Full House

Einen tolleren Jahresabschluss hätten wir uns nicht vorstellen können: Dutzende von Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitskolleginnen und kollegen, ehemaligen Nachbarinnen und Nachbarn und weiteren lieben Leuten folgten gestern Abend der Einladung zur Einweihung unseres neuen Daheims.

Gegen Mitternacht hatten sämtliche Schuhe, die beim Eingang deponiert worden waren, wieder eine Besitzerin oder einen Besitzer gefunden. An der Hauswand erinnert nur noch ein knallgelber Knirps an diese wunderschönen Stunden im Kreise von wunderbaren Menschen.

Weltwunder und Wunderwelten

“In die USA wollt ihr? Ernsthaft?” – So und ähnlich lauteten Kommentare im Freundeskreis, nachdem ich bekanntgegeben hatte, dass wir ab dem 22. September drei Wochen lang in den Vereinigten Staaten unterwegs sein würden.

Vor 12 Monaten hätten unsere Reisepläne noch zu keinerlei Bedenken Anlass gegeben. Aber damals war noch Barack Obama Präsident. Inzwischen hat das Land einen neuen Commander in Chief – und mit ihm ein stetig wachsendes Imageproblem. Einreiseverbote für Einwohner arabischer Staaten, Rassismusvorwürfe, Bestechungsverdächtigungen, tollpatschige Aufritte, ein Ego so gross wie Disneyland undsoweiterundsofort: Trump liess in den ersten Monaten seiner Amtszeit nichts aus, um sich und seine Nation rund um den Globus in Misskredit zu bringen.

An unseren Ferienplänen konnte all das nichts ändern. Schliesslich wollten wir in erster Linie das Land und in ihm lebende Leute kennenlernen und erst in peripherer Priorität deren Chef. Dass Trump uns am Ende doch noch näher kam, als wir je erwartet hätten, war, buchstäblich, auf Gewalt von sehr viel höher zurückzuführen.

“Wir”: Das sind Monique und Josy und mein Schatz und ich. Mit dem Ehepaar aus der Zentralschweiz sind wir seit Jahren befreundet; die beiden kennen den Westen der USA wie ihre – eben: – Westentasche und waren für uns nicht nur, aber auch deshalb die perfekten Begleiter.

Los ging unser Trip in San Francisco. In der einstigen Hippie-Metropole fuhren wir mit dem Cable Car, kurvten wir süüferli die rankreichste Strasse der Welt hinunter und bestaunten wir die Golden Gate Bridge:

Auch den Sea-lebrities im Hafen sagten wir selbstverständlich Hallo:

Dann fuhren wir südwärts. Bei einem Zwischenstopp in Santa Cruz hatten wir das seltene Vergnügen, einem freilebenden Seelöwen beim Verputzen einer Portion Muscheln zuschauen zu dürfen:

In einem Motel in Paso Robles bekamen wir ein erstes von vielen noch folgenden Beispielen dafür geliefert, wie selbst Kleinunternehmen sich mit Warnungen, die an Absurdität kaum zu toppen sind, gegen allfällige Millionen-Schadensersatzklagen abzusichern versuchen:

Am nächsten Tag erreichten wir – gesund und munter – Santa Monica. Besonders beeindruckt hat uns in diesem Rückzugsort für Promis der Pier. Er bildet den Endpunkt der Route 66 und war auch in “Forrest Gump” zu sehen.

24 Stunden später fühlten wir uns in Oceanview ein bisschen wie am Burgdorfer Nachtmarkt:

Dass in Hollywood nicht alles Gold ist, was glänzt (und nicht mehr alles glänzt, was einst mit Gold veredelt wurde), war mir klar. Doch dass der Walk of Fame mit seinen über 2500 Star-Sternen dermassen schmuddelig unglamourös wirken würde, hatte ich trotzdem nicht erwartet.

Dafür wäre mir vor lauter Freude beinahe das Augenwasser gekommen, als wir am Hauptsitz von Capitol Records vorbeikamen und am “Troubadour” (wer da nicht schon alles aufgetreten ist!) und an weiteren Plätzen, an denen unzählige wunderschöne Kapitel der Blues- und Rockgeschichte geschrieben wurden.

Noch am selben Tag liessen wir die Smogglocke von Los Angeles hinter uns. In der Nähe der mexikanischen Grenze, in Escondido, fanden wir Obdach. Dort stiess für ein Nachtessen Moniques Ex-Schwägerin aus dem Grossraum Los Angeles zu uns.

In Sachen “Distanzen” ticken die Amerikaner ähnlich wie die Australier: Eine mehrständige Autofahrt ist für sie sowenig der Rede wert wie für uns ein Ausflug von Burgdorf nach Oberburg.

In der ersten Nacht in Escondido kam es vor unseren Motelzimmertüren zu wüsten Szenen. Original echte Eingeborene lange vor Sonnenaufgang mit voll aufgedrehten Lautsprechern in einem fort “Motherfucker!” brüllen zu hören: Das kann man – mit einem Minimum an gutem Willen – allerdings auch als soziokulturelle Erfahrung verbuchen, die zu machen nicht jedem Temporärbewohner des Home of the brave vergönnt sein dürfte.

Wir geben bei dieser Gelegenheit kurz ab in die Musikredaktion:

Ungleich gesitteter – um nicht zu sagen: beschaulicher – als in Escondido ging es in San Diego zu und her. Auf feinsäuberlich gepützelten Trottoirs flanierten finanziell und auch sonst gut gepolsterte Erwachsene der Pazifikküste entlang, während sich überaus artig aufführende Teenager auf Rollbrettern vergnügten. Die Coolness in….äh…Person war jedoch jener Pfundskerl, der es sich vor der Basis der Kriegsmarine auf einer Boje gemütlich gemacht hatte (und, jede Wette, noch immer daliegt).

Mit einem stundenlangen Rundgang durch den parkähnlichen


Zoo

und einem Bummel durch die westernmässig gestylte Oldtown rundeten wir unser Gastspiel in der zweitgrössten kalifornischen Stadt ab, um durch eine fast unnatürlich schöne Landschaft nach Palm Springs zu cruisen.

Dort verbrachten wir zwei Tage und drei Nächte, rissen dabei aber weder Palmen noch andere Bäume aus. Dolce far niente am Pool war angesagt; und chli Lädele.

In Julian besuchten wir anschliessend Freunde von Monique und Josy, genossen einen wunderschönen Abend in einem ebensolchen Anwesen und erhielten zubester Letzt, nach dem Lichterlöschen im Garten, auch noch Besuch von einer putzigen Waschbärenfamilie.

Nur für den Fall, dass es mal jemand pressant haben sollte und beim Geschäften aller Eile zum Trotz Wert auf Stil legt: In “Granny’s Kitchen”, einem schmucken Beizli im Zentrum von Julian, gibts das pittoreskste Abörtchen zäntume

und dazu (oder amänd besser: danach) ein super Zmorge:

Überhaupt: Am Essen hatten wir in der ganzen Zeit fast nicht das Geringste auszusetzen. Einziger Schwachpunkt war ein velyvely spicy Fondue Chinoise bei einem Allyoucaneatasiaten in San Francisco. Doch in von wohligem Magenknurren begleitetem Gedenken an all die höchstens einmalig brennenden Köstlichkeiten, welche uns in zig anderen Lokalen aufgetischt wurden, haken wir diese kulinarische Grenzerfahrung mit buddhistischem Grossmut als nie gemacht ab.

Von Julian aus zogen wir sozusagen fast im Frühtau zu Berge, an den


Big Bear Lake.

Zurück in der Ebene, legten wir in Needles einen Schlafstopp ein. Was es über Needles zu sagen gibt, ist in einem Diner an der Einfahrt zum Highway notiert, der aus der Stadt hinausführt:

Wenig später standen wir vor etwas vom Gigantischsten, was die Natur je erschaffen hat: Dem Grand Canyon. Mir (oder, wie ich vermute: uns allen) fehlen heute noch die Worte, um zu beschreiben, wie dieses Weltwunder auf uns wirkte.

Ehrfürchtig starrten wir in die Abgründe der Schlucht und an ihre majestätischen Wände und versuchten vergeblich, das Unermessliche zumindest halbwegs ermessen zu können. Nur schon der Gedanke daran, dass dieser Megagigagraben schon Ewigkeiten vor dem ersten Menschen da war und auch noch da sein wird, wenn alles Leben von diesem Planeten verschwunden sein wird, ist zu mächtig, um zu Ende gedacht werden zu können.

Gegen Abend trudelten wir, vom soeben Erlebten immer noch leicht belämmert, in Williams ein. Dieser Ort lebt primär von seinem Anschluss an die legendenumwobene Route 66, hat aber auch musikalisch einiges zu bieten – jedenfalls, wenn John Carpino in town ist:

Und dann…dann waren wir in Las Vegas.

“Caesar’s Palace”, “The Venetian”, “Luxor”, “Treasure Island”, “Planet Hollywood”, “Golden Nugget”…: Ein Casino reiht sich ans nächste. Im Zockerparadies am und um den Strip leuchtets und blinkts und machts ununterbrochen.

Rund um die Uhr herrscht in den Häusern, vor denen The Animals schon vor einem halben Jahrhundert warnten, Hochbetrieb, wobei: Uhren sind in Las Vegas so gut wie keine zu sehen. Wer in Sin City spielt, braucht nicht zu wissen, wie spät es im eigentlichen und im übertragenen Sinn ist.

Als wären sie ferngesteuerte Roboter, schieben zombiebleiche Wesen apathisch Geld in die Schlitze der Maschinen und über die grünen Flächen der Poker- und Blackjacktische. Kurzberockte Damen versorgen sie künstlich lächelnd mit Gratisgetränken. Was dem Römer das Brot und die Spiele waren, sind dem Vegas-Junkie der Gin Tonic und ein Kasten mit den Kiss-Fratzen oder sonst etwas drauf.

Andere gamblen zum Vergnügen. Sie betreten das Casino mit einer bestimmten Summe, und selbst wenn ihr Geld sich auf wundersame Weise vermehrt, hören sie irgendwann auf. Falls sie verlieren, zucken sie mit den Schultern und gehen zu Bett. Von ihren verlebten Mitspielerinnen und -spielern unterscheiden sie sich auch dadurch, dass sie ihre Umwelt wahrnehmen. Sie reden miteinander. Manchmal lachen sie sogar.

Zum Abschluss unserer Westcoast-Tournee besichtigten wir den Red Rock Canyon. Eine halbe Autofahrstunde von der Stadt entfernt erstreckt sich auf über 300 Quadratkilometern eine faszinierende Landschaft aus Kalksteinbergen und versteinerten Dünen, die vor 400 Millionen Jahren aus einem Meeresbett hervorgegangen waren.

Wegen dieses Ausflugs verpassten wir leider, leider den Auftritt von US-Präsident Donald Trump, der sich heute – drei Tage nach dem “Mandalay”-Massaker; vermutlich hatte er vorher noch Dringenderes zu erledigen – nach Las Vegas bemühte, um mit Überlebenden des Massenmordes zu sprechen, den ein gewisser Stephen Paddock am Sonntag verübt hatte. Bei dem Attentat starben mindestens 59 Menschen, über 500 wurden verletzt.

Wir hatten das Gebiet, das Paddock aus dem 33. Stock des Hotels unter Seriefeuer nahm, nur Minuten vor der Schiesserei passiert.

Das wäre, eigentlich, ein guter Grund, um einmal tiefgehend über die Vergänglichkeit des Lebens im Allgemeinen, Zufälle im Besonderen und Vorbestimmungen im Speziellen nachzudenken.

Im Wissen darum, dass diese Entscheidung nur von einer vernachlässigbar kleinen Anzahl von Psychologen spontan gutgeheissen würde, habe ich für mich aber beschlossen, die “Mandalay”-Tragödie in einer Welt zu verorten, mit der ich nichts zu tun haben will.

Und die sich weit, weit weg von dem fantastischen Riesenstück Land befindet, das wir mit und dank Monique und Josy nun kennenlernen durften.

Lebendiger Umgang mit dem Sterben

(Bild: deinadieu.ch)

Der Tod näherte sich mir in den letzten Monaten mit einer an Penetranz grenzenden Regelmässigkeit: Einerseits klopfte er öfter denn je an die Türen von mir nahestehenden Menschen, andererseits raffte er zig Musikerinnen und Musiker dahin, die mich zum Teil seit Jahrzehnten begleitet hatten. Darüberhinaus stiess ich bei der Zeitungslektüre immer wieder auf schwarzumrandete Anzeigen, die vom  Hinschied von Gleichaltrigen kündeten.

Fast unbewusst begann ich deshalb, nach Lesestoff über das Sterben zu suchen. Dabei merkte ich schnell: An religiös oder esotherisch angehauchten  sowie literarisch gestalteten Texten zum Thema herrscht kein Mangel; ganz im Gegenteil. Danach stand mir der Sinn aber nicht. Ich wollte diese schwere Kost in möglichst bekömmlichen Portionen serviert bekommen.

Nur: Über den Tod so unverkrampft schreiben wie über das Ferienmachen, Essen oder Heiraten – geht das überhaupt?

Ja, das geht. Sofern die Autorinnen und Autoren über die Bereitschaft und das Gspüri verfügen, sich mit dieser hochsensiblen Materie auseinanderzusetzen und immer wieder Gesprächspartnerinnen und -partner finden, welche sich praktisch rund um die Uhr mit dem endgültigen Abschiednehmen befassen.

Und die der Trauer, dem Schmerz und – wer weiss? – der Wut, die damit einhergehen, folglich mit einer Gelassenheit begegnen (dürfen), die dem Grossteil der Leserschaft naturgemäss fehlt.


(Bild: zvg)

Der Aargauer Journalist Martin Schuppli (Bild) betreibt mit dem Ökonomen Nicolas Gehrig und dem Software-Architekten Hasan Parag seit gut einem Jahr die Site DeinAdieu.ch. Den Machern des “ersten Dialog- und Serviceportals zum Lebensende” geht es gemäss ihren eigenen Angaben darum, dem Sterben “den Schrecken zu nehmen”. Angesprochen würden “Leute, die ihr Sterben selber in die Hand nehmen möchten” sowie Angehörige, “die sich und ihrer Familie ein selbstbestimmtes und erfüllendes Sterben ermöglichen wollen”.

Wenn jemand sterbe, seien die Hinterbliebenen erst einmal “hilflos”, sagt Schuppli. Das sechsköpfige Team von Deinadieu versorge sie mit Informationen und Anleitungen – und gebe ihnen die Gelegenheit, “darüber zu sprechen”. Beratend zur Seite stehen der Redaktion Experten wie der Palliativmediziner Roland Kunz, die Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle oder die Rechtsprofessorin Dr. Regina Aebi-Müller.

Porträtiert werden beispielsweise ein Theologe, der Menschen beim Sterben begleitet, ein Wirt, der schon über 1000 Traueressen ausgerichtet hat, eine Sarg- und Urnengestalterin, die den Tod als “eine grossartige Chance” versteht oder ein Trompeter, der regelmässig Abdankungen und Beerdigungen musikalisch umrahmt. Porträtiert werden, nebst vielen anderen, auch ein Bestatter, ein Veterinär, die Chefin eines Tierkrematoriums oder Leute, die als Medium arbeiten.

Sie alle berichten freimütig von ihren Erfahrungen und gewähren mit bemerkenswerter Offenheit Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelten. Das Bemühen, Aussenstehenden verständlich zu machen, was letztlich wohl nie ganz verständlich gemacht werden kann, ist jederzeit erkennbar.

Statt Moralinspritzen aufzuziehen und mahnend den Zeigefinger zu heben, lassen die Sterbeexperten Worte wirken. Pfarrer Gabriel Looser, der miterleben musste, wie sich in Bern jemand von einer Brücke in den Tod stürzte, sagt: «Wenn sich jemand für ein selbstgewähltes Ende mittels Suizid entscheidet, beurteile ich das nicht. Und verurteilen tue ich es schon gar nicht. Diesen Entscheid kann nur der Betroffene selbst beurteilen.»

Michele Casale – der Gastronom, der Trauernde verköstigt – erinnert sich heute noch voller Freude an den Abschied von Schauspieler Paul Bühlmann: “Madonna, das war eine Grande Fiesta.” Dazu passt die Philosophie von Alice Hofer, die in Thun eine “Praxis für angewandte Vergänglichkeit” betreibt. Sie betrachtet das Leben als “Inszenierung auf der irdischen Bühne”. Der Tod ist für sie “der letzte Akt, bevor wir wieder hinter die Kulissen gehen.» Deshalb habe, wer stirbt, “einen Schlussapplaus verdient”.

Neben journalistischen Elementen bietet Deinadieu auch jede Menge an praktischer Unterstützung: Ein Bestattungsplaner gehört ebenso zum Serviceteil wie Testamentsvorlagen, eine Auflistung der Bestattungskosten und Grabnutzungsgebühren in verschiedenen Schweizer Städten, Tipps in Sachen “Patientenverfügung” und “Palliative Care”, Muster für Todesanzeigen, Danksagungen und Kondolenzschreiben oder die Möglichkeit, seinen Nachlass digital zu regeln. Weiter sind die Kontaktdaten von zig Bestattern, Musikern, Trauerrednerinnen und -rednern, Restaurants sowie Dutzende privater Friedwälder aufgelistet.

Mehrere Stunden habe ich diese Nacht damit zugebracht, virtuell in Deinadieu zu blättern. Jetzt, nachdem ich auf der letzten Seite angelangt bin, muss ich sagen: Die Angst vor dem Sterben und dem Tod – weniger meinem eigenen als vielmehr jenem von Menschen in meinem Umfeld – kann das Portal mir nicht nehmen.

Aber immerhin:  Nur schon die Erkenntnis, dass es im Diesseits Leute gibt, die sich auf eine höchst lebendige Art und Weise mit dem Gang ins Jenseits beschäftigen, wirkt auf mich sehr beruhigend.

Nachtrag 10. Januar: Auch das Schweizer Fernsehen beschäftigt sich in der Sendung Puls mit “Bestattungen à la carte” und stellt Martin Schuppli vor.

 

 

 

Home alone

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Als ob es erst gestern gewesen wäre, kann ich mich heute noch genau daran erinnern, wie mein Schatz gestern um 7.38 Uhr in Burgdorf den Zug nach Bern bestieg, um von Zürich aus in die Ferien zu fliegen.

Mir macht das nichts aus; wirklich nicht. Einerseits mag ich ihr die Auszeit von Herzen gönnen. Andrerseits komme ich mutterseelenalleine tiptopp z Schlag. Und überhaupt: Chantal versinkt ja auch nicht in Depressionen, wenn ich hin und wieder solo nach Gran Canaria verschwinde, um fernab jeglicher Zivilisation meinen soziologischen Studien nachzugehen.

Total gelassen bummelte ich deshalb, nachdem die roten Rücklichter des hintersten Wagens auf Nimmerwiedersehen im Halbdunkel des langsam dämmernden Morgens verschwunden waren, ins Bahnhofbeizli. Dort beantwortete ich erst all die Fragen, die sich im Zusammenhang mit einem Kafi Crème heutzutage zwangsläufig stellen (“Gross oder normal? Hell, mittel oder dunkel? Beatles oder Stones? Hetero oder schwul?”).

Dann griff ich zum Telefon, um ein paar Anrufe zu tätigen, die ich eigentlich schon lange hatte tätigen wollen, aber nicht habe tätigen können, weil ich die Zeit, die dafür erforderlich gewesen wäre, lieber mit meiner Frau verbrachte. Doch bei der Dargebotenen Hand war entweder noch niemand auf oder schon jede Leitung besetzt. Das Mannebüro hatte den Beantworter eingeschaltet, und beim Care Team des Kantons Bern verhallte das Klingeln ebenfalls im Leeren.

Nicht, weil ichs nötig gehabt hätte, sondern einfach so; weil mir plötzlich einfiel, dass ich auf dieser Plattform schon seit Langem nichts mehr gepostet hatte, schrieb ich auf Facebook eine Notiz, der zu entnehmen war, dass ich gerade zum Strohwitwer mutiert sei und nun irgendwie das Gefühl hätte, dass mich niemand gerne habe.

Die Gemeinde reagierte prompt:

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Keinerlei Anteilnahme zeigten, nur der Vollständigkeit halber, mein Brüetsch, meine Schwägerinnen, eine Cousine, ehemalige Arbeitskollegen und aktuelle Geschäftspartner, Theatervereinskolleginnen und -kollegen sowie rund 300 (in Zahlen: rund 300) weitere onlinebasierte “Freundinnen” und “Freunde”.

Jemand, den ich bis dahin wirklich gut mochte, liess mich wissen, das stimme schon: niemand habe mich gern. Meine Frau schrieb etwas Artverwandtes (meinte damit aber zweifellos jemand anders), nur: ein Grund zum Verzweifeln war auch all das nicht. So etwas kanns geben im Internet, wo ständig etwas los ist und in dem sich momentan alles um die Frage dreht, wie das das Bombardement auf Aleppo endlich beendet werden könnte ob eine Pornodarstellerin, die sich in ihren eigenen vier Wänden vor einer Webcam auszieht, ein Homeoffice betreibt oder nicht.

Den Nachmittag verbrachte ich im Saal 5 des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau. Dort sassen ein Mann und seine Ex-Frau und ein marokkanischer Übersetzer plus zwei Anwälte, doch nach einer Stunde stellte der Richter das Verfahren ein, weil die Klägerin, die extra für diesen Prozess aus Spanien eingeflogen war, aus unerfindlichen Gründen kein Interesse mehr an einem Urteil hatte, was dem Beschuldigten ganz recht zu sein schien.

Wieder daheim und ungebrochen frohen Mutes, schmiss ich für mich spontan eine Single-Party. Als nebenamtlicher DJ fiels mir nicht schwer, mich aus dem Stand in eine schon fast an Trancige grenzende Euphorie zu versetzen. Zum ersten Stimmungskanonier beförderte ich Albert Cummings

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das Schlussfeuerwerk liess ich Gary Moore zünden:

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Zum Znacht gönnte ich mir alleine auf dem Sofa – dessen Besitzerin (siehe Bild unten) verbringt ein paar Saurauslasstage bei ihrem Züchter – Spaghettireste. Nach einem Film, an den ich mich schon beim Abspann nicht mehr erinnern konnte, legte ich mich ins Bett.

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Ans Einschlafen war jedoch lange nicht zu denken: Ich fragte mich ständig, was wohl die Schildkröten im Garten gerade so treiben.

Grosse Verschwörung

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(Bilder: Schatz)

Der Plan war, für Chantal in “unserem” Garten einfach so, ohne besonderen Anlass, ein Fest auszurichten, mit vielen Menschen, die meinen Schatz gerne haben.

Es sollte eine Überraschung werden. Im Idealfall käme Chantal gegen Abend nach Hause, und wenn sie aus dem Auto steigen würde, wäre das Wiesli neben dem Haus voller Leute, die essen und trinken und miteinander den Plausch haben, und meine Frau hätte keine Ahnung, wie diese Leute hierhergekommen sind und was sie hier machen und überhaupt.

Die Einladungen verschickte ich vor ungefähr zwei Monaten. Damit waren zwei Dutzend Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde wochenlang zum Schweigen verdonnert, auch wenn sie zum Teil fast jeden Tag mit Chantal zu tun haben. Mir selber fiel das auch nicht ganz leicht; besonders dann nicht, als Chantal mir ab Ende Juli immer mal wieder vorschlug, wir könnten im Garten doch wieder einmal eine Party für unsere Freunde steigen lassen.

Aber: Es klappte. Als Chantal am späten Samstagnachmittag heimkehrte – zuvor war sie von ihrem Frauenclübli raffiniert davon abgehalten worden, auch nur in die Nähe unseres Quartiers zu kommen – war die Feier für sie schon in vollem Gange.

Es wurde, wie erhofft, ein wunderschöner Abend.

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Znachtruhestörung

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Es war ein wunderschöner Abend in einem heimeligen Lokal (siehe Bild), mit einem fantastischen Essen in überaus netter Gesellschaft, doch in dem Moment, in dem Sonja Guzzanti, die Chefin von “Mediterrane Leckereien” am Solothurner Landhausquai, den Hauptgang servieren wollte, flog die Türe auf und zack: war die kleine Beiz bis in die hinterste Ecke mit Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern besetzt, die alsbald gar lustig drauflosguugten und schampar originelle Bänke über ihren Stadtpräsidenten und Flüchtlinge schnitzelten, und als die Närrinnen und Narren merkten, dass nicht alle an unserem Tisch ihr Treiben als sooo lustig empfanden wie sie, teilte uns eine der kostümierten Scheesen gehässig mit, wir sollen gefälligst nicht so tun; schliesslich seien wir selber schuld, wenn wir an der Fasnacht in Zivilkleidung unterwegs seien, und dann gings auch schon weiter mit Tschingdärässabumm und allem, aber henu.

Abschied ohne Tränen

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Was den einen der Frühlingsputz ihrer Wohnung, ist mir die Herbstausmistete meiner Freundesliste auf Facebook: 116 Damen und Herren löschte ich in den letzten Wochen mit einem Mausklick aus meinem virtuellen Bekanntenkreis.

Der Säuberungsaktion zum Opfer (wobei: “Opfer” ist in diesem Zusammenhang ein grosses Wort; ich weiss) fielen zuerst all jene Voyeure und Voyeusen, die immer nur lesen, was andere schreiben, aber nie selber etwas über sich berichten. Ihnen folgten mehrere Leute, die ununterbrochen Dinge posten, die mich nicht interessieren. Am Schluss entledigte ich mich noch einiger Nervensägen, die mir irgendwann von irgendwoher zugelaufen waren und von denen ich auch Jahre später keine Ahnung hatte, was ich mit ihnen zu tun haben könnte oder zu tun haben möchte.

Aktuell umfasst mein Facebook-Freundeskreis jetzt noch knapp 200 Personen. Die meisten von ihnen kenne ich persönlich, und mit jenen, mit denen ich bisher keinen direkten Kontakt hatte, könnte ich mir ohne Weiteres vorstellen, zumindest einmal einen Kaffee trinken zu gehen. Ihre Texte, Bilder und Filmchen bringen mich zum Schmunzeln, Staunen, Kopfschütteln undoder Nachdenken. Sie geben mir manchmal Feedbacks, diskutieren gerne auch Nebensächliches und tragen mit ihren Aktivitäten und ihrem Interesse, kurz gesagt, einiges dazu bei, dass ich mich in der Online-Welt meist rundum wohlfühle.

Bemerkenswert ist: Einige meiner nun ehemaligen “Freundinnen” und “Freunde” habe ich in der Zwischenzeit live getroffen. Keinem und keiner einzigen von ihnen scheint aufgefallen zu sein, was ihm oder ihr widerfahren ist. Über die Entrümpelung hat sich jedenfalls kein Mensch beklagt oder auch nur gewundert.

Entweder hat also noch niemand mitbekommen, dass er oder sie für mich nur noch am Rande existiert, oder dann ist es den Gelöschten egal, dass sie in meinem Leben keine Rolle mehr spielen. Im Ergebnis läuft beides auf dasselbe hinaus: Die Trauer über den Verlust hält sich hüben wie drüben in sehr überschaubaren Grenzen.

Echte Freude über die virtuellen Wünsche

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Irgendwie waren Geburtstage früher eine viel entspanntere Angelegenheit als heute. Damals sass man am Morgen daheim, wartete auf den Sattelschlepper mit den Geschenken, schaute dem Chauffeur beim Ausladen und Indiewohnunghochschleppen derselben zu und packte dann ein Päckli nach dem anderen aus. Gegen Mittag kamen die ersten Freundinnen und Freunde aus Fleisch und Blut vorbei, um zu gratulieren.

Den Rest des Tages verbrachte man damit, die liebevoll gestalteten Glückwunschkarten zu lesen, die nigelnagelneuen Sachen auszuprobieren und alles artig zu verdanken. Am Abend dann: Kollektives Lampenfüllen. Gegen Morgen: Spaghettikochen bei einem Kollegen (oder besser noch: einer Kollegin), die gerade sturmfrei hatte.

Seit der Erfindung des Internets sind diese Tempi passati. Heute verbringt der oder die Feiernde den grössten Teil des Geburtstages damit, die per SMS, Mail oder auf Facebook eingehenden Gratulationen zu lesen, zu analysieren (“Wurde das extra nur für mich geschrieben, oder haben genau diesen Gruss schon zig andere Leute erhalten?”) und, falls die Botschaften ein Mindestmass an Persönlichkeit erfüllen, zu beantworten, oder darunter zumindest “gefällt mir” zu klicken.

Ein Blick auf die Statistik zeigt: Die Menschen in meinem Umfeld habens – was für eine Überraschung! – mehr mit dem Schreiben als mit dem Telefonieren oder Besuchen.

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– Glückwünsche an der Facebook-Pinwand (Stand: 16.34 Uhr): 36

– Glückwünsche per Messenger: 4

– Glückwünsche per SMS: 9

– Glückwünsche per WhatsApp: 5

– Glückwünsche per Mail: 18

– Glückwünsche per Post: 2

– Glückwünsche per Telefon: 1 (wobei: angerufen habe ich.)

– Besuche: 0

Macht total: 75 Gratulationen.

Das ist nicht schlecht: Alles unter 70 wäre chli deprimierend und alles über 80 an der Grenze zur Heuchelei.

Geschenke gibts offensichtlich keine mehr oder wenn doch, dann erst am Abend. Jedenfalls warte ich nun seit elfeinhalb Stunden auf den Lastwagen, aber alles, was ich vor dem Fenster sehe, ist die leere Strasse vor unserem Haus (siehe Bild oben).

Was die Qualität der Wünsche betrifft, darf ich – auch mit Blick auf die mit 0815-“Alles Gute!” und Allerwelts-“Happy Birthdays” vollgestopften virtuellen Briefkästen von anderen Geburtstags”kindern” – sagen: Potzpotz! Viele Gratulantinnen und Gratulanten liessen sich especially for me etwas einfallen, statt sich von der Website “Geburtstagswünsche für die Facebook-Pinwand” inspieren zu lassen (doch, doch: diese Site gibts!). .

Auszüge:

– “Von mir für dich.”
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“Es ist wieder so weit – herzliche Gratulation zum Geburtstag und nur das Allerbeste im neuen Lebensjahr. Ich hab das Gefühl, das gibt für Dich ein gutes neues Lebensjahr!”

“Happy happy birthday alles gueti, xundheit, glück, Liebi, Sunneschy und immer öppe e feini Flasche Wy.” (Anm. d. Blogwarts: “Wy”?!?)

“Alles nor erdenklech Gueti för en alte Schuelkamerad !!! Gnüss din Tag!”

“Happy Birthday mate. Enjoy your last year of being in your forties.”

“Ich wünsch dir ne tolle Portion Glück und drücke dir beide Daumen, damit du bald einen unglaublich tollen Job findest (oder ev. schreibst du ja in der Zwischenzeit einen Bestseller.”

“Lieber hannes, pack den letzten 40-er noch und dann rein in die 50er. alles gute zum geburtstag und liebe grüsse aus wien”

(A propos “Wien”: Gratulationen gabs auch aus dem sonstigen Ausland, zum Beispiel aus Paris – “HB mister H. With love from France” – , Australien – “Happy birthday from Phil and Sheila and family. Hope you have a good day” – oder dem oberen Emmental: “Ou d’Signouer schicke nach Burgdorf die beschte Wünsch u aus Guete. Enjoy.”)

Auf rund ein Dutzend Glückwünsche warte ich noch, aber es ist ja noch nicht allen Geburtstages Abend.

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Letzteren verbringe ich übrigens im Bären Münchenbuchsee, vor Hänis Sofa, auf dem die beste Schwägerin der Welt sitzt, und im Beisein von weiteren Menschen, die mir sehr nah am Herzen liegen.

Wenn ich, auf das nach wie vor sattelschlepperfreie Strässchen starrend, so darüber nachdenke, komme ich zum Schluss: Diese Stunden sind mehr wert als zig Gschänkli.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Special Edition

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Was hat das neue Album von Pink Floyd (ja: von Pink Floyd!) mit dem Ebola-Virus zu tun und inwiefern beeinflusst die Börse in Südostasien das Wetter an Weihnachten?

Niemand kann das sagen, auch ich nicht, aber anzufangen, darüber nachzudenken, erscheint mir wenig sinnvoll: Wer weiss schon, was dabei herauskommt. Und, vor allem, was nicht.

Obwohl…

…nein.

Trotzdem: Immer, wenn ich einkaufen oder in eine der vielen Burgdorfer Underground-Discos abhotten gehe, höre ich: “Schreib doch mal wieder etwas über den Gang der Dinge! Es hängt schliesslich immer alles zusammen!!” oder “Ich vermisse Das Grosse Ganze” oder “Mir fehlen die Linien. Gazastreifen, Ukraine, Einheitskrankenkassenabstimmung: Da müsste doch jemand geistig ein paar Leitplanken setzen, oder zumindest den einen und anderen Gedankenwegweiser hinstellen, damit man weiss, wie das läuft auf der Welt. Damit man mitreden kann. Wer, wenn nicht…”.

Nun denn.

Zum Thema “Gazastreifen” ist Folgendes zu sagen:

Keine Hoffnung auf Frieden

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Von unserem Nahost-Korrespondenten Johannes Hofstetter

Immer wieder blüht es im Nahen Osten auf, das zarte Pflänzchen namens “Frieden”. Doch eine Chance darauf, zu wachsen, hat es nicht. Zu verhärtet sind die Fronten zwischen Israel und seinen Nachbarn, den Palästinensern. Auch angesichts der Tausenden von Toten und Verletzten, die dieser Konflikt schon gefordert hat, stehen sich die beiden Seiten so unversöhnlich gegenüber wie eh und je. Gefragt ist jetzt die starke Hand der UNO. Nur sie kann die verfeindeten Parteien wieder an einen Tisch bringen und zumindest versuchen, deeskalierende Gespräche in die Wege zu leiten. Verzichtet die Internationale Staatengemeinschaft darauf oder schlagen die Kontrahenten dieses Angebot aus, wäre eine grosse Chance vertan. Alles Weitere wird die Zukunft weisen.

Zum Thema “Ukraine” nur soviel:

Die Zukunft wirds zeigen

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Von unserem Russland-Korrespondenten Johannes Hofstetter

Immer wieder blüht es hinter dem Ural auf, das zarte Pflänzchen namens “Frieden”. Doch eine Chance darauf, zu wachsen, hat es nicht. Zu verhärtet sind die Fronten zwischen Russland und seinen Nachbarn, den Ukrainern. Auch angesichts der Tausenden von Toten und Verletzten, die dieser Konflikt schon gefordert hat, stehen sich die beiden Seiten so unversöhnlich gegenüber wie eh und je. Gefragt ist jetzt die starke Hand der UNO. Nur sie kann die verfeindeten Parteien wieder an einen Tisch bringen und zumindest versuchen, deeskalierende Gespräche in die Wege zu leiten. Verzichtet die Internationale Staatengemeinschaft darauf oder schlagen die Kontrahenten dieses Angebot an, wäre eine grosse Chance vertan. Alles Weitere wird die Zukunft weisen.

Was die Einheitskrankenkassenabstimmung betrifft, bin ich nicht so a Schuur. Ich empfehle ein Ja, weil Nein so destruktiv wirkt, und so unstaatstragend (“staatstragend”: Dieses Wort wollte ich schon immer mal in diesem Blog unterbringen).

“Nein!” – Das schoss mir auch durch den Kopf, als ich vorgestern Abend feststellen musste, dass sich mein iPad nicht mehr synchronisieren liess. Nachdem ich alle möglichen einschlägigen Foren abgeklappert hatte, ohne auch nur ein Kilobyte weitergekommen zu ein, schrie ich auf Facebook um Hilfe:

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Irgendeine(r) von meinen 281 Freunden und Freundinnen wird wohl wissen, was zu tun ist, wenn unversehens ein Hightech-Armaggeddon über einem losbricht, dachte ich mir – und siehe da: Meine Hoffnungen wurden nicht entäuscht, jedenfalls nicht durchgehend, aber in einem Fall schon; ganz massiv, sogar. Darauf mag ich jetzt aber nicht eingehen.

Als Erster meldete sich ein Politiker mit einem Nacktselfie-Scherz, den ich unter anderen Umständen und mit etwas gutem Willen vielleicht als halbwegs witzig hätte taxieren können, den aber in meiner Notlage als nichts anderes als, um es sehr zurückhaltend zu formulieren, total daneben!!! empfand. Nur zum Sagen: Nie fühlte ich mich gedemütigter, erniedrigter und verletzter und alles.

Aber kurz, bevor ich den Glauben an das Gute im Menschen definitiv zu verlieren drohte, trudelte auf meiner Facebookseite nadisna auch Hilfreiches ein. In dem Moment, in dem ich das schreibe, wird das iPad im Hintergrund lautlos neu…äh…formma sinch geupp

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gemacht, und wenn es so weiterläuft, ist das Gerät bis am Mittag wieder wie frisch aus dem Laden, mitsamt allen Nacktselfies drauf, die zum Teil schon vor 25, 30 oder 35 Jahren geschossen wurden, was natürlich nicht stimmt, mir aber die Gelegenheit bietet, mit einer Superduperüberleitung elegant zum nächsten Thema zu wechseln: Dem Unsinn, Platten, die vor 25, 30 oder 35 Jahren erschienen sind, als Jubiläums”geschenk” verpackt als “Remastered Edition”, “Special Edition” oder “Deluxe Special Edition” neu aufzulegen.

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Fleetwood Mac (“Rumours”), Cheap Trick (“Dream Police”), Prince (“Purple Rain”), Bob Marley (“Kaya”), Eric Clapton (“Slowhand”) und und und: Keine Band und keine Plattenfirma, die etwas auf sich hält (oder wenigstens noch schemenhaft existiert), verzichtet darauf, die Perlen von einst, frisch poliert, noch einmal auf den Markt zu werfen, wobei der Ausdruck “Frisch poliert” alles andere als immer zutrifft.

Der Unterschied zwischen den CDs von gestern und deren aufgemotzten Kopien von heute besteht in der Regel darin, dass damals nur auf die Scheibe kam, was die Musiker und deren Manager als tiptopp befunden hatten, während mit den Neuauflagen hemmungslos all das unausgegorene und halbfertige Zeugs öffentlich entsorgt wird, das seinerzeit aus guten Gründen im Giftschrank des Studios gelandet war, und dann erst noch zu Preisen, die mindestens so augenwassersprudelnlassend sind wie Sprüche über Nacktselfies an die Adresse von Mitmenschen, die wegen ihres nicht funktionierenden iPads fast die Schraube machen vor Kummer.

Wenn das so weitergeht, fange ich jetzt dann auch damit an, längst vergilbte Blogbeiträge zu recyclen und als Mehrwert am Ende ein “Adkfjhieruthi lddfiewqp dfs sf!” oder ein “plklwerwjzu .wqwe tu?” oder so anzuhängen. Mal sehen, obs jemand merkt.

Empfehlenswerte Links: Der “Chefkoch” kennt leckere Herbstmenüs. Eric Pfeil tippt für den von mir über wegen seiner Hitlisten überaus geschätzten “Rolling Stone” jeden Monat ein fantastisches Pop-Tagebuch. Die “Baumhausfee” hat in der Burgdorfer Oberstadt nicht nur vor Kurzem ein Lädeli eröffnet, sondern schreibt auch sehr kurzweilig-informative Texte. Wer sich über Stilblüten in Zeitungen halb tot lachen kann, ist hier richtig. Die kulturfabrikbigla eröffnet am Freitag ihre sechste Spielzeit, und wer wissen will, wie “Gala”, die “Neue Revue” und all die anderen People-Magazine Schundheftli funktionieren, wirft am besten einen Blick in den “Topf voll Gold”.

Was gibts sonst noch Neues auf diesem unserem Planeten, den wir nur geliehen erhalten haben, mit dem wir aber umgehen, als ob und so weiter und so fort?

Ach ja: Das mit mir entfernt bekannte Ehepaar H.-S. aus B. macht seit gestern Ferien auf Gran Canaria und dokumentiert dieselben schon fleissig im Netz:

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Ich mags ihm gönnen, wirklich, und bin kein bisschen neidisch.