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Cooler Typ

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Ich weiss nicht, wer beim Aussichtspunkt unter dem Schloss Burgdorf diesen Schneemann gebaut hat. Mit Blick auf seine schmucke Kopfbedeckung ist klar: es muss ein Schwingerfreund gewesen sein.

Klar ist auch: nur ein paar Meter weiter unten wohnt Francesco M. Rappa, der OK-Vizepräsident des „Eidgenössischen“ 2013 in Burgdorf.

Ich könnte ihn, wenn ich mit dem Hund sowieso gleich auf die erste Bislirunde gehe, spontan aus dem Haus klingeln und mich bei ihm danach erkundigen, ob er der Stadt diesen Schutzeisheiligen auf Zeit spendiert hat.

Das Rätsel um dem Schöpfer des coolen Typen bleibt allerdings wohl für immer ungelöst: Um 4.52 Uhr am Morgen ist es nochli früh für Hausfriedensbrüche. Und später am Tag, sobald die Sonne wieder scheint, steht der Schneeschwinger schon mitten im ersten und letzten Schlussgang seines Lebens.

Nachtrag: Auf die schriftliche Frage des Blogwarts, ob er der Stadt diesen Prachtskerl modelliert habe, antwortet Francesco Rappa, er sei „unschuldig“.

Das blutte Zähni schlägt alles

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Es ist ja nicht so, dass ich beim Schreiben ständig daran denke, wie der Text, den ich gerade tippe, bei den Leserinnen und Leser ankommen wird. Aber gegen Ende Jahr einmal durch verschlungene Gänge in den dunklen Maschinenraum dieses Blogs hinunterzusteigen und dort, in der hintersten und finstersten Ecke, den Klick-Zähler abzulesen: das macht halt schon irgendwie Spass.

Die meistgelesenen Beiträge 2015 waren:

1) „Blutti Zähni“ (14’733 Klicks)

2) „Offenbar geht es um Ihr Postfach“ (13’220)

3) „Liebe Klassenzusammenkunfts-Organisatorinnen und -Organisatoren“ (13’008)

4) „Hochentspannung im Burgdorfer Kraftwerk“ (11’561)

5) „Versuch einer Antwort an Frieda, die flotte Bohne“ (10’243)

6) „Überglückliche Fügung“ (10’103)

7) „Unter Männern“ (9’924)

8) „Ein flotter Dreier zum Dreiunddreissigsten“ (9’894)

9) „Paradies in der Pampa“ (9’705)

10) „Ein stierisch gmögiger Pfundskerl“ (6’681)

Interessant ist: der Artikel, für den ich mit Abstand am meisten Zeit aufgewendet habe (nämlich der hier), schaffte es nicht einmal auf eine vierstellige Besucherzahl. Aber wie ich meine Pappenheimerinnen und -heimer inzwischen kenne, dürfte es von diesem Moment an nur noch eine Frage von Minuten sein, bis auch er dem Tausenderclub angehört.

Für Eure Zeit, Euer Interesse, Eure Zuschriften und Eure Anregungen danke ich Euch, liebe Leserinnen und Leser, von Herzen. Auch wenn es noch ein paar Tage dauert: ich freue mich heute schon darauf, Euch auch im 2016 wieder in meinem virtuellen Stübli begrüssen zu dürfen.

Infos für Insider (II): Das Dorfheftli

Infos für Insider (II): Das Dorfheftli

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Sieh, das Interessante liegt so nah: Seit knapp zwei Jahren kümmert sich das „Dorfheftli“ in sieben Aargauer Gemeinden um das gesellschaftliche, sportliche, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen vor den Haustüren seiner Leserinnen und Leser. Die Redaktion des monatlich erscheinenden Magazins erfüllt ihre Aufgabe mit grosser Professionalität.

Erfolgsgeschichten werden in der Schweizer Zeitungslandschaft nur noch selten erzählt. Im beinahe abgeholzten Blätterwald  raunen sich die letzten Überlebenden des grossen Kahlschlags ununterbrochen Klagen über sinkende Auflagen und Inseratevolumen zu, weil immer mehr Leserinnen und Leser sich  online informieren und Werbegelder fast nur noch ins Internet fliessen.

Und doch – es gibt Ausnahmen. Das „Dorfheftli“ zum Beispiel hat es geschafft, sich aus dem Stand in knapp zwei Jahren als Pflichtlektüre für über 12 000 Menschen zu etablieren.

In sieben Gemeinden im aargauischen Wynen- und Seetal erscheint an jedem zweiten Mittwoch im Monat das durchgehend farbige und im handlichen A5-Format publizierte Magazin – und zwar flächendeckend. Es wird in sämtliche Haushaltungen verteilt; auch in jene,  die an ihren Briefkästen einen „Stopp Werbung“-Kleber angebracht haben.

Thomas Moor, einer der  Macher des „Dorfheftli“,  erinnert sich an die Geburt eines der jüngsten Kinder der um ihre Zukunft bangenden Zeitungsfamilie:  „Entstanden sind die Dorfheftli aus dem traditionellen «Böjuer», dem Informationsblatt für die Gemeinde Beinwil am See. Er bestand jahrzehntelang aus zwei bis drei schwarzweissen, fotokopierten und gefalteten A4-Seiten. Seinen Schwerpunkt bildeten Gemeindeinfos. Um ein typografisches Kunstwerk handelte es sich nicht, wie auch der Beinwiler Ortsbürger Heinz Barth befand.“

Als Inhaber der Werbeagentur artwork ag im benachbarten Reinach habe Barth dem „Böjuer“-Herausgeber eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, sei damit aber auf taube Ohren gestossen.

Doch kaum hatte der Verleger Beinwil am See verlassen, wurde Barth aktiv: Er lancierte  ein umfangreicheres, farbiges und informativeres „Dorfheftli“.

Auf so etwas hatten offensichtlich auch andere Gemeinden im Wynen- und Seetal gewartet: Kaum war der neue „Böjuer“ da, erkundigten sich bei Barth Behördemitglieder von umliegenden Orten danach, ob sich auch für ihre Dörfer etwas Ähnliches produzieren lasse. Inzwischen gibt es massgeschneiderte „Dorfheftli“ für Beinwil am See, Leutwil, Meisterschwanden, Menziken, Reinach, Seengen und Tennwil.

Als jemand, der in Beinwil geboren und aufgewachsen ist, widme ich mich „meiner“ Ausgabe in der Hoffnung, Neues über meine alte Heimat zu erfahren – und, wer weiss, den einen oder anderen alten Bekannten zumindest auf Papier wiederzusehen.

Nach zwei Seiten trockener Ratsnachrichten wird mein Wunsch  erfüllt: Ausführlich verabschiedet das „Dorfheftli“ einen Zeitgenossen, mit dem auch in in frühen Jahren hin und wieder zu tun gehabt hatte:

Der Schulhausabwart Heinz Bruder wurde, wie es im Lead heisst, „nach 29jähriger, pflichtbewusster Tätigkeit“ pensioniert. Mit sieben aussagekräftigen Bildern und einem gmögigen Text wird das Ereignis gewürdigt.

Erfreulich ist: Im „Dorfheftli“ heissen die Menschen nicht, wie in vielen anderen Lokalpostillen, „Frau Meier“ oder „Herr Müller“; sie haben einen Vornamen und einen Namen. Die Schreibenden sind sich offensichtlich nicht zu schade, bei Bedarf nachzufragen, wie die Protagonisten ihrer Berichte heissen. Damit signaliseren sie: Wir interessieren uns für das, was ihr tut. Und wir behandeln euch mit Respekt.

Die Titelgeschichte ist, wie auch die Frontseite, dem FC Beinwil am See gewidmet, der soeben den Wiederaufstieg in die 2. Liga geschafft hat. Auf vier Seiten wird der ruhmreiche Vereins vorgestellt. Weil nicht nur die obersten Clubverantwortlichen, sondern auch untere Chargen zu Wort kommen, wirkt die Story einerseits sehr läbig.

Andrerseits ist sie etwas gar textlastig ausgefallen; sie „bleielet“. Wenn zumindest ein Teil der Gesprächspartner mit einem kleinen Bild vorgestellt würde, käme er wesentlich luftiger und leichter lesbar daher.

In die Rubrik „PR“ fallen die über das ganze Heft verteilten Mitteilungen der Schulleitung und der Schulpflege, des Altersheims, des Spitals, einer Treuhandfirma, des Turnvereins, des Männerchors, der Kirche, der Polizei, einer Bäckerei, der Kerzenzieher, der Wyna-Expo, der Veranstalter des Homberg-Laufes und einer Schreinerei. Sie machen rund einen Viertel des redaktionellen Teils aus.

Die PR-Beiträge sind kaum je als Fremdmaterial deklariert. In Einzelfällen weist eine munzige Fussnote darauf hin, woher der Text stammt. Weil die redaktionellen Eigenleistungen ebenfalls nicht namentlich gezeichnet werden, weiss der Leser nie so recht, was jetzt echter Journalismus ist und was (bezahlter?) Stoff. Ein „pd“ am Anfang oder am Ende der Pressemitteilungen würde für  Transparenz sorgen.

Die Aktualität hat im „Dorfheftli“ naturgemäss an einem kleinen Ort Platz: Ein Monatsmagazin kann sich dem Tages- und Wochengeschehen nicht mit derselben Intensität widmen wie eine Zeitung.

Aber als Konkurrenz zum „Wynentaler Blatt“ oder zum „Der Lindenberg“ versteht  sich das „Dorfheftli“ gar nicht; jedenfalls nicht auf  redaktioneller Ebene. Wenns ums Geld geht, siehts nachvollziehbarerweise anders aus: „Vom kaum grösser werdenden Inseratekuchen schneiden wir eine nicht zu unterschätzende Scheibe ab“, sagt Thomas Moor.

Satt sind die „Dorfheftli“-Macher noch lange nicht – und Kuchen ist nach wie vor da: Nach den sieben bisherigen hätten auch weitere Gemeinden ihr Interesse an einem „Dorfheftli“ signalisiert, sagt Thomas Moor. Entsprechende Verhandlungen seien „am Laufen“.

 

Das „Dorfheftli“ auf einen Blick:

Herausgeberin: artwork ag, Reinach.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Vier festangestellte  für die Redaktion, Produktion und Social Media-Aktivitäten plus vier freie für journalistische Einsätze.

Erscheinungsweise: 12x pro Jahr

Auflage: 12 310 Exemplare

Weitere Infos: www.dorfheftli.ch

In der Rubrik „Infos für Insider“ bereits erschienen: „Theater Zytig“

Nachtrag 24. Januar 2014: Ein halbes Jahr nach diesem Beitrag beschäftigt sich auch die Argauer Zeitung mit dem „Dorfheftli“.

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Zahlen, bitte

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Kleiner Service für Statistiker – plus ein Grund zum Nachdenken für die Werbeverantwortlichen von Kleinbetrieben und multinationalen Konzernen:

Seit ich in diesen Blog im August 2010 einen Zähler eingebaut habe, schauten hier zig Leute total 88 144 mal vorbei. Sie freuten oder ärgerten sich über 495 Beiträge und hinterliessen 570 Kommentare.

Und hier: Die Top 20 der meistangeklickten Texte: