Das Reich der Sterne als Oase der Ruhe

Mit Weihnachtsbeleuchtungen habe ich es sonst nicht so. Weihnachtsbeleuchtungen: Das sind für mich hässige Eltern und nörgelnde Kinder und kalte Hände und abgestorbene Füsse und Krieg in den Läden statt Frieden auf Erden.

Aber es gibt eine Ausnahme: Die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Burgdorfer Kronenplatz wirkt, als ob sie von einem besonders poetisch veranlagten Menschen aus dem Märchenland erdacht worden wäre: Jeweils ab Ende November proij proje projj proji “malt” der Altstadtleist mit gut versteckten Scheinwerfern grosse und kleine Sterne auf die Hauswände in der Oberstadt. Sie bewegen sich gaaaaanz langsam über die Mauern und Fenster und Türen und Dächer.

Man kann ewig lange auf dem Platz stehen und den Fünfzacken beim endlosen Kreisen zugucken, ohne, dass einem langweilig wird. Am Allerschönsten ist es, wenn irgendwo ein Musiker mit seinem Cello sitzt und leise Melodien spielt, die den Menschen die Herzen öffnen. Mehr Ruhe und Besinnlichkeit ist mitten im alle Jahre noch strüberen Vorweihnachtszeitstrubel kaum denkbar.

Anschliessend verzieht man sich zu Anita in die “Metzgere” – jedenfalls, solange Anita noch da ist – gönnt sich einen dampfend heissen Kaffee oder Tee und denkt, sich damit ein bisschen selber überraschend: Momoll. Advent ist eigentlich schon eine cheibe schöne Zeit.

Infolge Abwartens eines Lokführers

“Infolge Abwartens eines Anschlusszuges erhält unser Zug eine Abgangsverspätung von zirka fünf Minuten”: Wieso können die Leute in den Zuglautsprechern nicht reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist? Wieso dieses grauenhafte Amtsdeutsch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts? Wieso sagen sie nicht einfach: “Wir fahren ein wenig später los, weil wir noch auf einen anderen Zug warten müssen?”

Oder gestern Abend, in Zürich: Für den Zug nach Bern fehlt, warum auch immer, der Lokführer. Das könnte man den Passagieren zum Beispiel so mitteilen: “Guten Abend, liebe Fahrgäste. Sie werden jetzt lachen oder fluchen oder die Köpfe schütteln – aber ich kann es nicht ändern: Der Lokführer ist noch nicht da. Wir sind am Suchen. Sobald wir jemanden gefunden haben, der uns nach Bern bringen kann, gehts los. Bis dahin bitten wir Sie noch um ein bisschen Geduld. Falls jemand im Zug sitzt, der sich zutraut, uns nach Bern zu fahren, soll er sich bitte dort und dort melden.”

Jede Wette: Wer so etwas durchgibt, holt bei den Fahrgästen soviele Punkte, dass es für zwei Karrieren als Lautsprecherdurchsager oder Lautsprecherdurchsagerin reicht.

Aber nein. Stattdessen: “Infolge eines Engpasses in der Disposition des Zugpersonals…”

(Unter dem Titel “Unsinn mit Ansage” hat Bastian Sick im “Spiegel” einige Prachtsbeispiele von Fahrgast-Informationen nach bundesdeutscher Art notiert).

Stadtbilder (18)

Bahnhof Burgdorf: Um 5.25 Uhr gehts noch genau fünf Minuten, bis der Kiosk aufmacht. Ich bin meist der erste Kunde. Ein Kafi, ein Camel soft – und ab auf den Zug.