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Love was in the Burgdorfer air

Das gabs noch nie: Fast eine Woche lang verwandelte das Schweizer Fernsehen die Burgdorfer Oberstadt in ein riesiges Openair-Studio.

Unter dem Motto „Burgdorf blüht“ liess es gestern Abend mit Tausenden von Einheimischen und Gästen von auswärts ein Frühlingsfest steigen.

Charmant moderiert wurde die zwei Tage lang minutiös geprobte Livesendung „SRF bi de Lüt“ vom gebürtigen Burgdorfer Nik Hartmann. Mit von der Partie waren nebst anderen Schwingerkönig Matthias Sempach (Bild oben), Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Jeremias Gotthelfs Ururenkelin Elsi Schneider-Bitzius, Stapi Stefan Berger plus ein Chor – in dem auch mein Schatz mitsang -, der eigens für diesen Anlass zusammengestellt wurde und von der Bühne aus „Love is in the air“ in die Zuschauermenge schmetterte.

Die vom Fernsehen gestellte Aufgabe – auf dem Schlosshof bis zum Ende der Sendung 50 Solättebögen zu basteln und auf den Kronenplatz zu bringen – löste Burgdorf dank des spontanen Engagements von zig spontanen Helferinnen und Helfern und für mich sehr wenig überraschend souverän.

Die Medien würdigten das Spektakel schon im Vorfeld. Die BZ schickte einen Fotografen auf den Kronenplatz…

…Radio neo1 wollte von Stadtpräsident Stefan Berger und mir als Chef des Altstadtleistes wissen, wie Burgdorf von der Sendung profitieren könne und was die Anwohnerinnen und Anwohner dazu sagen.

Mein Schatz gewährte in der BZ Blicke in das Innenleben des Burgdorfer Chors. Der Abend, fasste D Region zusammen, sei „ein voller Erfolg“ gewesen.

Die komplette Sendung kann hier (nochmals) angeschaut werden.

Viel mehr als nur „Häpperebrägu“

Viel mehr als nur „Häpperebrägu“

Zu meiner Zeit in Freiburg – Achtung! Opa erzählt vom Krieg! – war Pascal Vonlanthen gerade damit beschäftigt, ein paar Grundsteine zu legen, auf denen er seine Karriere als Gustav aufbauen wollte. Er gab Radio Freiburg ungefähr täglich ein Interview und war auch sonst an jeder Hundsverlochete.

Auf mich wirkte er damals, vor über zehn Jahren, wie jemand, der unbedingt berühmt werden will, aber nicht genau weiss, wie er das anstellen soll.

Seine Musik? Naja. Für mich war „Mundart“ Polo Hofer, Züri West und Patent Ochsner. Gustav zielte mit seinem Mix aus Folkloreklängen, Popharmonien und Rockriffs haarscharf an meinem Geschmack vorbei. Und dann diese Sprache. Dieses Senslerdeutsch. Ich sage nur: „Häpperebrägu“.

Aber dann, eines prächtigen Sommerabends, erlebte ich den jungen Mann auf der Openair-Bühne der Freiburger Jazz-Parade. Ich staunte: Kaum hatte Gustav das Mikrofon in die Hand genommen, frass ihm das Publikum bereitwillig aus derselben, was immer er ihm vorsetzte. In den vielleicht anderthalb Stunden, die ihm zur Verfügung standen, gab der junge Mann mehr, als andere Musiker während einer Tournee. Wie Hosentaschen kehrte er seine Gefühle von innen nach aussen. Er lachte und litt, er war witzig und nachdenklich, er hüpfte herum und stand bockstill. Er sang in seinem Dialekt, auf Französisch, Hochdeutsch und, wenn ich mich richtig erinnere, in lupenreinem Englisch. Er da oben hatte sichtlich und hörbar genauso den Plausch wie die Menschen da unten. Gustav war in jener Nacht weniger ein Künstler. Er war ein grosser Bub, der sich nach Lust und Laune auf einem riesengrossen Spielplatz austoben darf. Und während die Leute nicht mehr aufhören wollten mit Klatschen, dachte ich: Oha. Der weiss ja ganz genau, wie er das mit dem Berühmtwerden anstellen muss.

Et voilà: Ein paar Jahre später war Gustav der halben Deutschschweiz ein Begriff. Sein 2007 erschienenes Album „Les jardins de mon coeur“ und das drei Jahre später produzierte „666“ verpassten die Top Ten der Schweizer Hitparade nur knapp. Dann stellte sich der Gewinner des Freiburger Kulturpreises ins ganz grosse Schaufenster: Er gewann den „Kampf der Chöre“ am Schweizer Fernsehen. Jetzt kannten und mochten Gustav Hunderttausende.

Für seinen jüngsten und schlicht „Gustav“ getauften Wurf hat der Hansdampf auf allen Instrumenten und in allen Sparten aus 36 Einzelstücken ein riesiges Puzzle gebastelt: Rock, Pop, Latin, Folk, Jazz, Metal, Electro, ein Kinderlied und ein Eurodance-Chor-Cover – der Freiburger lässt nichts aus. Es handelt sich, wie Gustav sagt, um ein Sammelsurium an „Schönheiten, Kuriositäten, Trouvaillen, Liveaufnahmen und Spinnereien“. Die Plattenfirma bescheinigt dem Opus „Intimität und Brachialität“ – und übertreibt damit für einmal kein bisschen. Auch wenn sie schreibt, Gustav nehme den Hörer mit auf eine „herausfordernde Odyssee“ und öffne ihm die Pforte zu einem „kontrastreichen Kosmos voller Musikalität und Poesie“, trifft sie den Nagel damit ziemlich genau auf den Kopf.

Dass es Gustav geschafft hat – obwohl er kaum der Typ ist, der sich je mit Erreichtem zufrieden gibt – lässt sich daran ablesen, dass er nicht mehr nur mit Radiomoderatoren im Röschtigraben arbeiten muss, um Dinge in Gang zu bringen und am Laufen zu halten. Sein Schaffen wird inzwischen von gestandenen Szenegrössen anerkannt. Um den Finish seines Doppel-Silberlings kümmerte sich Geoff Peche aus den „Abbey Road“-Studios in London, der schon Platten von Megakaliber wie Coldplay, den Gorillaz oder Kylie Minogue veredelt hat.

„Hell, it’s a lot of music“, soll Peche entfahren sein, als er Gustavs Material zum ersten Mal hörte.

Ein Treibholz zum Festhalten

Ein Treibholz zum Festhalten

Seit ein paar Tagen überschlagen sich die Ereignisse mit einer Kadenz, die einen schwindlig werden lässt.

Was am Morgen zig Experten auf unzähligen Kanälen analysieren aus dem Kaffeesatz lesen, ist am Mittag überholt und am Abend vergessen. Oder erinnert sich noch jemand an den Vornamen jenes deutschen Ministers, der die Hälfte seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte und dann zurücktreten musste?

Na?

Karl vielleicht? – Richtig.

Weiter?

Theodor? – Genau.

Und wie noch?

Eben: Das weiss wenige Wochen nach einer Affäre, die mindestens die ganze Welt bewegt hatte, kein Mensch mehr.

(Für jene, die jetzt sagen, der Name liege ihnen auf der Zunge: Er lautet Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg*).

Und dann…dann geriet die Welt komplett aus den Fugen. Gewissheiten, die uns bisher gedankenlos durch den Fluss der Zeit treiben liessen, verkamen innert Minuten zur Makulatur.

Als Erstes wurde unser Glaube an das Gute im Wesen der Bahnkontrolleure erschüttert, als zwei BLS-Angestellte zwischen Langenthal und Huttwil


einen Schwarzfahrer zu Boden drückten

und ihm eine Ladung Pfefferpaste ins Gesicht sprayten.

Fast gleichzeitig gab das Schweizer Fernsehen bekannt, dass es


keine „Simpsons“-

Folgen mehr ausstrahlen werde, in denen Zwischenfälle im Atomkraftwerk von Springfield gezeigt werden. Die japanische Bevölkerung wird ob dieser Nachricht erleichtert aufgeatmet haben; mir fehlt seither ein Fixpunkt meiner Feierabendgestaltung.

Wie ein solides Stück Treibholz in einem Meer der Unsicherheiten erschien mir da unser traditioneller BZ-Besuch im Theater Adliswil, wo unser früherer Kollege Max Trossmann (links im Bild) als hyperventilierender Kommissar Heiri Koller am „Tatort Adliswil“ ermittelte. Es ging, wenig überraschend, genau so turbulent und heiter zu und her, wie wir uns das vorgestellt und erhofft hatten. Wir ziehen, einmal mehr, den Hut (aber nicht jenen von Kommissar Koller; bhüetis!) vor der Leistung dieser Amateur-Truppe, die Jahr für Jahr höchst professionelle Leistungen auf der Bühne und in der Küche bietet und bitten die Leute vom Vorverkauf, uns für die Aufführung 2012 schon mal fünf Tickets zur Seite zu legen.

Für die Statistik: Selbstverständlich gelang es uns Emmentalern auch im vierten Anlauf nicht, Adliswil auf Anhieb zu finden, aber: Wir machen Fortschritte. Zum ersten Mal, seit wir die Schauspielkolleginnen und -kollegen im Züribiet besuchen, schafften wir es, so zeitig in der „Kulturschachtle“ zu sein, dass es für ein stressfreies Nachtessen vor der Vorstellung reichte.

Und damit zurück zur Tagesschau.

(* Quelle: Wikipedia)