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Schlagwort: Lied

Kaum zu glauben, aber wahr

Es ist schon wahnsinnig: Über 30 Jahre, nachdem sie mit Abba zum letzten Mal auf einer Bühne stand, und 40 Jahre nach „Waterloo“ trat Agnetha Fältskog an einer von der BBC ausgerichteten Gala für Kinder in Not wieder einmal live auf. Mit Gary Barlow, dem Ex-Sänger von Take That, sang sie das von ihm für sie komponierte „I should have followed you home“…und sorgte nicht nur beim Publikum in der Halle, sondern ganz bestimmt auch bei Millionen von TV-Zuschauern und Fans, die den rührenden Auftritt im Internet mitverfolgten, für Hühnerhaut.

Die Stimme, die Augen, die Bewegungen und, vor allem: diese Ausstrahlung – „die Blonde von Abba“ hat sich in all den Jahren kein bisschen verändert, sieht man einmal von ein paar Fältchen im Gesicht ab. Aber die stören nicht, ganz im Gegenteil. Sie machen die 63-jährige Frau – falls das überhaupt möglich ist – nur noch sympathischer.

„Cant’t believe it’s really you“, singt Barlow zum Einstieg. Es ist tatsächlich kaum zu glauben, dass sie es ist. Aber glücklicherweise wahr.

(Und ja, ich weiss: Das alles ist jetzt auch schon wieder ein Jahr her. Nur: Ich freue mich darüber halt immer noch wie ein kleines Kind.)

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Inselleben (IV)

Foto

Tag 4, Abend: Nachdem ich das WM-Spiel der Schweiz gegen Frankreich zum Glück extra verpasst habe, schaue ich im TV-Eggeli am Hotelpool heute den Deutschen gegen Ghana zu. Vom Barkeeper meines Vertrauens habe ich mir gegen ein kleines Bakshish einen Platz reservieren lassen. Wenig später sollte sich zeigen, dass das nicht unbedingt nötig gewesen wäre (siehe Bild oben).

Die Stimmung in unserer naturgemäss germanisch dominierten Mini-IG ist bis zum nicht alle restlos happy machenden end heiter und entspannt. Graue Haare statt Glatzen, Weisswein statt Wodka, Häkeljacken statt Hakenkreuze, Bravos statt Buhs und Röckli statt Raketen: Imagine all the Fussballfans livin‘ life immer so in peace.

Vor lauter Freude darüber, dass sich auch bei Halbzeit noch keine Toten und Verletzten zwischen den Stuhlreihen stapeln, erwäge ich kurz, „Hopp Ghana!“ zu brüllen, lasse es dann aus Rücksicht auf jene Hotelgäste, die nach dem Znacht früh in die Federn gehüpft sind, damit sie auch morgen wieder kraftvoll zubeissen können, bleiben.

Schwingpreis
(Bild: Aus dem Internet geklaut)

Zwischen Tag 4 und Tag 5: Sekunden, bevor ich am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Beinwil am See mit meinem Freund Hannes Zaugg-Graf in den Schlussgang steige (als Kampfrichter fungieren Pesche Leu von der kulturfabrikbigla, mein Brüetsch und Deutschlands Nationaltrainer Joachim Löw; als Lebendpreis winkt ein im Hallwilersee parkierter Blauwal, auf den mangels eines passenden Stalls weder mein Gegner noch ich übertrieben erpicht sind), beauftragt Elisabeth Zäch mich damit, das Schloss Burgdorf vom Keller bis zum Dach und innen und aussen schwarzgelbkariert zu bemalen, mit Neocolor, und zwar ganz alleine („wir haben kein Geld und du hast ja Zeit“), bis Ende nächster Woche.

Es dauert ein Weilchen, bis ich wieder einschlafen kann.

Tag 5, nach einer verchrügleten Nacht: Der Sommerhit des Jahres 2014 auf Gran Canaria heisst…

(Trommelwirbel, atemlose Spannung, strengstes Blitzlichtverbot)

…“Killing my softly“ , wie schon letztes Jahr und vorletztes und vermutlich auch vorvor- und vorvorvorletztes.

Irgendwie ist es schon faszinierend: Vor über 40 Jahren war „Killing me softly“, das damals noch „Killing me softly with his Blues“ hiess (vielleicht ist das wichtig, vielleicht auch nicht) – zum ersten Mal ein internationaler Hit. Gesungen hatte ihn damals Roberta Flack, und zwar so:

23 Jahre später schoss der Song in der Fassung der Fugees schon wieder an die Spitze von zig Hitparaden in Europa und Übersee. Seither kreist er wie ein Kettenbrief rund um den Erdball und legt immer genau dann einen Halt auf den Kanaren ein, wenn ich auf selbigen dem hemmungslosen Faulenzen fröne.

Wo auch immer man geht und steht und höcklet: Spätestens nach einer Viertelstunde legt Lauryn Hill los mit „Strumming my pain with his fingers, singing my life with his words…“.

Was die Hiphopballade zu einem unlöschbaren Dauerbrenner macht, hat sich mir auch nach dem achtmillionsten Zwangshören nicht zur Gänze erschlossen. Mir ist sie nach dem dritten Mal verleidet wie seinerzeit die Schule nach der ersten Pause. Dennoch scheint das Lied ein musikalischer Nenner zu sein, auf den sich sämtliche Touristen zwischen Abu Dhabi und Zagreb einigen können. So betrachtet, gibts an ihm wenig auszusetzen. Ich weiss gar nicht, was ich habe.

Wenn – nein: falls – ich in zehn Jahren nach Playa del Inglés zurückkomme, dröhnt womöglich endlich etwas anderes aus den Boxen über den Beizen und Bars. „Feel“ von Robbie Williams etwa; das kam 2002 auf den Markt und hat folglich beste Aussichen, 2024 zum neusten Heuler in den Ualaubaparadiesen zu avancieren.

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Wunderbares Wiederhören

Was für ein Lied! Was für eine Stimme! Was für eine Frau!

Neun Jahre war Agneta Fåltskog von der Bildfläche verschwunden. Nachdem sie auf „My colouring book“ einige ihrer Lieblingslieder von anderen Komponisten neu interpretiert hatte, tauchte sie ab. Sie habe von dem Rummel, der ein Vierteljahrhundert lang um sie gemacht worden war, die Nase voll und lebe mit ihrem Mann abgeschieden in einem Haus bei Stockholm, war zu lesen, aber für Millionen von Fans kaum zu glauben.

Jetzt meldet sie sich mit der Pop-Ballade „When you really loved someone“ zurück, als ob sie nur eine Woche Ferien gemacht hätte.

Und das Beste von allem: Am 10. Mai veröffentlicht die 62jährige(!) Schwedin ein komplettes neues Album. „A“ heisst es, wie der erste Buchstabe des Alphabets, oder wie „Abba“.

Für die jüngeren Leser: Abba war die Band, mit der Agneta Fåltskog in den 70er- und frühen 80er-Jahren zum Superstar wurde, und die der Menschheit am Ende „The winner takes it all“ und „The day before you came“ vermachten: Zwei der traurigsten Musikvideos, die je gedreht wurden. Die Hauptrolle in den beiden Abschiedsfilmen spielte erschütternd glaubwürdig…Agneta Fåltskog.

Die grosse Depression scheint vorbei zu sein. Auf „When you really loved someone“ klingt und wirkt eine der grössten Popsängerinnen ever so frisch und munter wie damals, in der Hochblütezeit von Abba.

Bin ich der einzige, der das Gefühl hat, die Welt sei auf einmal noch ein Birebitzeli schöner geworden?

Nachtrag 7. Mai: Das Magazin der „Zeit“ widmet Agneta Fåltskog ein tolles Porträt.

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Noch viel me Meer

Hai-tere Fahne: Die wiedergewonnene Ruhe nach dem kleinen Zwischenfall auf dem Schiff hat unsere Kreativität in ungeahnten Massen beflügelt. Wir nutzten das inspirative Hoch, um ein Projekt zu realisieren, das wir nun schon seit Jahren vor uns hingeschoben haben: Die Verfilmung des Songs „Me Meer“ von den Berner „Halunke“.

Nach stundenlangen Dreharbeiten, bei der uns kein Beleuchtungstrick zu billig und keine Kulisse zu teuer war, legen wir das Resultat nun nicht ohne Stolz vor.

Kulturelle Dauernörgler mögen das eine oder andere Nebengeräusch bemängeln. Doch wer mit unserem cinéastischen Oeuvre auch nur halbwegs vertraut ist, der weiss, dass uns die Autenthi Authenti Autentitz das Abbilden der Wirklichkeit schon immer viel näher lag als der schnöde Kommerz.

Erste Kritikerstimmen:

„Davon wollen wir meer!“ (Tagesanzeiger)

„Bodylotion für die Gefühle“ (Annabelle)

„Bloody fuckin‘ great!!!“ (Sydney Herald)

„Besser als jeder Walgesang“ (Die Tierwelt)

„Wie Mani Matter in Badehosen“ (Berner Zeitung)

„Gelungener Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Populärmusik und Nautik“ (NZZ)

„Linke Rocker drehen im Ausland“ (Weltwoche)

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Mehr „Unser Lied“ geht nicht

Kurz, bevor er ans Bruce Springsteen-Konzert nach Zürich fuhr, zeigte uns mein Brüetsch einen grossen Karton: „If I should fall behind“, stand gross darauf geschrieben, und, etwas kleiner, „Our wedding song!“.

Diesen Karton, sagte mein Brüetsch, würden er und seine Judith während des Konzertes hochhalten. Denn Springsteen pflegt bei seinen Auftritten den einen und anderen Liederwunsch aus der Menge zu erfüllen.

„If I should fall behind“: Das ist das Lied von Urs und Judith. Es begleitet die beiden durch ihr gemeinsames Leben. Es gehört zu ihnen wie ihr Sohn und ihre Familien und ihre Jobs und ihre Autos und ihre Wohnung.

Wenn es auf der Welt nur noch einen Song geben dürfte und die beiden könnten entscheiden, welchen: Die Radios zwischen Melbourne und Reykjavik würden rund um die Uhr „If I should fall behind“ spielen.

Und dann, mitten im Konzert, zog Bruce Springsteen aus der 42 000köpfigen Menschenmasse im Letzigrund genau das Pappschild heraus. Er nahm es mit auf die Bühne, stellte es


auf den Flügel…

und spielte ganz alleine, ohne die Band, „If I should fall behind“ – nur für meinen Brüetsch und seine Frau:

(Bilder: Urs Hofstetter und Urs Utzinger)

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Auffälligkeiten im Mikrokosmos

Oft sind es nur Kleinigkeiten. Aber irgendwie denkt man halt doch kurz über dies und das nach – auch wenn es den Rest der Menschheit, wie in diesen Fällen, nur sehr peripher tangieren dürfte.

Zum Beispiel nimmt mich wunder, wieso ich mit unschöner Regelmässigkeit von Mitarbeitern der Südwestdeutschen Klassenlotterie belästigt werde, obwohl ich jedesmal kommentarlos auflege, sobald ich den Namen der Firma höre. Könnten die „nach sechs fruchtlosen Versuchen“, wie es

beim Minigolf

so schön heisst, nicht einfach einen Haken hinter meinen Namen machen und dazu notieren: „Zwecklos“?

By the way: Die Minigolfregeln sind lesen sich komplexer, als man glaubt.

Erstaunlich ist auch, dass wir auf der Redaktion in letzter Zeit vermehrt Anrufe aus Deutschland entgegennehmen. Wie kommt das? Globalisierung? Klimawandel? Neuerlicher Versuch eines unfriendly Take-over, jetzt einfach mit kommunikationstechnischen Mitteln?

Weiter würde mich interessieren, warum ich zwischen dem vergangenen Dienstag und gestern so oft von Zigarettenschnorrern angesprochen wurde wie vorher in einem halben Jahr nicht. Mindestens ein Dutzend Mal näherten sich mir auf den Bahnhöfen in Burgdorf und Bern Zeitgenossinnen und -nossen, denen man wegen ihrer halb irren und halb unterwürfigen Blicke schon von Weitem ansieht, dass sie etwas von einem wollen; die Frage ist jeweils nur, was.

Luca Hänni-mässig ist zumindest hier wieder Ruhe eingekehrt. Seit dieser Geschichte hat sich kein einziger Fan des Möchtegern-Superstars mehr bei mir gemeldet. Dafür bin ich im Netz auf einen interessanten Beitrag gestossen, der belegt, wie ungeniert bei „Deutschland sucht den Superstar“ manipuliert wird, um die Zielgruppe emotional bei der Stange zu halten.

Dass es bei diesem Spektakel höchstens am Rande um musikalische Nachwuchsförderung geht, ist bekannt. Erstaunlich ist die Dreistigkeit, mit der die Macher das Interesse an ihren Kandidatinnen und Kandidaten Produkten künstlich hochhalten.

„Je mehr ich bei diesem Marketing-Spektakel hinter die Kulisse blicke, desto unsicherer werde ich, ob ich so etwas überhaupt noch unterstützen will“, notierte neulich jemand, der den Rummel um Luca Hänni aus der Nähe miterlebt, auf Facebook.

Mit Facebook und dem Internet und allem ist es übrigebs so eine Sache:

„I try not to get TOO deep in here or too personal. I am in a quandry about the internet lately. In many ways its great but it has also become a negative cesspool as well. I am 2 SECONDS away from turning this thing off for GOOD. You guys are cool and all + most are real nice but some also take the internet as free for all for hate and theft, lack of privacy, gossip and lies and slander. (…) Some things should be PRIVATE and people have shown up at my home and there are lies about me and my personal info I am pissed off about. I think the old ‚give and inch take 10 miles“ applies here. I am a hyper-sensitive person and it is starting to affect me in a negative way. Some ass-clown has a video up that says ‚ „The best of Steve Lukather “ and its a cat taking a shit in the toilet. OK, funny right but WHAT was the motivation here?? I am not sure where to go with all this and I am in deep though about it all. Smiley faces and all that BS are all so fake to me. I TRY and be friendly and nice and yet people write me some pretty fucked up shit in private and in public and also accuse me of things I did not DO and or putting me up against ex band members that I have not spoken to in years.. I am almost DONE. Life is too short ya know. Could it be the anti-christ is the fucking computer? Time will tell… but for NOW lets keep the peace and love thing goin Ok please :)“

Das schrieb mein Musikerkollege Steve Lukather Anfang Februar auf seiner Facebook-Seite. Seither ward von ihm nichts mehr gelesen.

„And now to something completely different“, wie die Komik-Genies von Monty Python zu sagen pflegten:

„It’s gonna take a life to take me away from you“: Ich glaube nicht, dass für ein Lied jemals eine schönere Textzeile geschrieben wurde. Falls jemand anderer Ansicht sein sollte: Unten in den Kommentaren hats jede Menge Platz für Vorschläge.

A propos Lied, a propos Musik, a propos Rock: Der Fotograf Jörg Brüggemann unternimmt mit dem Bildband „Metalheads – The Global Brotherhood“ den ambitiösen Versuch, zu beweisen, dass Heavy Metal „die einzige Weltmusik der Gegenwart“ ist. Das kann man unterschreiben oder auch nicht (ich neige zu Letzterem). Aber nachdem ich die Buchbesprechung im „Spiegel“ gelesen habe, weiss ich jetzt ämu, welche Lektüre ich mir als nächste anschaffen werde.

(Wir geben kurz in die Schleichwerbung und sind gleich wieder für Sie da):

Nicht zu kaufen brauche ich den dritten Band der „Mordsgeschichten aus dem Emmental“. Er wird der Öffentlichkeit am 1. Juni vorgestellt. Wer sich einige Kurzkrimis von den Autorinnen und Autoren vortragen lassen möchte: Hier sind die ersten Lesungs-Termine.

(Und damit zurück ins Studio.)

Fehlt eigentlich noch etwas für den Einlauf in den fremden, aber doch so vertraut wirkenden Hafen der Ehe? Nein. Das allerallermeiste ist organisiert und bestellt und eingefädelt und zwäg. An dieser Stelle (und auch wenn dieser Blog dafür amänd nicht der perfekteste Ort ist): Ein erstes megagigasuperduperherzlichstes Dankeschön an das Trauzeugen-Traumpaar!

Nur Tortenheber haben wir noch keine (aber bevor die Leserinnen und Leser hordenweise in die Läden ausschwärmen, um uns welche zu schenken: Dankedanke! Wir besorgen sie selber. Wir wissen sogar schon, wo:-)).

„Tortenheber“: Bin ich der einzige, der nicht gewusst hat, dass diese Dinger so heissen? Und wieso heissen sie „Tortenheber“, wenn man damit doch nur Tortenstücke und nicht ganze Torten hebt? Wäre „Tortenstückeheber“ nicht richtiger?

Ich merke gerade: Es hört nicht auf mit den Fragen.

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