Der Besuch der alten Hasen


(Bild: Christian Pfander)

Für die Immernochnicht-Abonnenten der BZ: Der Sommer – oder “Sommer” – 2012 steht für meine Arbeitgeberin ganz im Zeichen der Senioren. Fast täglich berichten wir in Wort und Bild über Themen, die – unserer Ansicht nach – ältere Menschen besonders interessieren.

(Vorläufiger?) Höhepunkt unserer Aktion war diese Woche die “Machtübernahme” durch acht altgediente Journalisten im Ruhestand. Unter der Regie von Peter Studer, dem ehemaligen Chefredaktor des “Tages-Anzeigers” und des Schweizer Fernsehens, produzierten Georges Wüthrich, Marie-Louise Zimmermann, Kurt Siegenthaler, Max Trossmann, Eduard Nacht, Peter Abelin und Werner Haller Hand in Hand mit dem Stammpersonal der BZ eine Sonderausgabe.

Die “richtigen” Chefs konnten sich zurücklehnen und beobachten, wie die alten Hasen voller Elan, mit einer gehörigen Prise Ehrgeiz, einer über zig Jahrzehnte gewachsenen Sach- und Fachkenntnis und mit viel Humor ihr temporäres Comeback feierten.

Das Resultat der Bemühungen kann hier begutachtet werden (der Download dauert ein Weilchen; aber das Warten lohnt sich).

Was Peter Studer zu den Themen “Lesende Senioren”, “Ältere Leute und das Internet” oder “Die Zukunft der Zeitung” denkt, sagte er in einem Interview, das ich im Verlauf dieses für alle Beteiligten ziemlich denkwürdigen Tages mit ihm führte.

Vive la différence!

Neulich, beim Chrigubeck: Ein älteres Ehepaar setzt sich an ein Tischli. Kaum haben sie bestellt, steht er wieder auf.

“Wotsch no e Ziitig, Muetter?”, fragt er.

“Nei. I nime de Blick”, antwortet sie.

Mehr “Unser Lied” geht nicht

Kurz, bevor er ans Bruce Springsteen-Konzert nach Zürich fuhr, zeigte uns mein Brüetsch einen grossen Karton: “If I should fall behind”, stand gross darauf geschrieben, und, etwas kleiner, “Our wedding song!”.

Diesen Karton, sagte mein Brüetsch, würden er und seine Judith während des Konzertes hochhalten. Denn Springsteen pflegt bei seinen Auftritten den einen und anderen Liederwunsch aus der Menge zu erfüllen.

“If I should fall behind”: Das ist das Lied von Urs und Judith. Es begleitet die beiden durch ihr gemeinsames Leben. Es gehört zu ihnen wie ihr Sohn und ihre Familien und ihre Jobs und ihre Autos und ihre Wohnung.

Wenn es auf der Welt nur noch einen Song geben dürfte und die beiden könnten entscheiden, welchen: Die Radios zwischen Melbourne und Reykjavik würden rund um die Uhr “If I should fall behind” spielen.

Und dann, mitten im Konzert, zog Bruce Springsteen aus der 42 000köpfigen Menschenmasse im Letzigrund genau das Pappschild heraus. Er nahm es mit auf die Bühne, stellte es


auf den Flügel…

und spielte ganz alleine, ohne die Band, “If I should fall behind” – nur für meinen Brüetsch und seine Frau:

(Bilder: Urs Hofstetter und Urs Utzinger)