Soundtracks des Lebens

Sie kam etwas überraschend, war aber eine tolle Idee: Auf Facebook bat mich mein Brüetsch, zehn Platten zu nennen, in deren Rillen auf ewig schöne und andere Erinnerungen an Menschen, Orte und Erlebnisse kleben, ohne die ich vermutlich nicht wäre, wer und wie ich bin.

Ich kam diesem Wunsch gerne nach. Und merkte im Laufe der Tage, dass es gar nicht so einfach ist, aus einem Meer von Musik nur ganz wenige – aber wichtige – Tropfen zu destillieren.

 

Los gehts mit “…but seriously” von Phil Collins. Sie war ein Geschenk von Winnie Jauch, dem tollsten Plattenhändler, den diese Welt je gesehen hat. Er war fast rund um die Uhr für seine Kundschaft da.

Eines sehr späten Abends heulte ich mich, von abgrundtiefem Teenager-Liebeskummer gequält, bei ihm aus. Winnie hörte mir lange zu. Nach einer Weile ging er quer durchs Geschäft zum Fach “P”. Wenig später kam er mit “..but seriously” zurück. “Los eifach mou ine”, sagte er. “Chasch si ha.”

Zuhause liess ich mich daraufhin mit “I wish it would rain down” in Endlos-Wiederholung zudröhnen, bis mir dämmerte: Es gibt offenbar Leute, denen es noch himmeltrauriger geht als mir.

Dass zu ihnen auch der stets bestens gelaunte Winnie gehört haben musste, realisierte ich erst, als vor seiner abgeschlossenen Ladentüre eines aschgrauen Morgens unzählige Blumen und Abschiedsgrusskarten lagen.

Immer, wenn irgendwo “I wish it would rain down” erklingt, denke ich an Winnie.

Wegen wem ich damals Liebeskummer hatte, weiss ich nicht mehr.

***

Sonntag, 28. Oktober 1979: Die Schwester muss ihren Geburtstag ohne ihren älteren Brüetsch feiern. Er ist heute zum ersten Mal in seinem Leben im Hallenstadion. Um 20.15 Uhr solls losgehen. Er hat auf seinem Platz 182 in Reihe 6 noch über eine Stunde Zeit zum Beinahevergitzlen.

Wie ein Forscher, der einen seltenen Käfer beobachtet, schaut er muskulösen Männern dabei zu, wie sie in verwaschenen T-Shirts Gitarren stimmen, am Schlagzeug herumschrauben und Kabel verlegen. Ab und zu haucht der Typ mit dem grössten Funkgerät am Gürtel „Wann-Tu“, „Wann-Tu“ in eines der vielen Mikrofone.

Falls es – neben dem Beaufsichtigen von Putschautobahnen natürlich – noch einen Traumjob gibt, hat ihn dieser Mann, findet der Vierzehnjährige.

Nach einer Ewigkeit wird es in der Arena dunkel. Nur die riesige Uhr unter der Decke ist noch zu sehen. Als ihr Zeiger auf Viertelnachacht springt, verwandelt sich die gigantische Betonschüssel in eine Kathedrale. Hinter dem Vorhang, der seit dem letzten „Wann-Tu“ die Bühne verhüllte, schimmert ein hellblaues Licht auf. Aus unsichtbaren Lautsprechern wabern Keyboard-Klänge durch die rauchgeschwängerte Luft.

Dann zerreist gleissendes Licht die Finsternis. Wie eine Lawine rollen die ersten Akkorde von „Voulez-Vous“ von den stilisierten Eisbergen auf der Bühne über 10 000 Köpfe hinweg.

Abba sind da, wirklich und leibhaftig. Die Band, in die er sein gesamtes Sackgeld investiert, weil er von ihr jede Platte haben muss („Arrival“ schlägt Mozarts Gesamtwerk seiner Meinung nach um Längen), wegen der er jedes „Bravo“ kauft (einen anderen Grund dafür gibt es sozusagen wirklich fast gar nicht) und dank der er schon früh merken durfte, dass Musik etwas ebenso Unverzichtbares ist wie das Essen und das Trinken, stehen hier, nur wenige Meter vor ihm.

Diese Erkenntnis überfordert ihn mehr als jede Rechenaufgabe. Neben ihm springen die Erwachsenen kreischend auf und rennen nach vorne. Er bleibt wie paralysiert sitzen.

Bei „If it wasn‘t for the nights“, dem zweiten Lied des Abends, gibt es aber auch für ihn kein Halten mehr. Schritt für Schritt kämpft er sich in die Horde singender und tanzender Halbwahnsinniger. Beim Intro von „Money Money Money“, dem achten Stück, bekommt er einen Ellenbogen ins vor Aufregung glühende Milchgesicht gerammt, aber das realisiert er in seiner Aufregung kaum. Als vorletzte Zugabe gibts nach 23 Songs „Dancing Queen“ und als letzte „Waterloo“.

Nach dem Konzert steht er in seinem nigelnageneuen Abba-Leibchen bis kurz vor Mitternacht schlotternd beim Hintereingang des Stadions. Irgendwann, denkt er, müssen Agnetha, Björn, Benny und Annifrid die Halle ja wieder verlassen.

Er kann nicht ahnen, dass seine Helden längst wieder in ihren Suiten im „Baur au Lac“ sind, wo sie sich beim Zähneputzen vielleicht gerade fragen, in welcher Stadt sie heute spielten und wie lange diese Tournee eigentlich noch dauert.

***

Kurt Brogli war in der Bezirksschule (für Leserinnen und Leser aus dem Bernbiet: am Gymer) für unsere musikalische Grundausbildung zuständig. Statt uns mit Exkursen über die Harmonielehre zu plagen, setzte er auf das Motto „Learning by listening“.

Regelmässig brachte er Platten mit in den Unterricht. Die hörten wir uns gemeinsam an. Anschliessend diskutierten wir darüber. Manchmal durften wir uns etwas wünschen. In der Regel liessen wenig später AC/DC oder Deep Purple den Verputz von den Wänden der Aula rieseln.

Eines Morgens zog Brogli ein Album aus einer Hülle, auf der, so schien uns, ein tauchender Ausserirdischer abgebildet war. Oder ein Schildkrötenembryo in der Disco. Jedenfalls: etwas Gspässiges.

Mit den Worten „Jetzt müsst ihr ganz still sein“, legte er die Nadel süferli auf die schwarze Scheibe. Nur: So angestrengt wir auch lauschten – ausser dem vertrauten Kratzen eines Minidiamanten auf schon länger nicht mehr entstaubtem Vinyl hörten wir nichts.

Doch dann…: „Ping“.

„Ping.“
„Ping.“
„Ping.“

Von einer Sekunde auf die andere fühlten wir uns wie in einem U-Boot. Oder im All.

In diese „Pings“ mischten sich nach und nach Klänge, die niemand von uns je zuvor vernommen hatte. Erst wummerte von irgendwoher etwas Bassähnliches, dann setzte ein anderes Saiteninstrument aus dem Bastelraum von E.T. ein. Eine ausser Rand und Band geratene Hammondorgel heulte und pfiff und kreischte, und mitten in diesem Gewitter sang ein Mann

„Overhead the albatross
hangs motionless upon the air.
And deep beneath the rolling waves
in labyrinths of coral caves
an echo of a distant time
comes willowing across the sand…“

„Echoes“ heisst dieses Monster von Song, das Pink Floyd 1971 als komplette Rückseite ihres Opus „Meddle“ auf die Menschheit losliessen. Es begleitet mich bis heute, wenn auch nicht auf Schritt und Tritt. Meist döst es in einer abgelegenen Ecke meines Erinnerungszimmers leise knurrend vor sich hin. Die anderen Lieder, die dort schlummern, halten vorsichtshalber immer chli Abstand zu ihm.

Wenn es zwei, dreimal pro Jahr erwacht, gönne ich ihm eine halbe Stunde Auslauf in der Gegenwart. Während es durch meine Gehörgänge tobt, riecht es um mich herum wie damals, in der Aula.

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Zu meinen ältesten musikalischen Begleitern gehört Manfred Mann mit seiner Earth Band. Kennen lernte ich den Südafrikaner, als ich mir „Watch“ kaufte, weil mir das Cover so gut gefiel. In einer solchen Hülle kann nur tolle Musik stecken, dachte ich, und durfte mir schon nach dem ersten Durchhören Recht geben.

Ich begann, mich ein wenig mit dem vermeintlichen Schöpfer dieser Wunderklänge zu befassen. Ich lernte, dass der Synthesizer-Akrobat von heute seine Wurzeln im Jazz von vorgestern hat, dass er zum Entsetzen seiner Mitstreiter Wert darauf legt, hin und wieder selber zu singen – und dass seine grössten Hits auf Hochtouren frisierte Versionen von Bob Dylan und Bruce Springsteen-Songs waren (diese Erkenntnis hätte im ersten Moment beinahe zum vorzeitigen Abbruch unserer zartkeimenden Einbahnbeziehung geführt).

Im März 1982 gastierte Mann im Hallenstadion mit einer Show, die auch Quinn, den stärksten aller Eskimos, vom Schlitten gehauen hätte. 1991 erlebte ich ihn – nebst den Simple Minds, Chuck Berry, Status Quo, Foreigner, Bob Geldof, Kid Creole & the Coconuts, The Beach Boys, der Allmann Brothers Band, John Lee Hooker, Vaya Con Dios, Level 42, Toto, der Blues Brothers Band, Mother’s Finest, den Toten Hosen oder der Little River Band – am “Out in the Green” in Frauenfeld und staunte erneut über die technische Virtuosität und ungekünstelte Spielfreude dieser Truppe.

Den Veranstaltern des Rocksound Festivals in Huttwil gelang es 2006, Manfred Mann für einen Auftritt im Oberaargau zu verpflichten. Ich bot der BZ in Langenthal an, das Ereignis für sie angemessen zu würdigen, und wurde als Reporter gebucht. Über ein 80-zeiliges Gespräch mit dem Künstler würde man sich sehr freuen, beschied mir die Redaktion.

Vor Ort angekommen, suchte ich den Kontakt zu jemandem, der mir einen Kontakt zu jemandem vermitteln könnte, der Kontakte zu jemandem hat, der für mich einen Kontakt zu Manfred Mann oder wenigstens zu jemanden aus dessen Tourneetross knüpfen könnte. Als ich mich langsam mit dem Gedanken abzufinden begann, dass aus meinem Plan wohl nichts werden würde, stögelte eine mittelalterliche Dame auf mich zu. Im schönsten Oberlehrerinnenslang begehrte sie von mir zu wissen, wieso ich mit Mister Mann zu sprechen geruhe. „For interview reasons“, sagte ich.

„No problem“, antwortete die Frau mit der Betonfrisur. Eine Stunde vor dem Konzert würde Mister Mann mir für eine Audienz zur Verfügung stehen. Dafür gebe es allerdings Bedingungen: Erstens dürfte das Gespräch nicht länger als fünf Minuten dauern, und zweitens soll ich auf jeden Fall vermeiden, dem Tastenkünstler die Hand zum Grusse zu reichen.

So standen wir uns schliesslich gegenüber, Manfred Mann und ich. Er hatte erkennbar keine Lust darauf, mit einem ihm völlig fremden Journalisten einer ihm gänzlich unbekannten Zeitung zu reden. Ich war frustriert, weil ich wegen der Fünfminuten-Guillotine den grössten Teil meines süferli zusammengestellten Fragenkataloges von der Festplatte in meinem Kopf hatte löschen müssen.

Wir wussten beide, dass dieses Interview in die Hose gehen würde. Und das ging es dann auch, wie heute noch in der Schweizerischen Mediendatenbank nachgelesen werden kann:

“Mighty Quin”, “Davy’s on the road again”, “Blinded by the light”: Wie interessant ist es für Sie, Abend für Abend die selben alten Hits vorzutragen?

„Sehr interessant. Wie spielen die Songs ja an jedem Konzert ein wenig anders.“

„Haben Sie noch nie Lust gehabt, einmal nur Ihre eher unbekannten Lieder zu spielen?“

„Wieso sollte ich? Ich denke, das wäre keine gute Idee. Eine gute Idee wäre es, jetzt in einen kalten See zu springen.“

„Warum wollen die Fans immer nur hören, was sie längst kennen?“

„Das müssen Sie schon die Fans fragen. Ich weiss es nicht. Es interessiert mich auch nicht. Ich kann nur sagen: Wenn ich alle fünf Jahre einmal an ein Bruce-Springsteen-Konzert gehe, erwarte ich auch, dass er ‚Thunder Road‘ und nicht irgendwelche mir fremden Nummern spielt.“

„Vor rund 20 Jahren spielten Sie im Zürcher Hallenstadion…“

„…und zwar gleich zweimal hintereinander, um genau zu sein…“

„…jetzt treten Sie in einer Sporthalle in der Provinz auf. Macht das für Sie einen Unterschied?“

„Wollten Sie fragen, wie es sich anfühlt, kein Superstar mehr zu sein?“

„Um genau zu sein, war die Frage, ob es sich anders anfühlt, wenn man aus den grossen Stadien in kleine Hallen umziehen muss.“

„Mir und der Band ist das völlig egal.“

„Ehrlich? Ist so ein Abstieg für Musiker Ihres Kalibers nicht ein klein wenig frustrierend?“

„Abstieg? Sehen Sie: Wir sind jetzt seit bald 40 Jahren unterwegs. Die meisten unserer Auftritte haben wir in Clubs absolviert. Die ganz grossen Arenen waren die Ausnahme. Uns war immer wichtig, dass die Stimmung zwischen den Musikern und dem Publikum stimmt. Das ist alles, was für uns an einem Konzert zählt: die Stimmung.“

Damit verschwand er so missmutig, wie er gekommen war, in den Katakomben des Sportzentrums. Sein Konzert mochte ich mir nicht antun. Ich ging nach Hause, um das Interview niederzutippen. Dazu hörte ich „Watch“ und stellte erleichtert fest: Die Platte hatte nichts von ihrem Zauber verloren.

***

1980 reihte sich auf dem Erdball Katastrophe an Katastrophe: Die Russen marschierten in Afghanistan ein, die Amerikaner zogen in den Golfkrieg, Deutschland wurde Fussball-Europameister.

Von all dem unberührt, sassen Dieter – den alle nur „Dada“ nannten – und ich jeden Mittwochnachmittag in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern und hatten den Frieden. Er paffte Selbstgedrehtes mit Kräuterzusätzen aus dem Oltner „Hammer“, ich qualmte meine Françaises.

Dazu – und das war der eigentliche Sinn dieser Treffen – hörten wir Musik. Eric Clapton, J.J. Cale, Peter Tosh, Jethro Tull, Emerson, Lake & Palmer, Bob Dylan, Rumpelstilz, die Stones, Deep Purple, Jackson Browne…sie schufen für uns eine Welt, in der es keine Eltern gab und keine Lehrer und keine Pläne und keine Sorgen.

Am 30. Mai fuhren wir miteinander nach Zürich, ans Bob Marley-Konzert, oder vielmehr: an einen Gottesdienst der ganz anderen Art: Vorne pries der rastagelockte Pfarrer die power of piece and love, im zum Tempel mutierten Hallenstadion flowten, nebst viel „Natural Mystic“, so unfassbar dicke Marihuanaschwaden through the air, dass auch die zähesten „Three little birds“ vom Dach gefallen wären.

1982 verbrachten wir eine Woche am Jazzfestival in Montreux und fühlten uns bei Gilberto Gil, Ideal, Jimmy Cliff, Mink Deville, The Talking Heads, der Climax Blues Band, Stevie Ray Vaughan und B.B. King wie im Paradies. Vom Genfersee aus reisten wir mit dem Geld, das wir uns an der Promenade vor dem Casino zusammengebettelt hatten, zu den Rolling Stones und der J. Geils Band nach Basel.

Tags darauf war Dada ohne Vorankündigung wie vom Erdboden verschwunden. Ich hatte keine Ahnung, wo er war und wie es ihm ging. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich Reggae wieder geniessen konnte. Ohne Dada hatte dieser Sound für mich jeglichen Reiz verloren. Wann immer ich den eigentümlichen Rhythmus im Radio hörte, fragte ich mich, wie mein bester Freund einfach abtauchen konnte, ohne mir auch nur ein Wort zu sagen. Nach ihm zu suchen, erschien mir sinnlos. Er konnte ja irgendwo sein. Oder nirgendwo mehr.

Nach über drei Jahrzehnten schickte mit ein gewisser „Diego“ via Facebook eine Freundschaftsanfrage. Ich hätte sie beinahe ignoriert, weil ich niemanden namens „Diego“ kannte. Doch etwas an seinem Profilbild kam mir vertraut vor. Diese Augen kannte ich. Ich fragte ihn, ob er jener Dieter oder Dada sei, mit dem ich vor langer, langer Zeit…

Er antwortete sofort: Ja, der sei er.

Mein Schatz und ich besuchten seine Frau und ihn im Tessin. Er erzählte mir, dass er von seinen Eltern damals über Nacht in eine Drogenklinik eingeliefert worden sei. Sein weiterer Lebensweg habe ihn bis nach Afrika und zurück in die Schweiz geführt.

Wie wir so in seinem Garten höckelten und plauderten: Es war fast wie damals, in seinem Zimmer, nur ohne illegale Substanzen. Den Schatten, der über jenem sonnendurchfluteten Nachmittag hing, konnte (oder wollte) ich nicht bemerken.

Der erste und einzige Streit, den wir je hatten, entzündete sich an „No woman no cry“. Dada vertrat mit der geballten Lebenserfahrung, auf die ein 15-Jähriger zurückgreifen kann, die Ansicht, dass Bob Marley – der mit zig Gespielinnen ein Dutzend Kinder gezeugt hatte – damit sagen wollte, es lohne sich nicht, wegen einer Frau Tränen zu vergiessen. Ich behauptete, „No woman no cry“ bedeute „Keine Frau sollte weinen müssen“.

Wer von uns Recht hatte, konnten wir nie klären. Inzwischen wäre es für eine Auflösung des Rätsels aber sowieso viel zu spät. Vor knapp vier Jahren ist Dieter verstorben.

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Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts gehörten die „Wild Hearts“ zum, wie man heute sagen würde, „heissesten Shit“, der auf der üppig bewachsenen Wiese der helvetischen Populärmusik dampfte.

Für die Leserinnen und Leser des Fachblatts „Music Scene“ waren sie die „Rockband des Jahres“. Mihaly Horvath aka Mega (Keyboards), Paul Etterlin Gitarre), Denise Smith alias Misty Jarvis (Gesang) und Tosho Yakkatokuo (Schlagzeug) tourten durch die ganze Schweiz, traten allpott im Fernsehen auf und spielten am Openair in Arbon vor der irischen Bluesrock-Legende Rory Gallagher und den soeben von ihrer triumphalen US-Tour zurückgekehrten Krokus.

Noch bevor ich für zehn Tage in die RS einrückte, besuchte ich die Band in ihrem Proberaum, um sie für die Lokalzeitung „Wynentaler Blatt“ zu porträtieren. Das war kein allzu kompliziertes Unterfangen: Ihre Basis hatten die „Wild Hearts“ in Beinwil am See, wo ich wohnte.

Erst plauderten wir höchst professionell über das Business („Was verdient Ihr pro verkaufter Platte?“), kompositorische Fragen („Was kommt zuerst: Der Text oder die Musik?“) und Zukunftspläne („Was braucht es noch für den internationalen Durchbruch?”). Nach einer Weile sagte Paul Etterlin, er habe jetzt einen Wahnsinnsdurst, worauf wir uns ins „Rütli“ hinunter verzogen, undsoweiterundsofort.

Ich besuchte fast jedes Konzert des Quartetts. Der “Swiss Rock New Wave Pop with heavy influences of bands like ‘Talking Heads'”, wie das niederländische(!) Onlineportal vinyl-records.nl seinen Sound sehr viel später umschrieb, bereitete mir und zig anderen Menschen auch beim weissnichtwievieltesten Wiederhören endlos Spass. Meine Garderobe bestand eine Zeitlang zu einem schönen Teil aus „Wild Hearts“ T-Shirts und “Wild Hearts”-Slips (das Merchandising trieb schon früher seltsame Blüten).

Die Gigs waren nicht nur immer ein Fest für die Ohren, sondern, dank Misty, auch für die Augen, und wann, wenn nicht jetzt, wäre d i e Gelegenheit, um zu beichten: Ja, ich war – wie viele andere junge Männer auch – ein bisschen in die blonde Sängerin verliebt. Heute, mit etwas Abstand, genügt es mir vollauf, via Facebook mitzubekommen, wie es ihr mit ihrem Mann und ihrer längst erwachsenen Tochter in England so geht.

Tosho trommelte nach seiner „Wild Hearts“-Zeit und bis vor Kurzem für Philipp Fankhauser. Paul ist mit seiner Gitarre nach wie vor sehr erfolgreich zwischen Basel und Bellinzona und auch jenseits der Grenze unterwegs, und Mega sorgte mit seiner Band „KOP“ dafür, dass ich an meinem 50. Geburtstag in einem unbeobachteten Moment vor lauter Wiedersehensfreude ein Tränchen verdrückte.

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In die Klinik nahm ich nur drei CDs mit. Das musste für die nächsten zehn Wochen genügen. Ich ging ja nicht in den „Südhang“ hoch über Bern, um Musik zu hören, sondern, um mir das Trinken abzugewöhnen. Zuviel Ablenkung, dachte ich, könnte dabei nur stören.

Für gute Tage packte ich *The seventh one“ von Toto ein. Mittelprächtige Phasen wollte ich mit „Sailing to Philadelphia“ von Mark Knopfler überbrücken, und aus allfälligen Tiefs sollte mich der Soundtrack des „Blues Brothers“-Films ziehen.

Zu Letzterem musste ich nie greifen, dafür war „The seventh one“ schon bald halb durchsichtig gespielt. Um zu vermeiden, dass sie mir verleidet, ging ich immer öfter akustisch segeln.

Knopflers zweites Soloalbum nach der Auflösung der Dire Straits war ein Glücksgriff. Es passt – auch heute noch – zu allen Lebenslagen: Es stellt auf, es entspannt, es motiviert und es tröstet. Es enthält keinen Riesenhit, in dessen Schatten die anderen Lieder verwelken, aber auch keinen Ballast, der alles in den Abgrund reisst.

Auf „Sailing to Philadelphia“ verwendete Knopfler genau so viele (oder, eben: wenige) Töne, wie nötig waren, um ein zeitloses Werk vollendeter Harmonie zu schaffen. Die Gitarrenmäscheli und Keyboardbändeli, mit denen er als Straits-Chef jeden zweiten Song verziert hatte, liess er weitgehend weg.

Nur im „Silvertown Blues“ und auf dem „Speedway to Nazareth“ winkte er verstohlen den „Sultans of Swing“ nach, die ihn vom Lehrer zum Chef eines millionenschweren Rock’n’Roll-Unternehmens gemacht hatten. „Sailing to Philadelphia“ ist seine Freude darüber, diese Last losgeworden zu sein, anzuhören.

Vielleicht – wer weiss? – wuchs mir die Platte in jenem Sommer auch deshalb dermassen ans Herz: Weil sie so befreit klingt, wie ich mich damals zu fühlen begann.

Ich weiss nicht, wie oft ich zwischen dem 10. Mai und dem 25. Juli 2003 mitten in der wohligwarmen Nacht mit dem CD-Player in der Hand und Mark Knopflers Wundermusik in den Ohren ganz alleine auf dem Mäuerchen des Therapiezentrums sass, in die funkelnden Sterne guckte und jede Sekunde meines gerade beginnenden neuen Lebens genoss.

***

Der kleine Bub ging jede Woche zu seinem Grossvater in die Klavierstunde und wurde deshalb fast automatisch zu einem Fan von Wolfgang Amadeus Mozart. Er las über ihn, was er in die Finger bekam und kannte seine Hits dank der Platten im Schrank seiner Eltern in- und auswendig.

Als er ungefähr zehn Jahre jung war, erachteten diese es als angezeigt, ihn einmal mit ins Opernhaus zu nehmen, wo „Die Zauberflöte“ gegeben wurde. In den ersten Minuten war der Junior vom Gebotenen durchaus angetan: Über die Bühne hüpften zu ihm wohlvertrauten Klängen wunderlich gewandete Wesen, von links waberte Trockeneis durch die Kulissen. Zwei Plätze neben ihm sass mit Jürg Randegger vom Cabaret Rotstift ein leibhaftiger Promi, und zwar im schicken Anzug. Am Skilift trug er sonst immer eine braune Jacke.

Doch dann…dann wurde es dem Sohn zuviel. Den Rest des für ihn sehr, sehr langen Abends verbrachte er damit, die Instrumente im Orchestergraben zu zählen.

Jahrzehnte und unzählige „Amadeus“-Wiederholungen später fuhr er mit seiner Frau nach Bregenz an den Bodensee, um zauberflötenmässig noch einmal einen Anlauf zu nehmen. Tausende andere mochten sich dieses Openair-Spektakel ebenfalls nicht entgehen lassen. Die Tribüne war bis auf dem letzten Platz ausverkauft.

Als ob sie Teil der Inszenierung gewesen wären, leuchteten der Mond und die Sterne auf den Schauplatz hinunter. Lautlos glitten vor dem Hafenbecken Schiffe über das spiegelglatte Wasser. Die Regie, die Schauspieler und die Musiker gaben alles, um ihren Gästen einen in jeder Hinsicht magischen Abend zu bieten.

Mitten in der andächtig geniessenden Menge sass der erwachsen gewordene Bub von einst. Erst jetzt, eine halbe Ewigkeit nach seinen ersten Begegnungen mit Mozart, glaubte er das Genie dieses Mannes halbwegs erahnen zu können.

Er war vom Gebotenen dermassen fasziniert, dass er ziemlich lange nicht bemerkte, wie ausgerechnet in der leisesten Phase der ganzen Aufführung eine moblie Fernsprechanlage zu klingeln begann.

Als er es realisierte, fragte er sich zunächst, was für ein Idiot wohl vergessen hatte, sein iPhone auf stumm zu schalten. Dann fiel ihm auf, dass in seiner Hosentasche immer genau dann etwas vibrierte, wenn dieses verdammte Handy lospiepte.

***

An jenem Sonntag lag ich in meiner Wohnung in Freiburg. Meine Brust fühlte sich an, als ob Betonplatten darauf liegen würden. Ich konnte kaum atmen, schwitzte wiene More und fragte mich, was zum Teufel ich in dieser Stadt eigentlich noch zu suchen hatte.

Ich ging aus dem Haus und liess mich durch die Horden von Touristen, die munter plappernd die Lausannegasse herunterbummelten, zum Bahnhof hochtreiben. Dort setzte ich mich, ohne lange nachzudenken, in den Zug nach Bern. Auf dem Weg zu den Openairrestaurants beim Bundeshaus kam mir eine grosse verspiegelte Brille entgegen.

„Tschou! Wie geits?“, fragte Polo Hofer (ich war ein bisschen mit ihm verwandt. Wenn wir uns trafen, erkundigte er sich immer nach dem Befinden meines Vaters, mit dem er in seiner Jugend oft von der Heubühne gehüpft war, und meines Bruders, der beim Radio Argovia arbeitet, und später auch meiner Frau, die er zum ersten Mal sah, als ich an der BEA für die BZ mit ihm talkte und die er nach einer kurzen Musterung als prima zu mir passend taxierte).

Ich sagte missmutig, „scho rächt“, worauf er vorschlug, ich soll ihn ein Stück begleiten; „mir müesse gloub mitnang rede“.

Erst wollte er im Hotel Schweizerhof aber eine Messer-Ausstellung besuchen. Messer interessierten ihn ungemein. „Polo!“ hier, „Polo!“ da: Ich realisierte bei dieser Gelegenheit, dass es vermutlich nicht immer nur lustig ist, Polo Hofer zu sein.

Wir zogen weiter, ins Monbijou-Quartier. In einer Gartenwirtschaft bestellten wir eine Stange und ein Cüpli und kamen ins Plaudern, und nachdem unsere Gläser mehrfach neu gefüllt worden waren, wusste ich beinahe nicht mehr, wieso ich Stunden zuvor eine fürchterliche Krise geschoben hatte.

Polo aber insistierte, als ob er ein Psychiater oder Vernehmungsspezialist der Polizei wäre, und schliesslich erzählte ich ihm von meinen privaten und beruflichen Lämpen.

Als all der Frust, der sich im Laufe von vielen Wochen in mir aufgestaut hatte, ausgekotzt vor ihm auf dem Tisch lag, schlurfte er aufs WC. Nach einer langen Weile kam er zurück. Er beugte sich ein wenig zu mir vor und raunte: „Lue: Ig kenne das. Dä Typ da hinge kennt das o. Ruedi (mein Vater) kennts u Ürsu kennts u jede kennts. So Sache passiere. Aber wenn immer nur d Sunne würdi schiine: Hättisch ar Sunne no Fröid?“

„Klar“, erwiderte ich. Ich war leicht gereizt, denn eigentlich hatte ich mir von einem so grossen Denker, als den Polo sich gerne gab, mehr als nur einen Spruch erhofft, der auch in einem Kalender hätte stehen können.

Wenn mir die Sonne einmal keine Freude mehr machen würde, könne ich gleich ganz aufhören, fuhr ich gehässig fort, und überhaupt: Er könne leicht reden mit seinen Abertausenden von verkauften Platten und seinen ständig ausverkauften Konzerten und seinen fünf Gspusi an jedem Finger und überhaupt.

Polo blieb ruhig. Er liess mich ins Leere täupelen wie eine Mutter ihr kleines Kind, das sich vor der Migroskasse auf den Rücken legt und Zetermordio schreit, weil es unbedingt einen Schleckstengel haben will.

Nachdem ich mich abgeregt hatte, philosophierten wir über die ganz grossen Fragen des Lebens und dann – ohne, dass mir das richtig bewusst wurde – über kleinere und schliesslich nur noch über die minimunzigen.

Seine Musik war keine Sekunde ein Thema. Nur einmal, als ein Gast mit einem grossen Hund an der Leine an der Beiz vorbeiging, sagte er grinsend, er mache jetzt dann einmal ein Lied über Hunde. Die Verliebten und Verzweifelten habe er als Zielgruppe ja längst erschlossen. Nun nähme er sich die Hundehalter vor.

Zwei Jahre später veröffentlichte er „Härzbluet“. Das zweite Stück heisst „Sennehund“ – und wurde ein Riesenhit.

Die Platte gehört aber nicht deswegen zu den „Soundtracks meines Lebens“, sondern trotzdem. “Uf die guete Zyte“, „Bis i di troffe ha“, „Es weichs Härz“ und „Dusse schneits“ sind Lieder, die in wenigen Minuten mehr erzählen als manch ein Roman. „Im 99i, Mitti Mai“ ist eine fesselnde Reportage über das Hochwasser in Bern, und wie Hofer Bob Dylans „Man in the long black coat“ in einen „Maa im schwarze Chleid“ verwandelte, hätte bestimmt auch dem Grossmeister himself ein anerkennendes Nicken abgerungen.

Als die Znachtgäste kamen, räumten wir unsere Plätze. Bester Dinge fuhr ich zurück nach Freiburg.

Dass Polo mir mit seiner Sonnen-Bemerkung damals etwas mit auf dem Weg gegeben hatte, das mir heute noch ab und zu aus einem Täli hilft, hätte ich ihm gerne einmal gesagt. Aber dazu kam es nicht mehr. Bei späteren Begegnungen stimmte dafür die Zeit nicht oder der Ort oder das Umfeld oder sonst etwas.

Im letzten Juli verreiste Polo in ein Land, in dem es hoffentlich hin und wieder chly rägnet, damit er die guete Zyte mit seinem weiche Härz in vollen Zügen geniessen darf.

***

Die Berge gehören für mich – wie zum Beispiel auch die Atombombe oder das Xylophon – zu den unnützesten Erfindungen der Menschheit. Trotzdem biss ich vor Frust fast in den nächstbesten Tisch, als ich feststellte, dass ich den 25. März 2006 nicht am Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau würde verbringen können.

Dort spielten an jenem Tag Toto als Headliner des „Snowpenair“-Festivals. Aber weil ich an der ersten und entsprechend wichtigen Probe für unser Stationentheater „Drachenjagd“ nicht fehlen durfte, sah ich mich ausserstande, bei diesem Konzert der für mich besten Band aller Zeiten und Welten mit von der Partie zu sein.

Irgendwie, dachte ich, muss es doch möglich sein, mir von dem Ereignis zumindest ein Fitzelchen zu ergattern, mit dem sich die absehbaren Phantomschmerzen vielleicht etwas lindern liessen. In meiner Verzweiflung erkundigte ich mich bei der Redaktion des „Berner Oberländers“, wer sich um die Berichterstattung über den Anlass kümmern werde.

Eine gewisse Chantal Desbiolles werde sich der Sache annehmen, wurde mir aus Interlaken beschieden, worauf ich der mir gänzlich unbekannten Frau Desbiolles per Mail in grösstmöglicher Ausführlichkeit darlegte, weshalb ich sie auf ewig in meine Gebete einschliessen würde, wenn sie die Güte hätte, mir in der Schnee- und Eiswüste hoch über Grindelwald ein Toto T-Shirt zu besorgen.

Auf dem Weg zur Theaterprobe klingelte mein Handy. Live aus den Alpen teilte mir Frau Desbiolles mit, sie habe gefunden, worum ich sie gebeten habe. Jetzt müsse sie nur noch wissen, welche Grösse für mich passend wäre und ob ich lieber ein Shirt mit oder ohne Chrägli haben möchte.

Fernmündlich machte sie auf mich einen überaus sympathischen Eindruck. Zuverlässig war sie obendrein: Zwei Tage nach dem Gig lag auf meinem Pult in der Burgdorfer BZ-Filiale ein Päckchen. Darin befand sich ein nigelnagelneues Toto-Liibli in Grösse XL, mit Kragen und Quittung. Ich überwies Frau Desbiolles das Geld und bedankte mich auf demselben Weg, auf dem wir den Deal eingefädelt hatten, ganz herzlich für ihren Einsatz.

Das sei sehr gerne geschehen, antwortete Frau Desbiolles, worauf auch ihr ich wieder schrieb und sie mir und ich ihr und sie mir und ich ihr. Jeden Tag schickten wir uns ein paar Zeilen und manchmal auch halbe Romane. Irgendwann wusste Chantal mehr über mich und ich mehr über Chantal, als wenn wir vis-à-vis voneinander im selben Büro gesessen wären.

Nur etwas taten wir beide unabgesprochen nicht: Im Redaktionssystem nachschauen, mit wem wir es eigentlich zu tun hatten.

Über ein Jahr später, im Sommer 2007, sahen wir uns zum ersten Mal bei einem Nachtessen in Solothurn. Am 13. April 2012 heirateten wir.

Unser Hochzeitslied war “Hold the line”.

Der unbekannte Bekannte

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(Bild: Andreas Althaus; “SpringSeil” 2015, Variable, 42 x 29,7; Privatbesitz)

Der Herr da hinten, auf dem Sessel im Eggeli, sei ein extrem berühmter Künstler, sagte ich zu der Servierfrau an der Bar; wenn es ihr nicht allzuviel ausmieche, würde ich jetzt meinen Kaffee nehmen und mich zu ihm setzen, weil Promis dieses Kalibers treffe man nicht jeden Tag, nicht einmal hier und schon gar nicht zu dieser frühen Stunde, raunte ich über den Tresen, worauf die Frau “Oh” sagte, und weil sie den Mann offensichtlich nicht kannte, fügte ich, bevor ich mich auf den Weg ins Eggeli machte, an, er sei so etwas wie der Zwillingsbruder von Salvador Dalì, nur auf Emmentalisch statt auf Spanisch, worauf die Frau noch einmal “Oh” sagte, und während ich, mit dem Kaffee in der einen und dem Wasserglas in der anderen Hand, möglichst cool von dannen bummelte, konnte ich beinahe hören, wie es im Kopf der Frau hinter mir ratterte und knirschte und und funkte und machte, aber irgendwie kam sie einfach nicht darauf, um wen es sich bei dem Künstler handeln könnte, und als sie nach einer Weile bei uns vorbeischaute, um nachzufragen, ob wir gerne noch etwas zu trinken hätten, sagte ich zu dem Mann, dass ich der Frau vorhin verraten habe, er sei ganz wahnsinnig berühmt, was dem Mann irgendwie ein bisschen peinlich zu sein schien, worauf die Frau sagte, das sei ihr jetzt im Fall schon nicht recht, dass sie ihn nicht erkannt habe, worauf er lachte und sagte, das spiele üüüüberhaupt keine Rolle, er sei nämlich gar nicht berühmt, und als das geklärt war, stellte er sich ihr vor und sie sich ihm und…nein: nichts “und”.

Wir tranken unsere Kaffees aus und bezahlten und gingen, und falls wir uns wieder einmal in diesem Restaurant treffen sollten, der Mann, der tatsächlich ein Künstler ist, und die Servierfrau und ich, wissen wir alle, mit wem wir es zu tun haben, und das, finde ich, kann so oder so nichts schaden, Promi hin, Normalsterblicher her.

Wieso Songtitel Klammern haben (I’m only bleeding)

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Das Bild hat keinerlei Bezug zum folgenden Text (ich hatte nur grad chli Heimweh mach Australien).

– “Gimme gimme gimme (a man after midnight)”,
– “For those about to rock (we salute you)”,
– “Falling in love (is hard on the knees)”,
– “Tonight (lift me up)”,
– “If I was your woman (walk on by)”,
– “The world is changing (I got a woman back in Georgia)”,
– “I never loved a man (the way I love you)”,
– “Summer (can’t last too long)”,
– “King Harvest (has surely come)”,
– “Magdalena (weil Maria hatt ich schon)”,
– “On a clear day (you can see forever)”,
– “I want you (she’s so heavy)”,
– “Someday after a while (you’ll be sorry)”,
– “One for my baby (and one for the road)”,
– “You’re not the one (I was lookin’ for)”,
– “Most likely you go your way (and I’ll go mine)”,
– “One of us must know (sooner or later)”,
– “I don’t believe you (she acts like we never have met)”,
– “If you gotta go, go now (or else you got to stay all night)”,
– “Do right to me baby (or let me go)”,
– “It’s allright Ma (I’m only bleeding)”,
– “57 channels (and nothin’ on)”,
– “Someday (we’ll be together)”,
– “Let’s be friends (skin to skin)”,
– “Come on (let’s go tonight)”,
– “It ain’t a party (if you don’t come round)”,
– “If you wanna leave me (can I come too?)”,
– “Go for the throat (use your own imagination)”,
– “The ballad of TV Violence (I’m not the only boy)”,
– “Good girls go to heaven (bad girls go everywhere)”,
– “In a country churchyard (let your love shine on)”,
– “I want it (and I want it now)”,
– “One word (straight from the heart)”,
– “Teen Angst (what the world needs now)”,
– “You spin me round (like a record)”,
– “Rock rock (’til you drop)”,
– “Mirror, mirror (look into my eyes)”,
– “Ich weiss nicht (ob es Liebe ist)”,
– “Sweet Dreams (are made of this)”,
– “Angel (mirror to your soul)”,
– “Nobody loves you (like I do)”,
– “The farmers song (for all)”,
– “Will you be there (in the morning)?”,
– “Some of my lies are true (sooner or later)”,
– “We’re not here for a long time (we’re here for a good time)”,
– “I want to (do everything for you)”
– “(Ain’t nothin’ but a) house party”

und so weiter, und so fort. Es ist kein Ende (in Sicht).

Ich weiss nicht, welcher Musiker seinerzeit als Erster auf die Idee gekommen ist, einen Teil von Songtiteln in Klammern zu setzen. Vermutlich wars John Lennon, wie eigentlich fast immer, weil er dachte, das klinge schampar intellektuell. Es könnten natürlich auch die Rolling Stones gewesen sein in der Annahme, auf diese Weise etwas establishmentshockin’ Rebellisches zu statuieren. Möglicherweise wars aber auch nur ein Rastaman auf Jamaica, der sein Lied eigentlich schon fertig hatte, und dem, als er zur Feier seines Werkes einen meterlangen Joint paffte, doch noch etwas dazu einfiel, und statt alles neu zu schreiben, setzte er seinen Einfall in eine Klammer dahinter und fuhr dann damit fort, gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verstossen (nicht zum ersten Mal an diesem Tag!).

Wenn jetzt 3.40 p.m. wäre, könnte man einen Kulturschaffenden aus dem Bett klingeln und ihn fragen, was es mit diesen Klammern eigentlich auf sich habe. Wir haben jetzt aber 3.40 a.m., und um diese Zeit verbitten sich derlei Aktionen von selber; sogar bei Menschen, die davon leben, die Nacht zum Tag zu machen (wenn auch unterschiedlich gut).

Also: Ab ins Internet. Für den Suchbegriff “Songtitel in Klammern” liefert Google 154’000 Ergebnisse, aber nur ein vielversprechendes Resultat:

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Leider funktioniert der Link nicht, was bedeutet: Das wars schon (mit der Recherche).

Ergiebiger ist, wenn wir schon dabei sind, die Suche nach dem längsten Songtitel aller Zeiten: “The Sad But True Story Of Ray Mingus, The Lumberjack Of Bulk Rock City, And His Never Slacking Stribe In Exploiting The So Far Undiscovered Areas Of The Intention To Bodily Intercourse From The Opposite Species Of His Kind, During Intake Of All The Mental Condition That Could Be Derived From Fermentation.” Eingefallen ist er den schwedischen Folk-Poppern Rednex, und klingen tut das Lied wie folgt:

Wir lernen: Auch in der Musik spielt die Länge in performancetechnischer Hinsicht eine periphere Rolle (aber das nur in Klammern).

Kunst-Stücke am Laufmeter

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Alle Jahr wieder, immer Mitte August, treffen sich Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland in Zofingen, um ihre Werke den durch die schmucke Altstadt flanierenden Passantinnen und Passanten zu zeigen oder, noch besser, zu verkaufen.

An rund 150 Ständen gabs auch bei der 17. Auflage des Kunstmarktes Gezeichnetes und Gemaltes und Gebasteltes und Getöpfertes zu sehen, und obwohls beinahe den ganzen Tag regnete, konnten sich die Aussteller nicht über mangelndes Interesse beklagen.

“Die Leute, die vorbeikommen, sind alle begeistert”, freute sich Erika Fankhauser-Groeliker aus Zetzwil (siehe Bild oben), die Ehefrau vom Götti vom Sohn von meinem Brüetsch und meiner Schwägerin, die am Stand 122 ihre Gemälde und Schmuckstücke präsentierte.

Eine lesenswerte Pressemitteilung

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Die Mitteilung, die Rolf Schlup vom PR-Büro dasoffice,ch gestern Abend verschickt hat, beginnt wie zig andere Pressetexte auch:

“Mit seinen letzten Alben «Früschi Luft» (2012) und «Buuregiel» (2010) hat George jeweils Top-Ten-Platzierungen in den CH-Alben-Charts erreicht. Und – neben vielen anderen Mitsingliedern – mit «Hie bini Deheim» (Jura) die inoffizielle Seeländer-Hymne geschrieben.”

Aber dann folgen Sätze, die Werbemenschen für ihre Mandanten nur ganz, ganz selten schreiben:

“Diese schönen Erfolge sind in den letzten Monaten allerdings in den Hintergrund gerückt. Der knapp 47jährige Musiker musste sich intensiv um seine Gesundheit kümmern. «Mein Alkoholkonsum hat sich – in Verbindung mit ärztlich verschriebenen Medikamenten – mehr und mehr fatal ausgewirkt: Im Berufsleben, im Musikerleben und im Privatleben. Deshalb habe ich einen qualifizierten Entzug im Spital durchgeführt und mich zum vergangenen Jahresende während zwei Monaten einer stationären Therapie unterzogen».

Als mögliche Ursache für die Flucht in die Sucht wurde die hohe Arbeitsbelastung (80% «normale» Tätigkeit als Landschaftsgärtner / 50% Engagement als Musiker) verbunden mit dem Anspruch an Höchstleistung diagnostiziert, was bei ihm, der als Künstler in seinen Liedern immer wieder eine ausgeprägte Emotionalität offenbart, für ein «zu viel» an einzulösenden Erwartungen gesorgt hat: Psychischer Stress, dem er ganz offensichtlich das falsche Ventil entgegengesetzt hat.

Der sympathische und charismatische Sänger kann jetzt zu seiner Schwäche stehen und schaut wieder optimistisch in die Zukunft. «Zum Glück darf ich auf Freunde zählen, die mich auch weiterhin aufbauend und unterstützend begleiten!», zeigt er sich dankbar.

Zum zehnjährigen Bühnenjubiläum ist für das Frühjahr 2014 ein Best-of-Album von George mit zwei neuen Songs in Vorbereitung. Und bereits im Herbst 2014 soll dann das neue Studioalbum erscheinen. «Während meinem Aufenthalt in der Klinik Südhang in Kirchlindach hatte ich viel Zeit und auch grosse Lust, mit ungetrübtem Blick auf die Welt neue Lieder zu schreiben. Die Höhen und Tiefen des Lebens und die Selbtreflexion darauf bieten ja nahezu unerschöpflichen Stoff dafür.»

Vor der Offen- und Entschlossenheit von George ziehe ich den Hut. Dass mit dem jungen Musiker etwas nicht stimmte, war mir – und vielen anderen Gästen – schon vor knapp einem Jahr aufgefallen, als George bei seinem Auftritt im “Zelt” in Burgdorf kilometerweit neben den Schuhen stand.

Nun scheint der Künstler sein Problem behoben zu haben; und zwar in derselben Institution, in der auch ich mich vor bald zehn Jahren “trockenlegen” liess. Das lässt mich hoffen, dass “es” auch bei ihm verhebt.

Ich wünsche George auf seinem jetzt sauber gewischten Lebensweg nur das Beste.

Drei Franken für eine Minute Musik

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11. September 2001: Arabische Terroristen steuern Passagierflugzeuge in das World Trade Center und in das Pentagon.

11. September 2013: Roger Waters, der ehemalige Kopf von Pink Floyd, führt “The Wall”, das eine der beiden Jahrhundertwerke seiner Ex-Band, im Zürcher Letzigrundstadion auf.

Was die beiden Daten miteinander zu tun haben? Nichts, eigentlich. Ich brauche nur einen knackigen Einstieg für diesen Beitrag, weil mir für einen geistreicheren Anfang die Worte fehlten.

Abhanden kamen sie mir vorhin in der Ticket-Vorverkaufsstelle im Burgdorfer Bahnhof. Dort blätterte ich für die zwei “Wall”-Billete total SFr. 409.40 hin, wobei man den Halsabschneidern Dealern vom Ticketcorner zugute halten muss, dass die je sechs Franken Bearbeitungsgebühren in dieser Summe bereits enthalten waren.

Zweihundertvierfrankensiebzig: Soviel habe ich für einen Konzerteintritt in meinem ganzen Leben noch nie bezahlt.

Wenn ein Veranstalter sich vor 20 Jahren erdreistet hätte, mehr als hundert Franken für ein Billet zu verlangen, hätte er entweder die Beatles in Originalbesetzung plus Abba als Vorband plus Jimy Hendrix als Gastgitarrist plus Janis Joplin als Schubidu-Sängerin im Hintergrund auf die Bühne bringen müssen – oder dann wäre er noch vor dem Soundcheck Konkurs gegangen, weil es keinem Menschen eingefallen wäre, zu diesen Wuchertarifen ein Ticket zu posten.

Doch the times, they are, wie Bob Dylan schon vor grob geschätzten 837 Jahren gesungen hat, a-changing. Heute regt sich kaum jemand mehr auf, wenn er für eine Minute Livemusik mit drei Franken zur Kasse gebeten wird (wers nicht glaubt: “The Wall” dauert auf CD

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66.35 Minuten.

Und 409.40 geteilt durch 66.35 macht…eben.

Der Waters-Gig ist jedenfalls so gut wie ausverkauft. Er wäre es vermutlich auch, wenn der Eintritt pro Kopf 300 oder 400 Franken kosten würde, weil: “The Wall” ist ein einsam aufragendes Monument in der Musiklandschaft. Eine Ikone aus Klängen und Effekten. Der Wahnsinn – im wörtlichen und übertragenen Sinn.

Oder kurz: Etwas, was man einfach gesehen haben muss, wenns schon einmal da ist.

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Der britische Musikprofessor und Rockkritiker Simon Frith erklärt diese “Ich will an dieses Konzert, koste es, was es wolle”-Mentalität in einem sehr lesenswerten Gespräch mit “Spiegel online” so:

“Die Live-Erfahrung ist schon immer zentraler Bestandteil des musikalischen Erlebens und des Fantums gewesen. Wer würde schon sagen: Tolle Band, aber live würde ich die nie sehen wollen?”

An tollen Bands und Solisten fehlts in der Schweiz auch heuer nicht. Sie sind zu folgenden Preisen zu sehen und hören:

Bon Jovi oder Bruce Springsteen kosten mindestens 108 Franken,

Patricia Kaas oder Peter Gabriel kann man für 90, bzw. 85 Franken erleben.

Kiss oder Krokus gibts für 88, bzw. 70 Franken.

Wieso sich all diese und andere Schwergewichte nicht ein Vorbild an den Halunke nehmen, die im im Maison Pierre für 30 Franken und damit fast gratis auftreten: Niemand weiss es.

Das heisst – doch. Inzwischen kennen es ja alle, das traurige Lied von den Künstlern, die wegen des Internets kaum mehr Geld verdienen. Und die ihre Haut deshalb auf endlosen Tourneen durch die grössten Stadien rund um den Erdball so teuer wie möglich verkaufen müssen.

Laut dem Experten Firth explodierten die Tickettarife ab Mitte der 90er-Jahre: “Damals fingen die CD-Preise an zu sinken. Den Bands brachen daraufhin die Einnahmen weg, und der finanzielle Druck stieg, sich eine neue Geldquelle zu suchen. Später, durch die Digitalisierung, hat sich dieser Trend natürlich drastisch verstärkt.”

Von dieser Entwicklung könnten jedoch nur die Künstler in der Grössenordnung von U2, Madonna, den Rolling Stones oder, eben, Roger Waters profitieren. Kleinere Bands müssten schauen, wo sie bleiben, denn “ihnen fehlt das entsprechende Publikum – sowohl die reine Masse an Menschen als auch der Ruf, das hohe Eintrittsgeld wert zu sein. Neue Bands müssen ihre ersten Touren mittlerweile selbst subventionieren, bis sie sich eine signifikante Fangemeinde erspielt haben.”

Doch trotz allem Verständnis für die Existenzängste der musizierenden Zunft: Zweihundert Stutz für Roger Waters – das ist ebenso jenseits von der Normalität wie dessen “grandios-pompöses Multimedia-Spektakel”:

(Stimme von den billigen Plätzen im Leserkreis): “Sag mal: Hat dich jemand gezwungen, diese Tickets zu kaufen?”

“Nein, natürlich nicht.”

“Also. Was soll das Gejammer?”

“Das ist kein Gejammer. Das ist eine schon fast wissenschaftliche…”

“…hör doch auf. Du meckerst hier ständig über Preise für etwas, was du im Grunde gar nicht brauchst.”

“Natürlich brauche ich das.”

“Was?”

“Die Musik. Die Stimmung. Zu hören, wie etwas live klingt, was ich bisher nur ab Platte kannte.”

“Schon klar. Aber wenn dus schon brauchst, kannst du dafür ja auch bezahlen. Du bekommst ja auch etwas dafür.”

“Wie gesagt: Ich bezahle ja gerne, nur…”

“Eben. Dann hör auf zu motzen.”

“Ich motze nicht.”

“Tust du doch.”

“Gut, dann motze ich halt. Liest du hier ab und zu mit?”

“Klar. Ich bin dein grösster Fan. Ich lese alles von dir, auch den grössten Schrott.”

“Wunderbar. Ab sofort kostet ein Beitrag fünf Franken. Mit Bild machts acht Stutz, und wenn noch ein Video dabei ist, kann du mir eine Zehnernote überweisen.”

“Spinnst du jetzt?”

“Zwingt dich jemand, diesen Blog zu lesen?”

“Nein, aber…”

“Du brauchst das einfach, fürs Wohlbefinden und so.”

“Genau.”

“Et voilà”.

“Du wirst ja nicht ernsthaft diesen Blog mit einem Rolling Stones-Konzert…”

“…natürlich nicht. Ich sage nur…”

“Hör doch auf.”

“Hör du doch auf.”

“Depp.”

“Aff.”

“Idiot.”

“Hör mal: Ich muss hier weiter…”

“…mach nur. Ich bin weg. Für immer.”

“Auch gut. Du ziehst hier sowieso nur das Durchschnittsniveau der Leserschaft in den intellektuellen Abgrund.”

“Das war jetzt gemein.”

“Aber wahr.”

“Schreibst du morgen wieder etwas?”

“Mal sehen. Kommt drauf an.”

“Worauf?”

“Auf alles.”

“Super. Ich freu mich.”

Immer dieses Wetter vor den Konzerten

 
Was möchte der Musikliebhaber, der ein Konzert gesehen – oder verpasst – hat, von den Kritikerinnen und Kritikern nachher wissen?

Welche Songs die Band spielte? Wie lange sie auf der Bühne stand? Ob sie beim 84. Auftritt ihrer Tournee noch einigermassen frisch wirkte? Ob der Sänger auf das Publikum einging? Welche Stimmung in der Halle oder auf der Wiese herrschte?

Alles falsch. Das Onlineportal swissmusicdiary weiss – der Fan will vor allem eines: Den Wetterbericht.

Und zwar nicht erst in der Mitte oder am Ende des Artikels oder in einem Nebensatz versteckt, sondern ganz am Anfang.

Beispiele gefällig? Bitte sehr:

– „Brienz begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein.“

–  „Das Festival am Zürichsee scheint regenerprobt zu sein.“

– “Die Sonne brennt, es ist nicht mehr wirklich angenehm im Schlafsack – also aufstehen, frühstücken, abbauen, alles im Auto verstauen und gemütlich auf das Gelände schlendern…”

– “Kurz vor dem Schmelzpunkt lassen wir den heissen Sommertag draussen und begeben uns in das Kaufleuten.”

– “Ein lauer Frühlingsabend geht seinem Ende entgegen…”

–  „Warm scheint sie vom Himmel, die Frühlingssonne an diesem Oster Vorabend, welcher das lange Weekend einläutet.“

–  „Bei der Hinfahrt ans Openair Hochybrig denke ich mir, wenn es einer schafft, den Regen zu vertreiben und die Wärme zu bringen – dann er!“

–  „Die Wintersonne wärmt den Rücken und inmitten der verschneiten Bergen tönt es von der Bühne auf dem Höhenweg in Interlaken: „Achtung, Fertig, Los – Hie isch de Bär los!“.“

–  „Strahlend blauer Himmel und die Aussicht auf gute Konzerte – Was könnte einem da die Stimmung noch verderben…“

–  „Der Winter vermiest mir lange Auto Fahrten, daher geniesse ich es sehr, wenn die gute Musik zu mir kommt.“

– „Unser Zelt steht, die Regenpause ist vorbei.“

–  „Wieder ein heisser Sommertag – und wieder ein heisses Konzert am Abend.“

–  „Während die Schweiz im Schnee versinkt, machen sich an der Wärme im Ventil drei sehr lustige Menschen auf die Suche nach den verlorenen Geschenken.“

–  „Das Publikum verzieht sich vom Regen und tröpfelt in das Zelt.“

–  „Irgendwann im Verlaufe von diesem nebligen, regnerischen Samstagnachmittag …“

–  „Nach einer ziemlich kalten Nacht starte ich den Tag mit Lieblingsmusik.“

–  „Der Schnee taut, die ersten Blumen färben die Wiesen, die Tage werden länger und Sonnenstrahlen erfreuen unser Gemüt. Es ist Frühling!“

–  „Beim aufstehen am Samstagmorgen denke ich, oho Schnee und ich will heute wiedermal durch die halbe Schweiz fahren.“

–  „Das aus dem warmen Schlafsack kriechen wird bei Regen definitiv zur Qual!“

– „Da das Seewasser noch nicht die angenehme Badetemperatur erreicht hat, entscheide ich mich, den Samstagabend indoor – mit Trummer & Nadja Stoller zu verbringen.“

Eigentlich wollte ich – mit Blick auf die gerade angelaufene Openair-Saison – ein paar Schweizer Musik-Websites vergleichen. Wie haben sich die Pionierinnen und Pioniere von trespass.ch entwickelt? Was bietet musiclinx.ch? Was dürfen die Besucherinnen und Besucher der Schweizer Musikdatenbank erwarten?

Dann knöpfte ich mir zum Einstieg ausgerechnet den “Schweizer Konzertkalender” vor. So nennt sich das von Hobbyschreiberinnen, -schreibern und -fotografen betriebene und von Konzertveranstaltern mitgesponserte Portal auf Deutsch.

Spätestens beim Hinweis auf die Seewassertemperatur (Oho: Schnee?) war mir die Lust auf das Rating vergangen, bevor ich richtig losgelegt hatte. Ich fand, so eine Gegenüberstellung wäre irgendwie unfair. Gegenüber swissmusicdiary, gegenüber den Kritikern auf andern Online-Kanälen – und, vor allem: gegenüber den professionellen Anbietern von Meteo-Seiten.

Vielleicht nehme ich später einen zweiten Anlauf.

Doch das hängt ganz vom Wetter ab.