Grosses Retzl

Jedesmal, wenn ich an diesem Laden auf der Strandpromenade von Maspalomas vorbeikomme, frage ich mich: Was zum Teufel steht auf diesem Schild?

Klar ist: Wer drei Artikel kauft, braucht nur zwei zu betalen bezahlen.

Aber „Halen“?

Ich las das Wort vor- und rückwärts, zerlegte es in seine Einzelteile, setzte die Buchstaben neu zusammen…aber das brachte alles nichts.

Schliesslich googelte ich es: Halen ist eine Stadt in Belgien und ein Teil von Emsek in Niedersachsen und von Lotte in Steinfurt und ein See in Schweden, ein versunkener Ort in der Nähe von Duisburg, eine Reihenhaus-Siedlung in Herrenschwanden und eine Haltestelle des Regionalverkehrs Bern-Solothurn.

Weiter gibt es die Rockband Van Halen und, mit chli orthografischem Goodwill, das Halenstadion, doch ein Halen, das mit Damenkleidern zu tun haben könnte, lässt sich im gesamten Internet nicht finden.

Aber, wer weiss: Vielleicht ist das ein Marketingtrick der ganz raffinierten Sorte. Möglicherweise hat der Ladenbesitzer das Wort völlig zusammenhanglos auf die Tafel notiert in der Hoffnung darauf, dass regelmässig Passantinnen seine Boutique betreten und fragen, was es mit diesem „Halen“ auf sich habe.

Dann sagt der Mann, „ach, nichts Besonders. Aber schauen Sie mal diese supergünstigen BHs und diese feingerippten Négligées…“ – und schon gibt es für die Besucherinnen kein Halen Halten mehr.

Denkbar ist zweitens, dass der Chef händeringend darauf wartet, dass sich einmal ein Deutscher nach Gran Canaria verirrt, damit er ihn fragen kann, wie man – was auch immer – richtig schreibt.

Welcome to a Hotel California

“This could be heaven or this could be hell”, dachten die Eagles, als sie im Dezember 1976 im “Hotel California” eincheckten.

Dasselbe schoss mir durch den Kopf, als ich beim Betreten des Adelaide Inn-Hotels in Paso Robles, einem schmucken Städtchen zwischen San Francisco und Los Angeles, gestern Abend dieses Warnschild entdeckte.

Doch nachdem wir unser liebe- und geschmackvoll möbliertes, grosszügig bemessenes und bis ins hinterste Eggeli gepützelte Zimmer in Beschlag genommen hatten, war der Fall klar: Wir würden in einem kleinen heaven übernachten.

Wieso an dessen Pforte eine so unanmächelige Tafel hängt, weiss ich nicht. Vermutlich hat der Patron sie aus versicherungstechnischen Gründen angebracht für den Fall, dass ein Gast einen Lampenschirm roh verschlingt und den Hausbesitzer wegen Bauchschmerzen anschliessend auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt.

Tipp für Operngucker

Aha: Die grassierende Selfie-Manie, die rund um den Globus immer mehr Touristinnen und Touristen befällt, stösst nicht nur Christoph Hunziker und vielen anderen Normalreisenden, sondern auch den Verantwortlichen der Oper von Sydney säuerlich auf.

Vor dem weltberühmten Gebäude haben sie deshalb Schilder montiert, denen zu entnehmen ist, dass es hier noch sehr viel mehr zu tun gibt (oder gäbe), als Fotos von sich selber zu schiessen.

Zu behaupten, dass die Hinweise die gewünschte Wirkung zeitigen, wäre jedoch übertrieben. Die meisten Bilder, die heute Nachmittag auf dem Platz vor der Oper gemacht wurden, zeigen im Vordergrund mindestens ein grinsendes Gesicht und viel weiter hinten – damit auf der Aufnahme auch ja alles Platz hat – das 184 Meter lange, 118 Meter breite und 67 Meter hohe Wahrzeichen Australiens.

Sonne, Schweiss und Sterne

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“Deutschland – Österreich: 1945”: Ich dachte, das sei ein paar Jahre früher gewesen.

Aberrr gut: Dann schrrreiben wirrr die Weltgeschichte halt um.

Wenn wir schon bei den ganz grossen Fragen sind: Wieso fotografieren die Leute in den Ferien eigentlich immer nur Sonnenunter- und nie -aufgänge?

Ich war heute Morgen um kurz nach 6 am Strand und beobachtete total fasziniert, wie sich die gelborange Megakugel aus dem Wasser erhob.

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Ein Sonnenuntergang: Das hat so etwas Vergangenes, Verbrauchtes, Gewesenes, Fürimmervorbeiiges. Ein Sonnenaufgang hingegen signalisiert: Da kommt etwas Neues, Frisches und Sauberes. Etwas, mit dem man noch etwas anfangen kann. Etwas, worauf man sich freuen darf.

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Nicht sooo gefreut habe ich mich in der Nacht auf heute: Zwei Stunden, nachdem ich ins Bett gegangen war, lag ich immer noch pflotschnass wach, weil die Schwüle in meinem Zimmer im dritten Stock unter dem Hoteldach fast unerträgliche Ausmasse angenommen hatte. Hätte die Masoala-Halle im Zürcher Zoo bei einem Temperaturwettbewerb gegen mein Zimmer Nummer 334 antreten müssen: Sie hätte sehr kalt ausgesehen.

Was tut der in seinem eigenen Schweiss schmorende Tourist in einem solchen Fall? Er googelt, was “Klimaanlage” auf Spanisch heisst, wählt die Nummer des Nachtportiers und teilt diesem mit, dass der Climatizador (darauf hätte man eigentlich auch ohne das Internet kommen können; aber egal) non funziona. Der Portier verspach, sich bis morgen früh (also: heute Morgen; jetzt muss ich kurz aufpassen, dass es nicht zu kompliziert wird) um den Fall zu kümmern.

Als ich von meinem Strandspaziergang ins Hotel zurückgekehrt war, erkundige ich mich beim Tagesportier, wie das jetzt sei, mit dem Climatizador, worauf der Portier mich verständnislos anschaute und sagte, Klimaanlagen gebe es in diesem Hause nicht; keine einzige, nirgends.

Später unterhielt ich mich mit dem Poolbarmann meines Vertrauens über den Fall – und erfuhr Interessantes: Dass die Temperaturen in den Zimmern regelmässig auf Backovenniveau steigen, sei den Hotelverantwortlichen bekannt. Das Problem sei einfach: Alle Zimmer – das Parque Tropical bietet 500 Personen Platz – mit Climatizadores auszurüsten, sei in dem 1971 errichteten Gebäude kaum gratis.

Andrerseits seien die fehlenden Klimaanlagen der einzige Grund dafür, dass das Hotel nur drei Sterne habe statt vier. Hätte es vier, würden zweifellos mehr Gäste kommen, fuhr der Barmann fort.

Nur: Auf irgendwen müssten die horrenden Kosten für die Anlage am Ende abgewälzt werden, und er und ich wüssten ziemlich genau, wer dieser “irgendwen” wäre, sagte er. Und ob diese Irgendwens einfach so bereit wären, massiv mehr für ihre Zimmer zu bezahlen, wisse niemand.

Die Klimaanlage beisst sich folglich selber in den Schwanz, irgendwie, aber ich hoffe – auch für die auch in anderen Zusammenhängen gerne bemühten nachkommenden Generationen – dass die Hotelleitung eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung findet.

Unknown

Wenn ich hier das Sagen hätte, würde ich in jedes Zimmer einen Tischventilator für 20 Franken stellen. Das Sagen haben aber andere, drum schwitzen zumindest wir Dachgeschädigten wohl noch ein ganzes Weilchen weiter.

Was jetzt?

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Abgesehen davon, dass wir ewig vergeblich nach einem Hotel oder Motel Ausschau hielten, weil es in dieser Ecke Australiens – wenn überhaupt – fast nur Campingplätze gibt, verlief unsere Weiterfahrt der Südostküste entlang ohne Probleme.

Die Schwierigkeiten begannen erst, nachdem wir gegen Abend in Eden doch noch in einem “Best Western”-Motel einchecken konnten.

Wir haben auf unserer Reise ja schon einige merkwürdige Hinweis- und Verbotsschilder gesehen und mit der Zeit gelernt, was in diesem Land geht und was nicht.

Aber mit der Interpretation dieses Hinweises

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war ich intellektuell total überfordert.

Nachtrag: Jetzt habe ichs, with a little help from my Schatz, begriffen. Vor dem Hotelzimmer steht ein Aschenbecher. Die Hotelleitung sagt uns mit dem Täfeli also freundlich, dass sie die Zimmer gerne rauchfrei hat, aber kein Problem darin sieht, wenn wir draussen paffen.

Auf ein süsses 2013!

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“Life is uncertain. Eat dessert first”: Mit diesem Spruch, den ich auf einem Café-Schild irgendwo an der australischen Ostküste entdeckt habe, wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern allesalles Gute, Tolle, Aufstellende, Zwäge, Zufriedene und – vor allem – Gesunde im neuen Jahr!