Coopferteli – das nennt man Glück!

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Ich suchte und suchte und ging in Gedanken den Weg vom Gericht, wo ich mein iPad zum letzten Mal in Betrieb gehabt hatte, bis nach Hause zig Mal in Gedanken durch, aber irgendwie wollte mir einfach nicht einfallen, wo ich das Gerät hätte liegenlassen können.

Dann telefonierte ich mit dem Metzger und jemandem vom Busbetrieb und dem Kioskverkäufer, aber nada: das gute Stück blieb verschwunden.

Ein bisschen später, als ich gerade dabei war, zum Znacht ein Chili con Carne vorzukochen, kam mir in den Sinn, dass ich noch kurz im Coop im Burgdorfer Bahnhofquartier gewesen war, um eine Dose Indianerbohnen zu posten. Beim Bezahlen hatte ich das Gerät möglicherweise auf oder neben das Fliessband gelegt, aber hinter mir standen ein halbes Dutzend Leute, und da würde es ja schon an ein Wunder grenzen, wenn….

Ohne grosse Hoffnung rief ich also auch noch im Coop an – und höre da: “Ja, wir haben Ihr iPad gefunden. Sie können es jederzeit bei uns abholen.”

“Was macht der Hund?”

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Schon vor dem 4. Oktober letzten Jahres war ich nicht der Mittelpunkt des Universums. Aber wenn ich in der Stadt jemanden traf, kam es doch vor, dass er oder sie sich nach meinem Befinden erkundigte.

Seit Chantal und ich einen Hund haben, sind diese tempi passati. Für mich interessiert sich kein Mensch mehr, und zwar unabhängig davon, ob ich mit Tess unterwegs bin oder alleine.

Sind wir zusammen auf der Piste, reden die Leute ausschliesslich mit ihr. Eröffnet werden diese meist recht einseitig verlaufenden Gespräche mit einem ranschmeisserischen “Hei, bist du schon wieder gewachsen!”. Dann gehts weiter mit “Wie alt bist du jetzt?”, “Du hast ein soooo schönes Fell”, “Du wirst bestimmt noch viel grösser!” und endet irgendwann mit einem von Kopfkraulen und Rückenstreicheln begleiteten “Jaaa, jaaa: du bist ganz eine brave!”

Doch auch wenn Tess bei Chantal in Langenthal Bürodienst hat, trampeln Freunde, Bekannte und Wildfremde, die mich erst ein paar Mal mit unserer Meite gesehen haben, auf meinem fast kaputtgeschundenen Ego herum: dann fragen sie mich ununterbrochen, wo denn der Hund sei und wie es ihm so gehe.

Ich habe mir schon überlegt, mir von den Schminkprofis des Theaters Z eine fette Narbe übers Gesicht malen zu lassen, um zu testen, wie die Passantinnen und Passanten darauf reagieren. Ob sie mich überhaupt noch als des Hörens und Redens mächtiges Individuum wahrnehmen – oder ob ich für sie nur eine Art Wurmfortsatz am oberen Ende der Leine darstelle.

Ich ahne aber auch so: sie würden die “Verletzung” kaum beachten, weil sie sich die ganze Zeit mit unserer Labradordame beschäftigen.

Vermutlich könnte ich auf dem Kronenplatz inmitten von zig Leuten tot zu Boden sacken – das letzte, was ich hören würde, wäre: “Was macht der Hund?”

Nun denn: Er..

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..hilft uns beim Anziehen…


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…trifft sich mit Kolleginnen und Kollegen…


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…chaotet chli herum…


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…richtet gelegentlich unsere Wohnung neu ein…


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…guenet kein bisschen…


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…reserviert für uns die besten Plätze am Stubentisch…


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…fährt ab und zu Zug…


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…liest viel…


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…legt sich mit Vorliebe in soeben gemachte Betten…


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…streift mit dem Neffen durch den Zoo…


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..mag Shopping…


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…arbeitet unermüdlich an der Perfektion seines treuherzigen Blicks…


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…und gönnt sich zwischendurch ein Nickerchen.

Mir gehts übrigens tiptopp; danke der Nachfragen.

Von wegen “too old to Rock’n’Roll”…

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Beide stammen aus dem aargauischen Seetal, sind nicht mehr die Allerjüngsten, aber sehr busper, im Sternzeichen Waage, grosse Fans von allem, was mit Musik zu tun hat – und haben schwer den Plausch daran, Gleichgesinnte mit guten, alten Rock- und Bluesklängen zu unterhalten: Peter Urech, der Burgdorfer Gerichtspräsident und Gemeinderat, und ich haben uns zusammengetan, um miteinander die Disco “Rocknrolldies” zu betreiben.

Premiere feierten wir im letzten Herbst im Theater Z an der Hohengasse in Burgdorf. Nach diesem vielversprechenden Auftakt haben wir das Projekt jetzt ein bisschen professionalisiert.

Das heisst: Wir pläuschlen ab sofort nicht mehr nur herum, sondern stellen uns ganz seriös als Plattenaufleger an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Firmenanlässen, Jahrgängertreffen und so weiter, und so fort, zur Verfügung.

Wer uns engagieren möchte, ist herzlich eingeladen, sich telefonisch unter +41 76 537 74 84 oder per Mail an hannes@rocknrolldies.ch zu melden.

Wir freuen uns darauf, auch Sie und Ihre Gäste nächtelang in Stimmung zu bringen.

(Zu unserer Facebook-Site gehts hier entlang.)

Klimawandel nach Noten

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Als es Ende November zum ersten Mal in diesem Jahr schneite, wusste ich: dagegen muss ich etwas unternehmen. Also begann ich, auf meiner Facebook-Seite jeden Tag ein Lied mit “Sommer” oder “Meer” oder etwas Artverwandtem im Titel zu posten.

Bisher kämpfte ich mit folgenden Songs gegen den Winter:

Me Meer” von den Halunke
Looking for the summer” von Chris Rea
Our last summer” von Abba
Summertime” von Miles Davis
Boys of summer” von Don Henley
Summer day” von Sheryl Crow
Summer Romance” von den Rolling Stones
Summer nights” aus dem Musical “Grease”
Summer in the city” von Joe Cocker
Summer soft” von Stevie Wonder
Der Sommer” (aus den “Vier Jahreszeiten”) von Antonio Vivaldi
Someone somewhere in summertime” von den Simple Minds
The green fields of summer” von Peter Wolf
Summer” von Stiller Has
Summer of ’69” von Bryan Adams
L’été Indien” von Joe Dassin
Summer rain” von der Climax Blues Band
Ein Sommernachtstraum” von Felix Mendelsson-Bartholdy
Summer wine” von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood
Summer skin” von Death Cab for Cutie
All summer long” von Kid Rock
Summer nights” von Van Halen
Summer sunshine” von The Corrs
Un’ estate italiana” von Gianna Nannini und Edoardo Bennato
Summer night” vom Keith Jarrett Trio
Summer night city” von Abba
Summer madness” von Kool & The Gang
Summer son” von Texas
In the summertime” von Mungo Jerry
The first day of summer” von Tony Carey
That sunday, that summer” von Nat King Cole
A warm summer night” von Chic
All summer long” von den Beach Boys

Und siehe/höre da: es funktioniert! Seit dem Tag, an dem ich zum klimatischen Gegenschlag ausgeholt hatte, haben wir durchgehend überlebbares Wetter.

Jahresendbudenessen

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In einem der vielen Burgdorfer Upperclass-Restaurants höcklen Hofstetter, Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter – die Gründer, Inhaber, Betreiber und CEO’s eines prosperierenden jungen Kommunikationsbüros – am von Hofstetter schon Ende Juni reservierten Ecktisch hinten rechts, um miteinander bei Mille-Feuilles mit Schwarzwurzeln und Morcheln, Rindsfilet mit Trüffelrisotto und drei Chugeli Vanille-, Schoggi- und Pistacheglacé das ablaufende Jahr zu feiern.

Wer fehlt, ist Hofstetter, der Verwaltungsratspräsident. Es ist wie immer, wenn Verwaltungsratspräsident Hofstetter fehlt, nicht so, dass er nicht eingeladen worden wäre, aber weil Gründerhofstetter dachte, Betreiberhofstetter kümmere sich darum, und CEOhofstetter davon ausging, dass Inhaberhofstetter daran denken würde, VRPHofstetter über das Essen zu informieren, sitzt Gott, wie Hofstetter, Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter ihren allerobersten Chef nennen, wenn er nicht da ist, zuhause vor dem Fernseher und schaut “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”. Vor ihm stehen die erkalteten Überreste einer Findus-Lasagne aus dem Tankstellenshop.

Hofstetter: Ist es nicht schön, so zusammenzusitzen und zurückzublicken?

Hofstetter: Ich weiss nicht. Diese Budenessen…

Hofstetter: …Schischi auf dem Teller und Dibidäbigetue vom Kellner: Mir hätte ein XXL-Cordon bleu mit Pommes Frites und ohne Gemüse bei Vreni gereicht. Abgesehen davon haben die hier total übersalzene Preise. Wenn das unsere Treuhänderin erfährt, häscherets.

Hofstetter: Letztes Mal hat uns Hofstetter himself bekocht. Als ich wieder zuhause war, bestellte ich eine Pizza, um kurz nach Mitternacht doch noch satt zu werden. So betrachtet, ist es diesmal gar nicht so übel; müsst ihr zugeben.

Hofstetter: Ich muss gar nichts, ausser sterben, und jetzt kurz für kleine CEO’s. Ihr entschuldigt…(steht auf und verschwindet durch eine Türe in der holzgetäferten Wand).

Hofstetter: Jedenfalls ist das immer noch besser, als mutterseelenalleine daheim vor dem Fernseher zu versauern und auf etwas Tiefgefrorenem herumzuchätschen.

Hofstetter: Hält Hofstetter eigentlich keine Ansprache?

Hofstetter: Doch, garantiert. Das ist nur noch eine Frage von Minuten.

Hofstetter: Ich stelle mir gerade vor, wie er auf dem WC sitzt und mit heruntergelassener Hose sein Manuskript ein letztes Mal strählt (legt das Besteck nieder und atmet tief durch). Mist: dieses Bild bringe ich frühestens Mitte 2016 wieder aus dem Kopf.

Hofstetter: “Sein Manuskript”?

Hofstetter: Das mit der Jahresendrede. Oder besser gesagt: DER Jahresendrede.

Hofstetter: Das ist nicht sein Manuskript, sondern meines.

Hofstetter: Wieso?

Hofstetter: Weil ich die Rede geschrieben habe.

Hofstetter: Aha.

Hofstetter: Ehrlich jetzt?

Hofstetter: Wenn ichs doch sage. Gestern kam er zu mir und sagte, “Du, Hofstetter: wir machen doch auch Ghostwritings”. Darauf ich: “Ja, natürlich.”, Darauf er: “Dann write mal schön ghost, aber es pressiert! Deadline ist morgen um punkt Siebzehnnullnull.”. Darauf ich: “Für wen und was?” Darauf er: “Das kann ich dir nicht sagen; ist streng geheim. Schreib einfach eine Jahresendansprache für einen Chef mit, sagen wir, drei Compagnons.” Darauf ich: “Und was soll da drinstehen?” Darauf er: “Am besten steigst du mit ein paar Betrachtungen über die schittere Weltlage ein und machst dann eine Überleitung zum Schönen und Guten. Die Ansprache soll Hoffnung machen und gleichzeitig wie eine Brücke zwischen dem Gestern und dem Morgen wirken. Etwas Staatsmännisch-Privates halt, du weisst schon. Wichtig ist: lass ein paar Leerstellen für persönliche Angaben. Die setzt der Kunde später selber noch ein.” Darauf ich: “Wenns weiter nichts ist.” Darauf er: “Also, hü!”

Hofstetter: Ich glaubs einfach nicht.

Hofstetter: Dann kannst dus ja gleich testen. Am Anfang erwähnt er die schlimmsten Katastrophen des Jahres, dann macht er eine Kunstpause, dann erzählt er ein bisschen etwas über seine Frau und den Hund und die Schildkröten, dann sagt er, das sei jetzt vielleicht chli egoistisch, aber das spiele irgendwie ja keine Rolle, ämu nicht für ihn, und dann weiss er nicht mehr weiter, weil ich nicht mehr dazu kam, mir eine fetzige Pointe auszudenken. Nach “henu” ist fertig; jede Wette.

Hofstetter (kommt durch die Wand zurück an den Tisch): Sooli.

Hofstetter: Was, “sooli”?

Hofstetter: Jetzt komme ich zum Höhepunkt des Abends, höhöhö.

Hofstetter: Falls du damit deine Ansprache meinst: wir vergitzeln fast vor Spannung.

Hofstetter: Wo ist eigentlich Gott?

Hofstetter: Keine Ahnung.

Hofstetter: Keine Ahnung.

Hofstetter: Keine Ahnung.

Hofstetter: Schade, eigentlich. Ich hätte es noch gut gefunden, wenn auch er meine Rede…aber gut. Ich kann sie ihm ja mailen (erhebt sich, klopft die beiden A4-Blätter ein paar Mal mit dem schmalen Rand nach unten auf den Tisch, schaut Hofstetter, Hofstetter und Hofstetter kurz tief in die Augen, streckt den Rücken durch und legt los):

“17 Tote bei einem Attentat auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” in Paris, 150 Tote beim vom Copiloten provozierten Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen, über 8000 Tote bei Erdbeben in Nepal, 9 Tote bei einem Amoklauf in einer Kirche in Charlestown (USA), 170 Tote bei einer Gasexplosion im Hafen von Tianjin, fast 2500 Tote bei einer Massenpanik in Mekka, 100 Tote bei Selbstmordanschlägen in Ankara, 224 Tote bei einem Flugzeugabsturz im Sinai und 80 Tote bei Terroranschlägen in Paris.

Dazu: Fifaskandale, VWbschisse, Flüchtlingsdramen – und als ob das alles noch nicht genug des Elends gewesen wäre, gabs kurz vor Schluss auch noch eine Weihnachtslieder-CD von Helene Fischer: 2015 war für viele Menschen kein schönes Jahr.”

(Kunstpause)

“Andrerseits: Ich durfte heuer 50 werden und mich dabei wie 30 fühlen; ich lebe mit der tollsten Frau, dem liebsten Hund und den toughsten Schildkröten der Welt in einem Quartier, das Chantal – die für heute Abend übrigens passen musste; der Hund und alles… – und mir längst zu einem Hort der Geborgenheit geworden ist. Wir sind weit über die Familiengrenzen hinaus umgeben von Leuten aus allen Alters-, Gesellschafts- und Berufsschichten, die es gut mit uns meinen und die den Wert einer Freundschaft nicht daran bemessen, wie oft man sich sieht oder wie häufig man sich abwechslungsweise wie dick zum Essen einlädt. Wir sind busper, zwäg und gesund und haben das seltene Glück, mit Tätigkeiten Geld zu verdienen, die uns Freude bereiten. Mit unserem Budeli gehts langsam, aber stetig aufwärts, und das, meine lieben Kollegen, habe ich in allererster Linie euch zu verdanken. Dafür möchte ich mich bei euch ganz, ganz herzlich bedanken. Danke!

Alles in allem war 2015 also doch ein gutes Jahr; ein sehr gutes sogar, ämu für mich und meinen Schatz, und wenn gewisse Leute jetzt einwenden mögen, dass sei amänd eine chli gar egoistische Sichtweise: henu.”

Hofstetter starrt Hofstetter erwartungsvoll an.

Hofstetter starrt Hofstetter erwartungsvoll an.

Hofstetter: Und? Ich meine: und weiter?

Hofstetter: Nichts weiter. Ich habe fertig, wie Michel Platini immer sagt.

Hofstetter: Komisch. Ich dachte, nach “henu” komme noch was.

Hofstetter: Ich auch.

Hofstetter: Nein, da kommt nichts mehr. Nach “henu” ist fertig.

Hofstetter: Wieso?

Hofstetter: Weil…weil…ich fand einfach, das sei ein guter Schluss. Er macht einen Punkt und lässt doch alles offen. “Henu” ist sozusagen die Brücke zwischen dem Gestern und dem Morgen. Das wollte ich damit sagen. Etwas mit Brücke. Aber wenn ihr das nicht versteht…

Hofstetter: Gibs doch zu: dir ist sonst nichts mehr eingefallen.

Hofstetter: Stimmt. Für jeden Mist nimmst du dir Zeit ohne Ende, aber wenns darum geht, für uns eine kleine Rede zu schreiben, pressierts dermassen, dass nach “henu” nichts mehr kommt. Ich finde das ein wenig…

Hofstetter: …heieiei! Wir sind hier nicht an der UNO-Generalversammlung! Und überhaupt bin ich der Chef. Wenn ich finde, nach “henu” müsse nichts mehr kommen, kommt nach “henu” auch nichts mehr.

Hofstetter: Henu.

Hofstetter: Henu.

Hofstetter: Henu.