Articles with London

Ohne Worte, ämu fast

Die Beatles verewigten sie in „A day in the life“, Deep Purple führten darin ihr „Concerto for Group and Orchestra“ urauf, Pink Floyd bekamen Hausverbot, weil sie in dem 1871 eingeweihten Bau echte Kanonen abfeuerten, Cream traten dort ein letztes Mal auf, Eric Clapton verkaufte sie über 200 Mal aus, Al Green war ebenso da wie B.B. King und Bob Dylan und Joe Bonamassa und Phil Collins und Mark Knopfler undsoweiterundsofort; wer die Bilder in den rund um die Arena führenden Fluren betrachtet, erstarrt beinahe vor Ehrfurcht, und jetzt spielten Toto zur Feier ihres 40-jährigen Bandjubiläums in der Royal Albert Hall in London, und mein Schatz und ich waren dabei, und auch wenn der Begriff „Once in a lifetime-experience“ für manche vielleicht chli gar übertrieben klingen mag: Für Chantal und mich wars eine, und für die Musiker hörbar auch, und für die anderen 9000 Fans ebenfalls, und ehrlich gesagt, weiss ich jetzt – ich bin immer noch halb in Africa und versuche, the line zur Realität zu holden – gar nicht so recht, wie ich beschreiben soll, was ich an diesem Abend des 1. April 2018 über zwei Stunden lang dachte und, vor allem, fühlte; es hat keinen Sinn, nach Worten für etwas zu suchen, wofür es keine Worte gibt (Will Lavin hat sich auf jow.co.uk in dieser Hinsicht mehr Mühe gegeben, aber irgendwie ist auch er gescheitert, wobei: Mit „The night had it all“ traf ers nicht schlecht).

Isis, Osiris und die Sonnenbrillenmänner

Sonntagmorgen, 4.30 Uhr, Zimmer 110, Motel Golden Bear Inn, im Stadtteil Berkeley von San Francisco: Eigentlich waren wir ja, als wir vor ein paar Stunden nach einem Tag in zwei Flugzeugen zu Bett gingen, finster entschlossen, am nächsten Morgen auszuschlafen, aber daraus wird jetzt wohl nichts mehr. Der Jetlag hat uns noch voll in den Krallen. Den Leuten im Nebenzimmer scheints ähnlich zu gehen. Sie lauschen der „Zauberflöte“.

Aber mir wei nid chlage. Im Grunde ist es nur schon ein Wunder, dass ich überhaupt hier bin. Bei unserem Zwischenhalt in London musste ich feststellen, dass unser Gastland mich als Gefahr für die Nationale Sicherheit eingestuft hatte, bevor ich auch nur einen Fuss auf US-Boden setzen konnte. Zusammen mit 14 anderen Passagieren wurde ich bei einer der vielen Passkontrollen für einen zusätzlichen Securitycheck zur Seite genommen.

Während mein Schatz, Möni und Josy – Letztere sind die zwei Freunde, die uns auf diesem dreiwöchigen Trip begleiten – zum Airbus gingen, der uns nach San Francisco bringen sollte – verschwand ich, von drei Männern in Uniform eskortiert, in einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Zimmer in den endlosen verschlungenen Gedärmen des Airports von Heathrow. Darüber, was dort passierte, darf ich weder reden noch schreiben. Falls ichs doch tun würde, müssten sie mich töten, sagten die besonnenbrillten Beamten, als sie mich eine halbe Stunde später mit steinernen Minen wieder ans Tageslicht entliessen. Deshalb nur soviel:

Aber letztlich profitieren irgendwie ja alle davon, wenn an Bord so wenige Terroristen wie möglich sitzen.

Der Flug selber verlief ohne weitere Zwischenfälle (auch wenn ich jedesmal, wenn ich zur Toilette ging, das Gefühl hatte, beobachtet zu werden), und dass einem nach der Landung zuerst einmal die Fingerabdrücke genommen werden, man in eine Kamera gucken muss und am Ende gefragt wird, ob man Bargeld auf sich trägt und wenn nein, wie man dann to survive gedenke, ist vermutlich das Mindeste, was man beim Betreten des Home of the Brave erwarten darf.

Inzwischen ist wieder alles easy und peacy. Sobald die anderen aufgestanden sind, fahren wir in die Stadt, um zu zmörgele. Dann: Golden Gate Bridge, Pier 39, Hamburger undsoweiterundsofort.

Ich sitze im T-Shirt und in kurzen Hosen vor unserem Zimmer, lausche der „Isis und Osiris“-Arie (auf Englisch! Es ist schon erstaunlich, in wievielen Sprachen Mozart komponieren konnte), nippe an etwas Kaffeeartigem und freue mich riesig darauf, in den nächsten Tagen die Schönheiten eines Landes entdecken zu dürfen, von dem man seit Monaten nur noch Unschönes hört.

Schabernackt im Hühnerstall

Schabernackt im Hühnerstall

Zwei Jahre später kanns meine Frau ja verraten (und zwar wenn schon, denn schon, vor allen Leuten; in einer der grössten Zeitungen der Schweiz): An ihrem Polterabend trat überraschend ein Mann auf, der sich nach und nach seiner Kleidung entledigte.

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Der Grossteil des Publikums war ob der Darbietung nur mässig beeindruckt, was niemanden erstaunt, der die Partner der anwesenden Damen im Allgemeinen und den designierten Ehegatten der Hauptperson jenes Abends im Besonderen kennt.

Falls es jemanden interessieren sollte, wo und wie ich meinen Junggesellenabschied gefeiert habe: In London, mit drei Herren. Die einzigen andersgeschlechtlichen Menschen, die wir aus der Nähe – und erst noch angezogen – sahen, waren ein paar Flight Attendants und Serviertöchter plus möglicherweise eine Aushilfsverkäuferin in einem Plattenladen. Vielleicht war Letztere(r) auch nur ein Mann mit einem Rossschwänzli hinten und einem BH vornedrunter; das weiss man bei diesen Engländern ja nie so genau.

Frise

Aber ich wollte es auch nicht genau wissen. Ich wollte nur wieder nach Hause, zu meiner Frau in spe.

(Mehr zum Thema „Polterabende“ hat mein Kollege Michael Bucher für die BZ in dieser Geschichte zusammengetragen.)