Wers glaubt, wird wahnsinnig

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Ich weiss nicht, wie viele Male ich im Sunrise-Shop in der Gurzelengasse in Solothurn vorsprach, und ich kann auch nicht mehr genau sagen, wie oft ich auf die Hotline dieser Firma anrief, weil ich mein Handy-Abo zur Swisscom transferieren wollte. Es mussten Dutzende von Versuchen gewesen sein.

Wen auch immer ich bei Sunrise fragte – die Antwort war immer dieselbe: “Dafür müssen wir nur Ihre Nummer portieren. Das ist überhaupt keine Sache. Bis heute Abend oder morgen früh ist das erledigt.”

Ein halbes Jahr später löste schliesslich eine hilfbereite Mitarbeiterin in einem Swisscom-Shop im Zug das Problem. Nachdem sie  sich eine Stunde lang durch das halbe Sunrise-Organigramm telefoniert hatte, konnte sie mir freudig melden: Wechsel vollzogen.  Dem Kauf eines Swisscom-iPhones stand nichts mehr im Wege.

Kundenservice und Sunrise – das sind für mich seither zwei Begriffe, die sich gegenseitig ausschlissen. Deshalb staunte ich nicht schlecht, als ich am Schaufenster genau jenes Geschäftes, in dem ich vor Jahren beinahe zum Berserker geworden wäre, heute Plakate kleben sah, auf denen Sunrise verspricht, ich könnte bei ihnen “mein Abo wechseln, wann ich will”.

Bye-bye, Bäcker

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Beim Beck bin ich bis auf Weiteres gewesen, denn ab sofort kreiere ich unser eigenes Brot. Möglich machts der Backautomat, den ich neulich für gut 100 Franken im Internet gekauft habe.

Das Vorgehen ist bubileicht: Man kippt oben – je nach Brot, das man haben will – eine sehr genau abgewogene Menge an Zutaten hinein, sagt der Maschine, was man haben möchte (Weissbrot, Dunkles Weizenmehlbrot, Zwiebelbrot, Weihnachtsbrot, Rosinenbrot, Vollwertbrot, Weizenbrot, Kümmelbrot, Weizenvollkornbrot mit Hafer, Müeslibrot, Käsebrot, Weizenmischbrot mit Roggenmehlbrot, Bierbrot, Sonnenblumenkernbrot, Vitalbrot oder ein beliebiges anderes Brot) und ob man die Kruste gerne hell, mittel oder dunkel hätte und wie gross das Gebäck werden soll (mittel, gross oder ganz gross)…und schwuppdiwupp, beginnt sie lautlos zu mischen und zu kneten und zu machen.

Ein paar Stunden später duftets in der Wohnung fantastisch…et voilà:

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Mit meinem neuen Wundergerät lässt sich übrigens nicht nur Brot herstellen, sondern auch viel anderes Feines wie Brioches, Pizzateig, Konfitüren, Pannettone, Kuchenteig oder Kompott. Soweit bin ich aber noch nicht. Ich übe vorerst nochli an den Broten herum.

Bei Jack, Diego und Nora

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Nur wegen der Musik hätten wir in diesem Sommer nicht un-be-dingt ans Moon & Stars-Festival nach Locarno reisen müssen. Wäre der Auftritt von Jack Johnson ein Essen in einem Restaurant gewesen, hätte ich der Serviertochter, wenn sie vor dem Abräumen gefragt hätte, wies gewesen sei, gesagt, “scho rächt”. Ich hatte das Gefühl, zwei Stunden lang ein und dasselbe Lied zu hören. Vermutlich war ich einfach nicht in Gitarrengeschrummelstimmung. Die Tickets für das am nächsten Tag steigende Konzert von James Blunt verhökerten wir dem nächstbesten Schwarzhändler. Dann machten wir es uns mit Lesestoff in einem Beizli am See gemütlich.

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Sehr viel mehr Freude bereitete mir das Treffen mit Dieter Diego Eichenberger. Wir haben miteinander einen sehr grossen Teil unserer Kindheit und Schulzeit verbracht und uns irgendwann – genauer gesagt: kurz nach dem Rolling Stones-Konzert 1982 in Basel – aus den Augen verloren. Dafür gab es Gründe, und zwar sehr gute, aber darauf mag ich jetzt nicht eingehen.

30 Jahre später trafen wir uns nun in seinem schmucken Haus im Tessin wieder, um bei Fleisch vom Grill und Salaten aus dem Garten über die alten Zeiten zu plaudern. Selbstverständlich genügte ein Nachmittag bei Weitem nicht, um uns gegenseitig auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, weshalb wir uns fest versprachen, nicht wieder über ein Vierteljahrhundert verstreichen zu lassen, bis wir wieder mal zämehöckle.

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Eine tierisch schöne Erstbegegnung erlebten wir im Zoo von Maglio bei Lugano. Seit bald einem Jahr ist mein Schatz stolze Patin einer dort lebenden Waschbärendame. Nun war es an der Zeit, das Gottemeitschi (wenn die Zooverantwortlichen und uns nicht alles täuscht: links im Bild) zu besuchen. Nora – den Namen hat sie von Chantal bekommen – freute sich über die Visite mindestens genauso wie über die Bananenstückli, die wir ihr durchs Gitter reichten. Kein Interesse zeigte sie hingegen an den Apfelschnitzli und dem Popcorn, aber Patenkinder dieses Herzigkeitskalibers dürfen natürlich so gschnäderfrässig sein, wie sie wollen.

Der Charme des Verstaubten als Reiz des Neuen

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Auf musikalischen Grundierungen aus dem letzten Jahrhundert ganz neue Klang- und Wortbilder zu malen: Das erfordert nicht nur einiges an Mut und Selbstvertrauen; wer das tut, muss auch wissen (oder zumindest ahnen), dass sein Publikum bereit ist, bekannte – und langsam chli ausgetretene? – Pfade zu verlassen und ihm an Orte zu folgen, die es noch nicht kennt.

Christian Häni, der Gründer, Sänger, Texter, Komponist und Produzent der Halunke, setzt mit “Gramophon”, der dritten CD der Berner Band, auf die Karte “Zurück in die Zukunft”. Soviel Jazz und Swing gabs auf einem Schweizer Mundartalbum noch nie, und das wohl aus gutem Grund: Das Risiko, mit Bläsern und Streichern eine Zielgruppe zu verunsichern, die sich schon beim Klang einer echten elektrischen Gitarre fragt, was zum Teufel das sei, ist gross.

Häni  schrieb für “Grammophon” sämtliche Songs und spielte fast alle Instrumente im Alleingang ein. Am Ende hat er die CD auch noch produziert. Um den Vertrieb, die Werbung und Konzertbuchungen kümmert sich seine Frau Anja, die auch den Onewoman-Backgroundchor bildet.

Von einer “Band” im eigentlichen Sinne kann bei den Halunke also kaum noch die Rede sein. “Grammophon” ist von A bis Z Hänis Werk, was schon auf der Hülle ersichtlich ist: Sie zeigt einen Mann, dessen Kopf überquillt vor klangerzeugenden Gerätschaften aller Art.

An der Kurbel am rechten Ohr dreht zweifellos eine unsichtbare Muse, und zwar an 24 Stunden am Tag, und in der Nacht auch noch, an sieben Tagen pro Woche und an sämtlichen Wochen des Jahres. Nach  den Anstrengungen der letzten Monate sieht sie inzwischen vielleicht chli verhürschet aus; deshalb mochte sie wohl nicht mit aufs Bild.

Doch auch wenn die Halunke inzwischen zum Familienbetrieb mutiert sind – auf der Bühne stehen und sitzen, neben Häni, nach wie vor Simon Rupp an den Gitarren, Marco Mazzotti an den Bässen und Christian Berger an den Drums. Zur Plattentaufe in der Mühle Hunziken werden zusätzlich noch Bläser und ein Pianist mit von der Partie sein, damit die CD live möglichst ähnlich klingt wie zuhause im Player.

“Souerei”, das erste Album der Halunke, war übermütig. “Houston we are ok”, die Nachfolge-CD war ebenso originell, wirkte aber deutlich ernsthafter. “Grammophon” ist manchmal witzig und oft tiefsinnig und kommt, übers Ganze gehört, um einiges reifer daher als seine Vorgänger. Zwischen den Zeilen blitzt jedoch nach wie vor viel Schalk auf, und seine Leidenschaft fürs Beobachten und Notieren von Alltagsmenschen und -situationen hat Häni nicht verloren; ganz im Gegenteil.

Aber Häni textet nicht mehr “nur” auf Pointen hin, sondern erzählt (wie zum Beispiel im vorab veröffentlichten “Guatemala”) Geschichten, die auch so funktionieren würden; ohne Musik. Aus der Ferne grüsst weiterhin Mani Matter, aber nur noch hin und wieder und nicht mehr so oft wie auf “Souerei” und “Houston”. Häni hat sich von seinem grossen Vorbild emanzipiert und geht nun eigene Wege, ohne den Übervater ganz aus den Augen zu lassen.

Musikalisch ist “Grammophon” schwer einzuordnen (aber: es braucht ja auch nicht immer alles eingeordnet zu sein). Christian Häni bedient sich ungeniert bei zeitlosen Grössen aus der Vergangenheit, um auf seine eigenen Melodien und Harmonien eine Art Kunststaub zu legen. Rund 200 prominente und weniger bekannte Künstler aus längst vergangenen Epochen geben sich auf “Grammophon” gemäss Pressetext ein virtuelles Stelldichein.

Ihre Beiträge überziehen das aktuelle Werk aus der Halunke-Schmiede mit einer Patina, die ihre Reize hat. Und die ein mehrmaliges Durchhören fast zwingend erfordert; die vielen Samples und Mixturen dürften ein wenig gewöhnungsbedürftig sein – vor allem für jenen Teil der “Kundschaft”, dem Namen wie “Glenn Miller” oder “Adriano Celentano” nichts oder nur wenig sagen.

Wer sich die Zeit nimmt, sich “Grammophon” mehrmals anzuhören und wer bereit ist, das jüngste Gemüse auf dem weiten Feld des Berner Mundartschaffens vorurteilslos (“Swing? Das ist doch mehr etwas für Scheintote.”) zu probieren, wird erfreut feststellen, dass es sich dabei um etwas in diesen Gefilden noch nie Dagewesenes handelt, das auch den eigenen geschmacklichen Horizont um den einen und anderen Meter nach links und rechts erweitert.