Notizen aus dem Morgenland (IX)

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“Die Europäer” – und ganz besonders “die Deutschen” (Bild) und “die Schweizer” – verlangen von ihren Besuchern aus islamisch geprägten Gefilden ja immer, sich gefälligst den Gepflogenheiten ihrer Gastgeber anzupassen.

Wenn dieselben Leute im arabischen Raum Ferien machen, verschwenden manche von ihnen jedoch keinen Gedanken an die dort seit Jahrtausenden herrschenden Gebräuche, Sitten und Gesetze.

Oben ohne am Hotelpool? Ist im Oman doch kein Problem.

Und wenn doch, dann nicht meines.

Notizen aus dem Morgenland (VIII)

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Zeitungslektüre im Ausland ist immer auch ein Stück angewandter Relativitätstheorie: Während die Schweiz gerade Kopf steht, weil Christoph Blocher scheints die NZZ übernehmen will, beschäftigt die Times of Oman aktuell ein ganz anderes Thema: Die Regierung denkt über eine Art “Heirats-Stipendium” nach. Einheimische, die weniger als 800 Rial (umgerechnet knapp 2500 Franken) verdienen, sollen vom Staat 4000 Rial als Zustupf an die Hochzeitsfeier erhalten.

Bemerkenswert: Korrekturen vermeldet die Times of Oman auf der Frontseite – auch wenn es “nur” wegen eines falschen Bildes ist.

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Notizen aus dem Morgenland (VII)

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Safran, Schmuck und Seidentücher plus grob geschätzt 18,514 Millionen weitere mehr oder weniger nützliche Dinge bieten unzählige Händler im jahrhundertealten Souk von Matrah, dem Handelszentrum im Hafen von Maskat, feil. Durch die verwinkelten Gässchen wabert ein sinnbetörendes (und irgendwann auch -betäubendes) Duftgemisch aus Weihrauch, Parfüm und Sandelholz. Auf Schritt und Tritt begrüssen einen beim Bummel unter dem mit Palmenblättern verkleideten Holzdach freundliche Menschen, die einem ihre echten Antiquitäten und gefälschten Uhren zeigen wollen.

Ganz besonders erfreulich ist: Anders als in manch anderem Souk wird hier niemand mit vorgehaltenem Krummdolch zum Posten genötigt.

Mein Schatz und ich verliessen den Markt mit leeren Händen, obwohl wir ihn ziemlich “chäufig” betreten hatten: Wir fanden zwar problemlos, wonach wir suchten, aber entweder wars zu teuer oder – auch das gibts – zu “billig”.

Notizen aus dem Morgenland (VI)

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Jesus ist für die Muslime zwar ein wichtiger Prophet. Einen Grund dafür, dessen Geburt zu feiern, sehen die Anhänger des Islam aber nicht.

Wenn Weihnachten im Oman in diesen Tagen trotzdem ein Thema ist, dann vor allem wegen all jener Touristen, die die Feiertage lieber bei 30 Grad im Schatten als bei Minustemperaturen im Schneepflotsch verbringen.

Auch die Direktion unseres Hotels legt sich tüchtig ins Zeug, um ihren Gästen ein wenig Adventsstimmung zu bieten. In der Lobby steht seit ein paar Tagen ein riesiger Christbaum. Von der Decke hängen meterlange Elektro-Lamettabänder. Nach Weihrauch duftet es in diesem Land unabhängig von der Jahreszeit sowieso fast überall.

Selbst Bäume in der Hotelanlage sind festtäglich dekoriert: Sobald sich die Dämmerung über die Ostküste legt, beginnen die Lichterschlangen an den Palmenstämmen beim Pool zu leuchten.

Notizen aus dem Morgenland (V)

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Zu den vielen Geheimnissen des Orients gehören die Taxitarife in Maskat. Sie werden von den Fahrern nach Gutdünken festgelegt; wer sich nicht vor dem Start nach dem Preis erkundigt, kann teure Überraschungen erleben.

Für den viertelstündigen Transfer vom Flughafen zum Hotel berappten wir 10 Rial oder umgerechnet 28 Franken. Am nächsten Tag legten wir für eine relativ kurze Fahrt in den alten Stadtteil stolze 7 Rial hin (was insofern einleuchtet, als der junge Mann am Steuer, wie er uns wortreich darlegte, auf eine Frau samt Haus hinarbeitet). Der ungleich längere Trip zurück zu unserer Unterkunft kostete mit 4 Rial dann knapp die Hälfte. Zwischendurch liessen wir uns von einem alten Mann von A nach B bringen. Auf die Frage, was er dafür haben wolle, sagte er, wir könnten ihm geben, was immer wir als angemessen erachten würden.

Omanische Taxichauffeure sind ausgesprochen freundlich und so gesprächig wie eine durchschnittlich gut aufgelegte Schweizer Coiffeuse. Statt einfach an einem Standplatz darauf zu warten, dass jemand an ihre Autoscheibe klopft, werben sie aktiv für ihre Dienste, indem sie potenzielle Kundinnen und Kunden von hinten anhupen.

Alternativen zu den Taxis gibt es kaum. Zum Velofahren ist es tagsüber zu heiss. Abgesehen davon sind die Verkehrsregeln für viele Automobilisten nicht mehr als unverbindliche Empfehlungen. Und auf die Idee, die Eisenbahn zu erfinden, ist in dem Sultanat noch niemand gekommen.

Was die Busse betrifft: Ein 24 Stunden-Ticket für den Hop on/Hop of-Bus kostet über 50 Rial (zum Vergleich: in London kostet ein 48 Stunden lang gültiges Billet für dasselbe Verkehrsmittel 36 Franken). Das mieche für meinen Schatz und mich zusammen 280 Franken, und das jeden Tag. Für soviel Geld können wir ziemlich oft und weit taxifahren.

Oder, je nachdem, auch nicht.