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Tag: Küche

Swiss Made

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Mit welchen Spezialitäten buhlt das mit einem Schweizerkreuz werbende Hotel/Restaurant Helvetia im Zentrum der Touristenhochburg Zermatt um Gäste?

Genau:

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Notizen aus dem Morgenland (XI)

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Kamel-, Schaf-, Lamm-, Rindfleisch und Huhn, Meeresfrüchte, Reis in allen Variationen, Auberginen- und Kichererbsenpüree, Datteln, Mangos, Palmenherzen, Fladenbrot, Rohkostsalat, dazu Zimt, Zitronen, Kardamom, Gewürznelken, Pfeffer, Ingwer, Knoblauch, Muskatnuss, Kreuzkümmel, Knoblauch oder Zwiebeln: Auch in kulinarischer Hinsicht gibt es im Oman unendlich Vieles zu entdecken.

Eine landestypische Küche kennt das Sultanat nicht. Auf den Tisch kommt ein in Hunderten von Seefahrerjahren entstandener Mix aus indischen, indonesischen, arabischen, asiatischen und ostafrikanischen Speisen. Weil der karge Wüsten- und Bergboden nur beschränkt Nahrungsmittel hergibt, müssen manche Zutaten importiert werden.

Essen im Oman: Das ist – zumindest auf dem Land – ein Erlebnis für sich. Statt am Tisch sitzt man(n) auf dem mit einem grossen Teppich bedeckten Boden, mit einem dicken Kissen im Rücken, und benutzt statt eines Bestecks die rechte Hand (wobei: Touristen werden Messer, Gabel und Löffel zur Verfügung gestellt, ohne, dass sie darum bitten müssen). Zwar hat jeder seinen eigenen Teller, doch was auf den Tisch kommt, wird geteilt: Ungezwungen bedienen sich alle aus allen Töpfen und Schüsseln.

Nicht probieren konnten wir ein “Shows”. Dafür wird – zu ganz besonderen Anlässen – eine Ziege, ein Lamm, ein Schaf oder ein Kamel ausgenommen, gefüllt und tagelang in einem Erdloch auf glühenden Kohlen gegart.

Dass uns diese Erfahrung versagt bleibt, können wir problemlos verschmerzen. Wir essen hier zwar oft und nicht wenig. Aber ein ganzes Kamel mit allem Drin und Dran: das wäre ziemlich sicher auch für uns ein bisschen zuviel des Guten.

A propos “gut”: Traditionsgemäss werden Besucherinnen und Besucher im Oman von ihren Gastgebern mit Kaffee und Datteln willkommen geheissen. Es spricht nichts dagegen, diesen schönen Brauch auch bei uns zuhause einzuführen.

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(Bild: Schatz)

Gruss aus der Küche

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Kochen macht Spass, ganz besonders für die Frauenrunde, die sich heute chez Chantal zu ihrer allwöchentlichen Philosophierrunde trifft. Es gibt ein Szegediner Gulasch mit Sauerkraut drin, aber ohne Kartoffeln (hier ist das Rezept, aber ich machs immer chli anders), und statt noch lange mit Esswaren herumzuspielen, werfe ich jetzt lieber den Herd an.

Bye-bye, Bäcker

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Beim Beck bin ich bis auf Weiteres gewesen, denn ab sofort kreiere ich unser eigenes Brot. Möglich machts der Backautomat, den ich neulich für gut 100 Franken im Internet gekauft habe.

Das Vorgehen ist bubileicht: Man kippt oben – je nach Brot, das man haben will – eine sehr genau abgewogene Menge an Zutaten hinein, sagt der Maschine, was man haben möchte (Weissbrot, Dunkles Weizenmehlbrot, Zwiebelbrot, Weihnachtsbrot, Rosinenbrot, Vollwertbrot, Weizenbrot, Kümmelbrot, Weizenvollkornbrot mit Hafer, Müeslibrot, Käsebrot, Weizenmischbrot mit Roggenmehlbrot, Bierbrot, Sonnenblumenkernbrot, Vitalbrot oder ein beliebiges anderes Brot) und ob man die Kruste gerne hell, mittel oder dunkel hätte und wie gross das Gebäck werden soll (mittel, gross oder ganz gross)…und schwuppdiwupp, beginnt sie lautlos zu mischen und zu kneten und zu machen.

Ein paar Stunden später duftets in der Wohnung fantastisch…et voilà:

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Mit meinem neuen Wundergerät lässt sich übrigens nicht nur Brot herstellen, sondern auch viel anderes Feines wie Brioches, Pizzateig, Konfitüren, Pannettone, Kuchenteig oder Kompott. Soweit bin ich aber noch nicht. Ich übe vorerst nochli an den Broten herum.

Gluschtig und gäbig

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Wer bei meinem Brüetsch und meiner Schwägerin zum Znacht eingeladen ist, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, mit einer Rüebli-Terrine, einem auf Gemüse gebetteten Lachspäckli samt Härdöpfelauflauf und Beeren an einer Vanillecrème verwöhnt zu werden.

Das Essen spielt sich in einem “fröhlichen Haushalt” ab, in dem “Judith entspannt durch die Küche wuselt und Urs alles himmlisch findet, was sie ihm zum Probieren gibt”, während Robin, der jüngste im Gastgeberbunde, “die Besucher so lange anlächelt, bis sie verzückt dahinschmelzen”.

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Das und noch viel mehr ist dem Kochbuch “Unser Menü eins” zu entnehmen. Die Schweizer Fernsehmoderatorin Nadia Zimmermann hat dafür Familien gebeten, “ihren gängigsten Dreigänger” (und damit irgendwie auch sich selber) einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. 25 ebenso gluschtige wie unkomplizierte Rezepte kamen zusammen.

“Rezepte” ist allerdings etwas viel gesagt. Denn statt aufs Priseli genau anzugeben, wieviel Pfeffer und Salz vonöten ist, um einen toten Fisch in eine kulinarische Offenbarung zu verwandeln, konzentriert sich die Lifestyle-Autorin lieber auf das Drumherum. Sie beschreibt, wie die Hobbyköchinnen und -köche leben, worauf sie beim Essen Wert legen, was den Kindern aufgetischt wird und gibt Dekorationstipps und Einkaufsratschläge. Was die eigentliche Zubereitung betrifft, überlässt sie vieles der Fantasie und Kreativität der Leserinnen und Leser.

“Unser Menü eins” liest sich deshalb weniger wie eine Gebrauchsanweisung für das perfekte Fünfsterne-Dinner. Der 430 Seiten dicke und liebevoll bebildere Wälzer wirkt vielmehr wie eine Ansammlung von unterhaltsamen Mini-Reportagen aus Schweizer Küchen.

Bei der Lektüre fällt auf, dass – unabhängig davon, ob mehr oder weniger prominente Leute oder “Normalsterbliche” ihre Verwandten und Freunde zu Tisch bitten – das Hauptaugenmerk auf einer einfachen Zubereitung liegt.

Wichtig ist nicht, dass die Hausfrau oder der Hausherr stundenlang am Herd steht, um mit seinen Reduzier- und Aufmontierkünsten zu brillieren. Wichtig ist, dass viel Zeit für das bleibt, wofür man sich letztlich getroffen hat: Um gemütlich beisammenzuhöcklen und zu plaudern.

Tofuiuiuiuiuiuiui

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Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch Tofu isst, hätte er keine Rinder erfunden und keine Kühe und keine Schweine und keine Schafe und keine Kängurus und keine Hühner und keine Enten und keine Ziegen und – mit freundlichen Grüssen an die Leserschaft im asiatischen Raum – keine Hunde und keine Katzen und keine Meersöili.

“Und halte dich fern von allem, was nicht vom Tiere stammt oder in deinem eigenen Garten wachset, und führe deinem Leibe keinesfalls ein Stücke von etwas zu, was nie sehen und hören konnte und in dem nie Leben war”, heisst es in einer hiermit erstmals veröffentlichten Passage der Bibel (die Seiten, mit denen sie sich belegen liesse, gingen schon vor Jahrhunderten verloren. Aber Forscher suchen in aller Welt kramfphaft nach ihnen. Aktuell werden sie in Kellern in Passau, Dresden oder Passau vermutet).

Man kann also sagen: Dass der Mensch Tofu isst, entspricht – genausowenig wie das Abwerfen von Atombomben, das Durchführen von Schulreisen oder das Haareschneiden – nicht Gottes Wille. Ganz im Gegenteil: Der Verzehr von Tofu belegt in der Liste der Sünden ex aequo mit dem Töten, dem Stehlen und dem Begehren des Nachbarn Platz Eins.

Doch Jacky Gehring, die Hohepriesterin des Body Reset, kümmert das wenig: Auf ihrem Speiseplan, nach dem wir uns seit einer Woche mit ans Preussische gemahnender Disziplin verpflegen, verordnet sie für heute Sonntag(!) als Mittagessen ungerührt einen Gratin aus Champignons und Tofu.

Also kauften wir gestern – neben 8,426 Millionen gesunder und trotzdem mehrheitlich leckerer Zutaten – auch einen weissen Klumpen, der aussieht wie Seife und sich anfühlt wie ein Radiergummi (für die jüngeren Leserinnen und Leser: Radiergummis waren die Vorläufer der “Delete”-Taste, pflegten im Gegensatz zu dieser jedoch auf dem sogenannten “Papier” zu schmieren, was Steve Jobs irgendwann zu blöd wurde, worauf er das iPhone gründete und starb).

Diesen Mocken habe ich vorhin zerhackt und in Bouillon eingelegt. Dann gab ich die Stückli in eine Bratpfanne, in der schon 200 Gramm Champignons und eine Chnoblizehe vor sich hindünsteten. Ich goss Gemüsebürhe dazu, kippte einen Esslöffel Sojasauce und ein paar Spritzer Zitronensaft hinterher, mischte geriebenen Gouda-Käse darunter, schob das Ganze bei 200 Grad in den Ofen, wartete eine Viertelstunde – und nun steht es da, das Gericht, vor dem es mir seit bald 48 mehr graut als vor fast allem anderen Mittagessen.

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Mein Schatz hat ihre Hälfte in eine Tupperwarebox gepackt, um beim Sonntagsdiensten im Büro bodyzuresetten. Ich werde meinen Anteil, der optisch einer mit Spikes überfahrenen Ratte ähnelt und riecht wie etwas vor längerer Zeit aus der Kanlisation Geschwapptes, irgendwann auf die Herdplatte stellen und aufwärmen und…

(Stimme aus dem Hinterkopf: “Bist du ganz sicher, dass du dir das antun willst? Ich meine: Tofu und Essen – das ist wie Quallen und Baden. Was du vorhin gekocht hast, wäre schwuppdiwupp durchs WC gespült. Und im Kühlschrank lagert ja noch viel anderes, was zu euren Basischkochplänen passt; ein Schweinefilet zum Beispiel, und Käse. Oder Parmaschinken. Und in der Gfüüri hats im Fall noch ein Paar Servalats, falls dus vergessen haben solltest.”)

…oho! Auf dem Tisch liegen Früchte. Ich esse jetzt erstmal eine Banane und einen Apfel. Das dürfte genügen, um die Zeit bis zum Pot au Feu am Abend zu überbrücken.

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Nachtrag 13.10 Uhr: Ich habs jetzt doch probiert. Und aufgegessen. Vom Tofu habe ich nicht das Geringste geschmeckt. Man könnte ihn folglich genausogut weglassen.

Am Tisch des Hexers

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“Stefan Wiesner (…) ist ein Koch von derart aussergewöhnlichem Talent, dass einen sogleich die Superlative anfallen”, urteilte das Nachrichtenmagazin “Facts” im Oktober 1999.

“Stefan Wiesner ist einer der originellsten Schweizer Köche”, lobte die Berner Zeitung fünf Jahre später.

“Der Künstler, der zu den grossen Köchen des Landes gehört, versteht sich als ein Suchender, als einer, der die Welt verstehen und die Natur begreifen will, der kulinarische und spirituelle Grenzen überschreitet und Räume öffnet”, staunte die Schweizer Familie.

“Stefan Wiesner ist der aussergewöhnlichste Koch der Schweiz und wohl einer der aussergewöhnlichsten Köche weltweit. Seine kulinarischen Kreationen sind so unvergleichlich, dass sich die Testesser des Gault Millau lange nicht einig waren, wie sie ihn einschätzen sollen”. notierte der “Beobachter”.

Die Luzerner Zeitung fragte: “Ein Poet der Küche oder ein Wichtigtuer? Genie oder Wahnsinniger?”

“Künstler”, “Magier”, “Alchemist”, “Hexer”: Wenn Journalisten aus dem In– und Ausland versuchen, das Wesen und Wirken von Stefan Wiesner zu beschreiben, greifen sie gerne auf Begriffe aus der Kunst und der Mythologie zurück. Richtig fassbar wird der Spitzenkoch (17 Gault Millau-Punkte, 1 Michelin-Stern) und Buchautor, dem das Schweizer Fernsehen schon eine DOK-Sendung gewidmet hat und der auch von diversen anderen TV– und Radiostationen porträtiert wurde, trotzdem nicht.

Wiesner hat dafür Verständnis: “Es dauert seine Zeit, bis ein Gourmet versteht, dass ein mit dem Rost von Nägeln versetztes Büffelmilcheis ebenfalls eine Delikatesse sein kann.”

Beim Versuch, Wiesners Arbeit (oder “Arbeit”) einzuordnen, sind nun auch wir gescheitert.

Sehr gespannt und mit einem 380 Franken-Gutschein für ein sechsgängiges Gourmet-Menü in der Tasche, steuerten wir gestern Abend das “Rössli” in Escholzmatt an. Nachdem wir die sehr normal wirkende Gaststube durchquert hatten und im heimeligen Stübli von Stefan Wiesner willkommen geheissen worden waren, harrten wir der kulinarischen Dinge, die da unter dem Motto “Chue am Waldrand” (siehe Bild oben) kommen würden.

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(Bilder: Schatz)

Um es kurz zu machen (was es aber vermutlich sowieso nicht werden wird): Was uns in den folgenden drei Stunden aufgetischt wurde, lag jenseits von allem, was wir je gegessen hatten: Zur Vorspeise gab es – nebst anderem – eine durch Heu gesiebte Kraftbrühe aus Schneewasser und Kuhfleisch, ein Stück Rindsheuwurst, gebratenen Frischkäse mit Rapskernen, gewürzten Schnee mit Wachholderdestillat, Wachholdernadeln, Weizengras und karamellisierte Kuh-Kondensmilch.

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Weiter gings mit Aspik aus gesottenem Muniherzen mit Apfelholzessig und Lorbeer, gegartem Aaal, getrockneten Mistelblättern und einem Apfelholz-Sauerrauhm-Eis. Der dritte Gang bestand aus haschiertem Rinderherz, einer Tapenade aus Steinpilzen und Totentrompeten, frittierten Geweihflechten von der Rottanne sowie einer Symbiose aus Algen und Pilzen. Anschliessend gabs Schokoladeküchlchen aus dem Walzgut der Maracaiba-Kakaomasse und Zucker, bretonisches Meersalz, Schaum aus Kuhmilch, gedünstete Topinampur-Nüdelchen, geröstete Haselnuss-Spickel und eine Sauce aus Hegebutte.

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Der Hauptgang – als fünfter Menüpunkt – setzte sich zusammen aus Kalbsfilet mit fermentiertem Gras, überglänzt mit einer Sauce aus Kalbsjus, Frank-Aroma, Blütenpollen, Blütenhonig und Bienenwachs, Kalbsnierenfett und geröstetem und gemüsertem Kreuzkümmel, Kalbsmile im Macisblüten-Fond, rohem Sauerkraut aus Blaukraut und Galgant, gebackenem Federkohl, Schlehdorn-Culis und einer gemahlenen Tarafrucht.

Zum Dessert schliesslich – wir waren eigentlich längst pappsatt – servierten uns die ebenso kompetenten wie zuvorkommenden Mitarbeitenden eine Glace aus Orangensaft, Orangenlikör und Kuhbutter, Blutorangensauce, gebackene Krapfen mit Zitronenblättern, Zuckerrübenwürfel, Limetten-Zesten, Mispeln-Pastillen, gemahlene Färberdistel und Kuh-Rohmilchgelee.

Auf den abschliessenden Gang zum wohl weltgrössten Käsebuffet verzichteten wir. Auch wenn die sechs Gänge nicht übertrieben üppig wirkten – mehr konnten wir einfach nicht essen. Und irgendwie wärs auch schade gewesen, diese fantastische Reise durch eine uns völlig neue Welt mit so etwas Profanem wie einem Stück Käse abzuschliessen.

Als wir, noch mit dem Geschmack eines Torf-Pralinés im Gaumen, wieder vor dem “Rössli” standen, wussten wir kaum, wie uns geschehen war. Einerseits haben wir das Gebotene sehr genossen. Wir empfanden es als überaus interessant, einmal zu sehen und spüren, was sich aus und mit echten Naturprodukten alles anrichten lässt.

Andrerseits…nun ja. Manches erschien uns halt doch chli gewöhnungsbedürftig. Hin und wieder wars des Guten – oder des Chichi – etwas zuviel. Wahrscheinlich rührte unsere Irritation daher, dass wir mit der Vielfalt an Sinneseindrücken schlicht überfordert waren.

Nichtsdestotrotz empfehlen wir Wiesners Hexerhaus experimentierfreudigen Gourmets gerne weiter – wenn vielleicht auch weniger als Schlemmertempel, sondern vielmehr als Oase der gastronomischen Sinnlichkeit.

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Der Gedanke mitten in der Nacht

Einsam zirpt eine Grille vor sich hin. Ganz leise, als ob sie niemanden stören möchten, rascheln Blätter an Sträuchern. Ich stehe in der Küche und warte darauf, dass das Wasser im Kocher brodelt. Die Familie schläft. Weil es um diese Zeit nicht viel Aktuelles gibt, womit es sich beschäftigen könnte, spult mein Gehirn das Band mit den Erinnerungen in eine unvergessliche Nacht im australischen Sommer 2010 zurück:

Nur Cat, Chantals Cousine, ist noch auf. Sie wirkt leicht irritiert, als ich nachts um halb drei durchs Wohnzimmer schlurfe. Ob alles in Ordnung sei, fragt sie; ich sei ja gerade erst zu Bett gegangen. Jaja, sage ich geistesabwesend. Cat wendet sich wieder ihrem Computer zu. Im Fernseher, der hier rund um die Uhr läuft, dreht eine junge Frau fast durch vor Begeisterung über eine neue Haarentfernungscréme; ich gehe davon aus, dass gleich fluchende Männer in weissen Kitteln ins Studio stürmen und sie dahin zurückbringen, von wo sie nach dem Znacht geflüchtet ist.

Ich gehe in die Küche. Durch die angelehnte Verandatüre höre ich Vögel krächzen. Ein Windhauch bläst den süssen Duft von Jaccarandablüten durch den Garten.

Kaum war ich anderthalb Stunden Stunden zuvor eingeschlafen, hatte sich etwas in mein Unterbewusstsein geschlichen. Dort rotierte es so lange durch zig Gehirnwindungen, bis ich von dem Lärm erwachte.

Während ich heisses Wasser über das Kaffeepulver schütte, stelle ich fest, dass das Etwas weiterhin durch meinen Kopf rast. Es wird von Runde zu Runde grösser und stärker und wächst innert Minuten vom Gedanken zur Gewissheit heran. Dermassen gereift, sucht es sich nun einen Weg von der Fantasie in die Realität. Auch Cat scheint zu spüren, dass in mir etwas vorgeht. Sie fühlt, dass in diesem Raum auf einmal mehr ist als nur sie und ihre Facebook-Freunde und die Haarentfernungsfrau und ich.

Ich beschliesse, sie einzuweihen. Wobei: Von “Beschliessen” kann nicht die Rede sein. Ich muss einfach mit ihr reden. Als sie kurz darauf weiss, was mich beschäftigt, strahlt sie, wie Menschen nur selten strahlen.

Und jetzt…jetzt stehe ich zur selben nachtschlafenen Zeit im selben Haus in derselben Küche vor demselben Kaffeekocher wie vor zwei Jahren. Wieso ich erwacht bin, weiss ich nicht.

Was ich weiss, ist: Es kann nicht annähernd so wichtig gewesen sein wie das, was mich damals, in jener Sommernacht des Jahres 2010, aus dem Schlaf gerissen hatte:

Die Erkenntnis, dass es höchste Zeit sei, Chantal zu fragen, ob sie mich heiraten wolle.

“Ihr dürft stolz sein auf euch”

Kurze Pause: Hans Herrmann, Urs Wüthrich, ich, mein Schatz, Andrea Sommer und Michael Hug (von links) in der Küche des Burgdorfer Casino-Restaurants. (Bild: Sabine Käch)

Um 9 Uhr legten wir los. 15 Stunden später waren wir fertig.

In der Zeit dazwischen schnippelten wir Zwiebeln, zerstückelten wir Rüebli und Kürbisse und andere Bodenschätze, köchelten wir Bouillon, garten wir Schweinehälse, verwandelten wir Reis in Risotto, hantierten wir mit siedendem Öl, blubberndem Wasser und brennendem Gas, schlugen wir Rahm, schmolzen wir Schokolade, banden wir Saucen, richteten wir Dutzende von Tellern an, fegten wir Böden, schrubbten wir Pfannen, spülten wir Besteck…und wunderten wir uns immer wieder darüber, dass wir mitten in diesem Schlaraffenland gar nicht sooo grossen Hunger hatten.

Kurz: Der Kocheinsatz der sechsköpfigen BZ-Equipe an den Burgdorfer Krimitagen war zumindest in arbeitstechnischer Hinsicht recht nahrhaft. Doch trotz hektischer Momente brachten Michael Hug, Andrea Sommer, Urs Wüthrich, Hans Herrmann, mein Schatz und ich den Tag unfall- und streitfrei über die Runden. Abverheit ist uns kein einziges Menü. Wenn die “Casino”-Gäste einen Stock weiter oben bestellten, hatten wir im Untergrund das Gewünschte schon fast angerichtet.

Der Aufwand – oder, von den Restaurant-Verantwortlichen her betrachtet: das Risiko – hat sich gelohnt. Nachdem uns schon während unseres Engagements positive Echos vom Service und von der Kundschaft zu Ohren kamen, attestierte uns nun auch Renate Scheidegger vom Gastroteam der Krimitage Beizen-Tauglichkeit.

Sie schreibt:

“Wir hatten sehr gute Rückmeldungen von unseren Gästen zum feinen Essen von Euch. Ein besonderer Dank auch für das Aufräumen und Putzen der Küche. Das nächste Team durfte alles in Super-Zustand übernehmen. (…) Ich hoffe, dass Ihr nicht nur einen „Riesen-Chrampf“ hattet, sondern auch Spass. Ihr könnt wirklich stolz sein auf Eure Leistung.”

Das sind wir, momoll. Und insgeheim fragen wir uns schon: Wo und für wen dürfen wir das nächste Mal kochen?

Zwischen Schwein und Schoggimousse

Auf zu neuen Ufern: Am Freitag, 2. November, kochen BZ-Chefredaktor Michael Hug, dessen Partnerin Andrea Sommer vom BZ-Nachrichtenressort, Hans Herrmann von der BZ Burgdorf/Emmental, Urs Wüthrich von der BZ-Stadtredaktion, mein Schatz von der BZ Langenthaler Tagblatt und ich vom BZ Forum an den 10. Burgdorfer Krimitagen für die Zuhörerinnen und Zuhörer der ausverkauften Lesung von Emil Steinberger.

Mises en places und alles miteingerechnt, geben wir in der Küche des Casino-Restaurants in der Oberstadt schätzungsweise 14 Stunden lang Vollgas. Gründe zur Beunruhigung bestehen weder für die Kundschaft noch für uns: Urs Wüthrich ist gelernter Koch. Seine fünf Kolleginnen und Kollegen…aber wen interessieren schon Referenzen. Was zählt, ist, was wie auf den Tisch kommt. Und ein Testlauf hat gezeigt: Wir Laien haben die Lage soweit tiptopp im Griff.

Schweinshalsbraten an Senfsauce, Gemüse-/Mascarpone-Risotto und Gemüse sowie eine Schoggimousse mit Himbeercoulis: Das bereiten wir für voraussichtlich 150 Gäste zu. Für das kulinarische Rundumwohlfühlprogramm werden wir rüeblischälend, kürbisschnippelnd und zwiebelnschneidend möglicherweise einiges an Blut, Schweiss und Tränen vergiessen. Aber selbstverständlich bemühen wir uns, kein Tröpchen davon in die Töpfe und Pfannen fallen zu lassen.

Wir freuen uns sehr darauf, das Krimitage-Publikum zu vewöhnen. Nach Strich und Faden und in der Hoffnung, dass auch am Herd das Glück mit den Tüchtigen sein möge.