Einmal und nie wieder

An alle, die an den Openairs landauf und -ab jetzt wieder stundenlang deutschen Hip-Hop, französischen Rap und Artverwandtes über sich ergehen lassen müssen, bis kurz vor Schluss vielleicht doch noch jemand richtige Musik macht: Das war das Lineup des “Out in the Green”-Festivals, das vom 5. bis am 7. Juli 1991 in Frauenfeld stieg:

Offiziell war ich als akkreditierter Reporter vor Ort. Tatsächlich erlaubte mir mein Badge aber vor allem, mich als Fan nach Lust und Laune in diesem musikalischen Schlaraffenland zu tummeln.

Als ich nach dem Simple Minds-Konzert in einem zigzehntausendköpfigen Menschenmeer weit nach Mitternacht völlig überraschend meinem Brüetsch und seinem besten Freund über den Weg lief, wusste ich definitiv: Auch wenn du 400 Jahre alt wirst – so etwas erlebst du nie wieder.

Soundtracks des Lebens

Sie kam etwas überraschend, war aber eine tolle Idee: Auf Facebook bat mich mein Brüetsch, zehn Platten zu nennen, in deren Rillen auf ewig schöne und andere Erinnerungen an Menschen, Orte und Erlebnisse kleben, ohne die ich vermutlich nicht wäre, wer und wie ich bin.

Ich kam diesem Wunsch gerne nach. Und merkte im Laufe der Tage, dass es gar nicht so einfach ist, aus einem Meer von Musik nur ganz wenige – aber wichtige – Tropfen zu destillieren.

 

Los gehts mit “…but seriously” von Phil Collins. Sie war ein Geschenk von Winnie Jauch, dem tollsten Plattenhändler, den diese Welt je gesehen hat. Er war fast rund um die Uhr für seine Kundschaft da.

Eines sehr späten Abends heulte ich mich, von abgrundtiefem Teenager-Liebeskummer gequält, bei ihm aus. Winnie hörte mir lange zu. Nach einer Weile ging er quer durchs Geschäft zum Fach “P”. Wenig später kam er mit “..but seriously” zurück. “Los eifach mou ine”, sagte er. “Chasch si ha.”

Zuhause liess ich mich daraufhin mit “I wish it would rain down” in Endlos-Wiederholung zudröhnen, bis mir dämmerte: Es gibt offenbar Leute, denen es noch himmeltrauriger geht als mir.

Dass zu ihnen auch der stets bestens gelaunte Winnie gehört haben musste, realisierte ich erst, als vor seiner abgeschlossenen Ladentüre eines aschgrauen Morgens unzählige Blumen und Abschiedsgrusskarten lagen.

Immer, wenn irgendwo “I wish it would rain down” erklingt, denke ich an Winnie.

Wegen wem ich damals Liebeskummer hatte, weiss ich nicht mehr.

***

Sonntag, 28. Oktober 1979: Die Schwester muss ihren Geburtstag ohne ihren älteren Brüetsch feiern. Er ist heute zum ersten Mal in seinem Leben im Hallenstadion. Um 20.15 Uhr solls losgehen. Er hat auf seinem Platz 182 in Reihe 6 noch über eine Stunde Zeit zum Beinahevergitzlen.

Wie ein Forscher, der einen seltenen Käfer beobachtet, schaut er muskulösen Männern dabei zu, wie sie in verwaschenen T-Shirts Gitarren stimmen, am Schlagzeug herumschrauben und Kabel verlegen. Ab und zu haucht der Typ mit dem grössten Funkgerät am Gürtel „Wann-Tu“, „Wann-Tu“ in eines der vielen Mikrofone.

Falls es – neben dem Beaufsichtigen von Putschautobahnen natürlich – noch einen Traumjob gibt, hat ihn dieser Mann, findet der Vierzehnjährige.

Nach einer Ewigkeit wird es in der Arena dunkel. Nur die riesige Uhr unter der Decke ist noch zu sehen. Als ihr Zeiger auf Viertelnachacht springt, verwandelt sich die gigantische Betonschüssel in eine Kathedrale. Hinter dem Vorhang, der seit dem letzten „Wann-Tu“ die Bühne verhüllte, schimmert ein hellblaues Licht auf. Aus unsichtbaren Lautsprechern wabern Keyboard-Klänge durch die rauchgeschwängerte Luft.

Dann zerreist gleissendes Licht die Finsternis. Wie eine Lawine rollen die ersten Akkorde von „Voulez-Vous“ von den stilisierten Eisbergen auf der Bühne über 10 000 Köpfe hinweg.

Abba sind da, wirklich und leibhaftig. Die Band, in die er sein gesamtes Sackgeld investiert, weil er von ihr jede Platte haben muss („Arrival“ schlägt Mozarts Gesamtwerk seiner Meinung nach um Längen), wegen der er jedes „Bravo“ kauft (einen anderen Grund dafür gibt es sozusagen wirklich fast gar nicht) und dank der er schon früh merken durfte, dass Musik etwas ebenso Unverzichtbares ist wie das Essen und das Trinken, stehen hier, nur wenige Meter vor ihm.

Diese Erkenntnis überfordert ihn mehr als jede Rechenaufgabe. Neben ihm springen die Erwachsenen kreischend auf und rennen nach vorne. Er bleibt wie paralysiert sitzen.

Bei „If it wasn‘t for the nights“, dem zweiten Lied des Abends, gibt es aber auch für ihn kein Halten mehr. Schritt für Schritt kämpft er sich in die Horde singender und tanzender Halbwahnsinniger. Beim Intro von „Money Money Money“, dem achten Stück, bekommt er einen Ellenbogen ins vor Aufregung glühende Milchgesicht gerammt, aber das realisiert er in seiner Aufregung kaum. Als vorletzte Zugabe gibts nach 23 Songs „Dancing Queen“ und als letzte „Waterloo“.

Nach dem Konzert steht er in seinem nigelnageneuen Abba-Leibchen bis kurz vor Mitternacht schlotternd beim Hintereingang des Stadions. Irgendwann, denkt er, müssen Agnetha, Björn, Benny und Annifrid die Halle ja wieder verlassen.

Er kann nicht ahnen, dass seine Helden längst wieder in ihren Suiten im „Baur au Lac“ sind, wo sie sich beim Zähneputzen vielleicht gerade fragen, in welcher Stadt sie heute spielten und wie lange diese Tournee eigentlich noch dauert.

***

Kurt Brogli war in der Bezirksschule (für Leserinnen und Leser aus dem Bernbiet: am Gymer) für unsere musikalische Grundausbildung zuständig. Statt uns mit Exkursen über die Harmonielehre zu plagen, setzte er auf das Motto „Learning by listening“.

Regelmässig brachte er Platten mit in den Unterricht. Die hörten wir uns gemeinsam an. Anschliessend diskutierten wir darüber. Manchmal durften wir uns etwas wünschen. In der Regel liessen wenig später AC/DC oder Deep Purple den Verputz von den Wänden der Aula rieseln.

Eines Morgens zog Brogli ein Album aus einer Hülle, auf der, so schien uns, ein tauchender Ausserirdischer abgebildet war. Oder ein Schildkrötenembryo in der Disco. Jedenfalls: etwas Gspässiges.

Mit den Worten „Jetzt müsst ihr ganz still sein“, legte er die Nadel süferli auf die schwarze Scheibe. Nur: So angestrengt wir auch lauschten – ausser dem vertrauten Kratzen eines Minidiamanten auf schon länger nicht mehr entstaubtem Vinyl hörten wir nichts.

Doch dann…: „Ping“.

„Ping.“
„Ping.“
„Ping.“

Von einer Sekunde auf die andere fühlten wir uns wie in einem U-Boot. Oder im All.

In diese „Pings“ mischten sich nach und nach Klänge, die niemand von uns je zuvor vernommen hatte. Erst wummerte von irgendwoher etwas Bassähnliches, dann setzte ein anderes Saiteninstrument aus dem Bastelraum von E.T. ein. Eine ausser Rand und Band geratene Hammondorgel heulte und pfiff und kreischte, und mitten in diesem Gewitter sang ein Mann

„Overhead the albatross
hangs motionless upon the air.
And deep beneath the rolling waves
in labyrinths of coral caves
an echo of a distant time
comes willowing across the sand…“

„Echoes“ heisst dieses Monster von Song, das Pink Floyd 1971 als komplette Rückseite ihres Opus „Meddle“ auf die Menschheit losliessen. Es begleitet mich bis heute, wenn auch nicht auf Schritt und Tritt. Meist döst es in einer abgelegenen Ecke meines Erinnerungszimmers leise knurrend vor sich hin. Die anderen Lieder, die dort schlummern, halten vorsichtshalber immer chli Abstand zu ihm.

Wenn es zwei, dreimal pro Jahr erwacht, gönne ich ihm eine halbe Stunde Auslauf in der Gegenwart. Während es durch meine Gehörgänge tobt, riecht es um mich herum wie damals, in der Aula.

***

Zu meinen ältesten musikalischen Begleitern gehört Manfred Mann mit seiner Earth Band. Kennen lernte ich den Südafrikaner, als ich mir „Watch“ kaufte, weil mir das Cover so gut gefiel. In einer solchen Hülle kann nur tolle Musik stecken, dachte ich, und durfte mir schon nach dem ersten Durchhören Recht geben.

Ich begann, mich ein wenig mit dem vermeintlichen Schöpfer dieser Wunderklänge zu befassen. Ich lernte, dass der Synthesizer-Akrobat von heute seine Wurzeln im Jazz von vorgestern hat, dass er zum Entsetzen seiner Mitstreiter Wert darauf legt, hin und wieder selber zu singen – und dass seine grössten Hits auf Hochtouren frisierte Versionen von Bob Dylan und Bruce Springsteen-Songs waren (diese Erkenntnis hätte im ersten Moment beinahe zum vorzeitigen Abbruch unserer zartkeimenden Einbahnbeziehung geführt).

Im März 1982 gastierte Mann im Hallenstadion mit einer Show, die auch Quinn, den stärksten aller Eskimos, vom Schlitten gehauen hätte. 1991 erlebte ich ihn – nebst den Simple Minds, Chuck Berry, Status Quo, Foreigner, Bob Geldof, Kid Creole & the Coconuts, The Beach Boys, der Allmann Brothers Band, John Lee Hooker, Vaya Con Dios, Level 42, Toto, der Blues Brothers Band, Mother’s Finest, den Toten Hosen oder der Little River Band – am “Out in the Green” in Frauenfeld und staunte erneut über die technische Virtuosität und ungekünstelte Spielfreude dieser Truppe.

Den Veranstaltern des Rocksound Festivals in Huttwil gelang es 2006, Manfred Mann für einen Auftritt im Oberaargau zu verpflichten. Ich bot der BZ in Langenthal an, das Ereignis für sie angemessen zu würdigen, und wurde als Reporter gebucht. Über ein 80-zeiliges Gespräch mit dem Künstler würde man sich sehr freuen, beschied mir die Redaktion.

Vor Ort angekommen, suchte ich den Kontakt zu jemandem, der mir einen Kontakt zu jemandem vermitteln könnte, der Kontakte zu jemandem hat, der für mich einen Kontakt zu Manfred Mann oder wenigstens zu jemanden aus dessen Tourneetross knüpfen könnte. Als ich mich langsam mit dem Gedanken abzufinden begann, dass aus meinem Plan wohl nichts werden würde, stögelte eine mittelalterliche Dame auf mich zu. Im schönsten Oberlehrerinnenslang begehrte sie von mir zu wissen, wieso ich mit Mister Mann zu sprechen geruhe. „For interview reasons“, sagte ich.

„No problem“, antwortete die Frau mit der Betonfrisur. Eine Stunde vor dem Konzert würde Mister Mann mir für eine Audienz zur Verfügung stehen. Dafür gebe es allerdings Bedingungen: Erstens dürfte das Gespräch nicht länger als fünf Minuten dauern, und zweitens soll ich auf jeden Fall vermeiden, dem Tastenkünstler die Hand zum Grusse zu reichen.

So standen wir uns schliesslich gegenüber, Manfred Mann und ich. Er hatte erkennbar keine Lust darauf, mit einem ihm völlig fremden Journalisten einer ihm gänzlich unbekannten Zeitung zu reden. Ich war frustriert, weil ich wegen der Fünfminuten-Guillotine den grössten Teil meines süferli zusammengestellten Fragenkataloges von der Festplatte in meinem Kopf hatte löschen müssen.

Wir wussten beide, dass dieses Interview in die Hose gehen würde. Und das ging es dann auch, wie heute noch in der Schweizerischen Mediendatenbank nachgelesen werden kann:

“Mighty Quin”, “Davy’s on the road again”, “Blinded by the light”: Wie interessant ist es für Sie, Abend für Abend die selben alten Hits vorzutragen?

„Sehr interessant. Wie spielen die Songs ja an jedem Konzert ein wenig anders.“

„Haben Sie noch nie Lust gehabt, einmal nur Ihre eher unbekannten Lieder zu spielen?“

„Wieso sollte ich? Ich denke, das wäre keine gute Idee. Eine gute Idee wäre es, jetzt in einen kalten See zu springen.“

„Warum wollen die Fans immer nur hören, was sie längst kennen?“

„Das müssen Sie schon die Fans fragen. Ich weiss es nicht. Es interessiert mich auch nicht. Ich kann nur sagen: Wenn ich alle fünf Jahre einmal an ein Bruce-Springsteen-Konzert gehe, erwarte ich auch, dass er ‚Thunder Road‘ und nicht irgendwelche mir fremden Nummern spielt.“

„Vor rund 20 Jahren spielten Sie im Zürcher Hallenstadion…“

„…und zwar gleich zweimal hintereinander, um genau zu sein…“

„…jetzt treten Sie in einer Sporthalle in der Provinz auf. Macht das für Sie einen Unterschied?“

„Wollten Sie fragen, wie es sich anfühlt, kein Superstar mehr zu sein?“

„Um genau zu sein, war die Frage, ob es sich anders anfühlt, wenn man aus den grossen Stadien in kleine Hallen umziehen muss.“

„Mir und der Band ist das völlig egal.“

„Ehrlich? Ist so ein Abstieg für Musiker Ihres Kalibers nicht ein klein wenig frustrierend?“

„Abstieg? Sehen Sie: Wir sind jetzt seit bald 40 Jahren unterwegs. Die meisten unserer Auftritte haben wir in Clubs absolviert. Die ganz grossen Arenen waren die Ausnahme. Uns war immer wichtig, dass die Stimmung zwischen den Musikern und dem Publikum stimmt. Das ist alles, was für uns an einem Konzert zählt: die Stimmung.“

Damit verschwand er so missmutig, wie er gekommen war, in den Katakomben des Sportzentrums. Sein Konzert mochte ich mir nicht antun. Ich ging nach Hause, um das Interview niederzutippen. Dazu hörte ich „Watch“ und stellte erleichtert fest: Die Platte hatte nichts von ihrem Zauber verloren.

***

1980 reihte sich auf dem Erdball Katastrophe an Katastrophe: Die Russen marschierten in Afghanistan ein, die Amerikaner zogen in den Golfkrieg, Deutschland wurde Fussball-Europameister.

Von all dem unberührt, sassen Dieter – den alle nur „Dada“ nannten – und ich jeden Mittwochnachmittag in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern und hatten den Frieden. Er paffte Selbstgedrehtes mit Kräuterzusätzen aus dem Oltner „Hammer“, ich qualmte meine Françaises.

Dazu – und das war der eigentliche Sinn dieser Treffen – hörten wir Musik. Eric Clapton, J.J. Cale, Peter Tosh, Jethro Tull, Emerson, Lake & Palmer, Bob Dylan, Rumpelstilz, die Stones, Deep Purple, Jackson Browne…sie schufen für uns eine Welt, in der es keine Eltern gab und keine Lehrer und keine Pläne und keine Sorgen.

Am 30. Mai fuhren wir miteinander nach Zürich, ans Bob Marley-Konzert, oder vielmehr: an einen Gottesdienst der ganz anderen Art: Vorne pries der rastagelockte Pfarrer die power of piece and love, im zum Tempel mutierten Hallenstadion flowten, nebst viel „Natural Mystic“, so unfassbar dicke Marihuanaschwaden through the air, dass auch die zähesten „Three little birds“ vom Dach gefallen wären.

1982 verbrachten wir eine Woche am Jazzfestival in Montreux und fühlten uns bei Gilberto Gil, Ideal, Jimmy Cliff, Mink Deville, The Talking Heads, der Climax Blues Band, Stevie Ray Vaughan und B.B. King wie im Paradies. Vom Genfersee aus reisten wir mit dem Geld, das wir uns an der Promenade vor dem Casino zusammengebettelt hatten, zu den Rolling Stones und der J. Geils Band nach Basel.

Tags darauf war Dada ohne Vorankündigung wie vom Erdboden verschwunden. Ich hatte keine Ahnung, wo er war und wie es ihm ging. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich Reggae wieder geniessen konnte. Ohne Dada hatte dieser Sound für mich jeglichen Reiz verloren. Wann immer ich den eigentümlichen Rhythmus im Radio hörte, fragte ich mich, wie mein bester Freund einfach abtauchen konnte, ohne mir auch nur ein Wort zu sagen. Nach ihm zu suchen, erschien mir sinnlos. Er konnte ja irgendwo sein. Oder nirgendwo mehr.

Nach über drei Jahrzehnten schickte mit ein gewisser „Diego“ via Facebook eine Freundschaftsanfrage. Ich hätte sie beinahe ignoriert, weil ich niemanden namens „Diego“ kannte. Doch etwas an seinem Profilbild kam mir vertraut vor. Diese Augen kannte ich. Ich fragte ihn, ob er jener Dieter oder Dada sei, mit dem ich vor langer, langer Zeit…

Er antwortete sofort: Ja, der sei er.

Mein Schatz und ich besuchten seine Frau und ihn im Tessin. Er erzählte mir, dass er von seinen Eltern damals über Nacht in eine Drogenklinik eingeliefert worden sei. Sein weiterer Lebensweg habe ihn bis nach Afrika und zurück in die Schweiz geführt.

Wie wir so in seinem Garten höckelten und plauderten: Es war fast wie damals, in seinem Zimmer, nur ohne illegale Substanzen. Den Schatten, der über jenem sonnendurchfluteten Nachmittag hing, konnte (oder wollte) ich nicht bemerken.

Der erste und einzige Streit, den wir je hatten, entzündete sich an „No woman no cry“. Dada vertrat mit der geballten Lebenserfahrung, auf die ein 15-Jähriger zurückgreifen kann, die Ansicht, dass Bob Marley – der mit zig Gespielinnen ein Dutzend Kinder gezeugt hatte – damit sagen wollte, es lohne sich nicht, wegen einer Frau Tränen zu vergiessen. Ich behauptete, „No woman no cry“ bedeute „Keine Frau sollte weinen müssen“.

Wer von uns Recht hatte, konnten wir nie klären. Inzwischen wäre es für eine Auflösung des Rätsels aber sowieso viel zu spät. Vor knapp vier Jahren ist Dieter verstorben.

***

Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts gehörten die „Wild Hearts“ zum, wie man heute sagen würde, „heissesten Shit“, der auf der üppig bewachsenen Wiese der helvetischen Populärmusik dampfte.

Für die Leserinnen und Leser des Fachblatts „Music Scene“ waren sie die „Rockband des Jahres“. Mihaly Horvath aka Mega (Keyboards), Paul Etterlin Gitarre), Denise Smith alias Misty Jarvis (Gesang) und Tosho Yakkatokuo (Schlagzeug) tourten durch die ganze Schweiz, traten allpott im Fernsehen auf und spielten am Openair in Arbon vor der irischen Bluesrock-Legende Rory Gallagher und den soeben von ihrer triumphalen US-Tour zurückgekehrten Krokus.

Noch bevor ich für zehn Tage in die RS einrückte, besuchte ich die Band in ihrem Proberaum, um sie für die Lokalzeitung „Wynentaler Blatt“ zu porträtieren. Das war kein allzu kompliziertes Unterfangen: Ihre Basis hatten die „Wild Hearts“ in Beinwil am See, wo ich wohnte.

Erst plauderten wir höchst professionell über das Business („Was verdient Ihr pro verkaufter Platte?“), kompositorische Fragen („Was kommt zuerst: Der Text oder die Musik?“) und Zukunftspläne („Was braucht es noch für den internationalen Durchbruch?”). Nach einer Weile sagte Paul Etterlin, er habe jetzt einen Wahnsinnsdurst, worauf wir uns ins „Rütli“ hinunter verzogen, undsoweiterundsofort.

Ich besuchte fast jedes Konzert des Quartetts. Der “Swiss Rock New Wave Pop with heavy influences of bands like ‘Talking Heads'”, wie das niederländische(!) Onlineportal vinyl-records.nl seinen Sound sehr viel später umschrieb, bereitete mir und zig anderen Menschen auch beim weissnichtwievieltesten Wiederhören endlos Spass. Meine Garderobe bestand eine Zeitlang zu einem schönen Teil aus „Wild Hearts“ T-Shirts und “Wild Hearts”-Slips (das Merchandising trieb schon früher seltsame Blüten).

Die Gigs waren nicht nur immer ein Fest für die Ohren, sondern, dank Misty, auch für die Augen, und wann, wenn nicht jetzt, wäre d i e Gelegenheit, um zu beichten: Ja, ich war – wie viele andere junge Männer auch – ein bisschen in die blonde Sängerin verliebt. Heute, mit etwas Abstand, genügt es mir vollauf, via Facebook mitzubekommen, wie es ihr mit ihrem Mann und ihrer längst erwachsenen Tochter in England so geht.

Tosho trommelte nach seiner „Wild Hearts“-Zeit und bis vor Kurzem für Philipp Fankhauser. Paul ist mit seiner Gitarre nach wie vor sehr erfolgreich zwischen Basel und Bellinzona und auch jenseits der Grenze unterwegs, und Mega sorgte mit seiner Band „KOP“ dafür, dass ich an meinem 50. Geburtstag in einem unbeobachteten Moment vor lauter Wiedersehensfreude ein Tränchen verdrückte.

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In die Klinik nahm ich nur drei CDs mit. Das musste für die nächsten zehn Wochen genügen. Ich ging ja nicht in den „Südhang“ hoch über Bern, um Musik zu hören, sondern, um mir das Trinken abzugewöhnen. Zuviel Ablenkung, dachte ich, könnte dabei nur stören.

Für gute Tage packte ich *The seventh one“ von Toto ein. Mittelprächtige Phasen wollte ich mit „Sailing to Philadelphia“ von Mark Knopfler überbrücken, und aus allfälligen Tiefs sollte mich der Soundtrack des „Blues Brothers“-Films ziehen.

Zu Letzterem musste ich nie greifen, dafür war „The seventh one“ schon bald halb durchsichtig gespielt. Um zu vermeiden, dass sie mir verleidet, ging ich immer öfter akustisch segeln.

Knopflers zweites Soloalbum nach der Auflösung der Dire Straits war ein Glücksgriff. Es passt – auch heute noch – zu allen Lebenslagen: Es stellt auf, es entspannt, es motiviert und es tröstet. Es enthält keinen Riesenhit, in dessen Schatten die anderen Lieder verwelken, aber auch keinen Ballast, der alles in den Abgrund reisst.

Auf „Sailing to Philadelphia“ verwendete Knopfler genau so viele (oder, eben: wenige) Töne, wie nötig waren, um ein zeitloses Werk vollendeter Harmonie zu schaffen. Die Gitarrenmäscheli und Keyboardbändeli, mit denen er als Straits-Chef jeden zweiten Song verziert hatte, liess er weitgehend weg.

Nur im „Silvertown Blues“ und auf dem „Speedway to Nazareth“ winkte er verstohlen den „Sultans of Swing“ nach, die ihn vom Lehrer zum Chef eines millionenschweren Rock’n’Roll-Unternehmens gemacht hatten. „Sailing to Philadelphia“ ist seine Freude darüber, diese Last losgeworden zu sein, anzuhören.

Vielleicht – wer weiss? – wuchs mir die Platte in jenem Sommer auch deshalb dermassen ans Herz: Weil sie so befreit klingt, wie ich mich damals zu fühlen begann.

Ich weiss nicht, wie oft ich zwischen dem 10. Mai und dem 25. Juli 2003 mitten in der wohligwarmen Nacht mit dem CD-Player in der Hand und Mark Knopflers Wundermusik in den Ohren ganz alleine auf dem Mäuerchen des Therapiezentrums sass, in die funkelnden Sterne guckte und jede Sekunde meines gerade beginnenden neuen Lebens genoss.

***

Der kleine Bub ging jede Woche zu seinem Grossvater in die Klavierstunde und wurde deshalb fast automatisch zu einem Fan von Wolfgang Amadeus Mozart. Er las über ihn, was er in die Finger bekam und kannte seine Hits dank der Platten im Schrank seiner Eltern in- und auswendig.

Als er ungefähr zehn Jahre jung war, erachteten diese es als angezeigt, ihn einmal mit ins Opernhaus zu nehmen, wo „Die Zauberflöte“ gegeben wurde. In den ersten Minuten war der Junior vom Gebotenen durchaus angetan: Über die Bühne hüpften zu ihm wohlvertrauten Klängen wunderlich gewandete Wesen, von links waberte Trockeneis durch die Kulissen. Zwei Plätze neben ihm sass mit Jürg Randegger vom Cabaret Rotstift ein leibhaftiger Promi, und zwar im schicken Anzug. Am Skilift trug er sonst immer eine braune Jacke.

Doch dann…dann wurde es dem Sohn zuviel. Den Rest des für ihn sehr, sehr langen Abends verbrachte er damit, die Instrumente im Orchestergraben zu zählen.

Jahrzehnte und unzählige „Amadeus“-Wiederholungen später fuhr er mit seiner Frau nach Bregenz an den Bodensee, um zauberflötenmässig noch einmal einen Anlauf zu nehmen. Tausende andere mochten sich dieses Openair-Spektakel ebenfalls nicht entgehen lassen. Die Tribüne war bis auf dem letzten Platz ausverkauft.

Als ob sie Teil der Inszenierung gewesen wären, leuchteten der Mond und die Sterne auf den Schauplatz hinunter. Lautlos glitten vor dem Hafenbecken Schiffe über das spiegelglatte Wasser. Die Regie, die Schauspieler und die Musiker gaben alles, um ihren Gästen einen in jeder Hinsicht magischen Abend zu bieten.

Mitten in der andächtig geniessenden Menge sass der erwachsen gewordene Bub von einst. Erst jetzt, eine halbe Ewigkeit nach seinen ersten Begegnungen mit Mozart, glaubte er das Genie dieses Mannes halbwegs erahnen zu können.

Er war vom Gebotenen dermassen fasziniert, dass er ziemlich lange nicht bemerkte, wie ausgerechnet in der leisesten Phase der ganzen Aufführung eine moblie Fernsprechanlage zu klingeln begann.

Als er es realisierte, fragte er sich zunächst, was für ein Idiot wohl vergessen hatte, sein iPhone auf stumm zu schalten. Dann fiel ihm auf, dass in seiner Hosentasche immer genau dann etwas vibrierte, wenn dieses verdammte Handy lospiepte.

***

An jenem Sonntag lag ich in meiner Wohnung in Freiburg. Meine Brust fühlte sich an, als ob Betonplatten darauf liegen würden. Ich konnte kaum atmen, schwitzte wiene More und fragte mich, was zum Teufel ich in dieser Stadt eigentlich noch zu suchen hatte.

Ich ging aus dem Haus und liess mich durch die Horden von Touristen, die munter plappernd die Lausannegasse herunterbummelten, zum Bahnhof hochtreiben. Dort setzte ich mich, ohne lange nachzudenken, in den Zug nach Bern. Auf dem Weg zu den Openairrestaurants beim Bundeshaus kam mir eine grosse verspiegelte Brille entgegen.

„Tschou! Wie geits?“, fragte Polo Hofer (ich war ein bisschen mit ihm verwandt. Wenn wir uns trafen, erkundigte er sich immer nach dem Befinden meines Vaters, mit dem er in seiner Jugend oft von der Heubühne gehüpft war, und meines Bruders, der beim Radio Argovia arbeitet, und später auch meiner Frau, die er zum ersten Mal sah, als ich an der BEA für die BZ mit ihm talkte und die er nach einer kurzen Musterung als prima zu mir passend taxierte).

Ich sagte missmutig, „scho rächt“, worauf er vorschlug, ich soll ihn ein Stück begleiten; „mir müesse gloub mitnang rede“.

Erst wollte er im Hotel Schweizerhof aber eine Messer-Ausstellung besuchen. Messer interessierten ihn ungemein. „Polo!“ hier, „Polo!“ da: Ich realisierte bei dieser Gelegenheit, dass es vermutlich nicht immer nur lustig ist, Polo Hofer zu sein.

Wir zogen weiter, ins Monbijou-Quartier. In einer Gartenwirtschaft bestellten wir eine Stange und ein Cüpli und kamen ins Plaudern, und nachdem unsere Gläser mehrfach neu gefüllt worden waren, wusste ich beinahe nicht mehr, wieso ich Stunden zuvor eine fürchterliche Krise geschoben hatte.

Polo aber insistierte, als ob er ein Psychiater oder Vernehmungsspezialist der Polizei wäre, und schliesslich erzählte ich ihm von meinen privaten und beruflichen Lämpen.

Als all der Frust, der sich im Laufe von vielen Wochen in mir aufgestaut hatte, ausgekotzt vor ihm auf dem Tisch lag, schlurfte er aufs WC. Nach einer langen Weile kam er zurück. Er beugte sich ein wenig zu mir vor und raunte: „Lue: Ig kenne das. Dä Typ da hinge kennt das o. Ruedi (mein Vater) kennts u Ürsu kennts u jede kennts. So Sache passiere. Aber wenn immer nur d Sunne würdi schiine: Hättisch ar Sunne no Fröid?“

„Klar“, erwiderte ich. Ich war leicht gereizt, denn eigentlich hatte ich mir von einem so grossen Denker, als den Polo sich gerne gab, mehr als nur einen Spruch erhofft, der auch in einem Kalender hätte stehen können.

Wenn mir die Sonne einmal keine Freude mehr machen würde, könne ich gleich ganz aufhören, fuhr ich gehässig fort, und überhaupt: Er könne leicht reden mit seinen Abertausenden von verkauften Platten und seinen ständig ausverkauften Konzerten und seinen fünf Gspusi an jedem Finger und überhaupt.

Polo blieb ruhig. Er liess mich ins Leere täupelen wie eine Mutter ihr kleines Kind, das sich vor der Migroskasse auf den Rücken legt und Zetermordio schreit, weil es unbedingt einen Schleckstengel haben will.

Nachdem ich mich abgeregt hatte, philosophierten wir über die ganz grossen Fragen des Lebens und dann – ohne, dass mir das richtig bewusst wurde – über kleinere und schliesslich nur noch über die minimunzigen.

Seine Musik war keine Sekunde ein Thema. Nur einmal, als ein Gast mit einem grossen Hund an der Leine an der Beiz vorbeiging, sagte er grinsend, er mache jetzt dann einmal ein Lied über Hunde. Die Verliebten und Verzweifelten habe er als Zielgruppe ja längst erschlossen. Nun nähme er sich die Hundehalter vor.

Zwei Jahre später veröffentlichte er „Härzbluet“. Das zweite Stück heisst „Sennehund“ – und wurde ein Riesenhit.

Die Platte gehört aber nicht deswegen zu den „Soundtracks meines Lebens“, sondern trotzdem. “Uf die guete Zyte“, „Bis i di troffe ha“, „Es weichs Härz“ und „Dusse schneits“ sind Lieder, die in wenigen Minuten mehr erzählen als manch ein Roman. „Im 99i, Mitti Mai“ ist eine fesselnde Reportage über das Hochwasser in Bern, und wie Hofer Bob Dylans „Man in the long black coat“ in einen „Maa im schwarze Chleid“ verwandelte, hätte bestimmt auch dem Grossmeister himself ein anerkennendes Nicken abgerungen.

Als die Znachtgäste kamen, räumten wir unsere Plätze. Bester Dinge fuhr ich zurück nach Freiburg.

Dass Polo mir mit seiner Sonnen-Bemerkung damals etwas mit auf dem Weg gegeben hatte, das mir heute noch ab und zu aus einem Täli hilft, hätte ich ihm gerne einmal gesagt. Aber dazu kam es nicht mehr. Bei späteren Begegnungen stimmte dafür die Zeit nicht oder der Ort oder das Umfeld oder sonst etwas.

Im letzten Juli verreiste Polo in ein Land, in dem es hoffentlich hin und wieder chly rägnet, damit er die guete Zyte mit seinem weiche Härz in vollen Zügen geniessen darf.

***

Die Berge gehören für mich – wie zum Beispiel auch die Atombombe oder das Xylophon – zu den unnützesten Erfindungen der Menschheit. Trotzdem biss ich vor Frust fast in den nächstbesten Tisch, als ich feststellte, dass ich den 25. März 2006 nicht am Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau würde verbringen können.

Dort spielten an jenem Tag Toto als Headliner des „Snowpenair“-Festivals. Aber weil ich an der ersten und entsprechend wichtigen Probe für unser Stationentheater „Drachenjagd“ nicht fehlen durfte, sah ich mich ausserstande, bei diesem Konzert der für mich besten Band aller Zeiten und Welten mit von der Partie zu sein.

Irgendwie, dachte ich, muss es doch möglich sein, mir von dem Ereignis zumindest ein Fitzelchen zu ergattern, mit dem sich die absehbaren Phantomschmerzen vielleicht etwas lindern liessen. In meiner Verzweiflung erkundigte ich mich bei der Redaktion des „Berner Oberländers“, wer sich um die Berichterstattung über den Anlass kümmern werde.

Eine gewisse Chantal Desbiolles werde sich der Sache annehmen, wurde mir aus Interlaken beschieden, worauf ich der mir gänzlich unbekannten Frau Desbiolles per Mail in grösstmöglicher Ausführlichkeit darlegte, weshalb ich sie auf ewig in meine Gebete einschliessen würde, wenn sie die Güte hätte, mir in der Schnee- und Eiswüste hoch über Grindelwald ein Toto T-Shirt zu besorgen.

Auf dem Weg zur Theaterprobe klingelte mein Handy. Live aus den Alpen teilte mir Frau Desbiolles mit, sie habe gefunden, worum ich sie gebeten habe. Jetzt müsse sie nur noch wissen, welche Grösse für mich passend wäre und ob ich lieber ein Shirt mit oder ohne Chrägli haben möchte.

Fernmündlich machte sie auf mich einen überaus sympathischen Eindruck. Zuverlässig war sie obendrein: Zwei Tage nach dem Gig lag auf meinem Pult in der Burgdorfer BZ-Filiale ein Päckchen. Darin befand sich ein nigelnagelneues Toto-Liibli in Grösse XL, mit Kragen und Quittung. Ich überwies Frau Desbiolles das Geld und bedankte mich auf demselben Weg, auf dem wir den Deal eingefädelt hatten, ganz herzlich für ihren Einsatz.

Das sei sehr gerne geschehen, antwortete Frau Desbiolles, worauf auch ihr ich wieder schrieb und sie mir und ich ihr und sie mir und ich ihr. Jeden Tag schickten wir uns ein paar Zeilen und manchmal auch halbe Romane. Irgendwann wusste Chantal mehr über mich und ich mehr über Chantal, als wenn wir vis-à-vis voneinander im selben Büro gesessen wären.

Nur etwas taten wir beide unabgesprochen nicht: Im Redaktionssystem nachschauen, mit wem wir es eigentlich zu tun hatten.

Über ein Jahr später, im Sommer 2007, sahen wir uns zum ersten Mal bei einem Nachtessen in Solothurn. Am 13. April 2012 heirateten wir.

Unser Hochzeitslied war “Hold the line”.

Der Stehaufmann

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Ein Konzert von Hanery Amman mitzuerleben: Das ist, wie mit seinen besten Freunden Geburtstag zu feiern und alle fünf Minuten ein noch tolleres Geschenk auspacken zu dürfen. Oder, wie in einer Zeitmaschine zu sitzen und durch vergangene Jahrzehnte zu reisen.

“Teddybär”, “D Rosmarie und i”, “Musig wo’s bringt”, “Rote Wy”… der Mann mit den chli schütteren grauen Haaren, der am 27. Brienzersee Rockfestival auf die Bühne schlendert, als ob er zur Helferequipe gehören würde, hat die Mundartmusik geprägt wie kein anderer vor und nach ihm.

Teenager kennen seine Songs ebenso auswendig wie deren Eltern und Grosseltern. Was Hanery Amman geschaffen hat, gehört zum helvetischen Volksgut und wird in Schulen gesungen und in Pfadilagern und an Hochzeiten und Abdankungen landauf und -ab. In seinem Heimatort Interlaken wurde ein Platz nach ihm (und Polo Hofer) benannt; die aus seiner Feder erblühten “Alperose” wurden von den Zuschauerinnen und Zuschauern des Schweizer Fernsehens zum “grössten Schweizer Hit aller Zeiten” gewählt.

Hanery Amman ist – so abgedroschen der Begriff inzwischen sein mag – eine Legende, schon zu Lebzeiten, und bräuchte längst niemandem mehr etwas zu beweisen, ausser vielleicht sich selber. Aber auch das ist nicht sicher: Viel Aufhebens um sich und sein Schaffen zu machen, ist Hanery Ammans Sache nicht.

Dafür gibt es nur wenige kunstschaffende Zeitgenossen, um die sich soviele Mythen ranken wie um den “Chopin des Oberlandes” (wie Hofer seinen alten “Rumpelstilz”-Kumpel” einst genannt hat). Leute, die ihn näher (zu) kennen (glauben), sagen, er sei launisch, mürrisch, unzugänglich, eigenbrötlerisch und stur bis zur Verbissenheit. Er schlafe wegen seines Tinnitus so gut wie nie, komponiere grundsätzlich nackt und horte im Keller seines Daheims unzählige Songs, für die etliche seiner Berufskollegen töten würden, denke aber aus unerfindlichen Gründen nicht im Traum daran, damit ins Studio zu gehen, um sie für die Nachwelt zu konservieren.

Im Jahr 2000 erschien sein bisher letztes Album. “Solitaire” gehört zum Intimsten, Eindrücklichsten und Berührendsten, was ein Musiker hierzulande je produziert hat. Die CD wirkt vom ersten bis zum letzten Ton wie ein Vermächtnis. Amman beschäftigt sich darauf dermassen intensiv und offen mit den Licht- und Schattenseiten des Lebens, dass jedermann, der sich das Werk anhört, ahnt oder weiss: Hier kehrt jemand sein Innerstes nach aussen, um einerseits von seinen Erfahrugsn zu berichten, und um andrerseits seinen Mitmenschen etwas mit auf den Weg geben zu können, von dem sie noch lange zehren dürfen. “Wenn die Schweiz eine Musik verdient hat, dann diese”, befand die “Weltwoche” damals.

Sehr lange konnte sich Hanery Amman auf den Lorbeeren für sein Opus Magnum nicht ausruhen. 2007 wurde bei ihm Krebs diagnostizert. Es folgten Operationen, Chemotherapien und dicke Schlagzeilen, und wenn man mit jemandem zusammensass, der Hanery in den letzten Monaten getroffen haben könnte, lautete die erste Frage an ihn oder sie immer, “wie gehts ihm?”, und die Antwort darauf mit trauriger Regelmässigkeit “schon recht, aber es ist natürlich noch lange nicht vorbei”.

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Ganz von der Bildfläche verschwand der Musiker aber nie. Immer wieder gab es Gerüchte um ein Comeback, und ab und zu trat er sogar irgendwo auf. Zu seinem 60. Geburtstag vermachte er seinen Fans “als Dankeschön fürs Warten” gratis das Lied vom “Waldgeischt”. Für die Hip-Popper Halunke, die ihre Wurzeln ebenfalls im Oberland haben, veredelte er spielend und singend “Hopfe und Malz” auf deren Silberling “Houston, we are ok”.

Ansonsten wurde es um Hanery Amman aber immer ruhiger. Und schliesslich sogar beängstigend still.

Und jetzt – jetzt höckelt er an seinem Elektropiano und spielt sich, als ob nie etwas gewesen wäre, eine vom Veranstalter vorgegebene Stunde lang durch eine kleine Auswahl seiner Hits. Er winkt ins Publikum, treibt die Bandkollegen an, lässt seine berühmten Arpeggi durch die Boxen perlen und schüttelt Soli aus dem Ärmel, die nicht wenigen Lederjackenträgern und Anhängerinnen der Jeanskuttenfaktion Tränen der Freude und Rührung in die Augen treiben.

“Hanery Amman” und “krank”: Diese beiden Begriffe passen an diesem in jeder Hinsicht prächtigen Nachmittag nicht zusammen – ganz im Gegenteil: Mit jedem Ton, den Amman seinem Instrument entlockt, und mit jeder Silbe, die er zuweilen eher krächzt denn singt, scheint er seinen Fans versichern zu wollen: Macht euch keine Sorgen; ich habs überstanden.

Dann erzählt er seine wohl schönste Geschichte; jene, die mit “s het grägnet i de Bärge” beginnt und die ihn und seine Rosmarie bis Spanie führt. Spätestens, als die beiden zäme blutt ids Wasser renne und Muschle sueche im Sand, ist allen im Festzelt klar, dass sie in diesem Moment etwas erleben, was sich ohne Übertreibung mit “Wunder” umschreiben lässt:

Die triumphale Rückkehr von einem, den manche schon für immer verloren geglaubt hatten.

Weitere Konzertdaten:

19.11.14 Interlaken
19.12.14 Münchenbuchsee
20.12.14 Interlaken
09.01.15 Luzern
17.01.15 Rubigen
31.01.15 Pratteln
07.02.15 Grosshöchstetten
21.02.15 Burgdorf
21.03.15 Murten

Viel Weiteres von und über Hanery Amman kann hier nachgelesen werden.

Ausklänge

Zufällig auf der Suche nach merkwürdigen “Special Edition”-CDs entdeckt: Auf der Website des Sarg-Ateliers seiner Frau Alice bietet Mundartrocker Polo Hofer fünf “Greatest Final Hits” an. Das nennt man wohl “Synergien nutzen”.

Der schönste dieser Songs ist “Wenn mys letschte Stündli schlaht”. Er geht so:

Und weil ich jetzt schonmal dabei bin: Ich fänds toll, wenn bei meinem Abschied Folgendes zu hören wäre:

“Endless” von Toto (nicht wegen des Titels, sondern als letzte Liebeserklärung an ali, womi käned)

,

“Sometimes I feel like screamin’ von Deep Purple (gerne auch ohne Orchester)

und, um die hoffentlich sowieso nicht allzu triste Veranstaltung chli aufzulockern, den perfektesten Poposong, der je geschrieben wurde: “Dancing Queen” von Abba:

Das wärs dann, vermutlich. Viel mehr Zeit dürfte kaum bleiben.

Ausser…ausser natürlich, man streicht die Reden. Dann könnten noch

“Sultans of Swing” von den Dire Straits eingebaut werden (aber nur, wenns auch für das Gitarrensolo reicht)

und, falls der Pfarrer auch auf die Mitteilungen an die Gemeinde verzichtet (was er von mir aus gerne tun kann; ich muss mir die Termine ja nicht mehr merken),

“Invincible” von Muse (ein bisschen Symbolik wird wohl sein dürfen):

.

Je nach Stimmung in der Kirche und auf dem Public Viewing-Gelände käme als Zugabe noch “Another one bites the dust” von Queen in Frage:

Was ich auf gar keinen Fall hören (hihi) möchte, wären “Highway to hell” von AC/DC, “Stairway to heaven” von Led Zeppelin, “My way” von Frank Sinatra oder etwas Artverwandtes, das für unzählige Leute offenbar ums Töten zu einer Abdankung gehört.

(Weitere Vorschläge? In den Kommentaren hats noch viel Platz!)

Hut ab – vor beiden

Wenn Ritschi mit seinem Heiweh nach de Bärge “Blowin ‘in the wind” singen oder Bring en hei-Baschi “Like a rolling stone” intonieren würde: Der Tatbestand der musikalischen Vergewaltigung wäre erfüllt. Bob Dylan und Mundartpopper – das kann nicht gut gehen. Da liegen nur schon von der Lebenserfahrung her zuviele Welten dazwischen. Und wo für die einen die musikalischen Grenzen früh gezogen sind, fängt der andere erst an, darüber nachzudenken, ein Lied zu schreiben.

Vermutlich gibt es in der Schweiz nur zwei oder drei Musiker, die es wagen können, Songs von Bob Dylan zu adaptieren, ohne zum Vornherein zum peinlich anmutenden Scheitern verurteilt zu sein: Polo Hofer, Kuno Lauener und Hank Shizzoe.

Hofer hat es nun gewagt. Pünktlich zum 70. Geburtstag des grossen Meisters legt er das Doppelalbum “Polo Hofer singt Bob Dylan” vor. Heute Freitag ist es erschienen.

Jedem Song ist anzuhören, dass sich Hofer seit Jahrzehnten intensiv mit dem Schaffen des längst zum Jesus mit Gitarre und Mundharmonika verklärten Folksängers beschäftigt. Mit viel Akribie und Respekt nahm er sein Vorhaben, Dylan ein Denkmal zu setzen, in Angriff. Als es um Umsetzen des Plans ging, war für Hofer nur das Beste gut genug: Auf den zwei CDs wirken mit Hape Brüggemann, Martin Diem und Remo Kessler jene Leute mit, die es Hofer als Schmetterband ermöglicht hatten, seinen Logenplatz im Schweizer Rockhimmel eine Ewigkeit lang gegen hochdrängelnden Nachwuchs zu verteidigen. Mit im Studio waren auch Ausnahmegitarrist Mario Capitanio, die Schweizer Bluesgrösse Hank Shizzoe und Toni Vescoli.

Doch auch wenn Dylans Diamanten von Meisterhänden geschliffen wurden: Zu einer Ohrwurm-Sammlung ist “Polo Hofer singt Bob Dylan” nicht geworden. Das liegt primär daran, dass Hofer darauf verzichtet hat, den Buchhaltern seiner Plattenfirma zuliebe einfach Dylans allergrösste Hits nachzuspielen. Und hat auch viel damit zu tun, dass Dylans Texte in Hofers Übersetzungen oft genauso veschwurbelt wirken wie im Original.

Andrerseits: Wer weiss. Vielleicht neigt man – weil sich das einfach so gehört – automatisch dazu, viel mehr in Dylans Musik zu interpretieren, als es hineinzuinterpretieren gibt. Möglicherweise wollte und will Bob Dylan – wie Hofer – nur das so leicht wirkende eine: den Menschen gute Geschichten erzählen.

“Polo Hofer singt Bob Dylan” gehört nicht zu jenen Werken, deren Schönheit und Tiefe sich einem auf Anhieb erschliessen. Als Soundtrack zum Staubsaugen sind die zwei Scheiben ungeeignet. Trotzdem lässt sich schon nach dem ersten Durchhören sagen: Hut ab – vor Dylans unerschöpflicher Kreativität. Und vor Hofers Mut, sich mit einer Legende auseinanderzusetzen im Wissen darum, ihr immer nur “auf den Fersen” bleiben zu können, ohne sie je einzuholen.

Und jetzt: ein bisschen Eigenwerbung

Bei Käse, Fleisch und Brot mit bekannten Bernerinnen und Bernern plaudern: Das können Leserinnen und Leser am BZ-Stammtisch an der BEA.

Für Gesprächsstoff, Verpflegung und Unterhaltung ist gesorgt: Der Einladung der Berner Zeitung, sich an der BEA für eine Stunde mit Leserinnen und Leser zu einem Zvieriplättli in lockerer Runde an den Stammtisch in der Halle «Genuss und Tradition» zu setzen, folgen Berner Persönlichkeiten und «Normalsterbliche» mit Freuden.

Folgende Prominente haben ihre Teilnahme am BZ-Stammtisch zugesagt:


29. April: Reto Nause (Sicherheitsdirektor der Stadt Bern)


30. April: Jimy Hofer (Broncos-Chef und Stadtrat)


1. Mai: Samuel Leuenberger (Grossrat und Präsident des Vereins Region Emmental)


2. Mai: Barbara Egger-Jenzer (Energie-, Verkehrs- und Baudirektorin des Kantons Bern)


3. Mai: Otmar Deflorin (Kantonschemiker)


4. Mai: Marc «Cuco» Dietrich (Ex-Peter, Sue & Marc)


5. Mai: Polo Hofer (Mundartrock-Legende)


6. Mai: Ruedi Zesiger (Geschäftsführer der SCL Tigers)


7. Mai: Bidu Zaugg (Fussballtrainer-Legende)


8. Mai: Beatrice Simon (Finanzdirektorin des Kantons Bern).

Einige wenige Plätze für die von BZ-Chefredaktor Michael Hug und Redaktor Johannes Hofstetter moderierten täglichen Stammtischgespräche sind noch frei. Wer bei offener Themenwahl frisch von der Leber weg mitdiskutieren möchte: Mail oder Anruf genügt.

BZ-Zvieri am BZ-Stammtisch an der BEA: Vom 29. April bis am 8. Mai, täglich von 15 bis 16 Uhr. Ort: Festhalle «Genuss und Tradition», BZ-Stand Nr. 006. Die BZ offeriert den jeweils fünf Gästen ein Zvieriplättli.

Anmeldungen nimmt anita.mischler@espacemedia.ch entgegen. Unter 031 330 34 81 sind auch telefonische Reservationen möglich.

In alter Frische

Mit grossem Vergnügen habe ich mich soeben zum ersten Mal durch “Rimix”, die neue CD von Polo Hofer, gehört. Der Mundart-Pionier hat – zusammen mit seinem langjährigen Produzenten und Tonmeister Eric Merz – eine Auswahl von Songs aus den 80er-Jahren sowie bisher unveröffentlichtes Material aus dem Archiv geholt und entstaubt.

Er wolle es jetzt “etwas ruhiger” angehen lassen, sagte Hofer vor zwei Jahren. Unabhängig davon, ob man diese Aussage als Drohung oder Versprechen verstand: lange gültig war sie nicht. Wenig später war der bekennende Müssiggänger schon wieder an verschiedenen Fronten präsent: In Luke Gassers Film “Die Nagelprobe” spielte der Mann, der mit Beamten zeitlebens wenig am Hut hatte, einen Staatsarchivar, im Musical “Ewigi Liebi” hatte Hofer einen Gastauftritt; im selben Zeitraum gab der Sänger und Komponist das Songbuch “Das alles und no vil meh” heraus und schuf mit “Prototyp” eine CD, die ohne jede Despektierlichkeit als beeindruckendes Alterswerk bezeichnet werden darf. Es folgte – natürlich – eine Tournee durch volle Häuser, in denen 16-Jährige mit offenen Mündern neben ihren mitwippenden Grossvätern im Publikum standen.

Und jetzt, eben: der “Rimix”. Sam Mumenthaler, der frühere Züri West-Schlagzeuger und Hofer-Biograf, rühmt in der Berner Zeitung, die restaurierten Aufnahmen würden “keck” und “forsch” klingen. Für mich besteht das grosse Plus der CD darin, dass Hofer den Mut hatte, auf eine Neuauflage seiner Megahits “Alperose”, “Kiosk” oder “D Rosmarie und i” zu verzichten, obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch davon noch Rohfassungen in irgendwelchen Kellern ihrer Wiederentdeckung harren.

Bei den Restaurierungsarbeiten – für die scheints auch ein auf genau 58 Grad geheizter Ofen verwendet wurde – gingen manche Mäscheli und Bändeli verloren, mit denen Hofer und seine Band(s) ihre Lieder oft verzierten. Von all dem technischem Schnickschnack befreit, der vor 3o Jahren quer durch die Musikszene schwer angesagt war, klingen die Songs nun wesentlich natürlicher, direkter und ehrlicher als im Original.

Natürlich: Wer mit Polo Hofer bis heute nichts anfangen konnte, wird ihn wegen “Rimix” nicht auf einmal lieben. Alle anderen aber haben dank dieser CD die Gelegenheit, ihn – beziehungsweise einen kleinen Teil seiner Lieder – von einer entschlackten und sehr entspannten Seite kennenzulernen.

Das ist bei einem Mann, der in den letzten Jahren mehrmals im Spital war, weil die Bauchspeicheldrüse, die Galle oder die Stimmbänder nicht mehr wollten, wie sie sollten, alles andere als selbstverständlich. Nur: bei Polo Hofer war schon immer alles ein bisschen anders.

Der Prototyp und die Pegasüsschen

prototypFür einmal geht es jetzt nicht um die Hauptsache des Abends, die  Tatsache nämlich, dass Polo Hofer wieder da ist, und wie, potz!, man hätte das, eigentlich, nicht mehr unbedingt gedacht nach all den Geschichten und den Gerüchten und der langen Pause, aber dann stand er zu schon ziemlich weit vorgerückter Stunde auf einmal da oben, auf der Bühne der Chollerhalle in Zug, und startete mit “Zigünerhärz” seine “Prototyp”-Tournee, wobei nicht wenige im Saal während der ersten Minuten von dem etwas irritierend-beängstigenden Gefühl beschlichen wurden, dass da jemand singt,  der irgendwie  nicht mehr oder noch nicht ganz auf der Höhe des Geschehens ist, was andere hingegen  kein bisschen erstaunte; immerhin wurde der Mann vor nicht sehr langer Zeit an den Stimmbändern operiert und ist, abgesehen von allem, bald 65, also: erst nachmachen, dann meckern, und überhaupt nahmen Polo und seine glänzend aufgelegten und musikalisch tiptopp aufgestellten Mannen ziemlich schnell ziemlich Fahrt auf und liessen die Post nach einem halben Stündchen recht rasant abgehen, ohne je aus der Kurve zu geraten; das hiess, man spielte sich, wie der Meister versprochen hatte, durch “Neues und Altes und ein paar Sachen aus der Mitte”, was – Überraschung! – auf einen gut  anderthalbstündigen Ritt durch 40 Jahre Mundartrockgeschichte  hinauslief, wobei der Vorreiter um den Kiosk und d Rosmarie und den Sennehund einen weiten Bogen machte, was  niemanden gross störte; es blieb auch so genug von all dem zum Mitsingen und Wiederentdecken übrig, was den lieben Siech im Lauf  der Jahrzehnte so gross gemacht hat, mit einer Version von “Memphis” als Höhepunkt und Abschussrampe für die Schlussbouquetraketen zugleich; Pfarrer Green in Tennessee hätte gestaunt  (nein: ekstatisch mitgewippt), und schliesslich wars, nach dem Summer 68 und den Alperose und allem, halt doch irgendwann da, ds letschte Tram, ärdeschön, und nachher kam nichts mehr, nur die S-Bahn zurück  in die Stadt, aber darum geht es hier wie gesagt nicht, sondern darum, dass die paar hundert Leute, die nur wegen Polo da waren, erst eine halbe Ewigkeit lang eine Vorband namens Pegasus über sich ergehen lassen mussten, die schon im vorletzten Sommer als “Anheizer” für Krokus dafür gesorgt hatte, dass im Stade de Suisse Tausende stehend ins Wachkoma fielen und die auch in Zug einfach nicht von der Bühne verschwinden und nach jedem zweiten Song wissen wollte, ob alle da seien, wie im Chaschperlitheater, und lustige Spiele veranstaltete, zum Beispiel einen Mitsingtest, weil sies sonst nicht schaffte, die Herzen der Leute zu berühren, jedenfalls nicht die Herzen der vielen, vielen Leute, die wegen jemand ganz anderem in der Chollerhalle waren und nicht wegen einer Handvoll Buben, gegen die Ritschi mit seinem Heimweh und seiner Schoggi und seinem Wii wie ein Gangsterrapper wirkt und die trotzdem oder grad deshalb zur besten Nachwuchsband der Schweiz gewählt wurden; man mochte an diesem Abend i Zug nicht daran denken, wies in diesem Wettbewerb auf den hinteren Plätzen getönt haben mag,  wenn die Sieger schon zum Davonlaufen gewesen wären, wenn man nicht gewusst hätte, dass der Protoyp Polo dann schon noch aus aus der Kulisse schlurfen und den Kleinen aus dem Stand zeigen würde, wo der Mundartgott rockt und wie der Mundartgott rollt.