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Was gibts da zu lochen?

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In den Ferien achte ich nicht nur auf eine gesunde Ernährung (siehe die Tomate links unten). Ich nutze die reichlich vorhandene freie Zeit auch gerne, um meinen Körper weiter zu stählen.

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Eine perfekte Gelegenheit dazu bietet sich neusterdings direkt neben meinem Hotel (genau: dem mit dem Superzimmer): Wo vor einem halben Jahr noch Büsche sprossen und Vögelein zwitscherten, warten nun 18 Minigolfpisten auf die sportlich interessierte Gaschtig des Hauses.

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(Die Personen auf dem Bild sind nicht identisch mit jenen im Text.)

Obwohl die metro methr metteo das Wetter mit einer Zweierwindstärke und leichter Bewölkung aus Nordost zur Ausübung einer extrem viel Präzision erfordernden Openairtätigkeit alles andere als ideal war, liess ich mir an der Rezeption einen Schläger, einen Ball und ein Blöckli aushändigen, wobei ich Letzteres, wie mir schon nach dem vierten Loch zu dämmern begann, gar nicht benötigte: Wo kein Gegner ist, ist auch kein Wettbewerb und niemand umewäg, den man mit dem feinsäuberlichen Aufschreiben jedes einzelnen Zwischenergebnisses am Bescheissen hindern müsste.

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Abgesehen davon, sagte ich mir, kann ich mir meine Resultate auch so merken (um es vorwegzunehmen: Nach 15 Schlägen blieben mir nur noch einige wenige Hindernisse abzuarbeiten und…aber wenn ich lange genug darüber nachdenke, spielt das eigentlich gar keine sooo grosse Rolle).

Jedenfalls: Während ich zu den Klängen von Tina Turner, Phil Collins und den Dire Straits(!) tiefenentspannt vor mich hinputtete, fiel mir bei gelegentlichen Blicken auf die von Schikane zu Schikane schlurfenden Familien auf, dass Minigolfspieler in grob gesagt drei Typen unterteilt werden können.

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Typ A ist der sich junggeblieben wähnende Familienvater, der seinen Lieben jetzt einmal zeigen will, wie das geht. Er gibt noch vor dem ersten Schlag mit voll aufgedrehtem Lautsprecher damit an, wie er in seiner Clique zu seligen Teenagerzeiten zu den ganz kapitalen Minigolfhirschen gehört habe und liegt nach sechs Bahnen schon ziemlich im Rückstand, weil er vor lauter Angst davor, sich vor seiner Frau und dem Sohn zu blamieren, keinen Ball unter fünf Anläufen ins Loch bringt. Und weil er sich ständig darum kümmern muss, dass Typ C (mehr zu ihm gleich) alles richtig macht; “richtig” im Sinne von “genauso wie Typ A”.

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Typ B ist die Ehefrau oder Freundin von Typ A. Sie wollte zuerst gar nicht mitspielen und sich lieber ein weiteres Cüpli am Pool genehmigen, liess sich dann aber von ihrem Schatz “nur für eine Runde” überreden (“Das ist Fun, Schnäggli. Wer gewinnt, ist doch ü-ber-haupt nicht wichtig”, hatte der Schatz zu ihr gesagt. Dass er die nächsten 45 Minuten, von Ehrgeiz zerfressen, damit zubringen sollte, über diese “verdammte Scheissbahn” zu fluchen und ihm, dem Schnäggli, zwischen Loch 17 und 18 mit der Trennung drohen würde, wenn es nicht endlich, ENDLICH! “mit diesem einfältigen Gekichere” aufhöre, konnte sie zu jenem Zeitpunkt nicht ahnen).

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Typ C ist der Bub von A und B. Er hatte sich auf einen glatten Nachmittag mit den Eltern gefreut und muss jetzt konsterniert feststellen, dass seine Erziehungsberechtigten auch in den Ferien eine ausgeprägte dark side of the seinem Gespür nach sowieso schon lange nicht mehr leuchtend hellen moon haben.

Eigentlich will er jetzt nur spielen und das ganze Gezänke, das er sich vermutlich schon gestern auf dem Weg zum Flughafen (“Zum zehnten Mal: Ja, verdammt! Ich habe die Tickets!!”), dann im Flieger (“Ist ja wohl mein Bier, was und wieviel ich hier oben trinke!”) und zu vorläufiger Letzt auch im Hotel (“Natürlich hats keinen Balkon. Du wolltest es ja so günstig wie möglich haben!”) hatte anhören müssen, vergessen.

Aber jedesmal, wenn er dazu ansetzt, den Ball nach seinem persönlichen Gutdünken nach vorne zu schieben oder zu pfeffern, stellt sich Typ A neben ihn, um die Fuss- oder Schläger- oder Schulterhaltung zu korrigieren und mit bedeutungsschwangerem Unterton zu sagen, hier sei “ein weicher Schlag” oder “nur ein Antüpfen” oder “unendlich viel Gefühl” oder sonst etwas angezeigt, was im Grunde nur er, Typ A, beherrsche.

Nur: Das interessiert den Junior nicht im Geringsten.

Am Ende zählt das Schnäggli zusammen: Es hat 46 Punkte, der Bub 42 und der Papi 61.

Published inFerientechnischesFragwürdiges

6 Comments

  1. @ Hannes Zaugg:

    Ich schaffte es in 45 Anläufen, was ungefähr die Hälfte dessen ist, was ich im letzten Sommer benötigte…

    …und ziemlich genau dem Dreifachen meiner Performance entspricht, wenn ich zur Abwechslung einmal nicht auf so! einer!! Scheissbahn!!! spielen muss:-))

  2. markus

    Boah! Ich stelle grad fest, das ich Typ D bin;-)

    Mach weiter so, Hannes. Das fägt!

  3. Sandra Haller

    Muss unbedingt auch wieder einmal zum Minigolf mit meinen Lieben… einfach zum mal hören, wie’s bei uns so tönt:-)

  4. Und wieviele Pünktli hatte Schreibender? Du lenkst da etwas ab, wie mir scheint. Regelmässige Leser dieses Blogs wissen ja, wie es dir kürzlich als A-Typ (auch ohne C) erging.

  5. brigitta wetli

    super text! hole in one.

  6. Gorgon

    LOOOOOOOL 😀

    Herrlicher Bericht. Du solltest Ferien zum Dauerzustand machen und einfach nur schreiben. Auch wenn Du 150 wirst, schaffst Du nie alle Orte, wo man Homini sapienti in freier Wildbahn beobachten kann, und hast so immer genug zu tun.

    Danke und gut Loch.
    Görgu

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