Geplant war “nur” eine kleine Ausstellung für Freunde und Bekannte – doch dann strömten Dutzende von Interessierten aus näher und ferner zur Vernissage von “Gartenwelten” in den Mittelalterkeller “unseres” Hauses am alten Markt in Burgdorf, um aus der Nähe zu bestaunen, was meine Frau Chantal Desbiolles (Bildmitte) und ihre Freundin Trix Binggeli im letzten Sommer während ihrer Malsessions im Gärtli zu Leinwand gebracht haben.
Bei gluschtigen Häppchen und einem kühlen Glas Prosecco, Wein oder Mineral schlenderten die Gäste durch die jahrhundertealten Räume und unterhielten sich ungezwungen über die liebevoll präsentierten Werke.
Heute Sonntag besteht von 11 bis 19 Uhr zum zweiten und letzten Mal die Chance, in die “Gartenwelten” abzutauchen. Und, wer weiss, sich ein Stück davon für die eigenen Wände zu sichern. Kurzentschlossene Kunstfreundinnen und -freunde sind dabei klar im Vorteil: Unter dem einen und anderen Bild klebt bereits ein roter Punkt.
Falls jemand nicht die Zeit oder Gelegenheit haben sollte, die Ausstellung zu besuchen: auch hier ist eine Auswahl aus dem Schaffen meines Schatzes zu sehen.
Freud’ und Frust liegen näher beieinander, als man denkt, wenn man sich nicht mit der Organisation seiner postalischen Angelegenheiten beschäftigen muss.
Schön ist: Die Post hat mein Gesuch um ein Postfach schon im zweiten Anlauf und nach nur wenigen Beschwerdeschreiben bewilligt (siehe Bild).
Weniger schön ist…aber ich mag das jetzt nicht noch einmal tippen. Ich copypaste deshalb einfach hierhin, was ich den Verantwortlichen des Gelben Riesen soeben mitgeteilt habe:
“Sehr geehrte Damen und Herren
Mitte März habe ich am Schalter in der Burgdorfer Hauptpost für meine Firma Hofstetter Kommunikation an der Hohengasse 4 in 3400 Burgdorf ein Postfach beantragt.
Unter der Referenz-Nummer 48.02.340001.04661144 teilte mir Ihr Martin Kohlbach am 24. März mit, es sei Ihnen nicht möglich, mir ein Postfach zur Verfügung zu stellen, weil die “Sendungsmenge” dafür “zu gering” sei. Die Mindestmenge für ein kostenloses Postfach betrage “durchschnittlich 25 adressierte Briefe pro Woche oder fünf Briefe pro Tag”, teilte mir Herr Kohlbach mit.
Ich hatte der Dame am Schalter bei der Gesuchstellung angegeben, ich rechne für den Anfang – mein Geschäft wird erst am 1. Mai eröffnet – mit rund 15 Briefen täglich. Damit wäre die von Ihnen festgelegte Mindestsendungsmenge nach meinem Dafürhalten erfüllt gewesen.
Ende März beantragte ich online zum zweiten Mal ein Postfach. Diesem Gesuch haben Sie nun stattgegeben (die entsprechende Referenz-Nummer lautet 48.03.303044.047417071).
Leider haben Sie mir damit etwas bewilligt, was ich gar nicht gewünscht hatte. Denn dem Brief, den ich heute von Herrn Kohlbach erhalten habe, entnehme ich, dass das Postfach “auch für Sendungen für andere Mitglieder Ihres Haushaltes” zur Verfügung stehe und dass auch “Briefsendungen, die an Ihre Domiziladresse adressiert sind”, neu ebenfalls in dieses Postfach statt wie bisher in unseren Briefkasten am alten Markt 6 gelegt werden.
Nur: Das wollen weder die “anderen Mitglieder” meines Haushaltes, noch ist es das, was ich brauche, noch entspricht es folglich dem, worum ich nun schon zweimal schriftlich bei Ihnen nachgesucht habe.
Um weiteren Missverständnissen (und, zugegeben: einem langsam wachsenden Ärger meinerseits) vorzubeugen, wiederhole ich mein Anliegen hiermit zum dritten Mal:
Ich hätte gerne ein Postfach für meine Firma Hofstetter Kommunikation an der Hohengasse 4 in 3400 Burgdorf. Diese wird am 1. Mai 2015 eröffnet. Es wäre sehr schön, wenn das Postfach ab spätestens dann zur Verfügung stehen würde. Die von mir geschätzte Eingangsmenge an adressierten Couverts beträgt rund 15 Stück pro Tag.
Falls Sie sich ausserstande sehen sollten, dieses Gesuch im positiven Sinne zu behandeln, bitte ich Sie, sämtliche Postsendungen, die an Hofstetter Kommunikation adressiert sind, in meinem Briefkasten am alten Markt 6 in Burgdorf zu deponieren. Meine Postfach-Anträge könnten Sie dann als nie erteilt worden betrachten.
Ein weiteres Formular werde ich so oder so nicht ausfüllen.”
Das Bild hat keinerlei Bezug zum folgenden Text (ich hatte nur grad chli Heimweh mach Australien).
– “Gimme gimme gimme (a man after midnight)”,
– “For those about to rock (we salute you)”,
– “Falling in love (is hard on the knees)”,
– “Tonight (lift me up)”,
– “If I was your woman (walk on by)”,
– “The world is changing (I got a woman back in Georgia)”,
– “I never loved a man (the way I love you)”,
– “Summer (can’t last too long)”,
– “King Harvest (has surely come)”,
– “Magdalena (weil Maria hatt ich schon)”,
– “On a clear day (you can see forever)”,
– “I want you (she’s so heavy)”,
– “Someday after a while (you’ll be sorry)”,
– “One for my baby (and one for the road)”,
– “You’re not the one (I was lookin’ for)”,
– “Most likely you go your way (and I’ll go mine)”,
– “One of us must know (sooner or later)”,
– “I don’t believe you (she acts like we never have met)”,
– “If you gotta go, go now (or else you got to stay all night)”,
– “Do right to me baby (or let me go)”,
– “It’s allright Ma (I’m only bleeding)”,
– “57 channels (and nothin’ on)”,
– “Someday (we’ll be together)”,
– “Let’s be friends (skin to skin)”,
– “Come on (let’s go tonight)”,
– “It ain’t a party (if you don’t come round)”,
– “If you wanna leave me (can I come too?)”,
– “Go for the throat (use your own imagination)”,
– “The ballad of TV Violence (I’m not the only boy)”,
– “Good girls go to heaven (bad girls go everywhere)”,
– “In a country churchyard (let your love shine on)”,
– “I want it (and I want it now)”,
– “One word (straight from the heart)”,
– “Teen Angst (what the world needs now)”,
– “You spin me round (like a record)”,
– “Rock rock (’til you drop)”,
– “Mirror, mirror (look into my eyes)”,
– “Ich weiss nicht (ob es Liebe ist)”,
– “Sweet Dreams (are made of this)”,
– “Angel (mirror to your soul)”,
– “Nobody loves you (like I do)”,
– “The farmers song (for all)”,
– “Will you be there (in the morning)?”,
– “Some of my lies are true (sooner or later)”,
– “We’re not here for a long time (we’re here for a good time)”,
– “I want to (do everything for you)”
– “(Ain’t nothin’ but a) house party”
und so weiter, und so fort. Es ist kein Ende (in Sicht).
Ich weiss nicht, welcher Musiker seinerzeit als Erster auf die Idee gekommen ist, einen Teil von Songtiteln in Klammern zu setzen. Vermutlich wars John Lennon, wie eigentlich fast immer, weil er dachte, das klinge schampar intellektuell. Es könnten natürlich auch die Rolling Stones gewesen sein in der Annahme, auf diese Weise etwas establishmentshockin’ Rebellisches zu statuieren. Möglicherweise wars aber auch nur ein Rastaman auf Jamaica, der sein Lied eigentlich schon fertig hatte, und dem, als er zur Feier seines Werkes einen meterlangen Joint paffte, doch noch etwas dazu einfiel, und statt alles neu zu schreiben, setzte er seinen Einfall in eine Klammer dahinter und fuhr dann damit fort, gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verstossen (nicht zum ersten Mal an diesem Tag!).
Wenn jetzt 3.40 p.m. wäre, könnte man einen Kulturschaffenden aus dem Bett klingeln und ihn fragen, was es mit diesen Klammern eigentlich auf sich habe. Wir haben jetzt aber 3.40 a.m., und um diese Zeit verbitten sich derlei Aktionen von selber; sogar bei Menschen, die davon leben, die Nacht zum Tag zu machen (wenn auch unterschiedlich gut).
Also: Ab ins Internet. Für den Suchbegriff “Songtitel in Klammern” liefert Google 154’000 Ergebnisse, aber nur ein vielversprechendes Resultat:
Leider funktioniert der Link nicht, was bedeutet: Das wars schon (mit der Recherche).
Ergiebiger ist, wenn wir schon dabei sind, die Suche nach dem längsten Songtitel aller Zeiten: “The Sad But True Story Of Ray Mingus, The Lumberjack Of Bulk Rock City, And His Never Slacking Stribe In Exploiting The So Far Undiscovered Areas Of The Intention To Bodily Intercourse From The Opposite Species Of His Kind, During Intake Of All The Mental Condition That Could Be Derived From Fermentation.” Eingefallen ist er den schwedischen Folk-Poppern Rednex, und klingen tut das Lied wie folgt:
Wir lernen: Auch in der Musik spielt die Länge in performancetechnischer Hinsicht eine periphere Rolle (aber das nur in Klammern).
Hei-ei-ei: das war jetzt eine Osterüberraschung! Fast auf den Tag genau 24 Jahre, nachdem wir miteinander eine Ferienwoche auf Kos verbracht hatten, schickte mir Heinz Häfeli (links im Bild) heute ein Erinnerungsfoto. Wer weiss, wie lange ich darauf hätte warten müssen, wenn die Digitalisierung noch nicht erfunden worden wäre und so Sachen immer noch von der Post spediert würden (die übrigens mein letztes Fachgesuch noch nicht beantwortet hat, weder zustimmend noch abschlägig, aber ich bleibe dran).
Das Bild zeigt Heinz (der es als Teilnehmer an der vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlten Montagabend-Show “Traumpaar” damals gerade zu einer gewissen landesweiten Berühmtheit im oberen Wynental gebracht hatte), Mary und mich an einer Tankstelle/vor einem Restaurant/spielt keine Rolle (Zutreffendes bitte ankreuzen). Geschossen hat es Susi R., auf die ich schon beim Begrüssungsapéro im Hotel alles geworfen hatte, was mir an Augen zur Verfügung stand, aber wie das halt so ist in diesem Alter: What you see is not always what you get, und so geschah es, dass zwischen uns sieben Tage und sechs Nächte lang rein gar nichts geschah, und vielleicht – nein: ganz bestimmt – war das auch besser so, für sie und für mich und für uns beide sowieso.
So peinlich es mir auch sein sollte: Der Begrüssungsapero im Hotel ist mehr oder weniger die letzte konkrete Erinnerung, die ich an jene – abgesehen von der Susisache – ganz und gar unbeschwerten Tage habe. Im Namen des Reiseveranstalters offerierte uns eine Dame an der Bar des Hotels ein Gläsli Ouzo. Die Flasche liess sie gleich stehen, und nachdem uns schon im frühesten Kindesalter eingebläut worden war, dass einmal angebrochene Lebensmittel aufgegessen oder -getrunken werden müssen, weil sonst: gute Nacht, Afrika!, nahmen Heinz und ich die Flasche mit aufs Zimmer, und als ich am nächsten Morgen erwachte, ahnte ich, wie sich Curt Cobain, der Sänger der damals noch unbekannten Grunge-Band Nirwana, vier Jahre später fühlen wird, wenn er sich eine Ladung Schrot in den Kopf schiesst.
Den Rest der Woche verbrachten wir, wenn mich die Erinnerung nicht trübt (was sie aber, wie schon erwähnt, tut) mit Töfflifahren, Fetaessen, Herumbummeln und Verschiedenem, und wenn ich gerade “Verschiedenem” lese, möchte ich die Gelegenheit, auf die Hauptversammlung des von mir präsidierten Theatervereins Szenerie Burgdorf hinzuweisen, nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Also: Die Hauptversammlung der Szenerie Burgdorf findet am 20. April im Restaurant Bernerhof in Burgdorf statt. Sie beginnt um 19.30 Uhr. Die Traktandenliste lautet wie folgt:
1.) Protokoll der letzten HV
2.) Jahresbericht des Präsidenten
3.) Jahresrechnung 2014 und Revisorenbericht
4.) Budget 2015
5.) Wahlen Vorstand/Rechnungsrevision
6.) Informationen zum neuen Stück 2016
7.) Verschiedenes
Für ein zahlreiches Erscheinen und eine wohlwollende Berichterstattung danke ich im Voraus bestens.
Im Fall von Heinz und Mary liefs auf Kos ein bisschen anders als bei Susi und mir. Aus ihrer Ferienbekanntschaft wurde erst chli und dann sehr viel mehr und tja: statt seine Freizeit mit mir in allerlei obskuren Schuppen im Mittelland und in der Zentralschweiz zu verbringen, fuhr Heinz an den Wochenenden immer öfter in die Ostschweiz, zu Mary.
Irgendwann heirateten die beiden und ritten auf einem bis zum Anschlag frisierten Zweitakter – er mit wehenden Locken am Lenker, sie sich überglücklich strahlend von hinten an ihn klammernd – in den Sonnenuntergang. Über der Ägäis funkelten die Sterne wie Diamanten, und im Hintergrund röhrte Joe Cocker dazu “Unchain my heart”.
Das mit dem Reiten und dem Sonnenuntergang und der Ägäis und Joe Cocker ist frei erfunden (wobei: “Unchain my heart” haben wir damals tatsächlich endlos gehört, mit mindestens 120 Dezibel, im Hotelzimmer), aber ich fand halt, zu einer so schönen Geschichte gehöre einfach ein extrem romantischer Schluss.