Im Traum- statt in Russland

Samstagabend, 17. Juni 2018: Millionen fiebern vor ihren Fernsehern und an Public Viewing-Plätzen mit, als die Schweiz an der Fussball-WM in Russland Brasilien ein 1:1 abtrotzt. Auch viele unserer Nachbarinnen und Nachbarn verfolgen den Match. Regelmässig sind aus dem umliegenden Häusern und Gärten  “Jaaaa!”- und “Neeeei!”-Rufe plus ein frenetischer Jubel zu vernehmen.

Unserer Tess ist das alles egal. Sie schläft. Alles, was wir von ihr hören, ist ein gelegentliches Seufzen und Murmeln.

Ein stierisch gmögiger Pfundskerl

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(Bild: Schatz)

Wir haben uns schon einmal gesehen, Fors vo dr Lueg und ich, und zwar genau am Sonntag, dem 1. September 2013, wobei: ich sah damals, als er durch die Emmental-Arena des Eidgenössischen Schwing- und Älperfestes in Burgdorf geführt wurde, ungleich mehr von ihm als er von mir, und ziemlich sicher war ich von ihm auch deutlich stärker beeindruckt als umgekehrt. Er war in jenen Minuten der grosse Star, während ich im Sektor X in Reihe Y unter über 50 000 Menschen höckelte und röchelnd von meinem Sitz hätte fallen können, ohne, dass das jemandem aufgefallen wäre.

Aller Augen waren auf ihn gerichtet, und wäre er damals tot umgekippt oder durchgebrannt: auf der Medientribüne hätten die Dutzenden und Aberdutzenden von Sport- flugs durch Katastrophenberichterstatter ersetzt werden müssen, und noch in grob geschätzt 483 Jahren würden die Menschen, wenn sie über das ESAF in Burgdorf reden, vollautomatisch eine Schweigeminute einlegen, um ihm oder all jener zu gedenken, die damals in den ersten Reihen sassen und beim “Muninferno” (wie der “Blick” auf der Frontseite seiner 16seitigen Sonderausgabe titelte) flach herausgekommen waren.

Nun trafen wir uns wieder, und zwar wars – ich glaube, das ist genau das, was uns verbindet und die sozusagen in Sägemehl gegossene Basis unserer Beziehung darstellt – erneut an einem Schwinganlass; genauer: am “Oberaargauischen” in Seeberg-Grasswil. Ich begleitete meinen Schatz, er den amtierenden Schwingerkönig, und als wir uns unter dem mit grauen Wolken verhangenen Himmel zum ersten Mal überhaupt direkt in die Augen blickten, wussten wir in derselben Sekunde mit absoluter Gewissheit: gleich beginnts zu regnen.

Er hatte, fand ich, ein bisschen abgenommen in den letzten Monaten. Das mag einerseits daran liegen, dass er als Eidg. Siegermuni ziemlich viel Arbeit hat, und andrerseits daran, dass er nebenbei noch als Model arbeitet. Fors ist mittlerweile mehrfacher Vater und amtierender Mister Thun. Oesch’s die Dritten, die wohl berühmteste Volksmusiktruppe der Schweiz, haben ihm, den potentesten Promi zäntume, sogar ein Lied auf den rund eine Tonne wiegenden Leib geschrieben:

Doch er nimmt den Rummel, der bisweilen um ihn herum veranstaltet wird, gelassen. Ohne Extrawürste zu verlangen, geniesst er seine Freizeit mit einigen Artgenossinnen und einem Haufen Truthähne auf dem Thanhof von Simon Hertig, dem Cousin von Schwingerkönig Matthias Sempach, im idyllischen Ranflüh. Ab und zu zeigt er sich an Sponsorenanlässen. Zweimal pro Woche geht er zum Samenspenden. Letzteres ist für ihn mit mehr Arbeit verbunden, als mann vielleicht denkt.

Einmal hat die “Schweizer Illustrierte” ihn auf die Büez begleitet. Als der Reporter seine Eindrücke anschliessend in Worte zu packen versuchte, muss ihm selber fast ein Schuss abgegangen sein: “Tierpfleger Leo Grünenfelder lässt ihn zweimal einen anderen Stier von hinten bespringen – Blindsprünge. Jetzt ist Fors giggerig genug – auf gehts zum Finale! Zum Absamen, wie es unter Fachleuten heisst. Breitbeinig nimmt Fors Stellung vor dem Bock, schnaubt und grunzt. Und springt! Der Oberkörper bleibt oben, innert Sekundenbruchteilen folgt ein Nachsprung – die Hinterbeine in der Luft. Leo Grünenfelder reagiert blitzschnell. Er weiss genau, in welchem Augenblick er den Samen mit der 41 Grad warmen ‘künstlichen Vagina’ abzapfen muss. Im nächsten Augenblick steht Fors wieder auf allen vieren. In einer Stunde ist er nochmals an der Reihe. Dann ist Feierabend!”

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50 Franken kostet eine Dose “Fors flüssig”, und wenn der Pfundskerl auf diese Weise, wie geplant, tatsächlich 8000 Kälbchen zeugen würde, käme eine schöne Stange Geld zusammen. Doch Fors wäre nicht Fors, wenn er das alles für sich behalten würde. Er und sein Chef spenden fünf Franken pro Büchse an Nachwuchsschwinger und eine Organisation, die sich um Kinder in der Schweiz kümmert.

Das alles und noch viel mehr ging mir durch den Kopf, als wir in Seedorf nebeneinander standen. Nicht ohne Ehrfurcht und mit allem gebotenen Respekt beugte ich mich ein bisschen zu ihm hinunter, um unser Treffen für die Nachwelt mit einem Selfie zu dokumentieren. Als unsere Augen auf derselben Höhe waren, stupste er mich mir seinem linken Horn leicht an. Es war, als ob er mir auf diese Weise hätte sagen wollen: “Du bist gerade dabei bist, vor allen Leuten ein Bild von dir und einem Stier zu schiessen. Ist dir das wirklich ernst?”

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Australien ist nicht beeindruckt

Da will man der Cousine im fernen Australien die hiesige Kultur chli näherbringen und schreibt ihr via Facebook, wie das war, vor einem Jahr, als weit über 250 000 Menschen nach Burgdorf pilgerten, um das “Eidgenössische” live mitzuerleben, und was notiert sie dazu, waseliwas?

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(Für Nicht-Australier: Das Jelly Wrestling ist mit dem Schwingen weit aussen verwandt. Mehr zum Thema gibts hier.)

Als Burgdorf zu beben begann

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Heute vor einem Jahr: Ganz Burgdorf scheint in die Schwingerhosen zu steigen. Ladeninhaber dekorieren liebe- und fantasievoll ihre Schaufenster um. Hausbesitzer und Mieter putzen ihre Wohnungen heraus, denn schon bald kommen Gäste von zum Teil sehr weit her, um ein-, zweimal bei praktischerweise hier ansässigen Familienmitgliedern, Freunden oder Wildfremden zu übernachten. Tausende von Helferinnen und Helfern stehen bereit. Wer auf dem Gang durch die Stadt einmal stehenbleibt und die Stimmung auf sich wirken lässt, glaubt zu spüren, dass alles um ihn herum ein bisschen bebt.

Noch ahnt niemand, was genau Burgdorf und damit dem ganzen Emmental bevorsteht, aber allen ist klar: Das gibt eine Riesensache. Eine Viertelmillion Menschen erwartet das Organisationskomitee. 250 000: Diese Zahl liegt jenseits des Vorstellungsvermögens. Deshalb diskutieren die Leute in den Beizen und Bars und beim Posten lieber ununterbrochen über die Wetteraussichten, die Frage, ob der Bahnhof die bevorstehende Invasion wohl überstehen werde, jenen Hotelier mit Migrationshintergrund, der für seine Zimmer auf einmal Wucherpreise verlangt in der – wie sich schnell zeigen sollte: irrigen – Annahme, Schwingfans seien dumm, und, vor allem, natürlich darüber, ob Wenger Kilian König bleibt oder ob er die Krone wird abgeben müssen; an Sempach Matthias, zum Beispiel, oder an Stucki Chrigu. Ersterer ist laut Experten “in der Form seines Lebens”, Letzterer hätte es gemäss Fachleuten “längst verdient”.

Fünf Wochen später pilgern 350 000 Menschen nach Burgdorf. Sie erleben ein perfektes Fest, das es in der Schweiz noch nie gegeben hat – und das es in dieser Form und Grösse wohl auch nie mehr geben wird.

Die Emmestadt – nein: das ganze Land – blickt nach der Inthronisierung des neuen Königs auf drei Wundertage zurück, die jene, die in irgendeiner Form daran beteiligt waren, nie werden vergessen können, und auch nie werden vergessen wollen.

Inselleben (II)

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Tag 2, später Abend

Ohne mir dabei viel zu überlegen, fotografierte ich auf dem Weg zum Strand heute Morgen eine Katze, die auf einem Mäuerchen schlief. Dann stellte ich das Bild auf Facebook und schrieb dazu: “Jetzt auch auf Gran Canaria: Fleisch vom Hot Stone.”

Das fand ein Leser lustig (“Muesch ned zerscht no entschuppe?”) und eine Leserin weniger (“Pass mer uf, gäll!”). Viel mehr passierte nicht. Noch bevor ich im Sand lag, hatte ich den Beitrag vergessen.

Doch als ich vorhin in mein Mailfach guckte, stellte ich – nicht zum ersten Mal – fest, dass auch (oder vor allem) nichtigste Ursachen erstaunliche Wirkungen haben können: Knapp zwei Dutzend gehässige und durchs Band weg anonym verschickte Reaktionen waren im Laufe des Tages in meinen elektronischen Briefkasten geflattert. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stammen sie von Leuten, die sich in der Online-Welt meine “Freundinnen” und “Freunde” nennen – und die dann doch nicht die Nerven haben, mit ihrem Namen zu ihrer Meinung zu stehen.

Dass ich “herzlos”, “einfach nur blöd”, “einfältig”, ein “Naturfeind” und anderes mehr bin (oder sei), könnte man und frau mir auch offen sagen; ich bin ja weit weg. Aber nein: So etwas schreibt man lieber aus der Deckung heraus und mehr oder weniger gut getarnt.

Aber um die offenbar hochempfindlichen Gemüter zu beruhigen: Selbstverständlich würde ich nie eine Katze essen, und wenn doch, dann ganz bestimmt nicht samt Fell.

Tag 3, sehr, sehr früher Morgen: Oft genügt es, kurz nach oben zu gucken, um wieder einmal zu erkennen, wie schön das Leben doch ist.

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Man sollte öfter nach oben gucken.

Tag 3, zwischen Nachmittag und frühem Abend: Mir ist gerade aufgefallen, dass ich in all meinen Ferien auf diesem Eiland noch keines einzigen Kanarienvogels angesichtig werden durfte, ausser in Souvenirshops, aber die, die wo dort herumhängen, gehören zu den Nicht essbaren Individuen (NeI) und spielen für mein Wohlbefinden folglich keine Rolle.

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Das Fehlen von leibhaftigen Kanarienvögeln ist insofern erstaunlich, als diese Insel Gran Canaria heisst und nicht, sagen wir, Isla Novoglasbuntas, was mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass hier etwas nicht stimmt, und zwar ganz und gar nicht, und dass irgendwo da draussen Kräfte am Werk sind, die grösser sind als wir alle im Allgemeinen und die Welt im Besonderen, und à propos Welt: Zum Verdruss der FIFA haben die putzige Aargauer Gemeinde

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(Bild: Aus dem Internet geklaut)

Leimbach,

mein wie gedopt blühender Aufwachsort Beinwil am See plus ein paar erwähnungstechnisch vernachlässigbare Kommunen ausgerechnet auf heute Abend ihre Gemeindeversammlungen anberaumt.

Für die FIFA bedeutet das: Weniger TV-Zuschauer, weniger Fernseheinnahmen, weniger *räusper* Entwicklungshilfegelder zum Überweisen und drum, genau: kein Ende der Kriege in Afrika, ganz im Gegenteil.

So hängt das alles zusammen, immer, und niemand weiss, wohin das noch führt.

Aktuell (um 18.00 Kanarischer Zeit) weiss, abgesehen vom Schiedsrichter vielleicht, auch noch kein Mensch, wie sich die Schweiz bei ihrem zweiten WM-Einsatz in Brasilien schlagen wird.

Ich bin zwar ein grosser Fan der Engländer, verzichte jedoch trotzdem darauf, mir das Spiel anzusehen, weil René Bottéron gesperrt ist, wohinter auf Hundert und zurück wieder Sepp Blatter steckt, oder die NSA, oder ein hiesiger Vogelhändler.

(Den ersten Teil des “Insellebens” gibts hier.)

Erst die Rechnung, dann das Rind

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Würde der letztes Jahr aufgestellte Rekord von 14 Minuten gebrochen werden können? – Das war die grosse Frage vor der Generalversammlung des FC Böju Club 90, und um sie gleich zu beantworten: Nein, konnte er nicht, was aber keinesfalls an einem unbremsbar redefreudigen Präsidenten lag oder an ausufernden Wortmeldungen zu den tiefschwarzen Zahlen in der Rechnung oder an rotköpfig geführten Grundsatzdebatten zur Besetzung des Vorstandes, sondern schlicht daran, dass die Donatorenvereinigung in der nächsten Saison ein Vierteljahrhundert alt wird, was naturgemäss allerlei festliche Aktivitäten auslöst (Höhepunkt: ein zweitägiger Ausflug ins Elsass), über die der Vorsitzende in groben Zügen informierte, sowie am Umstand, dass die Verantwortlichen – eher überraschend – zum ersten Mal überhaupt das Thema “Mitgliederbeiträge”, beziehungsweise eine allfällige Erhöhung derselben, auf die Traktandenliste zu setzen geruht hatten, worüber zwar niemand ernsthaft diskutieren mochte, was aber halt doch ein paar zusätzliche Sekunden kostete, nur: Irgendwie war das mit den 14 Minuten nach den letztlich benötigten knapp 30 Minuten sowieso nicht sooo schlimm, denn einen Rekord gabs dennoch zu vermelden: 41 von 71 Mitgliedern hatten sich im Restaurant Zihl an diesem Gründonnerstagabend zum offiziellen Teil (und, vor allem: dem fantastischen anschliessenden Essen) eingefunden, soviele wie noch nie, und alle hatten den Plausch und allen war spätestens, als nach und nach würzige Suppen, gartenfrische Salate, butterzarte Brocken vom Schwein und vom Rind plus fruchtige Coupes aufgetischt wurden und man dazu übergehen konnte, sich zum Teil schon recht bis sehr lange zurückliegender Heldentaten zu entsinnen, klar: Es gibt tatsächlich Generalversammlungen, die einfach nur Spass machen und darüberhinaus erst noch einem guten Zweck dienen (zum Beispiel jenem, junge Leute von the manch zweifelhafte Verlockungen bietenden Streets of Beinwil am See nach draussen, in die freie Natur, zu holen und ihnen dort eine sinnvolle körperliche Betätigung im Kreise Gleichgesinnter zu ermöglichen), und wir geniessen gerade das grosse Privileg, Teil einer solchen Veranstaltung sein zu dürfen.

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(Bild: Schatz)

Bald steigen auf Gran Canaria die ersten Manne i d Hose

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Wer einmal in aller Ruhe darüber nachdenken kann, was noch fehlt auf der Welt, kommt – vor allem als Burgdorfer – eher früher als später auf die Idee, auf Gran Canaria ein Schwingfest zu veranstalten, mit allem.

Als Chef des aus mir bestehenden Organisationskomitees für „Hosaslupfas2014“ habe ich mich heute Morgen an die Vorbereitungsarbeiten gemacht. Nun sind sie abgeschlossen. Was noch fehlt, sind die Schwinger, aber die kommen dann schon, wenn sie merken, was hier bald los ist.

Meine erste Amtshandlung war die Besetzung des Ehren-OK. In dieses berufen habe ich meine Frau, meinen Bruder und meine Schwägerin, und falls jetzt jemand murmelt, „huere Vetterliwirtschaft, das.“, brülle ich ihm in aller Gelassenheit entgegen: „WAS, VETTERLIWIRTSCHAFT?!? Bei Anlässen dieser Grössenordnung sind – um mit dem grossen Astronauten Charles Darwin zu sprechen – nur „The Fittest“ gefragt! DIE WÄGSTEN UND CHÄCHSTEN!, und wenn ich das mit der Vetterliwirtschaft noch einmal höre, häscherets!!!“

Nachdem das geklärt ist, kommen wir nun zu den infrastrukturellen und technischen und anderen Aspekten des Events (das Wort „Event“ habe ich bewusst gewählt, um auch potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer unter 90 anzusprechen).

Die Arena ist bereit

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und provisorisch grächelet. Gegen Abend kommt noch ein Stadion drauf.

Der Kran für die TV-Kameras muss noch kurz etwas anderes fertigmachen, steht dann aber unbeschränkt für “HL14” zur Verfügung.

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Puristen mögen jetzt einwenden, das sei ja gar keine Sägemehl da unten, in der Arena. Da habe es bloss Sand wie, äh, Sand am Meer.

Dazu kann ich nur sagen: „Wer muss soweit wie möglich mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten? Wer achtet aufs Geld? Was ist mit dem Umweltschutz? Und überhaupt: WER IST HIER DER OK-PRÄSIDENT, WERELIWER?!?

Zu meinem Entzücken durfte ich schon kurz nach Beginn der Planungsbüez feststellen, dass es im Grunde genommen gar nicht viel zu planen gibt. Es ist ja und sind ja schon alles und alle da.

Die Vorverkaufsstelle:

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Für jeden Ansturm gerüstet.

Der Brunnen:

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Sprudelt wie verrückt.

Das Kommunikationszentrum:

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CNN und BBC werden juchzen.

Kulinarisch:

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Es hat für alle von allem genug.

Kampfrichter:

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Bis in die Haarspitzen motiviert.

Partymeile:

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Schluckt auch unüberschaubare Menschenmassen.

Unterhaltungsprogramm für reifere Besucher:

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Niemand bleibt sitzen. Und alleine.

Unterhaltungsprogramm für jüngere Gäste:

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Aber sicher!

Hütedienst:

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Ihr Kinderlein kommet.

Verkäufer der Gangblätter:

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Eingeschleust (und zwar zum Teil von weit her).

Schwingveteranen, die immer benörgeln, früher, als “Kanarische” noch 400 mal kleiner waren, sei alles besser gewesen:

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Im Anmarsch.

Ehrendamen:

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Konnten für die nächsten drei Tage fast ohne Gewaltandrohung von ihren Partnern getrennt werden.

Relaxingzone für die Aktiven:

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Nochli ein Puff, aber zum Anschwinget betriebsbereit.

Gabentemptel:

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Steht.

Lebendpreis:

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Voilà.

Das wärs glaub schon, glaube ich. Als Helferinnen und Helfer stehen die bewährten Kräfte der Szenerie Burgdorf im Einsatz.

Weitere Zahlen und Fakten können hier nachgelesen werden (einfach „Burgdorf“ durch „Playa del Inglés“ und “Emmental” durch “Gran Canaria” ersetzen).

Auch wenn ich davon ausgehe, nichts vergessen zu haben, wäre ich froh, wenn mich einer der möglicherweise mitlesenden Organisatoren des letzten „Eidgenössischen“ – sagen wir: mein Nachbar Franco Rappa – auf allfällige Mängel aufmerksam machen würde, bevor die ersten Mannen in die Hosen steigen.

Die Berichterstattung über das weltweit erste „Kanarische“ erfolgt ab morgen Freitag um 8 Uhr schwingerkompatibel über Facebook, Twitter und so weiter, und so fort.

Obs damit klappt, hängt in erster Linie von der Qualität der Internetverbindung ab, und um die ist es auf den Kanar%“KP…ç=!…++C….///£:GA°…!)(;;T

Aber live fägts sowieso mehr. Echte Schwingfans wissen das. Sie haben ihre Plätze bereits eingenommen:

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Nachtrag 12. April: Das Fest findet nicht statt. Es haben sich exakt null Teilnehmer angemeldet, was das OK daran zweifeln lässt, dass die Veranstaltung burgdorfähnlich imposante Dimensionen annehmen könnte.

Was gibts da zu lochen?

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In den Ferien achte ich nicht nur auf eine gesunde Ernährung (siehe die Tomate links unten). Ich nutze die reichlich vorhandene freie Zeit auch gerne, um meinen Körper weiter zu stählen.

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Eine perfekte Gelegenheit dazu bietet sich neusterdings direkt neben meinem Hotel (genau: dem mit dem Superzimmer): Wo vor einem halben Jahr noch Büsche sprossen und Vögelein zwitscherten, warten nun 18 Minigolfpisten auf die sportlich interessierte Gaschtig des Hauses.

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(Die Personen auf dem Bild sind nicht identisch mit jenen im Text.)

Obwohl die metro methr metteo das Wetter mit einer Zweierwindstärke und leichter Bewölkung aus Nordost zur Ausübung einer extrem viel Präzision erfordernden Openairtätigkeit alles andere als ideal war, liess ich mir an der Rezeption einen Schläger, einen Ball und ein Blöckli aushändigen, wobei ich Letzteres, wie mir schon nach dem vierten Loch zu dämmern begann, gar nicht benötigte: Wo kein Gegner ist, ist auch kein Wettbewerb und niemand umewäg, den man mit dem feinsäuberlichen Aufschreiben jedes einzelnen Zwischenergebnisses am Bescheissen hindern müsste.

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Abgesehen davon, sagte ich mir, kann ich mir meine Resultate auch so merken (um es vorwegzunehmen: Nach 15 Schlägen blieben mir nur noch einige wenige Hindernisse abzuarbeiten und…aber wenn ich lange genug darüber nachdenke, spielt das eigentlich gar keine sooo grosse Rolle).

Jedenfalls: Während ich zu den Klängen von Tina Turner, Phil Collins und den Dire Straits(!) tiefenentspannt vor mich hinputtete, fiel mir bei gelegentlichen Blicken auf die von Schikane zu Schikane schlurfenden Familien auf, dass Minigolfspieler in grob gesagt drei Typen unterteilt werden können.

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Typ A ist der sich junggeblieben wähnende Familienvater, der seinen Lieben jetzt einmal zeigen will, wie das geht. Er gibt noch vor dem ersten Schlag mit voll aufgedrehtem Lautsprecher damit an, wie er in seiner Clique zu seligen Teenagerzeiten zu den ganz kapitalen Minigolfhirschen gehört habe und liegt nach sechs Bahnen schon ziemlich im Rückstand, weil er vor lauter Angst davor, sich vor seiner Frau und dem Sohn zu blamieren, keinen Ball unter fünf Anläufen ins Loch bringt. Und weil er sich ständig darum kümmern muss, dass Typ C (mehr zu ihm gleich) alles richtig macht; “richtig” im Sinne von “genauso wie Typ A”.

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Typ B ist die Ehefrau oder Freundin von Typ A. Sie wollte zuerst gar nicht mitspielen und sich lieber ein weiteres Cüpli am Pool genehmigen, liess sich dann aber von ihrem Schatz “nur für eine Runde” überreden (“Das ist Fun, Schnäggli. Wer gewinnt, ist doch ü-ber-haupt nicht wichtig”, hatte der Schatz zu ihr gesagt. Dass er die nächsten 45 Minuten, von Ehrgeiz zerfressen, damit zubringen sollte, über diese “verdammte Scheissbahn” zu fluchen und ihm, dem Schnäggli, zwischen Loch 17 und 18 mit der Trennung drohen würde, wenn es nicht endlich, ENDLICH! “mit diesem einfältigen Gekichere” aufhöre, konnte sie zu jenem Zeitpunkt nicht ahnen).

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Typ C ist der Bub von A und B. Er hatte sich auf einen glatten Nachmittag mit den Eltern gefreut und muss jetzt konsterniert feststellen, dass seine Erziehungsberechtigten auch in den Ferien eine ausgeprägte dark side of the seinem Gespür nach sowieso schon lange nicht mehr leuchtend hellen moon haben.

Eigentlich will er jetzt nur spielen und das ganze Gezänke, das er sich vermutlich schon gestern auf dem Weg zum Flughafen (“Zum zehnten Mal: Ja, verdammt! Ich habe die Tickets!!”), dann im Flieger (“Ist ja wohl mein Bier, was und wieviel ich hier oben trinke!”) und zu vorläufiger Letzt auch im Hotel (“Natürlich hats keinen Balkon. Du wolltest es ja so günstig wie möglich haben!”) hatte anhören müssen, vergessen.

Aber jedesmal, wenn er dazu ansetzt, den Ball nach seinem persönlichen Gutdünken nach vorne zu schieben oder zu pfeffern, stellt sich Typ A neben ihn, um die Fuss- oder Schläger- oder Schulterhaltung zu korrigieren und mit bedeutungsschwangerem Unterton zu sagen, hier sei “ein weicher Schlag” oder “nur ein Antüpfen” oder “unendlich viel Gefühl” oder sonst etwas angezeigt, was im Grunde nur er, Typ A, beherrsche.

Nur: Das interessiert den Junior nicht im Geringsten.

Am Ende zählt das Schnäggli zusammen: Es hat 46 Punkte, der Bub 42 und der Papi 61.

Ein Museum fürs “Eidgenössische”

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Mit viel Liebe zum Detail hat die Burgdorfer Einwohner- und Sicherheitsdirektion nach dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 eine “Schwingerstube” eingerichtet. In der alten Wache der früheren Stadtpolizei im Kirchbühl 23 sind Souvenirs an den grössten Sportanlass ausgestellt, den das Emmental je erlebt hat.

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Der ganzseitige Zeitungsbericht über die Vergabe des “Eidgenössischen” nach Burgdorf – jener historische Moment liegt inzwischen schon fünf Jahre zurück – fehlt ebensowenig wie ein Poster des Organisationskomitees, Bilder von Schwingerkönig Matthias Sempach und seinem Muni Fors vo dr Lueg, Zwilchhosen, Autogramme der Patrouille Suisse, Urkunden, Fanartikel, eine Sponsorenwand oder beeindruckende Luftaufnahmen von der temporär grössten Arena der Welt.

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Nur Sägemehl liegt in der “Schwingerstube” keines herum. Aber das macht nichts: Dessen Duft hat ohnehin noch jedermann in der Nase, der an dieser megafägigen Gigaveranstaltung im Sommer 2013 auf irgendeine Art und Weise mit von der Partie sein durfte.