztes Jahr wars irgendwie nicht so der Heuler.”

Hofstetter: “Letztes Jahr habe ich für euch gekocht.”

Hofstetter: “Eben.”

Hofstetter: “Dann gehen wir in die ‘Gedult’.”

Hofstetter: “Kommt nicht in Frage. Da hatten wir unser Hochzeitsessen.”

Hofstetter: “Und?”

Hofstetter: “Nichts ‘und’. Ich will mir nur nicht eine wunderschöne Erinnerung durch ein Businessznacht verderben lassen.”

Hofstetter: “Das gibt kein Businessznacht. Das wird total locker vom Hocker, mit den Frauen und allem. Vielleicht kommt noch eine Mundartband.”

Hofstetter: “Ein Singersongwriter aus der Region würde es auch tun. Frag mal die Buchhaltung.”

Hofstetter: “Weitere Vorschläge?”

Hofstetter: “Nein.”

Hofstetter: “Nein.”

Hofstetter: “Aber irgendwo müssen wir doch…”

Hofstetter: “Ich bin dann sowieso nicht hier. In zwei Wochen fliegen wir nach Australien.”

Hofstetter: “Komisch: Wir auch.”

Hofstetter: “Wir auch.”

Hofstetter: “Das hättet ihr auch ein bisschen früher sagen können.”

Hofstetter: “Du hast ja nicht gefragt.”

Hofstetter: “Genau: Du hast nicht gefragt.”

Hofstetter: “Du fragst ja nie. Du schreibst einfach, ‘Sitzung in 30 Minuten!”, und wir müssen dann alles stehen und liegen lassen, um deinen Worten zu lauschen.”

Hofstetter: “Darf ich offen reden?”

Hofstetter: “Tu dir keinen Zwang an. Wir sind hier unter uns. Das ist das Schöne an dieser Lounge.”

Hofstetter: “Also dann: Deine Art, Sitzungen einzuberufen, geht uns auf den Sack. Das sind Marschbefehle, keine Einladungen. Vielleicht hast du es als Whatsappverweigerer noch nicht mitbekommen, aber die Sklaverei ist abgeschafft.”

Hofstetter: “Ich darf das. Ich bin der alleralleroberste Chef.”

Hofstetter: “Aber nur, weil ich diese Bude gegründet habe…”

Hofstetter: “…und sie mir gehört…”

Hofstetter: “…und ich sie führe.”

Hofstetter: “Das kommt nicht gut heute. Das kommt gar nicht gut. Ich spüre negative Schwingungen im Raum.”

Hofstetter: “Du bist der Boss. Du kannst die Sitzung beenden, wann immer du willst.”

Hofstetter: “Stimmt. Zum Beispiel jetzt grad.”

Hofstetter: “Schön, dann machen wir Schluss. Was die Qualigespräche und das Essen betrifft, haben wir ja geklärt, was zu klären war. Offen sind noch die Sachen mit dem Singersongwriter und der Beiz und der ganze Rest, und abgesehen davon habe ich die Rede an die Belegschaft noch nicht ganz fertig geschrieben, aber das kann ich ja in euren Ferien erledigen.”