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Jemensch spinnt immer

Da geht er dahin, der Sommer 2020, und kommt nie wieder. Er hats gut: Für ihn ist dieses seltsame Jahr schon vorbei.

Um es mit Wolfgang Sebastian Rilke zu sagen: Der Sommer war gross (wenn auch nicht gar so gross, wie er hätte sein können; an Regenstunden herrschte kein Mangel, und wer die Tage, an denen die Temperatur unter 30 Grad fiel, abzählen möchte, würde dafür mehr als zwei Hände benötigen, aber deswegen braucht man ihn nicht gleich als „klein“ zu verunglimpfen, und überhaupt kommts auch bei Sommern mehr auf die Innereien an als auf die Grösse).

Abgesehen davon: Wenn wir schon fast den kompletten Frühling 2020 drinnen verbracht haben – wer weiss schon, wie manchen Sumer (Klammer auf: „Sumer“ ist eine respektvolle Konzession an den langsam wegsterbenden mittelhochdeutsch sprechenden Teil der Leserschaft, Klammer zu) wir noch draussen geniessen dürfen?

Kurz, bevor er sich dem Ende zuzuneigen begann, ereigneten sich ein paar Dinge, welche die Bevölkerung in Südafrika wohl nur am Rande tangieren, es meiner unmassgeblichen Ansicht nach aber doch Wert sind, zu Augen der Nachwelt notiert zu werden.

Vielleicht beweisen die Vorfälle, was ich schon seit einem geraumen Weilchen vermute: dass es seit Corona deutlich mehr seltsame Leute gibt als vorher.

Möglicherweise deuten sie aber auch nur darauf hin, dass ich seit Mitte März ein bisschen komisch geworden bin und dass meine Toleranzgrenze ähnlich rapide sinkt wie die Covid 19-Infektionszahlen steigen (aber ich weiss: Je Tests, desto positiv undsoweiterundsofort).

Mit meinem neugewonnenen Gspüri für hochgradig Verstörendes wurde ich auf Facebook dank eines lokalen Gastronomen eines neuen Begriffes gewahr:

Ich meine: nichts gegen Holunderbeeren, wirklich nicht. Früher schossen wir besonders reife und entsprechend saftige Exemplare zu Dutzenden durch entfilzte Stifte auf die eben mit Ariel porentiefgewaschene Weisswäsche am Ständer in einem nahen Garten, und wenn jetzt jemand kommt und fragt, obs überhaupt noch gehe, bzw. gegangen sei, kann ich nur sagen: andere ballerten mit ihren Luftgewehren auf Hühner, denen sie zuvor kirschgetränkte Brotkügelchen zu picken gegeben hatten.

Aber „jemensch“? Im Ernst*In_enden? Wo kommt das her? Wo führt das hin? Und, liebe Sprachvergewaltigende: Wäre es, wenns denn schon sein muss, tschendermässig nicht konsequent, aus „der Mensch“ „das Mensch“ zu machen, auf dass niemanfraud sich mehr benachteiligt zu fühlen bräuchte, wenn jemand „jemand“ schreibt?

Jedenfalls: In Burgdorf hatte neulich jemand ein Problem. Das hätte sich bestimmt mit einem Anruf lösen lassen, oder mit einer Mail, doch auf diese Idee kam die Frau nicht. In der festen Überzeugung, dass zwingend an die Öffentlichkeit gehört, was sich in öffentlich zugänglichen Räumen abspielt, erachtete sie es als sinnvoll, ihr Anliegen den über 5000 Leserinnen und Leser der für ihre differenziert formulierten Inhalte berühmten Facebook-Seite „Du bisch vo Burgdorf…“ zur Klärung zu unterbreiten:

Möglicherweise hoffte sie tatsächlich nur auf eine Antwort. Sehr wahrscheinlich ging es ihr in einer Epoche, in der schon die Namensänderung für eine Süssware Schnappatmungen an den Stammtischen auslöst, aber vor allem darum, mit sowenig Aufwand wie nötig soviel Hysterie wie möglich zu entfachen, auf dass die Badi schleunigst ihren pädophilenfreundlichen Sanitärbereich schliesse, die Schule sich subito vom Grüsellehrer trenne und ein Gericht den Wüstling für den Rest seines kümmerlichen Lebens von der Zivilisation separiere, wenn nicht sogar der per Notrecht wiedereingeführten Todesstrafe zuführe.

135 Leserinnen und Leser kommentierten den Beitrag. Sie waren sich – was auf diesem Social Media-Kanal so unüblich ist wie, sagen wir, Hühner auf Holunderbeeren zu werfen – weitestgehend einig:

Mein Glaube an das Gute in meinen Zeitgenossinnen und -nossen war damit wieder halbwegs hergestellt, allerdings nicht für lange:

Auch datzu gähbe es sicher ettwas zu schreiben nur fehlt mir beim bessten Willen nichtz ein hoffentlich sind die Einbrecher vort.

Einen silbernen Opel Corsa gab es zwar nicht zu gewinnen (und auch sonst kein Auto); trotzdem beteiligte ich mich am 1. Burgdorfer Volks-Minigolfturnier. Dafür hatte ich mich mit 38 Punkten qualifiziert, was angesichts der Tatsache, dass ich mich wegen der ständigen Zwischenfälle in der unmittelbaren Umgebung der Anlage kaum je auf das Wesentliche konzentrieren konnte, nicht ganz selbstverständlich war.

Der Wettkampf verlief für mich und einige noch verheerender klassierte Mitstreiter ein wenig naja. Verantwortlich für unsere mutzen Resultate waren einerseits sicher das Wetter und andererseits möglicherweise auch die Gegner.

47 Punkte: Das war nicht, was ich erwartet und schon gar nicht, worauf ich monatelang hintrainiert hatte. Aufs Tiefste gekränkt und vor Selbstzweifeln bis fast auf die Knochen zerfressen, absolvierte ich den Parcours wenige Stunden später noch einmal mit einem Mitablooser, und siehe da: Für die 18 Bahnen benötigte ich im zweiten Umgang nur noch 41 Schläge (was am Morgen zum 4. Platz gereicht hätte) und er deren 46.

Doch all die Hättens, Wärens und Wenns bringen uns nicht vürschi; nicht in Zeiten wie diesen und nicht in anderen. Wir haben, wie der Franzose sagt, to face the facts, und dazu gehört, dass es auf diesem Planeten offensichtlich Menschen gibt, die des Minigölflens kundiger sind als ich.

Aber dafür muss ich weder mit nackten Lehrern duschen noch in Hindelbank Opel fahren, und das ist, wenn man lange genug darüber nachdenkt, schon sehr viel mehr, als vom Leben verlangt werden kann.

Lauch im Schloss und Öl im Wasser

Es regnet, mal wieder und wohl bis auf Weiteres, und das heisst für eher zimperlich veranlagte Zeitgenossinnen und -genossen: drinnenbleiben, tagelang, und wenns extrem dumm läuft (das hängt natürlich, wie alles andere auch, ganz vom Wetter ab) amänd sogar darüberhinaus, vielleicht sogar für Monate, aber dieser Gedanke ist nun wirklich zu absurd, um weitergesponnen zu werden.

Was machen jetzt die Touristen im Schloss? Dort wurde am letzten Wochenende die Jugendherberge eröffnet. Wies in den Gassen der Altstadt aussieht, wird das neue Angebot rege benutzt; jedenfalls waren vor meiner Haustüre in den letzten Tagen deutlich noch mehr Menschen unterwegs als vor dem Lockdown und auch sonst, und wenn diese Völkerwanderungen und -ebikefahrten jemandem vor allen anderen zu gönnen sind, dann sicher den Beizerinnen und Beizern, die nach der Corona-Zwangspause fröher denn je um jeden und jede sein dürften, der oder die bei ihnen einkehrt, auch wenn es sich dabei um multiintolerante Helikoptereltern mit ihrem auf Vegan gedrillten Nachwuchs aus, sagen wir, Delmenhorst handelt.

Verpflegen können sich die Gäste allerdings auch im Schloss. Ein Blick in die Speisekarte des Restaurants lässt erahnen, dass die Verantwortlichen bei der Planung nicht primär die klassische Jugi-Gaschtig vor Augen hatten, sondern ziemlich sehr daran interessiert sind, Geld zu verdienen (aber gut: dass sie auf dem Hoger eine Notschlafstelle samt Suppenküche betreiben würden, haben sie nie behauptet).

Eine Bratwurst für 19 Franken 50, grillierter Lauch für 20 Franken 50, ein Hamburger für 22 Franken 50, ein Rindsvoressen für 33 Franken 50, Siedfleisch für 36 Franken 50 oder eine Forelle für 33 Franken 50 (auf Füfzgi scheinen die Gastronomen in der Burg grossen Wert zu legen): das läppert sich, auch ohne Getränke, und während Papi mit dem Chärtli auf die Servicefachangestellte mit dem Maschineli wartet, kann der Rest der Familie darüber nachdenken, ob er den himalayakompatiblen Rucksack auch beim nächsten Ausflug schon auf der Hinfahrt bis auf das letzte Vollkornmutschlibrösmeli plündern will, oder sich fragen, wieso ein Zvieri in der Heimat von Jeremias Gotthelf zur „Vesper“ mutiert sein könnte.

Wobei: Es gibt wahrlich Wichtigeres. Kaum haben wir coronamässig das Allergröbste (vielleicht) überstanden und freuten wir uns darauf, nicht mehr rund um die Uhr mit Ansteckungszahlen und Sterbestatisiken zugeschüttet zu werden, jagen, völlig virenfrei, andere Schreckensnachrichten um die Welt.

Rassenhass in den USA (sehr informativ, aber hinter der Bezahlschranke versteckt: der Leitartikel im aktuellen „Spiegel“), ein weiterer unfassbarer Kindermissbrauchsfall in Deutschland, eine Ölkatastrophe in Russland, eine beängstigend schnell wachsende Gemeinde von Verschwörungstheoretikern (ebenfalls lesenswert, wenn auch nicht mehr ganz neu: „Die ergoogelte Wirklichkeit“ des deutschen Soziologen und Politologen Michael Scheltsche), der Klimawandel: Irgendwie hat es die „alte Wirklichkeit“ geschafft, sich in die „neue Normalität“ hinüberzuretten, und falls dieser Tatsache etwas Positives abgewonnen werden kann, dann möglicherweise die Erkenntnis, dass es uns hier in der Schweiz, im Emmental und in Burgdorf, trotz all der Affären, Skandale und Aufregerchen, mit denen wir uns gelegentlich konfrontiert sehen, nach wie wie vor schampar gut geht.

Es ist, wies ist

Der Krieg in Syrien dauert an, vier oder acht Amtsjahre von Donald Trump liessen sich inzwischen nur noch mit juristisch eher fragwürdigen Mitteln verhindern, das Burgdorfer Bauamt vergisst alle zwei Wochen, den Ghüder am Punkt Dienstag in unserem Quartier abzuholen: Die Welt, liebe Leserinnen und liebe Leser, ist aus den Fugen geraten, und wenn wir schon dabei sind:

Mit Fuge und Recht kann man knapp vier Wochen, nachdem es geschlüpft ist, also behaupten: Das Jahr 2017 geht, wenn es so weitermacht, innert Kürze den Bach runter (anders als 2010 zum Beispiel, an dessen Ende ich meiner damaligen Freundin erfolgreich einen Heiratsantrag machte, oder auch ganz im Gegensatz zu 2013, als Mark Knopfler und Toto auf der Piazza Grande in Locarno für zwei bis an mein Lebensende denkwürdige Hochsommerabende sorgten, und schon gar nicht zu vergleichen mit unserem Hochzeitsjahr 2012; d e m Jahr überhaupt), aber was solls?

„It’s what it is“ (lat. „Es ist, wies ist“) sang Knopfler damals, im Tessin, als zweiten Song seines Konzerts (los wars mit „Border Reiver“ gegangen; dies nur der Vollständigkeit halber), und wenn er das sagt, wirds wohl stimmen. Andernfalls hätte sich „Sailing to Philadelphia“, die CD mit „What it is“ drauf, wohl kaum zigmillionenfach verkauft, oder nicht? ODER NICHT?!? – Eben.

A propos „Tessin“: Falls bei diesem anhaltend garstigen Wetter jemand darüber nachzudenken beginnen sollte, spontan für ein Wochenende in den relativ nahen Süden zu verschwinden, kann ich das Hotel Collinetta bei Ascona wärmstens empfehlen. Es kostet sozusagen fast gar nichts und bietet sehr viel (Aussicht, um nur einen Vorzug zu nennen):

Burgdorf hingegen hinkt in attraktivitätstechnischer Hinsicht aktuell chli hintennach

,

aber das wird bestimmt ganz von selber wieder werden, und wenn nicht, beschwere ich mich einfach bei unserem neuen Stapi.

Keinen Grund zur Klage hatte meine Schwägerin Judith Wernli. Sie sammelte für die Hilfsorganisation Volunteers for humanity in Dättwil warme Kleider, Decken, Schuhe und so weiter für Menschen auf der Flucht. 


(Bild: zvg)

Als wir bei ihr vorbeischauten, um unser Scherflein zu der Aktion beizutragen, gings in der Garage zu wie in einem Bienenhaus. Die Leute deponierten nicht nur säcke- und schachtelweise Ware, die sie selber nicht mehr benötigen, sondern nutzten die Gelegenheit auch zu einem Schwatz unter Bekannten oder Wildfremden, und so hatten am Ende alles etwas davon. „Unfassbar gross“ sei die Unterstützung, freuten sich die Verantwortlichen auf Facebook, während es sich ein paar wenige Stänkerer nicht verklemmen konnten, gleichenorts darauf hinzuweisen, dass im Fall auch in der Schweiz Menschen Not leiden würden.

Ich frage mich manchmal, was das für Zeitgenossinnen und -nossen sind, die in der kuscheligen Wärme ihrer Einfamilienhäuschen rund um die Uhr an ihren teuren Laptops und schicken iPads sitzen, um das Internet nach Meldungen abzugrasen, die sie in ihrer Ansicht bestätigen, ständig zu kurz zu kommen.

Vermutlich sind es dieselben Leute, die bei Google Suchbegriffe wie „Junge holt sich einen runter“ oder „Susan Link Füsse“ (wer ist Susan Link? Ach so: eine TV-Moderatorin. Gut zu wissen.) eingeben und daraufhin, warum auch immer, in diesem Blog landen, wo sie ihren Senf, frustriert darüber, nichts zum Thema „Junge holt sich einen runter“ gefunden zu haben, zu wahllos angeklickten anderen Texten absondern.

Zu diesem Beitrag landeten im Laufe der letzten Wochen – anonym, versteht sich – folgende Kommentare in meinem Spamfach (die Fehler lasse ich stehen; irgendwie fehlt mir gerade die Zeit und die Musse, sie zu korrigieren)::

  • „Man sieht dass sie keine Ahnung haben. Das Gedicht heisst Marsch in die Nacht und haben wir in der Schule gesungen.“
  • „Machen Sie sich nur lustig über die Soldaten. Sie werden einmal froh sein darüber.“
  • „Sie sind sicher auch einer von diesen Armeeabschaffern. Ihre Meinung intressiert niemand.“
  • „Stehlen sie alles?“
  • „Über so etwas macht man keine Witze.“
  • „das klima ohne wende und t shirtwetter fern“ ist falsch, es heisst richtig „die strasse ohne ende und was wir lieben fern.“.

Ich mag ihnen ja gönnen, wenn sie immer wieder neue Örtchen finden, an denen sie sich intellektuell versäubern können. Aber wenn sie schon wegen vier Zeilen, die noch dazu in keinster Weise ernstgemeint waren, einen solchen Aufstand machen: Was wird wohl los sein, wenn sie in meinem virtuellen Stübchen einmal etwas (zumindest mir) wirklich Wichtiges entdecken?

+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++Erbreaking news+++

Wie der Tagesanzeiger, „Bild“, Focus und seit wenigen Minuten nadisna sämtliche Medien zum Schrecken all jener berichten, die ein Minimum an Wert auf gute Musik, passable Frisuren und Kleider aus der Zeit nach Christi Geburt legen, gedenkt die Kelly Family in diesem Jahr offenbar ein neues Album zu veröffentlichen.

Nein: „Verheissungsvoll“ ist nicht das Adj Adv Pron Wort, das einem zum Auftakt von 2017 als Erstes einfällt.

Aber mir wei nid chlage: im Frühling 2018 sind wir schon wieder in Australien. Bis dahin heisst es einfach durchhalten, Susan Links Füsse bestaunen und „What it is“ hören.

Elf Monate wie oft – und ein Tag wie noch nie

Elf Monate wie oft – und ein Tag wie noch nie

Der wichtigste Tag dieses Jahres – und meines Lebens: Am 13. April geben Chantal und ich uns das Jawort. (Hochzeitsbilder: Bild: Hannes Zaugg, z-arts)

Mitte November: Das sollte eigentlich früh genug sein, um die medialen Mitbewerber jahresrückblickmässig abzutrocknen. Dann fassen wir die Hits und Flops und Meilensteine also mal zusammen:

Januar

Voller Tatendrang starten die Mitglieder des Vereins Szenerie Burgdorf und meine Verlobte ins neue Jahr. Erstere beginnen mit den Probearbeiten für „Die Franzosenkrankheit“, Letztere strickt für unseren Neffen.

Trouble in paradise: Unser Quartierkönig trifft auf einen Nebenbuhler.

Februar

Ein kleiner Mann feiert seine „Stärnstund“. In der kulturfabrikbigla erzählt der wärchige Aschi Rüegsegger, was er als Hilfskraft von Pesche Leu so erlebt.

Die Kälte hat das Land im Griff. Auch bei uns friert alles zu.

Mir bietet sich die Chance, Fotomodell zu werden. Ich lasse sie verstreichen, weil ich lange genug ständig auf meinen Körper reduziert wurde. Ab sofort zählen nur noch die Innereien.

„Chantemoiselle“ Myria Poffet gibt ihre zweite CD „Stück vom Glück“ heraus. Es ist mir eine Ehre, für das rundum gelungene Werk den Pressetext verfassen zu dürfen.

März

Konsterniert stelle ich in Paris fest, dass die Pissoirs in der Dalì-Ausstellung aussehen wie alle anderen Pissoirs auch.

Es lenzt. Wurde aber auch Zeit.

April

„Ja!!!“ Für immer und ewig und alle Zeiten. Und ich bin kein bisschen nervös.

Ein Ausläufer des Luca Hänni-Gstürms erfasst auch diesen Blog: Stammleser H. Z.-G. aus U. klappt nicht nur, aber auch wegen des Riesentheaters um seinen prominentesten Mitbürger zusammen.

Im Burgdorfer Siechenhaus bricht „Die Franzosenkrankheit“ aus. Genau dort hatten wir kurz zuvor unsere Hochzeit gefeiert.

Mai

Zehn Tage lang „lebe“ ich mit einem freigelegten Zahnnerv. Eigentlich hats mit der Behandlung recht vielversprechend begonnen. Aber dann gerät alles irgendwie aus den Fugen. Zuerst nur im übertragenen Sinn, wenig später buchstäblich.

Kaum verheiratet, verschwindet meine Frau nach Finnland.

Als Parkdienst-Chef erlebe ich, was wirkliche Macht ist. Ich nutze sie gnadenlos aus.

Verena Zürcher plaudert in diesem Blog weltexklusiv über die vielen Freuden und wenigen Leiden einer „Mordsgeschichten aus dem Emmental“-Verlegerin.

Juni

Gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch der Olympischen Spiele hauen wirs nach London, wo wir sehr viele Läden sehen, und noch mehr Baustellen.

Von wegen „Fachblatt“: Der „Rolling Stone“ listet „Die 500 besten Alben“ auf – und vergisst die allerbesten.

Ich möchte auf dem Burgdorfer Bahnhof Kinder auf ihrer Schulreise fotografieren. Die Lehrerin und ihre vermutlich gerade aus dem Irak zurückgekehrte Begleitung finden das keine gute Idee.

Juli

Auf der Moosegg versucht „Dr Zuchthüsler“, einen Weg zurück ins normale Leben zu finden. Das Ensemble des Freilichttheaters Moosegg macht daraus eine beeindruckende Openair-Vorführung.

Steven Spielberg zieht die Augenbrauen hoch: Ich drehe meinen ersten Film.

Bei seinem Konzert in Zürich singt Bruce Springsteen für meinen Brüetsch und seine Frau „If I should fall behind“.

Trauer und Freude halten sich musikalisch die Waage: Deep Purple-Mitgründer Jon Lord stirbt. Toto brechen zu ihrer Europa-Tournee auf, die sie auch nach Arbon führt:

So viel Regen in so kurzer Zeit: Das gabs in meinen letzten 47 Jahren noch nie.

August

Die einen Schweizer Musiker halten sich mit ihrem Liebesleben in den Schlagzeilen. Andere arbeiten im Studio an ihrer neuen CD. Das eine ist einfach nur peinlich, das andere eine total gefreute Sache.

September:

Kaum auf Gran Canaria gelandet, lerne ich den Playaboy kennen. Wir verbringen eine glatte Woche miteinander – und freuen uns schon auf unsere nächsten Ferien, zur selben Zeit, im selben Hotel, im selben Zimmer 120.

Meine Frau und ich beteiligen uns am „Hotel Schwingfest“. Unser Zimmer ist schneller vergeben als ein kostenloses Backstage-VIP-Ticket für ein AC/DC-Konzert.

Der Mundartmusiker Hanery Amman gibt auf der neuen „Halunke“-CD „Houston we are ok“ ein grandioses Comeback. Und: Die „Stranded Heroes“ verarbeiten ihren Song „Bed of ivory“ zu einem Film.

Oktober

Weil im Zug sonst nichts frei ist, verbringe ich eine denkwürdige Stunde in einem „Familienwagen“ der SBB.

Die „Skinny Machines“ beehren wieder einmal die Heimatstadt ihres Drummers Dan Roth.


Auf einmal zickt die TV-Box herum. Aber nicht lange. Nicht sehr lange, jedenfalls.

Mordsgeschichten XXL: Mit Hakan Nesser und Arne Dahl geben sich in Burgdorf zwei Kriminalautoren der Sonderklasse ein Stelldichein.

November

An den Burgdorfer Krimitagen kochen fünf BZ-Gspändli und ich für die Gäste der „Emil“-Lesung. Man kann sagen: Für ein 20minütiges Essen stehen wir 15 Stunden am Herd. Aber: Wir haben den Plausch.

Raclette bei Nachbars. Zuhause ist es einfach am schönsten, und wenn „zuhause“ in der Wohnung gegenüber liegt.

Wobei: Am schönsten ist es auch in Australien. Dahin fliegen wir bald. Die Berichterstattung von der anderen Seite des Planeten erfolgt unter dem Titel „Down underwäx“.

Noch husch, vor dem Abflug

Noch husch, vor dem Abflug

Bevor ich mich am Sonntag in was auch immer für ein Flugzeug setze, um nach Australien zu verschwinden, muss ich noch kurz meinen Kopf und mein Herz ausmisten. Also:

Die besten drei CDs des Jahres 2010 sind:

Bruce Springsteen: „The promise
Kid Rock – „Born free
Steve Lukather – „All’s well that ends well

Die eindrücklichsten Konzerte boten

Toto in Locarno,
Mark Knopfler in Locarno und
Supertramp in Zürich.

Ausser Konkurrenz spielten Bäng-Gäng in Menziken um ihr Leben.

Das schönste Lied des Jahres 2010 ist „Indiana“ von Melissa Etheridge:

Politiker des Jahres 2010 ist der Uetendorfer Gemeindepräsident


Hannes Zaugg-Graf;

Politikerin des Jahres ist Burgdorfs Stapi

Elisabeth Zäch

(auf Begründungen muss ich aus Zeit- und Platzmangel verzichten; die beiden haben einfach gewonnen und Punkt.)

Die frisch Gekürte spielt, Zufall oder nicht, auch eine Rolle im Video des Jahres aus der Stadt des Jahres:

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Weiter: Den Vertipper des Jahres leistete sich eine Leserbriefschreiberin in der BZ, und zwar diesen hier:

Zum Tier des Jahres habe ich, unabhängig davon, die Riesenhamsterratte erkoren:

Die beste Krimiserie des Jahres? „Bones“:

Den Kniefall des Jahres machte mein Brüetsch vor seinem Schatz:

glanz & gloria vom 30.09.2010

Und wenn er schon auf der Bühne steht, kann er auch gleich noch den Preis für die sportliche Wahnsinnsleistung 2010 mitnehmen.

Die Ausstellung des Jahres war die spontan zustande gekommene Fotoinstallation

„Facebook als Footbook“.

Was noch?

Genau: Drei Fragen, die ich in diesem Jahr gerne beantwortet gehabt hätte, sind immer noch unbeantwortet, nämlich,

– wieso es heisst, „jemanden übervorteilen“, wenn man diesen jemanden doch benachteiligt,

– wieso man die Leute nicht aus den Zug steigen lässt, bevor man hineinsteigt und

– wie verzweifelt man und frau eigentlich sein muss, um bei solchen Raffzähnen from outer space anzurufen:

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Das Bild des Jahres hat, wie schon erwähnt, der bereits in einer anderen Kategorie siegreiche Hannes Zaugg komponiert:

Und schliesslich – die Erkenntnisse des Jahres 2010:

– Es gibt, vermutlich, keine Ufos und, offensichtlich, auch

– niemanden, der diesen Blog während meiner Abwesenheit hüten will (und kann: Von den 133 Bewerberinnen und Bewerbern vermochte keiner und keine hundertprozentig zu überzeugen, leiderleider).

In diesem Sinne: Machets guet – und auf Wiederschreiben und -lesen im 2011!