Buenas Morgen

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Twee Bier: Dos cerveza

Zwei Bier: Dos cerveza

Two beer: Dos cerveza

Zwöi Bier: Dos cerveza

Kaksi olutta: Dos cerveza

Két sör: Dos cerveza

Два пива: Dos cerveza

Für den reisenden Holländer, Deutschen, Briten, Schweizer, Finnen, Ungarn oder Russen kann es, sollte man meinen, kein unüberwältigbares Problem sein, sich vor dem Abflug darüber schlau zu machen, wie seine Grundnahrungsmittel in jenem Land heissen, in das er gleich fliegt.

Aber oha.

In den Beizen und Bars in Playa del Inglés ordern die Gäste Getränke und Speisen immer öfter in ihrer eigenen Sprache. Und Gnade Dios dem Kellner, der “Ich nehm dann mal die grosse Fleischplatte, aber ohne Gemüse, dafür mit extra Pommes drauf und Majo statt Ketchup” nicht auf Anhieb versteht und das Essen mit Ketchup serviert: er und sein Arbeitgeber werden für den un-ver-zeih-lichen Fauxpas in einschlägigen Internetforen geteert und gefedert, bevor der Tisch abgeräumt ist.

Die hiesigen Lohnbezüger im Tourismussektor sind deshalb dazu übergegangen, ihrer Kundschaft auch sprachlich so weit entgegenzukommen, dass Missverständnisse praktisch ausgeschlossen sind (wobei: “Ein Restrisiko besteht immer” und “Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht”, wie die Experten immer sagen, wenn sie von Medienschaffenden drei Minuten nach einem Flugzeugabsturz, einer Atomkraftwerkexplosion oder einer Fuchsbandwurminfektion nach den Gründen für die Katastrophe befragt werden).

Das führt mitunter zu grotesken Dialogen: Als ich vorhin durchs Hotelrestaurant schlenderte, um mir eine Kanne Kaffee zum Bloggen draussen zu besorgen, kam ich an zwei Kellnerinnen und einem Kellner vorbei. Ich begrüsste sie freundlich mit “Buenos dias!”; sie antworteten ebenso freundlich mit “Guten Tag!” In der Küche bat ich den Chef der Service um eine “grande taza de café”. Als er sie mir aushändigte, bedankte ich mich mit einem “Gracias”, was er mit einem akzentfrei vorgetragenen “Bitteschön!” quittierte.

Mittags in den Restaurants und Abends an den Tresen ist mit irritierender Regelmässigkeit dasselbe zu beobachten. “Möchten Sie noch Wein?”, “Ist alles in Ordnung?”, “Wie lange bleiben Sie hier?”, “Waren Sie schon am Strand?”, “Wir schliessen um halb Zwölf”, “Paella gibts leider nur ab zwei Personen” – aber nicht auf Spanisch, sondern auf Holländisch, Deutsch, Finnisch, Ungarisch, Russisch oder was auch immer gerade gefragt ist.

Auf den schönen Gedanken, dass es unter ihren Millionen von Besucherinnen und Besuchern auch welche geben könnte, die sich nicht nur für das billigste Strandtüechli, die günstigen Souvenirs oder den preiswertesten All Inclusive-Swingerclub interessieren, sondern auch und nicht zuletzt für ihre Sprache, scheinen die Menschen hier gar nicht mehr zu kommen (oder kommen zu dürfen).

Stattdessen gilt: Anpassung um jeden Preis – und wenns um jenen der eigenen Würde ist.

Verkehrte Welt

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Önologen sagens ja schon lange: Weil immer mehr Eisbären in die Städte im Süden auswandern, kippt irgendwann das Klima. Und dann regnets auf Gran Canaria an einem Tag öfter als in der Schweiz in einem ganzen Sommer.

Selfieüberlistung

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Hier sollte stehen: “Hinter jeder Bezahlzeitung steckt ein kluger Kopf.”

Aber weil sich in der Sekunde, in der der Träger des Kopfes auf den Selfieauslöser drückte, die Bardekoration ins Bild drängelte, hat sich das irgendwie von selber erledigt.

Ein Gehen und Kommen

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Um Punkt 4 Uhr schellte bei Nachbars der Wecker, um 4.15 dudelten die ersten Takte von Bachs Toccata aus ihrem Handy, und fünf Minuten später beganns nebenan zu rumpeln und poltern, und wenns einmal nicht rumpelte und polterte, hörte ich die Frau immer wieder rufen, „Nee, so!“ oder „Lass ma!!“ oder „Das macha ma späta!!!“, und als ich schon dachte, potz, die sind aber noch fit für ihre plusminus 80 Jahre, schlug er vor, den einen Koffer schonmal auf den Gang zu stellen, und in dem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Fischen: die Sachsen haben heute ihren Letzten.

Gutmensch, der ich bin, anerbot ich den beiden, ihr Gepäck in die Rezession zu tragen, aber nichts da: mit einem an Deutlichkeit wenig zu wünschen übriglassenden „Lass ma!“ machte sie sämtliche Hoffnungen ihres Herrn Gemahl auf einen entspannten Auszug aus dem Hotel zunichte.

Mit zwei Plasticsäckli (sie) und zwei Hartschalenkoffern in den Händen und einer Handtasche um den Hals (er) machten sich die zwei auf den Weg in die Lobby. Dort angekommen, stellte sie sich noch kurz auf die Waage (momoll: in der Hotellobby steht eine Waage!), während er sich am Tresen um die Auscheckmodalitäten kümmerte.

Draussen wartete laufenden Motores der Car, und als die beiden eingestiegen waren und ein Plätzli gefunden hatten, winkte er mir offensichtlich unfrohen Mutes kurz zu und dann fuhr der Bus los und im Musikzimmer meines Hinterkopfes schnallte Chris Rea sich die Gitarre um und sang “This ist the road to hell.“

Weil ich das Lied unbedingt zu Ende hören wollte und gerade ein Eggeli freier Zeit hatte, blieb ich noch ein Weilchen im Empfangsraum sitzen und beobachtete, wie Dutzende und Aberdutzende von Menschen, mit denen ich – Achtung: es wird jetzt kurz pathetisch, aber wirklich nur kurz – soeben noch unter einem Dach geschlafen und dieselbe Luft geatmet hatte, aus meinem Bewusstsein verschwanden; oder auch nur aus meinem Unterbewusstsein. Ich habe mit ihnen kein Wort gewechselt und würde jetzt, drei Stunden später, niemanden wiedererkennen, wenn die Polizei mir ein Bild von ihm oder ihr vorlegen würde.

Bei einigen fragte ich mich allerdings, was in der Heimat wohl auf sie wartet; oder wer (wenn überhaupt). Bei anderen stellte ich mir vor, wie sie fernab der Unbeschwertheit, die sie auf dieser Insel in den letzten Wochen geniessen durften, leben. Die alleinerziehende Mutter: wie lange hat sie für den Aufenthalt hier gespart? Das Ehepaar mit seinen drei Kindern: ist die Welt, in die sie zurückkehren, auch nur annähernd so heil, wie sie in Playa del Inglés für kurze Zeit war (oder einfach sein musste)? Der alte Mann an den Krücken: konnte er hier finden, wonach er nach dem Tod seiner Frau zu suchen begonnen hatte?

Gegen 10 Uhr war das Hotel schliesslich geräumt, und jetzt sitze ich mutterseelenalleine mit einem Dutzend anderen Gästen, die erst nächste Woche heimkehren, an der Poolbar, lausche zum grob geschätzt 1,428millionsten Mal „Killing me softly“ und schaue den Neuankömmlingen beim Ankommen zu.

Das erste Grüppli sitzt schon erwartungsvoll an einem grossen Tisch unter einem noch grösseren Palmenblätterdach, wo ihm der obligate Begrüssungsapero kredenzt wird. Eine zweite Horde ellböglet beim Eingang um die besten Plätze beim Verteilen der Zimmerschlüssel, und alle paar Minuten landet in Las Palmas wieder ein Flugzeug voller Träume.

Blutti Zähni

Hofijass

300 Sonnentage gibt es laut den Reiseexperten von reisen-experten.de auf Gran Canaria; pro Jahr, wohlverstanden, nicht pro Generation wie im niedersächsischen Bremervörde, wo es färn in zwölf Monaten nur gerade 63 Mal heiter war.

Was aber, wenn der Tourist, der für seinen Aufenthalt in Playa del Inglés von A wie „Aussergewöhnlich tolle Badehose“ bis Z Zig Tiischis nur Sommerzeug eingepackt hat, zwei Tage nach der Landung in Las Palmas konsterniert konstatieren muss, dass nicht alles stimmt, was im Internet steht? Wenns vom Himmel von einer Stunde auf die nächste schüttet statt glüht?

Zum Glück musste ich gestern Nachmittag nicht alleine über ein Schlechtwetterprogramm nachdenken. Schliesslich befinde ich mich – dies auch zK. der Berner Steuerverwaltung – eigentlich gar nicht in den Ferien, sondern auf einer Geschäftsreise.

Nebst mir als CEO von Hofstetter Kommunikation sind auch der Gründer, der Inhaber und der Geschäftsführer meiner Firma vor Ort, und was läge bei dieser Konstellation näher, als mit der Sintflut vor Augen und ein paar Karten in der Hand gemütlich einen Jass zu klopfen?

Eben.

Hofstetter: “Wie stehts?”

Hofstetter (guckt aufs Blöckli): “Wir brauchen noch 162, ihr 51.”

Hofstetter: “Wer gibt?”

Hofstetter: “Immer der, der fragt.”

Hofstetter: “Höhöhö.”

Hofstetter: gibt.

Hofstetter: “…dann bin ich wohl mit Trumpfen dran.”

Hofstetter: nickt zustimmend.

Hofstetter: nickt zustimmend.

Hofstetter: nutzt die Zeit, die Hofstetter erfahrungsgemäss zum Trumpfen benötigt, um sich auf Teneriffa ein Mineralwasser mit Gas zu besorgen.

Hofstetter: “Gschobe.”

Hofstetter: “Tami.”

Hofstetter: “Ruhe! Gehts eigentlich noch?!?”

Hofstetter: “Ist doch wahr.”

Hofstetter: “Gut. Also: Kreuz. Nein: Herz.”

Hofstetter: “Zuerst hast zu Kreuz gesagt. Also ist jetzt auch Kreuz.”

Hofstetter: “Aber…”

Hofstetter: “…nichts Aber. Zuerst hast du Kreuz gesagt. Das ist wie beim Basketball: berührt, geführt.”

Hofstetter: “Berührtgeführt ist beim Schach.”

Hofstetter: “Klugscheisser.”

Hofstetter: “Das hätte ein Witz sein sollen.”

Hofstetter: “Wars aber nicht.”

Hofstetter: “Das habe ich auch gemerkt. Dann halt: Kreuz.”

Hofstetter: gibt das Kreuz Achti.

Hofstetter: zieht die linke Augenbraue hoch.

Hofstetter: gibt das Kreuz Zähni.

Hofstetter: tut das Nell heim.

Hofstetter: “Superstart, wirklich.”

Hofstetter: “Für uns schon. Hätte nicht besser laufen können.”

Hofstetter: “Ich hatte es blutt.”

Hofstetter: “Das passt perfekt zum Strand da unten.”

Hofstetter: “Wieso meinst du?”

Hofstetter: “Weils da auch Blutte hat.”

Hofstetter: “Heute nicht.”

Hofstetter: “Nein, heute nicht. Heute bleiben die Schnäbis im Trockenen.”

Hofstetter: “Sagt man in der Mehrzahl eigentlich ‘Schnäbi’ oder ‘Schnäbis’?

Hofstetter: “Musst du das wirklich wissen?”

Hofstetter: “Ja, geschäftlich. Möglicherweise braucht mal jemand einen Pressetext zum Thema.”

Hofstetter: “Ich sage ‘Schnäbi’, auch wenns ein paar sind.”

Hofstetter: “Ich auch. Nur sage ich nicht ‘Schnäbi’.”

Hofstetter: “Wie dann?”

Hofstetter: “Können wir vielleicht weitermachen? Am 3. Oktober geht unser Flieger.”

Hofstetter: “Ist noch blöd, dass das Kreuz Zähni schon fort ist, gäu? Sonst hättest dus jetzt ausspielen können.”

Hofstetter: “Aff.”

Hofstetter: “Da fällt mir gerade ein: Hat schon jemand die Neue von Clapton gehört?”

Hofstetter: “Wie kommst du jetzt darauf?”

Hofstetter: “Wägem Aff. ‘After Midnight’. Ist zwar von J.J. Cale, aber Clapton spielts auch, und erst noch mit einem Höllen Solo, und drum…”

Hofstetter: “Ich sags ja: Klugscheisser.”

Hofstetter: “Ja.”

Hofstetter: “Was, ja?”

Hofstetter: “Ich habe sie gehört und gekauft. Das heisst: eigentlich wars umgekehrt. Clapton kaufe ich ohne zu hören. Hören tue ich bei ihm erst nach dem Kaufen.”

Hofstetter: “Ich auch.”

Hofstetter: “Gekauft und dann gehört habe ich zum letzten Mal bei Dylan. Das passiert mir nicht nochmal. Nicht bei Dylan und auch sonst bei überhaupt keinem mehr.”

Hofstetter: spielt das Herz As.

Hofstetter: atmet für alle hörbar ein und beängstigend lange nicht mehr aus.

Hofstetter: “Was ist?”

Hofstetter: “Es sind erst vier Trümpfe gegangen, und schon kommst du mit dem Herz As. Weisst du, was das ist? Harakiri!”

Hofstetter: “Über die kam kürzlich ein Film. Schon verrückt, wie die mit ihrem Fliegern…”

Hofstetter: “…das waren nicht die mit den Fliegern. Harakiri ist mit dem Schwert in den Bauch. Die mit den Fliegern waren die Kamikaze.”

Hofstetter: “Klugsch… aber ich sage nichts mehr.”

Hofstetter: gibt das Herz Zähni.

Hofstetter: kassiert das Herz As und das Herz Zähni mit dem Trumpf Sächsi.

Hofstetter: “Was habe ich gesagt?”

Hofstetter: “Ja, ja.”

Hofstetter: “WAS HABE ICH GESAGT?!?”

Hofstetter: “Dass erst vier Trümpfe gegangen sind.”

Hofstetter: “UND WAS NOCH?”

Hofstetter: “Habs vergessen.”

Hofstetter: “Ich hatte es blutt.”

Hofstetter: “Könnt ihr…? Am 3. Oktober…”

Hofstetter: “Hofstetter hat Recht. Es ist wirklich grad chli mühsam, wie das läuft.”

Hofstetter: “‘Grad’ ist gut.”

Hofstetter (mehr zu sich selber): “Ups. Das wären ja vier Bauern gewesen.”

Hofstetter: “Wo ist eigentlich unser Verwaltungsratspräsident?”

Hofstetter: “Hofstetter?”

Hofstetter: “So viele Verwaltungsratspräsidenten haben wir ja nicht.”

Hofstetter: “Keine Ahnung.”

Hofstetter: “Also: In Zürich war er noch da. Im Flughafen, meine ich.”

Hofstetter: “Schon klar. Die Frage ist: Wo ist er jetzt?”

Hofstetter: “Ich weiss nur noch, dass einer von euch sagte, ich soll ihm ein Last Minute-Ticket besorgen, weil er ursprünglich ja gemeint hatte, er könne nicht mit, wegen seinen Schildkröten, und dann konnte er doch, aber da hatten wir schon für uns vier gebucht. Dann lief ich in Richtung Schalter und dann…und dann…ah, ja: dann fiel mir ein, dass ich noch Erdnüssli für unterwegs brauche, und weil ich gerade vor einem Kiosk stand, ging ich hinein, weil: erledigt ist erledigt, und…und…ja: irgendwann sassen wir dann im Flieger, wir vier, also: du und du und du und ich.”

Hofstetter: “Das heisst: Hofstetter hockt noch in Kloten?!”

Hofstetter: “Wohl kaum. Der hat unterdessen sicher gemerkt, dass wir ohne ihn…”

Hofstetter: “…ich glaubs nicht. Ich glaubs einfach nicht! Wir vergessen unseren obersten…! Im Flughafen! Ich! Glaubs! Nicht!!!”

Hofstetter: “Du brauchst jetzt nicht gleich hysterisch zu werden. Wenn jemand einen Grund hätte, hysterisch zu werden, wäre es Hofstetter, aber der sieht das ziemlich sicher ganz entspannt.”

Hofstetter: “Konfuzius sagt: ‘Shit happens’.”

Hofstetter: “Jetzt musst du langsam aufpassen mit deinen Asiaten.”

Hofstetter: spielt das Schaufel As aus.

Hofstetter: sticht mit dem Trumpf Achti.

Hofstetter: kotzt das Schaufel Zähni.

Hofstetter: schmiert das Egge As.

Hofstetter: “Heieiei.”

Hofstetter: “Ich hatte es blutt.”

Hofstetter:

Hofstetter:

Hofstetter: “Das bringt nichts. Ich schlage vor, dass wir das hier noch irgendwie fertig machen und dann…”

Hofstetter: “…ich bin jetzt schon huere müed, falls es jemanden interessiert.”

Hofstetter: gähnt.

Hofstetter: “Wer ist dran?”

Hofstetter: “Hofstetter.”