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Wie alle, nur anders

Auf ihre ganz…äh…eigene Art sind sie schon drollig, die deutschen Touristen auf Gran Canaria und überall sonst auf der Welt.

Wenn ihnen jemand, den sie als Führungsfigur anerkennen – den Schildermaler einer Strandbeiz, zum Beispiel – etwas vorschreibt…

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…machen sies einfach,

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und zwar unabhängig davon, ob das einen Sinn ergibt und ungeachtet dessen, wer das Chaos am Ende aufräumt.

Und überhaupt: Was heisst hier

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schon “Heute 19.45”?

Deutschen Ton gibts hier (und dort. Und da auch) fast rund um die Uhr, von morgens um 6, wenn die ersten Hotelgäste, windschlüpfrig über ihre Rollatoren gebeugt, zum Pool sprinten, um sich mit dem Badtüechli einen Platz am Wasser zu sichern, weil spätestens um 10 Uhr jede Liege mit allen verfügbaren Mitteln besetzt sein wird,

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bis abends um 9, wenn auch die zächsten Paare, vom Foxtrotten bis an den Rand des Komas ermattet, in ihre Betten sinken.

Sie bestellen, wie schon vor zwei Jahren und wie bestimmt auch in zweihundert Jahren noch, ne Pälla, von der sie dann nur einen Viertel verspeisen (jenen Teil nämlich, der Esswaren enthält, die sie kennen: den Reis, die Erbsli und den Pouletfetzen), Fruttidelmareplatten, die sie zurückgehen lassen, weils Fisch drauf hat und Nochi, obwohl die das einzige sind, was auf der Karte fehlt.

Sie meckern, weils draussen zu warm ist oder drinnen zu kühl, sie diskutieren stundenlang mit dem Personal, weil sie am Vorabend für irgendetwas bezahlen mussten, was laut Katalog im Preis inbegriffen war und drohen dem Busfahrer mit rechtlichen Schritten, wenn er zwei Minuten zu spät vor dem Hoteleingang steht.

Sie beklagen sich darüber, dass “in diesem Laden” zuwenig laufe. Aber wenn die Animatrice dann zur Wassergymnastik oder zum Bogenschiessen oder zum Darts oder zum Billard ruft, bleiben sie lieber auf ihren Liegen liegen; das fehlte ja gerade noch, dass sich auf dem mühselig erkämpften Plätzchen nachher genau der Typ räkelt, den man vor Sonnenaufgang mithilfe von zwei Weckern und einem perfekt getimten Anruf aus der Rezeption so elegant ausgebremst hat.

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Sie “fragen” arglos an der Bar bloggende und sich dabei selber fotografierende Schweizer, ob sie “mal eben” deren Laptop ausleihen können, um zu scheckn, ob die Gran Canaria-DVD, die sie in der Innenstadt einem halbseidenen Händler abgekauft haben, um sich die Insel nicht selber anschauen zu müssen, “auf diesem Ding” läuft (hätte der Mann auch nur “Mac” statt “Ding” gesagt, wäre eine wenn vielleicht auch nur gespielte Verhandlungbereitschaft nicht zum Vornherein ausgeschlossen gewesen).

Kurz: Die Deutschen benehmen sich auf Gran Canaria genauso wie all die anderen Touristen, nur ein bisschen anders.

750 000 (in Zahlen: 750 000) Deutsche fallen Jahr für Jahr auf dieser Insel ein (das schreibt jedenfalls Manfred Schock, und es gibt keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Schliesslich ist er der für Touristen zuständige Geistliche vom lokalen evangelischen Pfarramt).

Dazu kommen rund 11 000 Germanen, die ständig hier sind. Die nikotinabstinente Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe blickt vermutlich immer mal wieder neidisch in Richtung der paffenden Fraktion, denn “günstiger als in Deutschland sind auf den Kanaren nur die Zigaretten”, wie der Website Gran Canaria aktuell zu entnehmen ist.

(Weiterer wichtiger Hinweis: “Die meisten Produkte, und das fängt beim Toilettenpapier an, wachsen weder auf der Insel…”. Und, wenn wir schon dabei sind, noch ein Gratistipp obendrauf: “Das Leben besteht nicht nur aus selbstgemachten Kartoffelsalat.”)

Eigentlich wollte ich aber gar nicht über die Deutschen berichten, sondern über Luggi und Tine Stadlmair.

Der Musiker aus Österreich und seine Frau aus – nun denn – Deutschland leben seit vielen Jahren auf Gran Canaria. Erst betrieben sie in Maspalomas mit mässigem Erfolg einen “Bayrischen Biergarten”. Ein verheerender Waldbrand legte ihre Finca in Fataga 2007 in Schutt und Asche.

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(Ausschnitt: wochenblatt.online.)

Dieser Nackenschlag konnte das Paar jedoch nicht davon abbringen, seinen Traum vom Dasein auf Gran Canaria weiter zu verwirklichen. Es richtete auf einer Terrasse des Einkaufszentrums “La Sandia” in Playa del Inglés die “Larifari-Lounge” ein.

“Alt und Jung”, “Cocktail-Fans, Liebhaber von Live-Musik oder Karaoke-Künstler”: Alle würden sich bei ihnen wohlfühlen, versprechen Luggi und Tine Stadlmaier.

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(Bild: pd)

Als jemand, der sich weder besonders jung noch übertrieben alt fühlt, keine Cocktails trinkt und sich die Hölle als riesigen Karaokeschuppen vorstellt, in dem beschwipste Mittelkaderbanker und dem Vergessen anheimgefallene “Superstars” endlos “Last Christmas” und “Wind of Change” darbieten, will ich heute Abend herausfinden, wie Bluesler-kompatibel das Larifari wohl ist.

Sehr lange werde ich allerdings nicht bleiben können. Dieta von nebenan steht mit seinem Rollator garantiert schon um Mitternacht im Startloch. Doch morgen früh hat er keine Chance:

Ich mache in meinem Zimmerchen durch.

Published inFerientechnischesFragwürdiges

3 Comments

  1. Lautenist

    *lach*

    Ich wünschte mir Deine Gelassenheit beim Beobachten Deutscher Touris …

  2. brigitta

    die 2. hälfte konnte ich nicht mehr deutlich lesen. wegen der lachtränen.

  3. Gorgon

    Hahaha, danke!!

    PS: “… Pälla, von der sie dann nur einen Viertel verspeisen.” Genauso issses, und deshalb bestelle ich sowas auch nie 😀

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