Das swisscommt mir gerade recht

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Ich weiss nicht, wer sich bei der Swisscom um die “kundenspezifische Kommunikation” (oder wie immer diese Geschäftssparte auch heissen mag) kümmert. Es muss sich um jemanden handeln, der über ein ausgeprägtes Gespür für bestehende oder möglicherweise noch auftauchende Bedürfnisse seiner Klientel verfügt. Oder zumindest weiss, wer wann wieso schon einmal die Hilfe des Unternehmens in Anspruch nehmen musste.

Was ich weiss ist: Er oder sie macht seinen oder ihren Job saugut. Mit dem Hinweis, den mir die Swisscom kurz nach meiner Landung in Las Palmas per SMS hat zukommen lassen, traf sie ins Schwarze – wenn auch ein bisschen zu spät.

Denn “Richtiges Verhalten bei einem Handy-Klau in Spanien”: Das ist ein Thema, das auch mich vor nicht allzulanger Zeit auf einmal brennend interessierte.

Verraten und verkauft

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Kaum hatten wir im Gasthaus Hoher Hirschberg über Appenzell Meistersrüte gestern Platz genommen, hiess mich die Swisscom per SMS “Willkommen in Österreich!”

Ich frage mich: Was verschweigt uns unsere Landesregierung?

Nachtrag: Es ist vermutlich alles noch viel schlimmer. Meine Facebook-Freundin Gabi Leu schreibt zu diesem Beitrag: “Ist mir fast gleich ergangen, gestern im Bergrestaurant in Moléson. Ich erhielt eine SMS mit “Willkommen in Frankreich…”

Ist in letzter Zeit sonst noch jemand in eine patriotische Identitätskrise gestürzt worden? Meldungen bitte in den Kommentaren.

Der Pad der guten Hoffnung

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Finster entschlossen, mobilkommunikationstechnisch chli aufzurüsten, fuhr ich letzte Woche in den Mediamarkt vor den Toren von Burgdorf.

Ob sie das iPad Air schon hätten, fragte ich einen der Verkäufer, die mich, kaum hatte ich den Laden betreten, umkreisten wie Geier ein verendendes Tier.

Er sei nicht sicher, ob noch welche an Lager seien, sagte der junge Mann, und verschwand nach hinten, um nachzuschauen. Als er nach einer langen Weile wieder zum Vorschein kam, eröffnete er mir bedauernd, genau dieses Modell sei gerade ausgegangen. In den nächsten Tagen gäbe es allerdings Nachschub; wenn ich wolle, setze er mich auf eine Liste. Sobald das iPad geliefert werde, rufe er mich an.

Ich sagte “wunderbar”, gab dem Herrn meine Koordinaten und verliess das Geschäft in der Hoffnung, alsbald zu den stolzen Besitzern des nigelnagelneusten Wurfs aus dem Hause Apple zu gehören.

Knapp eine Woche hatte sich der Mediamarktverkäufer noch nicht bei mir gemeldet. Henu, dachte ich; wenn ers nicht nötig hat, bringe ich mein Geld halt zu jemand anderem.

Auf dem Rückweg von der Arbeit steuerte ich heute Nachmittag den Swisscom-Shop im Berner Hauptbahnhof an. “Nein”, sagte das Fräulein, “das iPad Air haben wir nicht.” Auf meine Frage, wo ich eines kaufen könnte, zuckte die Dame mit den Schultern…und wendete sich dem nächsten Kunden zu, 

Leicht irritiert bummelte ich zum Swisscom-Shop am Waisenhausplatz. Doch auch dort winkte der Verkäufer ab: Das gewünschte Gerät komme erst Ende November oder Anfang Dezember auf den Markt, beschied er mir.

Im Zug heim nach Burgdorf konsultierte ich den Online-Support der Swisscom. Viel schlauer wurde ich dadurch nicht: Ein User schrieb, er habe am 1. November ein iPad Air bestellt. Die Swisscom habe eine Lieferung innert Wochenfrist in Aussicht gestellt. Seiter habe er von dem Unternehmen “nichts mehr gehört”. 

 

 

 

Lonely ohne Phonely

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“Die Kriminalität ist auf Gran Canaria nicht sonderlich hoch”, behauptet das der lokalen Tourismusbranche vermutlich nicht allzu fernstehende “Informations”portal grancanariaonline.com.

“Nicht sonderlich hoch”? Naja:

Mitte Juli erstach in Playa di Arinaga eine Frau ihren Freund.

Wenig später entdeckte die Polizei in einer Wohnung in Las Palmas die stark verweste Leiche einer Frau, die allem Anschein nach ebenfalls einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefellen war.

Ebenfalls im Juli wurde ein Deutscher verhaftet. Er soll Ualauban grosse Rabatte auf Reisen versprochen haben, die keinen Wert hatten.

Am letzten Samstag fanden Ordnungshüter in La Orotava die Leiche eines neugeborenen Babys; sie lag in einem Müllsack. Die Mutter sitzt hinter Gittern.

Vor diesem Hintergrund ist mein “Fall” kaum der Rede wert: Mir wurde gestern Abend das iPhone geklaut, das ich erst vor ein paar Wochen gekauft hatte.

Eben sass ich mit ihm noch, nichts Böses ahnend, in einem Beizli am Strand. Wie zwei Frischverliebte teilten wir uns einen Stracciatella-Pistache-Coupe (ohne Rahm, wegen ihm). Dann machte ich mich auf den Weg zum Hotel. Als ich beim zehn Meter vom Café entfernten Taxistand vorbeiging, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Oder genauer gesagt: Dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Ein zögerlicher Griff in die Hose bestätigte, was mein Unterbewusstsein sofort vermutet hatte: Das Handy war weg.

Und mit ihm 6004 Lieder, über 3000 Fotos, sämtliche Unterlagen der Szenerie Burgdorf, unzählige Mails und SMS, Kalendereinträge, einige harmlose, aber aufwendig gedrehte Filme, die Jass-App, die Wetter-App plus, last but absolut nicht least, die Möglichkeit, jederzeit meinen Schatz anrufen zu können, nur, um kurz ihre Stimme zu hören.

Aber gut: Immer noch lieber kurz von der Aussenwelt ab- als in einem Apartment aufgeschnitten.

Glücklicherweise I wurden meine Kommunikationswege nicht komplett veschüttet. Und glücklicherweise II ist das meiste, was mir abhanden gekommen ist, auf dem Compi zuhause gespeichert. Ich werde das neue Handy nur an ihn anschliessen müssen, und schwupp: Sind Toto, Deep Purple, Abba, die Halunke, Mark Knopfler, die Hochzeits- und Ferienbilder, die Termine (Juhui!) sowie die privaten und geschäftlichen Korrespondenzen wieder da.

Das ist ein Grund zum Feiern. Wir machen ein bisschen Musik:

Kaum im Hotel angekommen, warf ich den Laptop an, um Chantal zu schon sehr vorgerückter Stunde zu bitten, die Swisscom-Hotline anzurufen und das iPhone sperren zu lassen. Wenig später meldete sie: Alles ok.

Von der Poolbar aus, an der die anderen Gäste andächtig einem Soulsänger lauschten, der Harry Belafonte nachmachte, rief ich dem Dieb, der sich bestimmt schon auf eine lange Jassnacht gefreut hatte, ein hämisches “Ha!” hinterher. Daraufhin tippte ich ein paar Mails an Leute, die in meinem Leben sonst nur eine sehr periphere Rolle spielen, für mich jetzt jedoch schlagartig sehr wichtig wurden.

Jetzt gehe ich zum nächstbesten Polizeirevier, um den Frevel für die Versicherung anzuzeigen.

Auf eine merkwürdige Weise bin ich sehr gespannt darauf, die echten Kollegen von Paolo Cruz und (dem inzwischen wohl eher unehrenhaft aus dem Dienst ausgeschienenen) Daniele Corrida kennenzulernen.

Nachtrag: Das Handy ist tags darauf wieder aufgetaucht.

Das Kreuz mit der Box

Montag, 15. Oktober 2012, 13.20 Uhr: Dann werde man sich halt “von der Zentrale aus” um das Problem kümmern, sagte der Hotline-Mann von der Swisscom soeben. Die letzte halbe Stunde hatte ich damit verbracht, mit ihm im Ohr die TV-Box plus den Router je einmal total zu resetten. Die Bemühungen waren umsonst: Der Fernseher ist immer noch tot. Mehr als ein rotes Kreuz und drei graue Viereggli gibts seit heute Morgen nicht mehr zu sehen.

Jetzt schauen wir einfach mal, was “die Zentrale” so macht, und innert welcher Frist.

Fortsetzung folgt.

15.10 Uhr: Das geht ja flott: Nur noch zwei Viereggli.

19.50 Uhr: Das rote Kreuz ist immer noch da. Mit drei Viereggli.

Was verpasse ich alles?

– Eine Mankell-Verfilmung (schon gesehen),
– „Jagd auf „Roter Oktober“ (schon gesehen),
– zwei Folgen „C.S.I.“ (wahrscheinlich schon gesehen),
– zwei Folgen „Simpsons „(ziemlich sicher schon gesehen) und
– „Das Wetter in Baden-Württemberg“.

Gut, habe ich mir neue Bücher aufs Eipäd geladen: „Die Frau an seiner Seite“ von Heribert Schwan, „Mordmethoden“ von Mark Benecke und „Recht und Gerechtigkeit“ von Jörg und Miriam Kachelmann (und das, obwohl Kachelmann mit seinem subsouveränen Auftritt bei Günther Jauch in meinem persönlichen Rating schwer Punkte eingebüsst hat. Aber ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass ihn diese Rückstufung im Moment nicht übertrieben stark beschäftigt).

Literarisch dermassen hochgerüstet, hoffe ich die Zeit, in der „die Zentrale“ von Ferne in den Innereien meiner TV-Box herumfummelt, überbrücken zu können. Falls ich alles fertiggelesen haben sollte, bevor die Swisscom das Chäschtli geflickt hat, kann ich immer noch ein Buch schreiben oder Japanisch lernen, bis die Kiste wieder läuft.

Dienstag, 16. Oktober, 4.20 Uhr: In der Nacht, ohne Spiegelungen, sehen das Kreuz und die Viereggli besser aus als am Tag. In der Zwischenzeit habe ich feststellen müssen, dass der Hotline-Mann gestern chli geflunkert hatte. Als ich ihn fragte, ob das öppedie vorkomme, so drei Viereggli mit einem Kreuz, sagte er mir ins Gesicht iPhone, nein das sei ist jetzt das erste Mal. Doch was muss ich beim Blick in eine Fernsehflick-Selbsthilfegruppe sehen: Soooo selten ist das gar nicht.

Andrerseits: Wenn ich der Hotline-Mann wäre, würde ich einem Kunden vermutlich auch nicht graduse sagen: „Jessesgott, Sie. Sie glauben ja nicht, wie das immer leuchtet, wenn unser System nicht funktioniert! Am besten ist es, wenn es am Weihnachtsabend aussteigt. Dann können sie sich den Christbaum schenken, so wie das blinkt.“

Um auf andere Gedanken zu kommen, gehe ich ins Büro. Gegen Mittag bin ich zurück. Bis dann ist die Box repariert, sonst…sonst…sonst… .

11.48 Uhr: Wer statt fern nur ein Kreuz und Viereggli sieht, hat viel Zeit zum Überlegen. Ich habe sie genutzt, um eine Verschwörung aufzudecken (aufzudecken im Sinne von “enthüllen” gabs zwar nichts. Es lag für alle sichtbar auf dem Boden. Es brauchte nur jemanden, ders aufhebt). Und zwar: Carsten Schloter, der Swisscom-Chef, ist Deutscher. Der Hotliner, mit dem ich vor 248 Jahren gestern telefonierte, ist ebenfalls Deutscher. Das heisst: Die Swisscom ist in deutscher Hand. Es ist folglich nur eine Frage der Zeit, bis Schloter und der Hotliner unser Paradeunternehmen in die deutsche Telekom integrieren. Die Telekom wiederum gehört vermutlich zu einem nicht kleinen Teil der deutschen Regierung. Damit ist absehbar: Deutschland übernimmt den Schweizer Telefonmarkt. Und sobald Angela Merkel die Schweizer Kommunikationsstränge in der Hand hält, kann sie schwupp realisieren, was noch vor 80 Jahren gescheitert war.

Ein unfriendly Takeover der Schweiz wäre jedoch nichts im Vergleich zu dem, was Peter Gutjahr aus Effretikon prophezeit (für jene, denen Peter Gutjahr kein Begriff ist: Er studiert die Astro-Realität). In dieser Funktion schreibt er ausgewählten Redaktionen: “Entfernen Sie mich sofort aus Ihrem E-Mail-Verteiler und senden Sie mir niemals mehr eine E-Mail. Beten Sie weiter Ihren Urknall-Satan an, und werden Sie glücklich dabei. Sorgen Sie dafür, dass ich von der ETH-ZH, von der UNI-ZH, vom CERN und vom PSI, niemals oder niemals wieder angeschrieben werde. Die resultierende Kausal-Weltbild-Global-Realität aus dem Urknall ist physikalisch so unmöglich wie der Urknall. Sie können Richtung Fixstern Sonne und Richtung Alter-Grösse-Universum ein wenig an den Zahlen-Werten schräublen, in der Global-Realität können Sie dann das Kausal-Realität-Wissen des Schräublens ablesen. Die Verkündung des Geschräubleten können Sie den Holocaust-Juden-Sekte Astro-Koryphäen, Realität-Koryphäen und Physik-Koryphäen übertragen, so wie vorgesehen, und seit Jahrzehnten Sekten-Realität. Wo die Wahrheit zerstört ist, ist immer Satan, und das ist nur ein Begriff wie tausende andere.”

“Die Verkündung des Geschräubelten”: Es wird einem Angst und Bange.

Aber – und damit zurück zur Swisscom -: Zum Schräubeln wärs, Realität-Koryphäen hin, Physik-Koryphäen her, jetzt dann langsam Zeit.

14.50 Uhr: Anruf bei der Swisscom. Ein aufgestellter Bündner nimmt nach dem zweiten Läuten ab, hört sich die Geschichte an und sagt dann sinngemäss “Ah. Oh. Hm. Moment”. Im Hintergrund ist Tastaturklicken zu hören. Dann sagt er: “Es kommt jemand vorbei. Morgen um Drei.”

Damit geben wir kurz ins Studio für ein bisschen Musik:

Mittwoch, 17. Oktober, 14.21 Uhr: Die Spannung steigt. Ich sitze hoffnungsfroh zuhause und schaue alle paar Minuten aus dem Fenster. Kommt der Monteur? Kommt er nicht? Wie lange ist er schon im Geschäft? Schickt mir die Swisscom einen Profi mit jahrzehntelanger Boxflickerfahrung vorbei? Oder steht gleich ein Erstlehrjahrsstift vor der Türe, der nur aus Erzählungen seiner Eltern weiss, was ein Fernseher ist?

Wenn ich nicht schon rauchen würde – jetzt wäre ein guter Moment, um damit anzufangen.

Gemessen an den Klicks (gut 250 seit vorgestern) und der erschütternd geringen Anzahl Kommentare (nur auf Facebook fühlte sich jemand , den ich ideologisch jetzt einfach mal in der waldorfschulgestählten Gutmenschenfraktion verorte, bemüssigt, mir von der Seite her anzubieten, sich einmal mit mir über mein Suchtverhalten zu unterhalten, was ich über alle Massen schätze, besonders in Situationen, in denen ich so verletzlich bin wie in diesen, wenn der Fernseher streikt) gehe ich nicht davon aus, dass das Drama um unsere kaputte Box die Welt erschüttert hat.

Trotzdem will ich den treuen Leserinnen und Lesern, die von Anfang an dabei waren und offensichtlich finster entschlossen sind, bis um letzten Punkt durchzuhalten, nicht vorenthalten, welch Happy End die Geschichte soeben nahm. Weil die Sache textmässig sowieso schon leicht überbordet (Monstersätze wie den, aus dem der letzte Abschnitt besteht, passieren mir sonst eher nie), fasse ich mich kurz.

15.16 Uhr: Der Monteur ist da. Das ist chli später als gestern vom flotten Bündner versprochen, aber was solls. Wenn ich Cablecom-Kunde wäre, hätte ich zwischen den ersten Notruf an die Hotline und das „Dankeschön“ für den Mechaniker locker die Australienferien schieben können.

15.20 Uhr: Der Monteur montiert nach einem kurzen Smalltalk gigantische Swisscom-Filzpantoffeln und betritt die Wohnung.

15.23 Uhr: Er kontrolliert das Internet und die Kabel und alles.

15.26 Uhr: Auswechseln der Box.

15.30 – 15.43 Uhr: Nichts passiert. Leise Beunruhigung auf Seiten des Kunden.

15.44 Uhr: Der Monteur ruft in der Zentrale an. Viele „Ah“ und „Hm“ und „Klar“ und „Gut“.

15.50 Uhr: Blaurote Lebenszeichen auf dem Bildschirm

15.54 Uhr: Der Fernseher ist wieder wie neu!!!

16.06 Uhr: Der Monteur verabschiedet sich. Die Pantoffeln nimmt er mit. Schade: Ich wäre in ihnen gerne mal Kanu gefahren.

16.10 Uhr: Blick ins TV-Programm. Nichts Gescheites in Sicht.

16.11 Uhr: Griff zum iPad. Antippen des Kachelmann-Buches.

16.15 Uhr: Erkenntnis: Das Buch ist Schrott.

16.16 Uhr: Käfele im Garten.

Zur Feier des Tages: