Articles with Palmen

Stürmische Zeiten

Heftige Winde haben schon unzählige Musiker inspiriert:

Davon könnte inzwischen auch ich ein Liedchen singen (lasse es aber lieber bleiben; wer mich schon singen gehört hat, wird wissen, warum) denn seit ein paar Tagen umtost Playa del Inglés ein Sturm, der mit „Hurrikan“ nur unzureichend beschrieben wäre.

Wie ein gigantischer Schraubenzieher dreht er Gran Canaria in immer wieder neue Richtungen, so dass man am Morgen nie weiss, ob die Sonne vor dem Balkon oder vor dem Badezimmerfensterchen auf der anderen Seite des Zimmers aufgehen wird.

Allpott stürzen Palmenblätter in den Poolbereich. Hinter dem Tresen des Openair-Restaurants ist ein junger Mann, der sich den Job des Barkeepers sicher etwas glamouröser vorgestellt hatte, fast ununterbrochen mit dem Zusammenwischen von Scherben beschäftigt. Ständig schepperts und klirrts irgendwo.

Wie von einem Geist gestossen, gleiten auf dem glatten Boden Lounge-Sofas an verdutzten Gästen vorbei. In den Büschen und Baumwipfeln flattern Heftli, Salatblätter und Bikinioberteile, und wer sich schon frühmorgens eine Liege reserviert hat, kann davon ausgehen, dass sein Badetuch den Luftraum über Zentralafrika bis am Mittag durchflogen haben dürfte.

Warm ist es trotzdem, auch nachts. Die Leute lassen deshalb ihre Zimmertüren geöffnet, nur denken nicht alle daran, Flip-Flops oder so als Stopper vor die Schwellen zu stellen. Sobald ein Windstoss durch die Anlage saust, krachen links und rechts Türen zu, und jedesmal, wenns knallt, stelle ich mir vor, wie jemand in diesem Moment senkrecht im Bett steht vor Schreck und sich fragt, ob sein Puls jemals wieder unter 240 sinken werde.

Dieses Hudelwetter hat aber auch seine guten Seiten. Wir unternahmen gestern einen ausgedehnten Spaziergang vom Leuchtturm in Maspalomas zum Ciao-Ciao in Playa del Inglés und liessen uns dabei kostenlos rundumsandstrahlen. Kein Schüeppli verunstaltet nunmehr unsere zarten Häutchen. Ein noch intensiveres Peeling wurde nur jenen Leuten zuteil, welche den Samstag der Freikörperkultur frönend (oder „naked in the eye of the storm“, wie Roger Hodgson sagen würde) verbrachten. Sie wissen nun, was die Werbung meint, wenn sie „porentiefe Reinigung bis in die hintersten Ritzen“ verspricht.

Für heute Sonntag hatten wir eigentlich erwogen, uns in Las Palmas ein Fussballspiel anzusehen. Wir sind aber nicht sicher, ob das Estadio de Gran Canaria immer noch an der Calle Fondos de Segura oder schon in Tunesien steht und verzichten deshalb auf die halbstündige Fahrt.

Stattdessen suchen wir uns lieber ein halbwegs ruhiges Eggeli, in dem wir chly die Welt in Ordnung plaudern und lesen können. Wenn wir etwas essen oder trinken wollen, brauchen wir nicht einmal aufzustehen: Früher oder später fliegt bestimmt etwas Leckeres an uns vorbei.  

Notizen aus dem Morgenland (II)

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(Selfie: Schatz)

Was passiert, wenn mitten im Orient eine grosse, blonde Frau aus Europa in einem Restaurant voller Muslime auf dem Boden sitzt und von Hand Kamelfleisch mit Reis isst? – Nichts. Es ist nur so, dass die Herren sich diesen Anblick offensichtlich eher nicht gewohnt sind.

Während wir so dahöckeln und mampfen, fühlen wir uns ein bisschen wie seltene Tiere in einem Zoo. Völlig ungeniert starren die Männer meinen Schatz an. Irgendwie habe ich ständig das Gefühl, dass sie innerlich ausrechnen, was die Dame wohl kosten würde (auf dem freien Markt müssen für eine Ehefrau im Oman rund 5000 Rial oder umgerechnet 15 000 Franken investiert werden; dazu kommen dann noch die Auslagen für die Hochzeitsfeier) – und mit wem sie die Kaufverhandlungen führen müssten: mit dem Westler neben der Frau oder mit unserem Führer Khaled, der uns auf unseren Wunsch in dieses Lokal geführt hat, weil wir einmal Kamelfleisch – es schmeckt wie Schweinegeschnetzeltes – probieren wollten.

Noch mehr gestaunt hätten die Herren wenig später: Weil sie auf unserer Fahrt in die Berge auf einmal ein dringendes Bedürfnis verspürte und weit und breit keine Damentoilette zu finden war, löste meine Frau – die ich, to whom it may concern, übrigens auch nicht für alles Geld und Gold der Welt hergeben würde! – ihr Problem kurzerhand in einer Moschee. Auf dem Männer-WC. Aber immerhin: Ausserhalb der Gebetszeit.

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Ansonsten verlief der erste Tag unserer Rundreise ohne nennenswerte Zwischenfälle. Erst bestaunten wir die 7000 Menschen Platz bietende Grosse Moschee, den Sultan-Palast und eine Art Landesmuseum in Maskat und später, in Birkat Al Mauz, eine gigantische Dattelpalmen- und Bananenplantage. Am Ende erlebten wir in Jebel Akhdar, auf der Terrasse des Sahab Hotels in den Grünen Bergen, einen Sonnenuntergang der augenübergehenlassenden Art.

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Heute gehts von 2000 Metern über Meer wieder hinunter, ins Flachland, oder genauer: in die Silbermetropole Nizwa – und später ab die Wahiba-Wüste. Dort übernachten wir unter dem freien Sternenhimmel.

Es gibt nichts, worauf wir uns mehr freuen könnten.

Grün vor und hinter den Ohren

Grün vor und hinter den Ohren

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Wer mein virtuelles Stübchen hier mit einer gewissen Regelmässigkeit besucht, weiss: Ich neige bisweilen dazu, mich in ein Thema zu verbeissen.

Wenn ich etwas als ganz besonders toll oder oder blöd oder auch ohne besonderen Grund als vertiefenswert erachte, kann ich nicht mehr aufhören, es wieder und wieder wiederzukäuen, bis mir entweder die ersten Blogleserinnen und -leser Mails schicken, in denen wörtlich oder sinngemäss steht, man wisse es jetzt dann langsam, oder bis die Klickzahlen ins Einstellige absacken.

Im Moment chätsche ich am Thema „Hotelzimmer“ herum. Gestern Zürich, heute Playa del Inglés, dann London und anschliessend Rom: Da kommt aushäusigübernachtungsmässig allerhand zusammen.

Nachdem es mir gestern in der coolen Minisuite des Radisson Blu im Flughafen Kloten nicht übertrieben wohl gewesen war (was aber nicht unbedingt am Zimmer selber lag), entdeckte ich heute, nur ein paar Kilometer weiter südlich, eine ganz andere Welt: La habitación 245 im „Parque Tropical“ in Playa del Inglés.

Gut: Das Bett ist jenen, in denen ich schon bei früheren Kanaren-Aufenthalten genächtigt hatte, nicht unähnlich (für jene, dies immer ganz genau wissen müssen: So sahen die Liegestätten bei der Premiere 2012 aus…

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…und so präsentieren sie sich dem Gast heute

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Aber sonst? Kein Vergleich.

Zum Vergleich: Als ich in Zürich aus dem Zimmer trat, bot sich mir diese Aussicht:

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Und was erblickten meine vor Freude sofort unkontrolliert tränenden Augen heute Mittag, als ich von meiner kanarischen Unterkunft zum ersten Mal auf den Balkon hinaustrat, waseliwas?

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Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zartglitzernde Blau des Pools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei 30 Grad.

Ausrufezeichen sind in journalistisch gefärbten „Arbeiten“ eher verpönt. Trotzdem kann ich vor lauter Begeisterung nicht umhin, den letzten Abschnitt gleich noch einmal zu schreiben, aber diesmal mit der dazu passenden Interpunktion:

Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zarte Blau des Hotelpools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei gut 30 Grad im kaum vorhandenen Schatten!!!

Tja, liebe Leserinnen und Leser (vor allem der jüngeren Zielgruppe von 6 bis 15): Es kann sich schon lohnen, die Ferien in einem sogenannten „Reisebüro“ zu buchen, statt sich im Internet auf die Schnelle und Billige etwas herauszupicken und vor Ort dann, wie zum Beispiel das Pärchen, das vor mir mit einer Mail in der Hand einzuchecken geruhte, festzustellen, dass „mitta Beschdädigung wohl was nicht geklappt“ hat, wie der Mann gegenüber seiner Frau nach einer ziemlich endlosen Verhandlung mit dem Fräulein an der Rezeption des bis auf die letzte Besenkammer ausgebuchten Hotels einräumen musste.

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Ich hätte die Debatte und, vor allem natürlich, den Moment des Einräumens, nicht ungerne als Fotoserie oder in Filmform für die Nachwelt verewigt, hatte aber Hemmungen, mit der Kamera voll draufzuhalten.

Abgesehen davon will ich ja noch ein Weilchen hierbleiben, wenn ich – im Gegensatz zu gewissen andern Leuten – schon das Glück gehabt habe, ein solches Prachtszimmer mit einer söttigen Wunderaussicht ergattern zu können.

(Nachtrag, gegen Abend: Offenbar hats midda Beschdädigung dann doch noch geklappt. Das Paar bummelt gerade durchs Hotelareal und macht dabei einen rundum glücklichen Eindruck.)