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Inselleben (III)

Inselleben (III)

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Tag 4, in aller Herrgottsfrühe, aber doch schon bei Tageslicht

Das waren idyllische Zeiten damals, als man sich seinen Platz am Pool morgens um 3 noch mit einem aus Hotelbeständen requirierten Badetüechli sichern konnte.

Heute – ich raune nur: „Globalisierung“ – wird der Kampf um die Liegen mit ans Unhöfliche grenzender Skrupellosigkeit geführt (siehe Bild oben).

Nicht nur, aber auch darum geht es mit manchen

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Baustellen in Playa del Inglés

und überhaupt mit der ganzen Nation inklusive des angrenzenden Kontinents, aber exklusive der Stadt Burgdorf, nur schleppend vorwärts, um nicht zu sagen, bachab: Ohne Absperrband kein Bau kein Haus kein Quartier kein Lidl keine Kitas kein Wachstum keine Zukunft für Spanien keine Perspektiven für Europa.

Schön ist, dass das alles den Pflanzen und Blumen nicht das Geringste ausmacht, ganz im Gegenteil. Sie hecken mit einem an die sehr junge Doris Leuthard gemahnenden Ehrgeiz immer neue Strategien aus, um sich genauso weiterzuentwickeln, wie der alte Darwin sich das vorgestellt hatte, als er auf Galapagos schildkrötensuppenschlürfend seine Evolutionstheorie erfand.

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Die Flora Nicotinalis etwa (siehe erneut Bild oben) wächst bevorzugt vor kanarischen Hotels in feinem Sand und gedeiht besonders üppig, wenn ihr mit Zigarettenstummeln regelmässig Stoff zugeführt wird. Wasser braucht sie ebensowenig wie Dünger oder anderes giftiges Zeugs.

Tag 4, Hai nun: Wir müssen unser Verhältnis zu unseren Nachbarn überdenken, und zwar schnell, oder noch besser natürlich: Die Nachbarn ihr Verhältnis zu uns, aber grau, mein Freund, ist alle Theorie, wie schon der grosse Genfer Astrochemiker Steve Lukather proklamierte, bevor er in Musik zu machen begann, um auf den Bühnen dieser Erde unendlich viel mehr Geld und Ruhm zu ernten als jemals zuvor in seinem improvisierten Labor in der Rue de Rosanne, weshalb es wieder mal an uns hängenbleibt, den ersten Schritt zu tun.

Also dann:

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Hinter dem Wändli links von meinem Hotelbalkon (siehe schon wieder Bild oben. Sorry. Ich könnte die Fotos auch unten hinstellen, doch dann müsste man seine Augen ja trotzdem vom Text nehmen, um sie mit einem leisen Platschen auf den dazugehörigen Helgen werfen zu können, was ähnlich umständlich wäre, wenn nicht noch umständlicher, weil man nachher mit dem Blick wieder Zeile um Zeile hochklettern müsste, und das kann, wenn ein paar Zeilen zusammenkommen, was ohne Weiteres passieren kann, wenns grad so schreibt mit einem, schon ziemlich anstrengend werden.) leben ein älterer Mann und eine vermutlich noch etwas ältere Frau. Seit vier Tagen und drei Nächten wohnen wir nebeneinander. Ich sehe sie ab und zu, sie sehen mich öppedie, und trotzdem wissen wir voneinander nicht das Geringste; nicht einmal unsere Nationalitäten oder Sozialversicherungsnummern.

Sind die beiden ein Ehepaar, das hier seine Goldene Hochzeit feiert und immer dann, wenn ich weg bin, hochtourig daran arbeitet, sich doch noch den seit Jahrzehnten gehegten Kinderwunsch zu erfüllen? Oder Nachfolger von Bonnie & Clyde, die auf dem Festland eine Bank ausgeraubt haben und in diesem Hotel nun als gmögige Rentner getarnt darauf warten, dass sich der Ermittlungsstaub ein bisschen legt? Oder handelt es sich bei ihnen um psychosom psychia physio irre Serienkiller, die nächtens über die Insel streifen, um junge Frauen zu jagen, die sie in ihrem Bad im Zimmer 185 dann nach allen Regeln der Kunst ausweiden, so dass sie die Innereien den arglos über den Markt schlendernden Touristen immer am Samstag als einheimische Spezialitäten feilbieten können?

Markt
(Bild: Aus dem Internet geklaut)

Jedenfalls: Wenn eines Tages die Polizei bei mir vorbeikommen und mich fragen würde, was das so für Leute (gewesen) seien, nebenan, müsste ich sagen: „Keine Ahnung. Die waren völlig normal. Total unauffällig,“ Das sagen die Menschen ja immer, wenn sie am Fernsehen kommen, weil sich herausgestellt hat, dass es gute Gründe dafür gab, dass der liebe Günther von gegenüber ein jederzeit verfügbarer Babysitter war.

Auch die Leute, die seinerzeit neben dem Führerbunker hausten, hätten über ihren Nachbarn bestimmt dasselbe gesagt, wenn ihnen am Ende, als alles vorbei war, ein RTL-Reporter ein Mikrofon unter die Nase gehalten und gefragt hätte, wie er denn zu Lebzeiten gewesen sei, der abgebrannte Typ auf dem etwas heruntergekommen wirkenden Grundstück dort hinten: „Der Adolf? Keine Ahnung. Der war völlig normal. Total unaufällig.“

Deshalb, finde ich, müssen wir den Umgang mit unseren Nächsten neu ordnen, auch wenn sie morgen möglicherweise schon verschwunden sind. Damit so etwas nie wieder passiert. Ich gehe gleich mit gutem Beispiel voran und sage den beiden hinter dem Wändli Hallo, wenn ich an ihnen vorbei zum Strand hinunter bummle. Falls in diesem Blog bis am Montag nichts mehr zu lesen sein sollte, wäre ich froh, wenn jemand aus der Leserschaft die lokalen Behörden verständigen würde.

Abgesehen davon bin ich ziemlich sicher, dass noch kein Mensch vor mir je eine Palme aus einem derart extremen Winkel fotografiert hat wie ich gestern Nacht, ämu kaum in dieser Hotelanlage, und ganz bestimmt nicht mit meinem Handy:

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Fahrt ins Blaue

Fahrt ins Blaue

Reef

Man weiss: Unter einem liegt eines der sieben Weltwunder. Auf rund 350 000 Quadratkilometern leben Millionen von Korallen, Fischen und anderen Weichtieren.

Man hat gehört und gelesen und in Filmen gesehen: Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es eine derart überwältigende Vielfalt von Tieren und Pflanzen in allen Farben und Formen.

Man ahnt, als man mit dem Schiff auf die türkis schimmernde Fläche zusteuert, unter der das Reef liegt: Es wäre keine schlechte Idee gewesen, einmal in den letzten 47 Jahren einen Tauchkurs zu besuchen. Natürlich: Man könnte chli an der Oberfläche schnorcheln. Aber im Angus Steak House bestelle ich ja auch nicht den Tofu-Teller.

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Blicke in die Bilder-Schatzkiste

Blicke in die Bilder-Schatzkiste

So viele Eindrücke. So viele Erlebnisse. So viele Entdeckungen – und so viele Begegnungen. Im Bewusstsein darum, dass es gar nicht möglich ist, all das, was wir in unseren Flitterwochen in Australien sehen, zu fotografieren, versuchen wir doch, die eine und andere Impression im Bild festzuhalten.

Chantal

hat ihre Kamera immer dabei. Und, wichtiger noch: Sie weiss auch, wann sie sie wie einsetzen muss.

Nebst vielen, vielen anderen gelangen ihr in den ersten zwei Wochen unseres Trips die folgenden Aufnahmen:

Herbstgedicht

Herbstgedicht

Viele, viele Jäger lallen.
Dutzende von Schüssen knallen.
Gstabig kippt das Reh ins Gras,
„Schwein gehabt!“, freut sich der Has‘.

Faule Blätter auf den Wegen
und vom Himmel ständig Regen.
Ringsherum nur Nebelwände,
Graue Töne ohne Ende.

„Wild auf Wild“ ist jede Beiz
in der ganzen, dunklen Schweiz.
Voll mit Sauser, Haut an Haut,
mampft man Fleisch und rotes Kraut.

Glühwein und Marronistände
wärmen Mägen und die Hände.
Doch die Herzen bleiben kühl –
wann wirds endlich wieder schwül?

Dick verpackt in Pelz und Futter
stösst rotnasig manche Mutter
ihre Kleinen durch die Gassen.
Papi ist daheim am Jassen.

Vögel hats bald nicht mehr da,
sie sind längst in Afrika.
Igel kleben platt und kalt
gruppenweise auf Asphalt.

Wer kann, sucht das sehr, sehr Weite.
Kauft Flugtickets statt Holzscheite.
Steht schon bald am Barbeque
neben sich: ein Känguruh.