Neue Erkenntnisse und alte Gewissheiten

Dieses Bild dürfte unzählige Eltern in Erklärungsnotstände bringen: Der Samichlaus verbringt seine Freizeit nicht in einem bescheidenen Iglu am Nordpol oder in einer spartanisch eingerichteten Hütte im Schwarzwald, sondern, wie wir gestern stirnrunzelnd feststellen mussten, an einem Strand in der Nähe von Sydney.

Abgesehen davon ist der Schmutzli offensichtlich kein Mann, und was das Eseli betrifft, muss die Weihnachtsgeschichte vermutlich sowieso von Anfang an neu geschrieben werden.

Wir haben den Heiligen Abend soeben mit unserer australischen Familie gefeiert. Gleich fahren wir zum Flughafen. Um 4 Uhr geben wir das Mietauto zurück, zwei Stunden später heben wir in Richtung Dubai ab, von wo aus es dann weiter nach Zürich und Burgdorf geht.

Während ich so dasitze und mit einer Mischung aus Abschiedsschmerz und Heimweh (an dieser Stelle: Herzliche Grüsse an all unsere Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde und last, but überhaupt nicht least, Tess!) in den Nachthimmel über der Südhalbkugel starre, wird mir wie jedesmal, wenn wir diesen Kontinent verlassen, klar, dass es mit der Zeit immer dasselbe ist: Sie rast einem davon, sobald man auch nur daran denkt, sich zu wünschen, dass sie für einen Moment viele Jahre stillstehen möge.

Wie es sein sollte

Sonntag, 18. Dezember, 14.32 Uhr südostaustralischer Zeit: In einer Woche sitzen wir in einem Flugzeug, das uns erst nach Dubai und dann nach Zürich bringen wird, wo wir nach einer dreissigstündigen Reise am Abend desselben Tages landen werden, an dem wir achtzehn Stunden zuvor gestartet waren.

Das ist nicht nur ziemlich strange, wie der Australier sagen würde, sondern, vor allem: sehr schade. Die Tage, die wir zu Zweit in Tasmanien und mit Familienmitgliedern auf einer winzigen Streifen dieses gigantischen Kontinentes verbrachten, rasten und rasen nur so vorbei. Kaum haben wir uns beim Zmorge überlegt, was wir in den nächsten Stunden unternehmen könnten, verdauen wir das Znacht.

Im Moment höcklen wir bei Chantals Cousin Christian auf der Terrasse vor seinem Haus in einem Aussenquartier von Sydney. Auf dem Wiesli nebenan räckelt sich eine Echsenfamilie in der Sonne. Ein mildes Lüftchen zeichnet Kringel auf das Wasser im Pool, im Radio besingt Sade ihren „Smooth Operator.“

Kurz: Es ist alles, wie es sein muss, und doch…

…aber mir wei nid grüble (wie der Australier garantiert nie sagen wird).

„Jump!“, singen jetzt die Pointer Sisters. Ich nehme das als Aufforderung, kurz ins Wasser zu hüpfen. Bin gleich zurück.

Oder auch ein bisschen später.

Schlapp, aber glücklich

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Gleich gegenüber, im Pub des „New Sydney Hotel“, spielt eine der besten Bluesrock-Bands, die ich je gehört habe, doch ich mag einfach nicht aufstehen und geniesse die Musik glücklich vor mich hindösend in unserem Zimmer des Midcity Hotels in Hobart.

Über 30 Stunden ist es nun her, seit mein Schatz und ich in Zürich einen „Emirates“-Airbus bestiegen haben, der uns erst nach Dubai und dann nach Melbourne brachte. Von dort flogen wir mit einer ungleich kleineren Maschine nach Tasmanien, und jetzt…jetzt sind wir hier, am Ausgangspunkt unserer dritten Australienreise, und chli schlapp, aber das wird schon wieder mit dem Jetlag, und überhaupt: Wenn dieses bisschen Kopfweh der Aufpreis für dreieinhalb wunderschöne Ferienwochen ist, bezahlen wir ihn gerne.

Nachdem wir das Gepäck in der Unterkunft deponiert hatten, bummelten wir zum Hafen, um einen Blick auf die „Ocean Warrior“, das neue Patrouillenschiff der Sea Sheperds, zu werfen, und dann weiter zum Salamanca Market. Dieser unterscheidet sich von anderen Märkten nicht nur dadurch, dass auf dem Gelände absolutes Rauchverbot herrscht, sondern vor allem durch seine beeindruckende Grösse und das ebenso vielseitige wie originelle Angebot an über 300 Kleider-, Kunsthandwerk- und Kulinarikständen.

Für Abendessen entschieden wir uns aufs Geratewohl hin zu einem Besuch beim „Mexican with a Mission“ – und wurden nicht enttäuscht; ganz im Gegenteil. Ich habe schon lange nicht mehr so gut, genug und trotzdem gesund gegessen wie in diesem Lokal, olé!

Was gibt es sonst zu erzählen? Eigentlich noch nicht viel, ausser, dass in der Reception unseres Hotels ständig Classic Rock aus den 80ern läuft und der Mann am Empfang ein Guns’n’Roses-T Shirt trägt.

Ich nehme beides als gute Omen für unseren zweitägigen Aufenthalt in Hobart und unsere weitere Reise durch diesen bezaubernden Flecken Erde zwischen Australien und der Antarktis.

Boardingliner

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Das Boarding für den Swiss-Flug von Rom nach Zürich verzögere sich um etwa eine Viertelstunde, sagte die Frau am Lautsprecher.

Niemand denkt auch nur im Traum daran, sein Plätzli in der Warteschlange, das er sich zuvor so mühevoll erkämpft hatte, aufzugeben. Statt noch ein Kafi trinken zu gehen, bleiben die Leute auf ihren 40 Quadratzentimetern stehen. Es könnte ja sein, dass der Sitz im Flieger nachher besetzt ist. Oder die Maschine ohne einen abhebt.

Gspässig, hässig und lässig

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Es ist 4.06 Uhr hier in London, und weil die Versicherung später wunder nehmen könnte, wann genau was passiert ist, schreibe ichs am besten auf, solange ich noch lebe.

Zeitpunkt des Schadensereignisses: 4.02 Uhr GMT a.m..

Hergang des Schadensereignisses: Ich habe mir auf dem Weg zum WC den kleinen Zeh gottsjämmerlich an einem

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Stahlstück

angetätscht, das aus der vorderen linken (oder auch rechten; es kommt ganz darauf an, von wo aus mans betrachtet) Ecke meines Bettes ragt.

Aber gut: Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass London gemeinhin als Geburtsstätte des Heavy Metal bezeichnet wird.

So eine Stange hat es nicht an jedem Bett, aber an meinem schon, weil: Meine Liegestätte ist eine, die tagsüber an einer Wand lehnt und am Abend

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heruntergeklappt

werden kann (jedenfalls, wenn man weiss, wie es geht. Wenn mans nicht weiss, schläft man halt am Boden oder im Stehen, an der Wand; ganz, wie es einem bequemer ist).

Dieses Bett gehört nicht zur Standartausrüstung des Hotels, in dem ich gerade weile. In allen anderen Zimmern stehen ganz normale Betten, ohne Metallstücke vorne links oder rechts. Ich habe sehr spontan einen…sagen wir: Spezialraum zugewiesen bekommen, weil es das Zimmer, das mein Freund, der mit mir das Wochenende in London verbringt, für mich gebucht hatte, laut dem Mann an der Rezeption gar nicht gibt.

(Frage aus dem Dunkel der hinteren Zuschauerreihen: “Wieso brauchen zwei Männer, die miteinander eine Städtreise machen, überhaupt Einzelzimmer?!? Das ist doch der pure Luxus! Mit diesem Geld könnte man in Afrika eine Schule und zwei Dorfbrunnen bauen!!!”

Antwort: “Weil wir beide tierisch laut schnarchen und uns nicht gegenseitig zwei Nächte lang wachhalten wollen.”)

Nur eine halbe Stunde, nachdem Luc, unser Mann am Empfang, herausgefunden hatte, dass seine Leute für uns ein Phantomzimmer reserviet hatten, stand ich auch schon in Room No. 407; etwas ratlos zwar (ich hatte zu jenem Zeitpunkt noch nicht bemerkt, dass darin auch ein Bett versteckt ist), dafür aber hochentzückt über die tolle Aussicht:

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Nein, halt. Das ist nur ein Bild im Gang.

Die Aussicht geht so:

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Super, isn’t it? London by Night. Andere bezahlen für eine Postkarte mit diesem Sujet viel Geld; ich habs sozusagen gratis und franko, und wenn wir schon dabei sind: Die Frage, ob ich für dieses Todeszimmer am Ende tatsächlich den selben Preis bezahlen muss wie mein Begleiter, der eine wesentlich ungefährlichere Unterkunft beziehen konnte, müssen wir mit Luc dann noch klären.

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Lange wird diese Debatte kaum dauern: Als ich mich mit ihm gestern Abend über the not existing room unterhielt, liess ich durchblicken, dass mein Freund in Switzerland eine Travel Agency betreibe, was auf den Rezeptionsmann glaub ziemlich Eindruck gemacht hat: “Travel Agencies – das sind doch diejenigen, die uns die Kundschaft zuführen”, dachte er, sagte er jedoch nicht. Verstanden dürfte er es aber haben.

Wenn nicht, lasse ich beim Auschecken am Sonntag halt beiläufig einem weiteren Nebensatz auf seinen blankpolierten Tresen fallen, im Sinne von “my friend here is the CEO of the very huge Travel Agency that brought us here. It might be easier for you to communicate directly with him. I’m only his extremely well-paying client.”

Je nachdem füge ich dem noch an, dass ich als Journalist bei einer der grössten Tageszeitungen in Switzerland arbeite. Aber so, wie ich Luc inzwischen kennengelernt habe, wird das wahrscheinlich gar nicht nötig sein. Schliesslich ist er ein gebürtiger Schweizer. Er macht einen recht vernünftigen Eindruck und weiss so gut wie wir, dass es für ihn nicht ganz einfach sein dürfte, in London auf die Schnelle einen neuen Job zu finden.

So. Während es in meinem Fuss nach wie vor surret und macht wie blöd – ich nehme an, dass in diesem Moment Zilliarden von Bakterien zu retten versuchen, was an dem Chnöcheli noch zu retten ist – entsinne ich mich hochachtungsvoll des Swiss-Piloten, der uns gestern mit dem Flug LX466 in die britische Metropole gebracht hat.

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Wobei: “Flug” ist chli viel gesagt. “Stand” trifft es besser, ämu, was die erste Stunde betrifft, die wir im Flieger verbrachten. Kaum war klar, dass aus dem Start um 17.15 defintiv nichts mehr werden würde, informierte der Käptn die Passagiere via Bordlautsprecher dahingehend, dass die Verspätung ungefähr 30 Minuten betrage.

Das war eine nette (und nicht unbedingt selbstverständliche) Information, aber noch lange nicht alles. Nach diesem quasi offiziellen Teil sagte der Mann in der Kanzel vorne, dass die Warterei darauf zurücktuführen sei, dass…(die folgende Passage habe ich nicht ganz verstanden, weil ich mit mir, über mein iPad gebeugt, am Jassen war)…und das habe er, der Pilot, den zuständigen Leuten im Tower auch zweimal mitgeteilt, aber offenbar habe es in Zürich irgendwelche Probleme mit der Koordination gegeben, und…ja.

Er danke für unser Verständnis und alles und melde sich wieder, wenn es etwas Neues gebe. Falls jemand telefonieren wolle oder die Toilette benützen müsse: Kein Problem. Wir könnten die Handys bis zum Start ungeniert benutzen und auch die Sicherheitsgurte wieder öffnen.

Insgesamt meldete der Pilot sich dann noch zwei- oder dreimal, und jedesmal wurde der Unterschied zwischen dem, was er durchgab, und dem, was er meinte, deutlicher hörbar. Am liebsten hätte der Käptn zweifellos gesagt, “wenn die Säcke im Turm einmal, aber auch nur einmal auf das hören würden, was wir von der Front ihnen sagen, gäbs hier viel weniger Puff, tami!”, aber so konnte er das natürlich nicht sagen, vor allen Leuten.

Übrigens: Bei Schlechtwetter und wenn man auf eine Rollbahn steht und nicht auf jedes Detail achtet, siehts

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in London

fast tupfgenaugleich aus wie

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in Zürich.

Eigentlich hätten wir also genausogut zuhause bleiben können, aber zuhause hats kein British Museum. und, noch fast wichtiger, auch keine Angus Steakhouses.

Ersteres gehen wir uns heute in aller Ruhe anschauen, in Letzterem stärken wir uns demnächst für einen langen, lässigen, interessanten und amänd sogar unfallfreien Tag.

Adiós, Gran Canaria – und vor allem: Tschou Burgdorf!

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Kein Leben auf dem Wasser…

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…tote Hose am Strand…

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…gähnende Leere in den Beizen…

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…und ein Höllenkrach beim Zmorgekaffee:

Es ist Zeit, das Rucksäckli zu packen und zu verschwinden.

Beim Gedanken daran, nach Hause zu fliegen und bald wieder in Burgdorf, im alten Markt, dem tollsten Quartier der Welt, zu sein, bei meinem Schatz und all den anderen Menschen, die ich in den letzten Tagen zwischendurch schones Birebitzeli vermisst habe, wird mir trotz der 16 arktischen Grad auf dem gleich verregneten Gran Canaria so richtig wohlig warm ums Herz.

Klatschendes Pack und matschiger Snack

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Sie habens getan.

Natürlich haben sies getan. Sie tuns ja immer, seit Jahren und Jahrzehnten.

Und sie tun es vermutlich auch noch im nächsten Jahrhundert, falls sich nicht irgendeines wunderschönen Tages ein Pilot ein Herz fasst und unmittelbar nach der Landung seine Kabinentür aufreisst und in den Passagierraum brüllt: “Hat euch Charter-Pack eigentlich noch niemand gesagt, dass wir euer Klatschen hier vorne gar nicht hören können?!? Zwischen und uns euch hats eine schalldichte Türe, wegen der Terroristen. Ihr könnt also applaudieren, bis eure Hände grün und blau sind und bluten: Wir bekommen das nicht mit!!! Und selbst wenn wir es mitbekommen würden: Spendiert ihr eurem Busfahrer auch eine Standing Ovation, wenn er euch unfallfrei vom Bahnhof zum Kronenplatz gefahren hat, hä? Sinkt ihr vor eurem Taxifahrer auch jedesmal ehrfürchtig in die Knie, wenn er euch vor eurer Haustüre abstellt, ohne, dass beim Bremsen das Auto explodiert ist?

Eben.

Also: Lasst! Den!! Kindischen!!! Scheiss!!!! Endlich!!! BLEIBEN!!!!”, sonst…ich weiss auch nicht, was sonst. Aber bitte, BITTE: Applaudiert Piloten nie, NIE mehr!!!!!!!!!”.

Wer übrigens nicht glaubt, dass geklatscht wurde und nun stirnrunzelnd einzuwerfen müssen glaubt, “das kann ich einfach nicht glauben, dass im Jahr 2013 immer noch geklatscht wird: Hier ist der Beweis.)

Als der Flieger um ziemlich genau 16.29 Uhr kanarischer Zeit zum Stillstand gekommen war, taten die Leute, wie dressiert, selbstverständlich auch noch Das Andere, was mich nach der Landung jedesmal in die Luft gehen lässt: Kaum hatte ein “Bling” signalisiert, dass die Sitzgurten jetzt geöffnet werden dürfen, erhoben sich sämtliche Passagiere von ihren Plätzen,

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um ihre Hartschalenköfferli und ihre Handtäschli und ihre Plasticsäcke aus den Fächern über ihren Köpfen zu ziehen, worauf an ein geordnetes Verlassen der Maschine nicht mehr gedacht werden konnte.

Weil das alles so langsam ging, bot sich mir die Gelegenheit, hinterrücks eine jener Flugbegleiterinnen zu fotografieren, die mir während der vierstündigen Reise von Zürich nach Las Palmas einen

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weltrekordverdächtig gruusigen Snack

serviert hatte. Was die Fluggesellschaft “Niki” (eine mir bis heute Morgen offenbar zurecht völlig unbekannte Tochter der Air Berlin) eine “Zwischenverpflegung” nennt, entpuppte sich nach dem ersten Bissen als etwas matschig-pappig Undefinierbares mit Hühnerfetzen, was man allenfalls auf Transatlantikflügen Gästen vorsetzen könnte, die alkoholbedingt sowieso nicht mehr merken, was um sie herum passiert.

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Und wenn wir schon bei den Flugbegleiterinnen sind: Die “Niki” lässt ihre Hostessen (das hab ich jetzt grad extra geschrieben, “Hostessen”, um stumm gegen diesen beängstigenden Gendercorrectnesshype zu protestieren) in einem pinkfarbenen Blusli mit hinten nur suboptimal sitzenden Jeans darunter auf die zahlende Kundschaft los, und da muss ich schon sagen: OMG! Das geht ja gaaar nicht!

Wenn während eines Fluges ständig Frauen hin und herlaufen, die aussehen, als ob sie gerade von einem Meet & Greet mit Justin Bieber oder jemand Artverwandtem kommen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Leute am Ende vor lauter Glück, wider Erwarten heil heruntergekommen zu sein, clap their hands and say yeah (tolle Band, übrigens, “Clap your hands and say yeah”. Wer die Musik doof findet, kann immer noch anerkennend murmeln, “aber einen originellen Namen haben sie, das muss man ihnen lassen.”)

Abgesehen von allem verlief der Flug aber recht unspektakulär. Nachdem wir die Alpen überquert hatten, wurde mir langweilig Ich klaubte unter allerlei “Sorrys” und “Tschuldigungs” meinen Laptop aus dem Gepäckablagefach, klappte ihn auf…und merkte in diesem Moment, dass ich hier oben so schnell keine Internetverbindung haben würde.

Um mich trotzdem irgendwie zu beschäftigen (und um den Herrn links und die Frau rechts von mir im Glauben zu lassen, die Störung vorhin sei wirklich nötig gewesen, weil ich genau jetzt etwas unaufschiebbar Wichtiges schreiben müsse), organisierte ich mir aus dem Word-Programm eine leere Seite und begann, draufloszutippen.

Viel Schlaues kam dabei nicht heraus. Denn als das Kabinenpersonal mit dem Essen “Essen” vorbeikam, musste ich den Compi unter allerlei “Sorrys” und “Tschuldigungs” zwischen meinen Füssen zwischenlagern. Dann gabs Kaffee und ein Theater wegen eines dicken Rentners und noch einen Kaffee und, damit einhergehend, einen Fleck auf der Hose (aber nicht auf meiner).

Der Bustransfer zum Hotel klappte traditionsgemäss nicht. Eine Taxifahrerin brachte mich zu einem bemerkenswert humanen Tarif nach Playa del Ingés.

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Jetzt höckle ich auf meinem Balkon im dritten Stock des Parque Tropical, geniesse den Blick aufs Meer und die Illusion, ganz alleine auf der Welt zu sein.  

Ich frage mich, wo wohl der Playaboy bleibt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er mir gleich nach der Schlüsselübergabe über das süüferli gefägte Wägli im Hotelareal laufen würde, aber oha.

Nun gut: Er heisst ja “Playa-” und nicht “Hotelboy”; wahrscheinlich treffen wir uns morgen am Strand.

Wenn nicht: Egal. Ich kann mich hier auch ohne ihn gäbig vertöörlen. Er soll ja nicht meinen.

Hell & dunkel

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Schneeweisser Sand, türkisblaugrünes Wasser, kaum Touristen: Die Stunden, die wir gestern auf Withehaven Beach verbringen durften, waren für uns wie ein Wirklichkeit gewordener Traum. Wir werden sie nie mehr vergessen.

In dieses Paradies gebracht hat uns ein überaus gmögiger Mann namens Dan. Mit einem Wasserflugzeug flog er uns, nur wenige hundert Meter über Meer schwebend, von Airlie Beach nach Hayman Island, um zwei weitere Gäste an Bord des Maschinelis zu nehmen. Eine weitere Viertelstunde später setzte er erneut auf dem lauwarmen Wasser auf; diesmal vor dem fast unberührt scheinenden Strand, der laut unserem Piloten zu den drei schönsten Stränden der Welt zählt.

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Nachdem wir – von den Eindrücken immer noch erschlagen – zurück in Airlie Beach waren, gönnten wir uns im Restaurant des Mini-Flughafens etwas Kühles zu trinken. Dabei konnte Chantal ihre Knieverletzung, die sie sich bei einem Zusammenstoss mit dem Flugzeug zugezogen hatte, genauer studieren. Ein zufällig in der Beiz anwesender Kookaburra assistierte ihr bei der Diagnose.

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Die Prellung ist zwar schmerzhaft und lästig, aber nicht so gravierend, dass sie uns an der Weiterreise hindern könnte. Also gings auf dem Bruce Highway ab nach Townsville, wo wir nach einer vierstündigen Fahrt im nächstbesten Hotel eincheckten. In einem Supermarkt besorgten wir Eisbeutel und Voltarensalbe. Das sollte fürs Erste genügen.

Townsville selber? Naja: Hügel, Hafen, Hotelkästen.

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Im Moment sitze ich im Internet-Café im Parterre des Hotels. Als ich vorhin vor das Gebäude ging, um zu rauchen, näherten sich mir wie aus dem Nichts zwei Aborigines. Sie trugen halbzerfetzte Turnhosen, die in den frühen 80er Jahren modern gewesen waren, und sonst nichts.

Der eine hatte eine Schnapsfahne, die vermutlich noch in Melbourne zu riechen war, und einen verschmutzten Verband am rechten Oberarm. Dem anderen waren im Laufe der Zeit ein Auge und die meisten Zähne abhanden gekommen. Er blutete aus dem Mund. „A fuckn dollah“, verlangte er. Als ich nicht reagierte, wiederholte er: „Gimmi a fuckn dolla. Just a fuckn dollah!“

Ausser den zwei Ureinwohnern war auf der Strasse zu dieser frühen Stunde kein Mensch zu sehen. Irgendwie wurde es mir chli gschmuuch. Ich liess die beiden Dunkelhäutigen stehen und ging, von wüsten Flüchen begleitet, zurück ins Hotel.

Auch das ist Australien”, dachte ich, als sich die Glastüre hinter mir lautlos vor den Fremden schloss.

Über den Wolken – und endlich da

Auf dem Flug von Zürich nach Dubai: Keine besonderen Vorkommnisse, sofern man tiptoppen Service, tolles Essen und die Tatsache, dass die Familien mit Kleinstkindern weit weg von den anderen Reisenden platziert wurden, als selbstverständlich betrachtet.

Nachdem wir Griechenland überquert haben, geht die Sonne unter – und wie: Es will nicht mehr aufhören mit den Ahs und Ohs und Luegmaus. Von unseren Zweierplätzli am Fenster aus haben wir freie Sicht auf ein atemberaubend schönes Wolkenmeer, das in immer wieder anderen Farben leuchtet.

(Bild: Schatz)

Ein paar Reihen vor uns sitzt Felix G. aus B.. Er fragt sich vermutlich gerade, ob der Typ, den er vorhin beim Einchecken gesehen hat, nicht dieser Hofstetter aus Böju gewesen sei. Falls er jetzt mitliest: Doch, lieber Felix: Ich wars. Aber ich hatte irgendwie einfach keine Lust darauf, in gemeinsamen Schulerinnerungen zu kramen. Für mich zählt jetzt nur Australien.

Dubai: Wenn man nur schon von oben sieht, wie die auf Sand gebaute Mega-Stadt glänzt und glitzert und blinkt und blitzt, kann man sich vorstellen, welchen Stellenwert der Schein für die Menschen dort unten einnehmen muss. Vom Flugzeug zum Flughafengebäude brauchen wir mit dem dem Bus eine halbe Stunde. Es ist alles viel zu gross, um wahr sein zu können. Mit der Kaviarportion, die in einem hippen Airportbeizli auf einen Teller gehäuft werden, könnte man in der Schweiz eine ganze Festgemeinschaft verpflegen.

Wir finden ein Lokal, in dem geraucht werden darf – aber nur, wenn man für einen bestimmten Betrag Getränke konsumiert. Also genehmigen wir uns mehr Cola und Kaffee, als wir eigentlich haben wollten und geben ein üppiges Trinkgeld, um auf die 35 Irgendetwas (Dollar? Euro? Arabische Was auch immer?) zu kommen.

Dubai-Sydney: „Time flies“ möglicherweise schon – aber wenn, dann nicht in diesem Flugzeug. Die Stunden zertröpfeln im Superzeitlupen“tempo“. Für etwas Abwechslung sorgen Turbulenzen, die die Maschine regelmässig durchschütteln, und ein paar Filme aus meiner üppig gefüllten Videothek. Sehr empfehlenwert: „Lemmy“, die Dokumentation über den legendären „Motörhead“-Sänger und –Bassisten. Weniger empfehlenswert: „Herz im Emmental“. Ein Seilfabrikant, ein Gross-Bauherr, die Hardrocker von „Shakra“, ein Liedermacher, ein ehemaliger TV-Moderator und andere Ämmitauer erzählen längstens und breitestens, was ihnen an Gotthelf-Country so gefällt. Spannung: Null. Erkenntnisgewinne: Fast keine. Dafür: Schöne Bilder und gute Musik.

(Ich sehe gerade: Andere sehen das anders. Aber die guckten den Film auch nicht nur zum Zeitvertreib.)

Kurz vor Sydney bricht an Bord Panik aus. Der Mann im Lautsprecher hat soeben durchgegeben, dass pro Person nur 50 Zigaretten nach Australien eingeführt werden können. Das wussten offensichtlich nicht alle Mitreisenden: Mehrere junge Männer kramen ihre Zigistangen aus dem Handgepäck und verteilen den Stoff, den sie nicht durch den Zoll bringen würden, unter den Flugbegleitern. Ich stelle mir vor, wie die für die Sydney-Flüge eingeteilten Stewards und Stewardessen die heisse Ware nach der Landung jeweils in einer finsteren Ecke des Flughafens unter den Einheimischen verhökern.

Und dann blinken unter uns, endlich, die Lichter von Sydney. Vor Mitternacht setzen wir auf der Rollbahn auf. Nach der Pass- und Gepäckkontrolle – kein Mensch interessiert sich dafür, wieviele Zigaretten wir bei uns haben – treffen wir in der Ankunftshalle auf unser Empfangskomitee. Eine Tanten, Cousinen und der Cousin mit dessen Freundin sind zu dieser sehr späten Stunde zum Airport gefahren, um uns abzuholen.

Als wir das Flughafengebäude müde, überfressen, aber überglücklich verlassen, fühlen wir uns, als ob wir zuhause angekommen wären.