Gedanken eines Millionärs

Jetzt ist es passiert: Letzte Nacht besuchte der einmillionste Gast diesen Blog. Um wen es sich handelte, weiss ich nicht. Ich habe keine Ahnung, was er oder sie sich anschaute, ob ihm oder ihr gefiel, was er oder sie in meinem virtuellen Stübchen sah, wie lange er oder sie blieb und ob er oder sie gedenkt, irgendwann wiederzukommen.

(Dieses „er oder sie“ ist zum Schreiben ebenso mühselig wie zum Lesen. „Er“ muss deshalb genügen.)

Andrerseits: Nach plusminus acht Jahren kenne ich die Menschen, welche sich mehr oder weniger regelmässig auf dieser Plattform tummeln, recht gut.

Bei den meisten Lesern handelt es sich laut einer Studie – die ich leider gerade nicht zur Hand habe – um hochgradig intelligente, bis zum Exzess reflektierende, zuckerbergmässig gutverdienende und sozial gottähnlich kompetente Zeitgenossen.

Sie sind politisch interessierter als alle fünf Bundesräte zusammen, schweben leichtfüssig auch über das stotzigste kulturelle Parkett und wissen in wirtschaftlicher Hinsicht ebensogut Bescheid wie Daniel Bumann.

Durchschnittlich liest jeder Gast 3,8 der momentan 1267 verfügbaren Beiträge (das sagt zumindest der Typ, der im Maschinenraum die Statistiken nachführt. Ich stelle ihn mir gerne als gmögigen Frischpensionierten vor, der in einem verwaschenen T-Shirt von der Rolling Stones-Tour 1972 mit einem zerfledderten Block in der Hand auf einem Schemeli höcklet und durch eine Zahnlücke eine Gitanes nach der anderen pafft).

Die meisten Leser schlendern durch mein internettes Daheim, ohne, dass ich sie bemerke. Sie kommen so lautlos, wie sie gehen. Gelegentlich hinterlässt jemand im Gästebuch auf dem Kommödli einen freundlichen Gruss. Oder stürmt unter Absingen wüster Lieder türschletzend hinaus.

Hin und wieder bringt mir der Altrocker ein Blatt Papier. Darauf steht, welche Beiträge am häufigsten angeklickt wurden. Nonsense-Texte wie der hier oder der hier oder der hier führen die Hitliste jedesmal an.

Sobald es chli ernster wird und es, zum Beispiel, ums Sterben geht oder um strafrechtliche Themen, stürzen die Einschaltquoten ins Bodenlose.

Den absoluten Rekord für einen einzelnen Beitrag hält mit über 12 000 Betrachtern der Report über mein trostloses Strohwitwerdasein. Die aufs Kunstvollste ausformulierten Anmerkungen zur Newsletterittis hätte ich mir hingegen sparen können. Keine 100 Leute mochten sich dafür erwärmen.

Als meistbeachtete Serie würde, wenn es dafür eine Auszeichnung gäbe, das nicht endenwollende Glier über die Abenteuer des Playaboy auf Gran Canaria prämiert.

Die grössten Fanpoststapel generierten die Notizen über ein Roxette-Konzert und den Auftritt einer Berner Mundart-Rockerin in den Alpen.

Manchmal (“manchmal” im Sinne von: alle paar Schaltjahre, wenns hochkommt), will jemand von mir wissen: Wieso bloggst du? Was bringt dir oder sonst öpperem dieses Buchstabengebrünzel? Bist du dir gaaanz sicher, dass es irgendjemanden wundernimmt, was dir tagein und nachtaus so durch den Kopf geht?

Je nach Stimmung blicke ich dann kurz von der Tastatur hoch oder auch nicht und murmle: “Hm”.

Auf die Idee, mir darüber Gedanken zu machen, bin ich noch nie gekommen. Das hat sowieso längst der von mir hochgeschätzte Medienjournalist Stefan Niggemeier – er betrieb ebenfalls jahrelang einen bisweilen sehr persönlich gefärbten Blog – erledigt. Er schrieb:

“Für mich ist es (das Bloggen) eine Sucht. Ein unstillbarer Hunger nach Aufmerksamkeit. Oder, um es positiver und weniger egozentrisch zu sagen: nach Kommunikation.

Das trifft natürlich nicht auf alle Blogger zu, so wie ungefähr nichts auf alle Blogger zutrifft. Ausserdem gehört zum Selbstverständnis vieler Blogger das Postulat, nicht für die Leser zu schreiben, sondern für sich selbst. Wer scheinbar auf möglichst grosse Quote bloggt, gilt als zutiefst verdächtig. Das machen die Massenmedien ja schon zur Genüge: alles der Pflicht unterordnen, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Aber gerade wenn einer nicht für ein Publikum schreibt, sondern für sich selbst, aber nicht in eine Kladde, sondern ins Internet, ist es umso beglückender, wenn plötzlich ein Leser vorbeikommt, dem das gefällt. Der begeistert ist, einen Geistesverwandten zu finden. Oder interessiert genug, seinen Widerspruch zu hinterlassen.

(…)

Das zutiefst befriedigende am Bloggen ist (…) die Kommunikation an sich. Der eine Kommentar von jemandem, der genau verstanden hat, was ich sagen wollte, und meine Sätze durch eine Pointe krönt. Der Fremde, der zum Stammgast wird, zum Dauer-Kommentierer, zum Freund. Auch der Gegner, an dem ich mich immer wieder reiben kann.”

Das trifft es, finde ich, nicht schlecht.

In diesem Sinne: Danke für Eure Besuche, liebe Freunde und Fremde.

“Offenbar geht es um Ihr Postfach”

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In meiner Postfachsache gibt es eine neue Entwicklung. Aber bevor ich die jüngsten Ereignisse zu Augen der Nachwelt dokumentiere, muss ich kurz reck rekapp rekapitt reckapp zusammenfassen, was bisher passiert ist:

– 18. März: An einem Schalter der Hauptpost in Burgdorf beantrage ich für mein Geschäft ein Postfach. Das Ausfüllen des Formulars ist mit etwelchen Komplikationen vorbunden, obwohl mir eine Postmitarbeiterin dabei hilft. Oder besser gesagt: weil mir eine Postmitarbeiterin dabei hilft. Knackpunkt ist die Frage, wieviele frankierte Briefe ich pro Tag erhalten werde. Das kann ich nicht sagen, weil ich das Büro erst Anfang Mai eröffne. Aufs Geratewohl hin gebe ich an, dass es sich um rund 15 Couverts handeln dürfte.

– Ein paar Tage später: Ein Kollege der Schalterfrau lässt sich von mir telefonisch bestätigen, was ich bereits auf dem Formular angegeben hatte.

– 25. März: Die Post teilt mir schriftlich mit, dass sie mir kein kostenloses Postfach zur Verfügung stellen könne oder wolle: “Die Sendungsmenge ist zu gering für ein eigenes Postfach. Die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach beträgt durchschnittlich 25 adressierte Briefe pro Woche oder fünf Briefe pro Tag”, heisst es in dem Brief ungeachtet der Tatsache, dass ich in meinem Antrag von 15 Briefen pro Tag ausgegangen war. Als Alternative wird mir ein “Postfach Extra” angeboten. Das würde jährlich 240 Franken kosten.

Ich lehne dankend ab und bitte um Vorschläge, die es mir ermöglichen, gratis Geschäftspost zu empfangen. Die Post empfiehlt mir daraufhin, für 30 bis 42 Franken pro Jahr eine “Unteradresse” einrichten zu lassen oder nochmals ein kostenloses Postfach zu beantragen. Ich fülle online ein weiteres Formular aus. Als ich es abschicken will, ploppt auf dem Bildschirm ein Fenster auf: “Dieser Dienst erfordert eine zusätzliche Verifikation der Adressdaten durch die Zustellung eines Briefaktivierungscodes. Bis zum Erhalt des Verifikationsbriefes können 2-3 Arbeitstage vergehen.”

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– Ein paar Tage später: Der Briefaktivierungscode trifft ein; per Post, in meinem privaten Briefkasten. Ich schicke das Onlineformular ab.

– 8. April: Die Post genehmigt mein Gesuch im zweiten Anlauf und überrascht mich gleichzeitig mit der Nachricht, dass in dem Fach nicht nur meine Geschäftskorrespondenz landen werde; darin würden auch sämtliche “Sendungen für andere Mitglieder Ihres Haushaltes” deponiert, eröffnet mir der Gelbe Riese. Ich schreibe ihm zurück, dass das nicht das sei, was ich gewollt habe. Die private Post für meine Frau und mich soll weiterhin in unseren Briefkasten gelegt werden. Das Fach benötige ich nur geschäftlich.

– 9. bis 30. April: Die Post gibt die Briefe, die an mein Geschäft adressiert sind, in der Buchhandlung  im Parterre jenes Hauses ab, in dem ich mein Büro eröffnen werde. Darüber informiert werde ich nicht von der Post, sondern von der Buchhändlerin.

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– 4. Mai: Seit Kurzem erhalte ich keine Post mehr, weder zuhause noch in der Buchhandlung. Mir schwant Unschönes. Ich spreche erneut am Schalter vor. Mit einer der diensthabenden Damen entspinnt sich folgendes…äh…Gespräch:

“Guten Tag”.

“Ja.”

“Mitte März habe ich mit einer Kollegin von Ihnen ein Postfachformular  ausgefüllt. Ich brauche das Fach für mein Geschäft. Das Geschäft heisst Hofstetter Kommunikation. Die Adresse ist Hohengasse 4.”

“Ja.”

“Mit dem Postfach wurde es dann aber ein bisschen kompliziert. Es ist glaub sinnlos, wenn ich Ihnen jetzt alles von Adam und Eva an erkläre.”

“Ja.”

“Jedenfalls liegt in dem Postfach jetzt vermutlich auch meine Privatpost…”

“…ja…”

“…aber das wäre falsch.”

“Ja.”

“Ich brauche das Fach nämlich nur fürs Büro. Für die privaten Sachen haben meine Frau und ich einen Briefkasten vor dem Haus, in dem wir wohnen. Den wollen wir behalten.”

“Ja.”

“Das habe ich der Post schon vor ein paar Wochen mitgeteilt. Es war ein ziemliches Hin und Her und es gibt alles schriftlich, aber ich habe jetzt nicht sämtliche Mails und Briefe bei mir.”

“Ja.”

(Ich übergebe der Frau den letzten Brief, den ich von der Post erhalten habe. Die Frau geht mit ihm nach hinten. Nach einer längeren Weile kommt sie, mit einem Couvert in der Hand, wieder nach vorne. Sie öffnet den Umschlag. Darin steckt eine Karte. Auf dieser kleben vier Schlüssel.)

“Das sind vermutlich die Schlüssel zu meinem Postfach. Aber eben: Ich will das nicht.”

“Sie wollen das Postfach nicht.”

“Doch, aber nur für meine Geschäftspost. Die private Post muss weiterhin an unsere Privatadresse gebracht werden. Ich weiss nicht, wie…”

“…ja.”

“Nein. Ich kann dieses Postfach nicht brauchen. Ämu nicht so. In dieses Fach gehört nur die Post fürs Geschäft. Die anderem Briefe…”

“…Moment.”

(Die Frau geht nach hinten. Nach einer längeren Weile kommt sie wieder nach vorne.)

“Der Mann, der dafür zuständig ist, arbeitet nicht mehr bei uns.”

“Das ist jetzt natürlich blöd.”

“Ja.” 

“…”

“Aber morgen Morgen ruft Sie jemand an.”

“Gut.”

“Ja.”

“Könnte es sein, dass in dem Fach schon Post für mich liegt?”

“Ja. Ich gehe mal schauen, wenn Sie wollen.”

“Gerne.”

(Die Frau geht nach hinten. Nach einer längeren Weile kommt sie mit einem Stapel Briefe und Heftli wieder nach vorne.)

“So.”

“Danke. Und ich kann davon ausgehen, dass mich morgen Morgen jemand anruft?”

“Ja.”

“Ich habe mein Geschäft drum inzwischen eröffnet und wäre froh, wenn…”

…”ja.”

“Sehen Sie: Ich weiss, dass Sie nichts dafür können. Es ist nur so, dass mich dieses Gstürm langsam chli nervt.”

“Ja. Klar. Morgen Morgen ruft Sie jemand an.”

“Tiptopp. Einen schönen Abend noch.”

“Danke.”

Heute Morgen Nachmittag: Ein Mitarbeiter der Hauptpost Burgdorf ruft an.

“Ja, grüessech. Offenbar waren Sie gestern bei uns am Schalter. Offenbar geht es um Ihr Postfach.”

“Genau. So ist es.”

“Und um was genau geht es?”

“Ou, Sie. Das ist inzwischen eine sehr lange Geschichte.”

“Ja?”

“Ja. Kurz gesagt: Mitte März habe ich mich bei Ihnen um ein Postfach für meine Geschäftspost beworben. Inzwischen hat sich gezeigt, dass das offenbar nicht geht.”

“…”

“Ich wäre froh, wenn Sie das Postfach einfach aufheben würden. Die Geschäftspost können Sie in meinen Briefkasten an meiner Privatadresse legen.”

“Dann heben wir also das Postfach auf.”

“Das wäre schön.”

“Können wir machen.”

“Danke.”

“Dann schauen wir mal, wie das geht.”

“Gut. Danke. Einen schönen Tag noch.”

“Ihnen auch.”

 

Vielleicht klappts ja beim dritten Versuch

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Freud’ und Frust liegen näher beieinander, als man denkt, wenn man sich nicht mit der Organisation seiner postalischen Angelegenheiten beschäftigen muss.

Schön ist: Die Post hat mein Gesuch um ein Postfach schon im zweiten Anlauf und nach nur wenigen Beschwerdeschreiben bewilligt (siehe Bild).

Weniger schön ist…aber ich mag das jetzt nicht noch einmal tippen. Ich copypaste deshalb einfach hierhin, was ich den Verantwortlichen des Gelben Riesen soeben mitgeteilt habe:

“Sehr geehrte Damen und Herren

Mitte März habe ich am Schalter in der Burgdorfer Hauptpost für meine Firma Hofstetter Kommunikation an der Hohengasse 4 in 3400 Burgdorf ein Postfach beantragt.

Unter der Referenz-Nummer 48.02.340001.04661144 teilte mir Ihr Martin Kohlbach am 24. März mit, es sei Ihnen nicht möglich, mir ein Postfach zur Verfügung zu stellen, weil die “Sendungsmenge” dafür “zu gering” sei. Die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach betrage “durchschnittlich 25 adressierte Briefe pro Woche oder fünf Briefe pro Tag”, teilte mir Herr Kohlbach mit.

Ich hatte der Dame am Schalter bei der Gesuchstellung angegeben, ich rechne für den Anfang – mein Geschäft wird erst am 1. Mai eröffnet – mit rund 15 Briefen täglich. Damit wäre die von Ihnen festgelegte Mindestsendungsmenge nach meinem Dafürhalten erfüllt gewesen.

Ende März beantragte ich online zum zweiten Mal ein Postfach. Diesem Gesuch haben Sie nun stattgegeben (die entsprechende Referenz-Nummer lautet 48.03.303044.047417071).

Leider haben Sie mir damit etwas bewilligt, was ich gar nicht gewünscht hatte. Denn dem Brief, den ich heute von Herrn Kohlbach erhalten habe, entnehme ich, dass das Postfach “auch für Sendungen für andere Mitglieder Ihres Haushaltes” zur Verfügung stehe und dass auch “Briefsendungen, die an Ihre Domiziladresse adressiert sind”, neu ebenfalls in dieses Postfach statt wie bisher in unseren Briefkasten am alten Markt 6 gelegt werden.

Nur: Das wollen weder die “anderen Mitglieder” meines Haushaltes, noch ist es das, was ich brauche, noch entspricht es folglich dem, worum ich nun schon zweimal schriftlich bei Ihnen nachgesucht habe.

Um weiteren Missverständnissen (und, zugegeben: einem langsam wachsenden Ärger meinerseits) vorzubeugen, wiederhole ich mein Anliegen hiermit zum dritten Mal:

Ich hätte gerne ein Postfach für meine Firma Hofstetter Kommunikation an der Hohengasse 4 in 3400 Burgdorf. Diese wird am 1. Mai 2015 eröffnet. Es wäre sehr schön, wenn das Postfach ab spätestens dann zur Verfügung stehen würde. Die von mir geschätzte Eingangsmenge an adressierten Couverts beträgt rund 15 Stück pro Tag.

Falls Sie sich ausserstande sehen sollten, dieses Gesuch im positiven Sinne zu behandeln, bitte ich Sie, sämtliche Postsendungen, die an Hofstetter Kommunikation adressiert sind, in meinem Briefkasten am alten Markt 6 in Burgdorf zu deponieren. Meine Postfach-Anträge könnten Sie dann als nie erteilt worden betrachten.

Ein weiteres Formular werde ich so oder so nicht ausfüllen.”

Posttausend! Es geht vorwärts!

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Was lange währt, wird amänd doch noch Postfach: Nachdem ich die letzten Tage vorwiegend damit zugebracht hatte, mit wachsender Verzweiflung in die administrativen Abgründe eines helvetischen Monopolbetriebes zu starren, keimt nun, pünktlich zum Frühlingsbeginn und gerade noch rechtzeitig zur Versöhnungssaison, ein zartes Pflänzchen der Hoffnung aus dem betonharten Verwaltungsboden: Die Post hat mir erneut geschrieben, von Hand sozusagen, und mir – ta-taa! – den “Brief-Aktivierungscode” durchgegeben, ohne den postfachbeantragungsmässig nichts läuft.

Diesen Code habe ich stantepede (schönes Wort übrigens, “stantepede”, aber leider im Aussterben begriffen, wie zum Beispiel auch die Indischen Tiger, die Bereitschaft, sich politisch ehrenamtlich zu engagieren oder die Menschenwürde respektierende Journalisten) auf dem Online-Formular eingetragen, mit dem ich nun zum dritten Mal in erstaunlich kurzer Zeit um ein Postfach bettle bitte.

Aus den ersten zwei “fruchtlosen Versuchen” (wie es auf den Rückseiten der Minigolfpunktenotierkärtchen immer so schön heisst) habe ich gelernt: Den voraussichtlichen täglichen Eingang an adressierten Couverts habe ich beim dritten Anlauf mit 25 angegeben. Das sind einige (postalisch ganz genau genommen: deren 20) mehr, wie der Gelbe Riese als Mindestmenge für ein kostenloses Fach vorschreibt, aber doch nicht so viele, dass bei den zuständigen Instanzen jemand stutzig werden könnte. 25: das klingt irgendwie genau richtig.

Der Aktivierungscode ermöglicht mir im Übrigen nicht nur, mich aufs Neue dem längst zur liebgewordenen Tradition gewordenen Beantragen eines Postfachs hingeben zu dürfen; er öffnet mir auch mehr Türen, als Susanne Ruoff, die Konzernleiterin der Post, je entdecken wird. Ich sage nur “Postshop”, “Webstamp”, “Pickpost”, “My post 24”, “pick@home”, “E-Post Office” und frage mich in diesem Moment, ob ich wirklich bei der Schweizerischen Post gelandet bin; das alles klingt doch verdächtig nach der British Mail Group oder dem United States Postal Service, aber mir wei nid grüble (but we don’t want to pothole).

Kein Fach für die Post

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Dass es auf der Welt grob geschätzt 2,851,684 Millionen Dinge geben muss, die einfacher zu haben sind als ein Postfach, hat mir schon geschwant, als ich einen schönen Teil des 18. März dieses Jahres damit zubrachte, einer Dame am Burgdorfer Postschalter zu erklären, dass ich für mein noch nicht eröffnetes Geschäft gerne ein, eben, Postfach mieten möchte.

Inzwischen weiss ich: All die Müh war vergebens. Eine Woche, nachdem die Frau und ich das Formular endlich z Fade geschlagen hatten, teilte mir der Gelbe Riese heute mit, das mit dem Postfach müsse ich vergessen; jedenfalls dann, wenn ich dafür nichts zu bezahlen gedenke: “Leider können wir Ihren Antrag nicht berücksichtigen”, heisst es in dem Schreiben. Der Grund für das Nein: “Die Sendungsmenge ist zu gering für ein eigenes Postfach. Die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach beträgt durchschnittlich 25 adressierte Briefe pro Woche (Montag bis Freitag) oder fünf Briefe pro Tag.”

Ein Grund zur Verzweiflung bestehe für mich jedoch nicht, beruhigt mich Martin Kohlbach von der Post CH AG, Briefzustellregion Burgdorf, in einem zweiten Abschnitt: “Als Alternative können wir Ihnen ein Postfach Extra anbieten. Mit dieser Dienstleistung können Sie auch dann ein Postfach nutzen, wenn die Bedingungen für das Postfach-Basisangebot nicht erfüllt sind. Das Postfach Extra kostet CHF 240.– pro Jahr.”

Daraufhin setzte ich mich an den Compi und schrieb der Post zurück:

“Unter der Referenz 48.02.340001.04661144 hat mich Ihr Martin Kohlbach am 24. März 2015 wissen lassen, dass es Ihnen “leider” nicht möglich sei, meinen Antrag für ein Postfach in Burgdorf zu berücksichtigen. Die “Sendungsmenge” sei dafür “zu gering”; die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach betrage “durchschnittlich 25 adressierte Briefe pro Woche oder fünf Briefe pro Tag”, teilte mir Herr Kohlbach mit.

Dazu ist zu sagen: In und an dem Haus an der Hohengasse 4, in dem ich mein Büro betreibe, gibt es aus denkmalschützerischen Gründen keine Briefkästen. Trotzdem wäre ich nicht unglücklich darüber, wenn ich hin und wieder Post erhalten würde.

Zweitens eröffne ich mein Geschäft erst am 1. Mai. Sie werden verstehen, dass es für mich nicht ganz einfach ist, einen Monat im Voraus halbwegs konkrete Angaben über den Posteingang zu machen. Das habe ich schon der Dame am Schalter gesagt, als ich den Antrag stellte, und das sagte ich einige Tage später auch Ihrem Mitarbeiter, der sich bei mir noch einmal telefonisch nach der voraussichtlichen Briefmenge erkundigte.

Ihr “Angebot”, stattdessen ein sogenanntes “Postfach Extra” zu mieten und dafür CHF 240.– pro Jahr zu bezahlen, ist für mich, mit Verlaub, eher irritierend denn hilfreich. Ich sehe, um es kurz zu machen, nicht ein, wieso ich für eine Dienstleistung bezahlen soll, die meiner unmassgeblichen Ansicht nach ohnehin zum Grundservice Ihres Unternehmens gehört – unabhängig davon, ob die erforderliche Mindestmenge von 5 Couverts pro Tag erreicht wird oder nicht.

Ich bitte Sie deshalb, Ihren Entscheid zu überdenken. Sollten Sie dabei zum Schluss kommen, dass es beim besten Willen unmöglich ist, mir ein normales – lies: kostenloses – Postfach zur Verfügung zu stellen, bitte ich Sie um einen Vorschlag, der es mir ermöglicht, Post zu empfangen, ohne dafür bezahlen zu müssen.”

Jetzt bin ich gespannt, was passiert. Fortsetzung folgt.

Nachtrag 1:

Marianna Ellen Alessandra Infante, Sachbearbeiterin beim Kundendienst der Post CH AG teilt mir am 26. März per Mail mit, dass ich meine Briefe entweder postlagernd erhalten oder eine “Unteradresse” beantragen könne. Mit Letzterer würden die Briefe, die an mein Büro an der Hohengasse 4 adressiert sind, hundert Meter weiter oben im alten Markt 6 deponiert. Das klingt nicht unpraktisch, ist aber nicht gratis: Die Lieferung an die Unteradresse kostet 42 Franken pro Jahr, wenn ich sie am Schalter beantrage (was ich ganz, ganz bestimmt nicht tue) oder 30 Stutz pro Jahr, wenn ich sie online bestelle. Jedes weitere Jahr käme mich auf zusätzliche 30 Franken zu stehen.

Darüberhinaus schlägt mir Marianna Ellen Alessandra Infante (ich musste diesen Namen jetzt einfach noch einmal in voller Länge schreiben) vor, einen neuen Postfachantrag zu stellen – entweder am Schalter (siehe oben) oder online. Ich neige zu Letzterem…und werde die voraussichtliche Zahl der an mich adressierten Couverts ein Birebitzeli nach oben korrigieren in der Hoffnung darauf, dass ich nach diesem vierten Kontakt mit dem Gelben Riesen doch noch zu einem kostenlosen Postfach komme.

Nachtrag 2:

Ich habe mich für die Postlieferung an eine “Unteradresse” entschieden und wollte das kurz und schmerzlos online erledigen. Kaum hatte ich meine Daten hoffnungsfroh eingegeben, poppte auf dem Bildschirm eine Nachricht auf:

“Dieser Dienst erfordert eine zusätzliche Verifikation der Adressdaten durch die Zustellung eines Briefaktivierungscodes. Bis zum Erhalt des Verifikationsbriefes können 2-3 Arbeitstage vergehen. Falls kein Verifikationsbrief eintrifft, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Kundendienst auf.”

Am Postschalter, mit ohne K

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“Guten Tag. Ich eröffne am 1. Mai ein Büro in der Burgdorfer Oberstadt und brauche ein Postfach. Ist vielleicht noch eines frei?”

“Das weiss ich nicht. Da müssten wir nachschauen.”

“Dann schauen wir doch einfach nach.”

“Genau. Moment…”

(geht nach hinten und kehrt mit einem Formular in der Hand alsbald von dort zurück)

“…also. Ein Postfach.”

“Exakt.”

“Dafür müssen wir einen Antrag machen.”

“Gut.”

“Dann benötige ich…Moment…das ist eine Firma, sagen Sie.”

“Ja.”

“Haben Sie einem Ausweis dabei?”

“Natürlich.”

(lege den Ausweis auf den Schalter)

“Und Sie heissen…”

“…Hofstetter. Johannes Hofstetter.”

(tippt und sagt dazu leise zu sich selber: “H-o-s-t-e-t-t-l-e-r”)

“Entschuldigung, nein: Hofstetter.”

“Ja, klar. Moment….”

(tippt und sagt dazu leise zu sich selber: “H-o-f-s-t-e-t-t-l-e-r”)

“Sorry, nein: Mit ohne L.. Nur Hofstetter.”

“Ach so. Gut.”

(tippt und sagt dazu leise zu sich selber: “H-o-f-s-t-e-t-t-e-r”)

“Mit einem oder zwei T?”

“Hinten mit zwei, vorne mit einem. Macht im ganzen drei.”

“Gut. Das haben wir. Und das wäre ab…”

“…1. Mai. 1. Mai 2015.”

“Ich sehe gerade: das wäre dann ab dem 30..”

“April.”

“Nein, März.”

“Aber ich brauche das Fach erst ab dem 1. Mai.”

“Ach so. Natürlich. Dann 30. April. Das heisst: 27. 27. April. Das ist ein Montag. Wäre das gut?”

“Yup.”

“Und Ihr Büro heisst…”

“Hofstetter-Kommunikation. Mit einem Bindestrich.”

(tippt, hält inne, überlegt, tippt noch einen Buchstaben und schaut von der Tastatur auf)

“Jetzt muss ich doch fragen: Kommunikation mit C oder K?”

“Mit K.”

“Gut.”

(tippt, hält wieder inne, überlegt und schaut erneut von der Tastatur auf)

“Und dann noch einmal K oder…?”

“Wo?”

“Hinten.”

“Ja. Noch einmal K. Zweimal K. Einmal vorne, einmal in der Mitte.”

“Gut.”

(tippt)

“Und die Adresse?”

“Meine oder die vom Büro?”

“Die vom Büro. Zuerst die vom Büro.”

“Hohengasse 4.”

(tippt)

“…in? Also, ich meine: die Postleitzahl?”

“Burgdorf. Sorry: 3400”

“Gut. Das haben wir. Und privat?”

“Alter Markt, in zwei…”

“…zuerst die Nummer.”

“6.”

“Gut. Und dann…”

“Alter Markt. In zwei Wörtern. Burgdorf. 3400.”

“Klar.”

(tippt)

“Hier steht, dass wir angeben müssen, wieviele Briefe Sie erhalten werden. Nur ungefähr.”

“Das kann ich jetzt beim besten Willen noch nicht sagen. Ich habe ja noch nicht angefangen.”

“Ja. Aber ungefähr.”

“Pro Tag oder pro Woche?”

“Pro Tag.”

“Zehn. Sagen wir: Zehn bis fünfzehn.”

“Zehn bis fünfzehn?”

“Vielleicht sinds auch weniger. Oder mehr. Ich weiss es wirklich nicht.”

“Also: Zehn bis fünfzehn.”

(tippt)

“So. Das hätten wir. Jetzt bekommen Sie dann Post. Dann sollte das mit dem Postfach laufen.”

“Sehr schön, danke.”

“Danke auch. Auf Wiedersehen, Herr…”

“Auf Wiedersehen.”

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Tanke für das Föteli

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Während der junge Mann so in seinem Auto dahinfuhr, bemerkte er auf einmal, dass ihm., bzw. dem Wagen, der Sprit ausging. Kurzerhand steuerte er die nächste Tankstelle an, um nachzufüllen.

Tage später – er hatte seinen Boxenstopp längst vergessen – entnahm er seinem Briefkasten ein grosses Couvert und diesem eine Rechnung plus ein grobkörniges Bild.

Zu seinem nicht geringen Erstaunen erblickte er auf der Schwarzweiss- Fotografie sein Auto. Eine Verwechlung war ausgeschlossen: Auf der Kühlerhaube prangt riesengross das Logo von Radio Argovia seines Arbeitgebers, dessen Name hier nichts zur Sache tut. Auch das Nummernschild ist gestochen scharf erkennbar.

Da er als langjähriger Nichtraucher keine Möglichkeit sah, sich in aller Öffentlichkeit Asche aufs Haupt zu streuen, publizierte er das Papier, das sein Vergehen dokumentierte, auf Facebook – und stellte innert kürzester Zeit fest, dass auch in der virtuellen Welt nicht für den Spott zu sorgen braucht, wer den Schaden hat.

“Nimm de wenigschtens es Outo vo dr Konkurränz!”, riet ihm ein Leser. Eine Leserin konnte sich nicht vorstellen, dass die Zechprellerei mit Vorsatz erfolgt sein könnte: “Du besch z guet erzoge worde zom so öpis zmache.” (Jawoll; das wurde er. Anmerkung des Blogwarts). Ein anderer Kollege schrieb, offensichtlich aus Erfahrung: “Da passiert no vell das d Chunde vergässe z zahle.”

Und fügte an, das sei kein Problem, “solang ned dini Frau bem tanke vergessisch”.

Mit dem Bussetun coram publico liess es der Held dieser Geschichte jedoch nicht bewenden. Heute Morgen begab er sich abermals zur Tankstelle, um sich für das Versehen zu entschuldigen. Gleichzeitig bezahlte er, was er vor ein paar Tagen ohne zu bezahlen bezogen hatte.

82 Franken 50 kostete das Benzin; darüberhinaus verrechneten meinem Brüetsch ihm die Tankstellenleute einen Fünfliber für die Fotografie.