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Tag: Sprache

“Ach so.”

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Heute Morgen, beim Beck am Strand:

“Das hier!”

“Focaccia?”

“Ja. Zwei.”

“Shall I warm it?”

“Was?”

“Shall I warm it?”

“Ach so. Nee. Nur Käse und Tomaten.”

Buenas Morgen

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Twee Bier: Dos cerveza

Zwei Bier: Dos cerveza

Two beer: Dos cerveza

Zwöi Bier: Dos cerveza

Kaksi olutta: Dos cerveza

Két sör: Dos cerveza

Два пива: Dos cerveza

Für den reisenden Holländer, Deutschen, Briten, Schweizer, Finnen, Ungarn oder Russen kann es, sollte man meinen, kein unüberwältigbares Problem sein, sich vor dem Abflug darüber schlau zu machen, wie seine Grundnahrungsmittel in jenem Land heissen, in das er gleich fliegt.

Aber oha.

In den Beizen und Bars in Playa del Inglés ordern die Gäste Getränke und Speisen immer öfter in ihrer eigenen Sprache. Und Gnade Dios dem Kellner, der “Ich nehm dann mal die grosse Fleischplatte, aber ohne Gemüse, dafür mit extra Pommes drauf und Majo statt Ketchup” nicht auf Anhieb versteht und das Essen mit Ketchup serviert: er und sein Arbeitgeber werden für den un-ver-zeih-lichen Fauxpas in einschlägigen Internetforen geteert und gefedert, bevor der Tisch abgeräumt ist.

Die hiesigen Lohnbezüger im Tourismussektor sind deshalb dazu übergegangen, ihrer Kundschaft auch sprachlich so weit entgegenzukommen, dass Missverständnisse praktisch ausgeschlossen sind (wobei: “Ein Restrisiko besteht immer” und “Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht”, wie die Experten immer sagen, wenn sie von Medienschaffenden drei Minuten nach einem Flugzeugabsturz, einer Atomkraftwerkexplosion oder einer Fuchsbandwurminfektion nach den Gründen für die Katastrophe befragt werden).

Das führt mitunter zu grotesken Dialogen: Als ich vorhin durchs Hotelrestaurant schlenderte, um mir eine Kanne Kaffee zum Bloggen draussen zu besorgen, kam ich an zwei Kellnerinnen und einem Kellner vorbei. Ich begrüsste sie freundlich mit “Buenos dias!”; sie antworteten ebenso freundlich mit “Guten Tag!” In der Küche bat ich den Chef der Service um eine “grande taza de café”. Als er sie mir aushändigte, bedankte ich mich mit einem “Gracias”, was er mit einem akzentfrei vorgetragenen “Bitteschön!” quittierte.

Mittags in den Restaurants und Abends an den Tresen ist mit irritierender Regelmässigkeit dasselbe zu beobachten. “Möchten Sie noch Wein?”, “Ist alles in Ordnung?”, “Wie lange bleiben Sie hier?”, “Waren Sie schon am Strand?”, “Wir schliessen um halb Zwölf”, “Paella gibts leider nur ab zwei Personen” – aber nicht auf Spanisch, sondern auf Holländisch, Deutsch, Finnisch, Ungarisch, Russisch oder was auch immer gerade gefragt ist.

Auf den schönen Gedanken, dass es unter ihren Millionen von Besucherinnen und Besuchern auch welche geben könnte, die sich nicht nur für das billigste Strandtüechli, die günstigen Souvenirs oder den preiswertesten All Inclusive-Swingerclub interessieren, sondern auch und nicht zuletzt für ihre Sprache, scheinen die Menschen hier gar nicht mehr zu kommen (oder kommen zu dürfen).

Stattdessen gilt: Anpassung um jeden Preis – und wenns um jenen der eigenen Würde ist.

Kein Guggelistand und kein Baustell am Ende von Strass

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Beim Burgdorfer Bahnhof ein Taxi zu buchen, ist – je nach Sprach- und Ortskenntnissen des gerade dort stehenden Fahrers – gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Am Ende klappts aber doch. Oder auch nicht. Besser: anruf.

“Hallo. Ich möchte gerne ein Taxi reservieren, für Mittwoch, Viertel vor Neun, im alten Markt.”

“Ja…”

“Geht das?”

(kramt eine Visitenkarte aus dem Portemonnaie und reckt sie mir durchs Fenster) “Vorher anruf. Eine Stunde.”

“Ich möchte lieber gleich reservieren. Sicher ist sicher. Unsere Gäste müssen um Sieben nach Neun auf den Zug.”

“Vorher anruf.”

“Und wenn dann gerade niemand Zeit hat?”

“Anruf”.

“Schon klar. Ich möchte trotzdem heute schon reservieren.”

“Wo?”

Alter Markt. Burgdorf. Mittwoch, Viertel vor Neun. Am Morgen. Für zum Bahnhof. Also hierhin.”

(zieht eine weitere Karte aus dem Portemonnaie und kritzelt umständlich etwas auf die Rückseite) “Aldermark, aldermark…”

“Sie wissen, wo das ist?”

“Glaub. Hat Guggelistand.”

“Nein, kein Güggelistand.”

“Dann Baustell.”

“Baustelle?”

“Ende von Strass Baustell.”

“Nein, da ist auch keine Baustelle.”

“Sagegasse?”

“Nein, alter Markt. Unter dem Schloss.”

“Schloss?”

“Unter dem Schloss. Als Taxifahrer…”

“Ah.”

“Beim Kronenplatz hoch, dann links ins Schlossgässli, dann nochmals links.”

“…Schlossgassli…”

“Vom Schlossgässli gehts direkt in den alten Markt. Links. Es hat einen Wegweiser.”

“Gutt. Schlossgassli.”

“Dann ist das in Ordnung? Mittwoch, Viertel vor Neun?”

“Schlossgassli.”

“Nein: alter Markt.”

“Nicht Schlossgassli.”

“Nein, nicht Schlossgassli. Vom Schlossgässli gehts nach links in den alten Markt.”

“Fahren dort?”

“Ja, kein Problem.”

“Kronenplatz.”

“Kronenplatz, Schlossgässli, alter Markt. Alles klar?”

“Kein Problem.”

“Mittwoch, viertel vor Neun. Abgemacht?”

“Gutt.”

Nachtrag 15. April, 11 Uhr: Es hat geklappt. Ich musste nicht einmal anruf.

Eine halbe Minute Fremdschämen

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Sie haben gerade eingecheckt, die Schweizerin und ihre zwei Begleiter. Auf dem Weg zu ihren Zimmern kommen sie an der Poolbar vorbei.

Das Trio stellt sich mit seinen Rollkoffern und Sporttaschen an den Tresen. Das Auftreten und die Haltung der Neuankömmlinge lässt keinen Zweifel daran offen, dass die Bar und überhaupt das ganze Hotel ab sofort ihnen gehören. Sie haben schliesslich dafür bezahlt.

“Buenos dias!”, begrüsst sie der spanische Barmann mit ungekünstelter Herzlichkeit.

“Zwei grossi Bier und es Mineral ohni”, antwortet der eine der beiden Männer. Lächelnd stellt der Barkeeper das Gewünschte hin.

Jetzt hätten meine Landsleute zum zweiten Mal in 30 Sekunden die Gelegenheit, gegenüber ihren Gastgebern zumindest so zu tun, als ob sie wüssten, wie man “Respekt” buchstabiert, oder “Achtung”, oder auch nur “Anstand”.

“Müemmers grad zale oder chönemers ufs Zimmer näh?”, fragt die Frau.

Frau Schotterbettion

“Siri ist der intelligente persönliche (iPhone-) Assistent, den du nur fragen musst, damit er dir hilft. Mit ihm kannst du Nachrichten senden, Meetings planen, jemanden anrufen und vieles mehr – alles mit deiner Stimme”: Das verspricht die Firma Apple im Zusammenhang mit ihren Sprach-Informationsdienst Siri.

Nun denn: “Rufe Chantal Desbiolles an”, bitte ich Siri.

Sekundenbruchteile später erscheint diese Meldung auf dem Bildschirm:

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Man spricht Deutsch oder holt Nüsschen

Um sein Image als Krawall- und Busensender ein bisschen zu korrigieren Damit möglichst alle Leute im Sendegebiet den komplexen Handlungssträngen in den “Reality-Dokus”, den tiefschürfenden Reflexionen im “Dschungelcamp” und den Entschuldigungs-Shows ihres Bundespräsidenten folgen können, hat der Privatsender RTL die Initiative “Sag’s auf Deutsch lanciert gestartet:

Mehr oder weniger bekannte Zeitgenossen erklären Aisha vom Dönerladen und Ali in Zelle 112 zigmal pro Tag, dass sie in ihrer Wahlheimat erst dann so richtig den Plausch haben, wenn sie sich mit den Eingeborenen in deren Sprache verständigen können.

Was RTL bei der Planung seiner Integrations-Offensive möglicherweise nicht bedacht hat: Wer die Botschaft des Filmchens kapiert, kann bereits Deutsch.

Die eigentliche Zielgruppe wird die Werbepause dazu nutzen, die Nüsslischale aufzufüllen, neuen Tee aufzusetzen oder für die Verwandtschaft Hartz IV-Anträge auszufüllen.

Voll Tütsch, Mann

Dieses Plakat hängt im Zürcher Hauptbahnhof und bestimmt noch an zahllosen weiteren Plätzen, an denen es von Eltern, die keine Ahnung haben (wollen), was sie mit ihren Kindern unter der Woche anstellen könnten, nur so wimmelt:

Aber wenn die lieben Kleinen in der Krippe so “super Tütschlehre”: Wieso sprechen dann einheimische Jugendliche, als ob sie erst vorgestern aus der hintersten Ecke von Anatolien in die Schweiz eingewandert wären?

Alles klar

“Androzentrismus dagegen bezeichnet eine überindividuell gesellschaftlich praktizierte Denk-, Sicht- und Orientierungsweise (z.B. von Institutionen), nach der eine Überlegenheit von Männlichkeit nicht direkt behauptet, sondern eine Männlichkeits-orientierte Perspektive unhinterfragt in den Mittelpunkt gestellt und deren Gleichsetzung mit „der Allgemeinen“ vorgenommen, somit deren Universalisierbarkeit für akzeptabel erachtet wird, während das gesellschaftlich dem „Weiblichen“ Zugeschriebene als Abweichung vom vermeintlich Normalen und als Besonderheit aufgefasst, dieses somit – ähnlich wie bei anderen Zentrismen (vgl. beispielsweise Eurozentrismus) – erst indirekt, verdeckt und praktisch (z.B. durch die entsprechende Verschiebung der empirischen Beweislast für Mängel an Objektivität in Form von Geschlechtsneutralität einer Aussage) zu etwas Unterlegenem wird.”

(Aus dem Online-Lexikon Wikipedia)