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Schlagwort: Winter

Aus Weiss wird Schwarz

Sonntag, 6. Januar 2019: Ungläubig starren die Menschen an diesem frühen Morgen aus ihren Fenstern. Wochenlang hatte der Winter Burgdorf mit seinen eisigen Klauen umklammert. Doch nun scheinen seine Kräfte nachzulassen: Das Weiss auf dem Boden wird langsam wieder zu Schwarz.

Die Freudentränen der Überlebenden gefrieren innert Sekundenbruchteilen zu winzigen Perlen. Mit einem leisen „Pling“ zerschellen sie auf unzähligen Küchen-, Stuben- und Schlafzimmerböden zwischen dem Schloss und der Emme.

Auch die Ältesten können sich nicht erinnern, je ein schöneres Geräusch gehört zu haben.

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Platz da

Eigentlich waren an diesen Januarmorgen alle bereit für die nächste Gruppentherapie. Doch Dr. Müller, der Gförli, liess die Sitzung kalten Arsches ausfallen.

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Wintergedicht

Nackt steht der Baum
im Winterwind
und wartet
auf sein neues Kleid,
das aber erst im Frühling geliefert wird,
wenn ers gar nicht mehr
braucht,
weils dann
schon wieder warm ist.

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Nebenverdienst

März ists, und immer noch Winter. Inzwischen dürfte es den meisten Leuten verleidet sein, jeden Tag den Schnee von den Wägli vor ihren Häusern zu schippen.

Das ist meine Chance: Ich starte ein Start-up als Callschneeschaufler.

Ich arbeite speditiv, auf Wunsch munter pfeifend (riesige Songauswahl!) und ziehe fadengerade Bahnen auch im stotzigsten Gelände (siehe Bild).

Preis: Fr. 10.—/Meter. Pauschalen nach Vereinbarung. Sagenhafte Sommerrabatte!

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Besuch von gegenüber

„So kalt hatten wir in unseren ganzen Leben noch nie“, sagten Chantals Cousine Niqui Caridad und deren Freundin Tiff Batcheldor, als sie uns neulich besuchten.

Das ist kein Wunder: Wenn zwei Australierinnen Ende November durch Europa reisen, ist ein Temperaturschock programmiert. Cool, wie die beiden nunmal sind, verkrochen sie sich jedoch nicht in der Wärme, sondern fuhren mit uns nach draussen, an die Frostfront.

Am Thunersee und in Interlaken bestaunten sie die Berge (und die unzähligen asiatischen) Touristen. Beim Bummel über den Weihnachtsmarkt in der Strafanstalt Hindelbank wärmten sie sich mit Glühwein wieder auf. Dann war die Zeit in wonderful Switzerland auch schon wieder vorbei: Unsere Gäste flogen weiter nach Madrid, wos den Prognosen zufolge zwei, drei Grad wärmer gewesen sein dürfte.

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Im Princeip wärs ja Frühling

Sometimes it snows in April„, sang der vor genau einem Jahr viel zu früh verstorbene Prince.

Wo der Mann Recht hatte, hatte er Recht: Am 19. April 2017 fielen auch über Burgdorf eher überraschend weisse Flocken vom Himmel. Das hätte meiner unmassgeblichen Ansicht nach nicht un-be-dingt sein müssen – aber irgendwie…irgendwie sahs halt schon noch schön aus, die Blumen auf dem Kronenplatzbrunnen, mitten im Schneegestöber.

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Es ist, wies ist

Der Krieg in Syrien dauert an, vier oder acht Amtsjahre von Donald Trump liessen sich inzwischen nur noch mit juristisch eher fragwürdigen Mitteln verhindern, das Burgdorfer Bauamt vergisst alle zwei Wochen, den Ghüder am Punkt Dienstag in unserem Quartier abzuholen: Die Welt, liebe Leserinnen und liebe Leser, ist aus den Fugen geraten, und wenn wir schon dabei sind:

Mit Fuge und Recht kann man knapp vier Wochen, nachdem es geschlüpft ist, also behaupten: Das Jahr 2017 geht, wenn es so weitermacht, innert Kürze den Bach runter (anders als 2010 zum Beispiel, an dessen Ende ich meiner damaligen Freundin erfolgreich einen Heiratsantrag machte, oder auch ganz im Gegensatz zu 2013, als Mark Knopfler und Toto auf der Piazza Grande in Locarno für zwei bis an mein Lebensende denkwürdige Hochsommerabende sorgten, und schon gar nicht zu vergleichen mit unserem Hochzeitsjahr 2012; d e m Jahr überhaupt), aber was solls?

„It’s what it is“ (lat. „Es ist, wies ist“) sang Knopfler damals, im Tessin, als zweiten Song seines Konzerts (los wars mit „Border Reiver“ gegangen; dies nur der Vollständigkeit halber), und wenn er das sagt, wirds wohl stimmen. Andernfalls hätte sich „Sailing to Philadelphia“, die CD mit „What it is“ drauf, wohl kaum zigmillionenfach verkauft, oder nicht? ODER NICHT?!? – Eben.

A propos „Tessin“: Falls bei diesem anhaltend garstigen Wetter jemand darüber nachzudenken beginnen sollte, spontan für ein Wochenende in den relativ nahen Süden zu verschwinden, kann ich das Hotel Collinetta bei Ascona wärmstens empfehlen. Es kostet sozusagen fast gar nichts und bietet sehr viel (Aussicht, um nur einen Vorzug zu nennen):

Burgdorf hingegen hinkt in attraktivitätstechnischer Hinsicht aktuell chli hintennach

,

aber das wird bestimmt ganz von selber wieder werden, und wenn nicht, beschwere ich mich einfach bei unserem neuen Stapi.

Keinen Grund zur Klage hatte meine Schwägerin Judith Wernli. Sie sammelte für die Hilfsorganisation Volunteers for humanity in Dättwil warme Kleider, Decken, Schuhe und so weiter für Menschen auf der Flucht. 


(Bild: zvg)

Als wir bei ihr vorbeischauten, um unser Scherflein zu der Aktion beizutragen, gings in der Garage zu wie in einem Bienenhaus. Die Leute deponierten nicht nur säcke- und schachtelweise Ware, die sie selber nicht mehr benötigen, sondern nutzten die Gelegenheit auch zu einem Schwatz unter Bekannten oder Wildfremden, und so hatten am Ende alles etwas davon. „Unfassbar gross“ sei die Unterstützung, freuten sich die Verantwortlichen auf Facebook, während es sich ein paar wenige Stänkerer nicht verklemmen konnten, gleichenorts darauf hinzuweisen, dass im Fall auch in der Schweiz Menschen Not leiden würden.

Ich frage mich manchmal, was das für Zeitgenossinnen und -nossen sind, die in der kuscheligen Wärme ihrer Einfamilienhäuschen rund um die Uhr an ihren teuren Laptops und schicken iPads sitzen, um das Internet nach Meldungen abzugrasen, die sie in ihrer Ansicht bestätigen, ständig zu kurz zu kommen.

Vermutlich sind es dieselben Leute, die bei Google Suchbegriffe wie „Junge holt sich einen runter“ oder „Susan Link Füsse“ (wer ist Susan Link? Ach so: eine TV-Moderatorin. Gut zu wissen.) eingeben und daraufhin, warum auch immer, in diesem Blog landen, wo sie ihren Senf, frustriert darüber, nichts zum Thema „Junge holt sich einen runter“ gefunden zu haben, zu wahllos angeklickten anderen Texten absondern.

Zu diesem Beitrag landeten im Laufe der letzten Wochen – anonym, versteht sich – folgende Kommentare in meinem Spamfach (die Fehler lasse ich stehen; irgendwie fehlt mir gerade die Zeit und die Musse, sie zu korrigieren)::

  • „Man sieht dass sie keine Ahnung haben. Das Gedicht heisst Marsch in die Nacht und haben wir in der Schule gesungen.“
  • „Machen Sie sich nur lustig über die Soldaten. Sie werden einmal froh sein darüber.“
  • „Sie sind sicher auch einer von diesen Armeeabschaffern. Ihre Meinung intressiert niemand.“
  • „Stehlen sie alles?“
  • „Über so etwas macht man keine Witze.“
  • „das klima ohne wende und t shirtwetter fern“ ist falsch, es heisst richtig „die strasse ohne ende und was wir lieben fern.“.

Ich mag ihnen ja gönnen, wenn sie immer wieder neue Örtchen finden, an denen sie sich intellektuell versäubern können. Aber wenn sie schon wegen vier Zeilen, die noch dazu in keinster Weise ernstgemeint waren, einen solchen Aufstand machen: Was wird wohl los sein, wenn sie in meinem virtuellen Stübchen einmal etwas (zumindest mir) wirklich Wichtiges entdecken?

+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++

Wie der Tagesanzeiger, „Bild“, Focus und seit wenigen Minuten nadisna sämtliche Medien zum Schrecken all jener berichten, die ein Minimum an Wert auf gute Musik, passable Frisuren und Kleider aus der Zeit nach Christi Geburt legen, gedenkt die Kelly Family in diesem Jahr offenbar ein neues Album zu veröffentlichen.

Nein: „Verheissungsvoll“ ist nicht das Adj Adv Pron Wort, das einem zum Auftakt von 2017 als Erstes einfällt.

Aber mir wei nid chlage: im Frühling 2018 sind wir schon wieder in Australien. Bis dahin heisst es einfach durchhalten, Susan Links Füsse bestaunen und „What it is“ hören.

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