Im Traum- statt in Russland

Samstagabend, 17. Juni 2018: Millionen fiebern vor ihren Fernsehern und an Public Viewing-Plätzen mit, als die Schweiz an der Fussball-WM in Russland Brasilien ein 1:1 abtrotzt. Auch viele unserer Nachbarinnen und Nachbarn verfolgen den Match. Regelmässig sind aus dem umliegenden Häusern und Gärten  “Jaaaa!”- und “Neeeei!”-Rufe plus ein frenetischer Jubel zu vernehmen.

Unserer Tess ist das alles egal. Sie schläft. Alles, was wir von ihr hören, ist ein gelegentliches Seufzen und Murmeln.

Grosse Verschwörung

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(Bilder: Schatz)

Der Plan war, für Chantal in “unserem” Garten einfach so, ohne besonderen Anlass, ein Fest auszurichten, mit vielen Menschen, die meinen Schatz gerne haben.

Es sollte eine Überraschung werden. Im Idealfall käme Chantal gegen Abend nach Hause, und wenn sie aus dem Auto steigen würde, wäre das Wiesli neben dem Haus voller Leute, die essen und trinken und miteinander den Plausch haben, und meine Frau hätte keine Ahnung, wie diese Leute hierhergekommen sind und was sie hier machen und überhaupt.

Die Einladungen verschickte ich vor ungefähr zwei Monaten. Damit waren zwei Dutzend Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde wochenlang zum Schweigen verdonnert, auch wenn sie zum Teil fast jeden Tag mit Chantal zu tun haben. Mir selber fiel das auch nicht ganz leicht; besonders dann nicht, als Chantal mir ab Ende Juli immer mal wieder vorschlug, wir könnten im Garten doch wieder einmal eine Party für unsere Freunde steigen lassen.

Aber: Es klappte. Als Chantal am späten Samstagnachmittag heimkehrte – zuvor war sie von ihrem Frauenclübli raffiniert davon abgehalten worden, auch nur in die Nähe unseres Quartiers zu kommen – war die Feier für sie schon in vollem Gange.

Es wurde, wie erhofft, ein wunderschöner Abend.

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In den Gartenwelten

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Geplant war “nur” eine kleine Ausstellung für Freunde und Bekannte – doch dann strömten Dutzende von Interessierten aus näher und ferner zur Vernissage von “Gartenwelten” in den Mittelalterkeller “unseres” Hauses am alten Markt in Burgdorf, um aus der Nähe zu bestaunen, was meine Frau Chantal Desbiolles (Bildmitte) und ihre Freundin Trix Binggeli im letzten Sommer während ihrer Malsessions im Gärtli zu Leinwand gebracht haben.

Bei gluschtigen Häppchen und einem kühlen Glas Prosecco, Wein oder Mineral schlenderten die Gäste durch die jahrhundertealten Räume und unterhielten sich ungezwungen über die liebevoll präsentierten Werke.

Heute Sonntag besteht von 11 bis 19 Uhr zum zweiten und letzten Mal die Chance, in die “Gartenwelten” abzutauchen. Und, wer weiss, sich ein Stück davon für die eigenen Wände zu sichern. Kurzentschlossene Kunstfreundinnen und -freunde sind dabei klar im Vorteil: Unter dem einen und anderen Bild klebt bereits ein roter Punkt.

Falls jemand nicht die Zeit oder Gelegenheit haben sollte, die Ausstellung zu besuchen: auch hier ist eine Auswahl aus dem Schaffen meines Schatzes zu sehen.

Inspirationen im Grünen

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“Gartenwelten”: So heisst die Ausstellung, die meine Frau Chantal mit ihrer Freundin Trix Binggeli am Samstag, 11. April, im Mittelalterkeller am alten Markt 6 in Burgdorf eröffnet.

Zu sehen sind Bilder, die direkt vor der Haustüre, in unserem lauschigen Gärtli, entstanden sind. Dort bringt mein Schatz an freien Sommernachmittagen openair auf die Leinwand, was sie erfreut, berührt und beschäftigt. Zum Einsatz kommen dabei nicht “nur” unzählige Farben, sondern auch strukturgebende Materialien wie winzige Steinchen oder Sand.

Das (für mich) besonders Reizvolle an diesen Gemälden ist: Sie erklären sich dem Betrachter und der Betrachterin nicht auf den ersten Blick, sondern bergen oft kleine Geheimnisse, die sich erst beim zweiten oder dritten Hinsehen entdecken lassen. Die Bilder wirken wie “Tagebücher”, die einen unwillkürlich zum Schmökern animieren, weil sie – um beim Beispiel zu bleiben – einen so prächtigen Umschlag haben oder so schön gebunden sind.

Weitere Infos zur und einen kleinen Vorgeschmack auf die Ausstellung gibt es auf www.chatelier.ch, dem neuen Blog meiner Frau.

Tage wie dieser

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Hin und wieder sollte man einfach die Zeit anhalten und sagen können: Genauso, wie es hier und jetzt ist, geht es weiter und weiter und weiter und weiter, bis nichts mehr geht und nichts mehr kommt. Solche Moment erlebte ich heute über Stunden hinweg:

Zur Feier meiner zehnjährigen Trockenphase organsierte Chantal ein Fest, wobei ich keine Ahnung hatte, wen sie eingeladen hatte und was passieren würde.

Nach und nach gaben sich in “unserem” Garten Verwandte, Freunde und Nachbarn ein Stelldichein der obergemütlichen Art. Bei handgemachten Kuchen und selbstkomponierten Pizzen höckleten wir zusammen und genossen den wunderprächtigen Sommertag, der für die letzten Gäste erst ausklang, als die Geister im Schloss oben sich für den Ausgang hübschzumachen begannen.

Ich danke meinem Schatz und allen, die irgendetwas zu dieser Feier beigetragen haben, von Herzen für ihren Einsatz, ihr Kommen und Bleiben und, vor allem, für ihr Da-Sein auch dann, wenn gerade keine Party steigt.

Der letzte Mohikapfel

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Alle seine Kollegen sind längst gefallen, gegessen oder verfault. Nur dieser  Apfel hält an seinem Bäumli in unserem Garten tapfer die Stellung.

Hält er durch, bis seine Nachfolger da sind? Oder schlägt auch ihm bald sein letztes Stündchen – jetzt, wo der Winter ein Comeback angekündigt?

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Winterpause

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Seltsam: Gerade eben, so scheint es mir, haben wir an diesem Tisch noch gegessen und getrunken und gelesen und bis weit in den Abend hinein mit lieben Gästen geplaudert.

Jetzt steht er einfach nur da, in unserem Schlossfussläubli, und wird höchstens noch gebraucht, wenn es warm genug ist, um draussen kurz ein Kafi zu trinken.

Irgendwie bietet er in dieser Jahreszeit ein chli trostloses Bild. Aber das Sträusschen, das unsere Vermieterin darauf gestellt hat, signalisiert: Hier ist noch Leben.

Und, vor allem: Hier wird schon bald wieder viel mehr Leben sein.

Schattenspender

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Das machen ziemlich sicher nicht alle Vermieter: Nachdem mein Schatz gestern am späten Abend unser Gartenbeetli renoviert hatte, steckten unsere “Hausdame” und unser “Hausherr” heute einen Schirm in die Erde, um die Saat vor der überraschend kräftig scheinenden Sonne zu schützen.